rechts|mini|Gertrudenkapelle aus dem Stich Hambvrgvm von Georg Braun und Franz Hogenberg ca. 1590
Der Gertrudenkirchhof ist ein Platz in Nordosten der Hamburger Innenstadt (Stadtteil Hamburg-Altstadt), zwischen Spitalerstraße und Rosenstraße. Er geht vermutlich auf einen um 1350 angelegten Pestfriedhof zurück; später befand sich hier bis zum Hamburger Brand von 1842 die namensgebende Gertrudenkapelle.
Gertrudenkapelle mini|Gertrudenkapelle, Lithografie der Gebrüder Suhr (1830) mini|hochkant|Gertruden-Skulptur am Haus Gertrudenkirchhof 6 1391 wurde eine Stiftungsurkunde von zwei Bruderschaften ausgestellt, der Bruderschaft zu Sankt Gertruden, die sich den Armenbegräbnissen auf dem Pestfriedhof von 1350 widmete, und der Allerheiligen-Bruderschaft der Maurer und anderer Bauhandwerker. Der wahrscheinlich 1399 fertiggestellte Bau der Kapelle war ein achteckiger Zentralbau mit eingesetzten Kapellen mit jeweils eigenem Giebel. Im 15. Jahrhundert wurde im Osten ein Chor angefügt und das ursprüngliche Faltdach durch eine neue Konstruktion ersetzt.
Zur Ausstattung gehörte ein Hauptaltar der heiligen Gertrud und ein Allerheiligen-Altar der Maurerbruderschaft, drei weitere Altäre waren Mariä Verkündigung, der heiligen Ursula und der heiligen Alegunde geweiht.
Nach der Reformation wurde die Kapelle zunächst nicht mehr genutzt. 1605–1607 erhielt sie eine neue Orgel von Hans Scherer dem Älteren.Dirk Brietzke: Hamburgische Biografie. Personenlexikon, Band 2, Wallstein Verlag, 2003, Artikel Scherer, Hans d. Ä, S. 370 Die Beschreibung des Einweihungsgottesdienstes 1607 in einem Predigtdruck von Lucas von Cölln enthält wertvolle Hinweise auf die Kirchenmusikpraxis in Hamburg zu dieser Zeit.Dedication service for St. Gertrude's Chapel, Hamburg, 1607. Hrsg. Frederick K. Gable (= Recent researches in the music of the Baroque era, ; vol. 91). Madison, Wis.: A-R Editions, ©1998. Danach wurden wieder regelmäßige Gottesdienste in St. Gertrud von Diakonen der Hauptkirche St. Jakobi gehalten.
In der Nacht des großen Hamburger Brandes vom 7. auf den 8. Mai 1842 wurde die Kirche stark beschädigt. Obwohl ein Gutachten von Alexis de Chateauneuf den Wiederaufbau empfahl, wurden die Reste der Kapelle 1847 abgetragen.« St. Gertrud Kapelle » in der privaten Webpräsenz Mein altes Hamburg. Der Name sowie einige liturgische Gegenstände aus der alten Kapelle ging später auf die 1885 geweihte Gertrudenkirche auf der Uhlenhorst über. Von der Ausstattung der Kapelle sind nur zwei Holzfiguren erhalten, eine Anna selbdritt und eine Heilige, die vielleicht die heilige Gertrud darstellt. Beide Figuren werden heute im Museum für Hamburgische Geschichte aufbewahrt.
Zur Gertrudenkapelle gehörte auch ein 1454 gegründeter „Gotteshof“ in der nahegelegenen Straße Kurze Mühren mit Freiwohnungen für bedürftige alte Frauen. Gebäude und Grundstück wurden 1883 an die Stadt verkauft und aus den Einnahmen ein neues, größeres St. Gertrud-Stift an der Bürgerweide in Borgfelde errichtet. Die nach Kriegsbeschädigung bis 1948 wiederaufgebauten und Anfang der 1980er Jahre modernisierten Gebäude bieten heute 33 Wohnungen und vier Ladengeschäfte im Souterrain.Angela Schwarz, Frank Hatje, Tobias Behrens, Michael Zapf: Die Hamburger Wohnstifte. Gemeinnütziges Wohnen im Wandel der Zeit, Ellert & Richter, Hamburg 2024, ISBN 978-3-8319-0871-4, S. 188–191.
Der Gertrudenkirchhof heute alternativtext=|mini|Gertrudenkirchhof 2018 An der Westseite des Platzes befindet sich eines der ältesten Umspannwerke der Stadt, das für die Stromversorgung der Innenstadt von zentraler Bedeutung ist und bis 2023 komplett saniert wurde. Im angrenzenden ehemaligen HEW-Verwaltungstrakt war von 1971 bis 1986 auch die Zentralbibliothek der Hamburger Bücherhallen untergebracht.Matthias Gretzschel, Anne Buhrfeind: Hamburgs Bücherhallen. Eine Jahrhundertgeschichte, Hamburg 1999, ISBN 3-00-004503-1, S. 121 ff.
Bei der Umgestaltung des unübersichtlichen Parks in einen überschaubaren Platz im Jahr 2006 verschwanden auch die Eingänge zu einem Tiefbunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Sein frühes Baujahr (1939/40, ungeklärt) und seine außergewöhnliche Ausstattung (Wasserklosetts, Heizkörper) lassen vermuten, dass es sich um einen Befehlsbunker handelte. Der Park hat einer Spielfläche Platz gemacht, auf der seit 2008 jährlich Der große Preis von Hamburg, ein Pétanque-Leistungsturnier, ausgerichtet wird.
Literatur Wilhelm Jensen: Die hamburgische Kirche und ihre Geistlichen seit der Reformation Band 1, hrsg. im Auftr. des Landeskirchenrats von Wilhelm Jensen. Hamburg: Augustin, 1958. Volker Plagemann: Versunkene Kunstgeschichte: die Kirchen und Künstler des Mittelalters in Hamburg. Hamburg: Dölling und Galitz, 1999.
Weblinks
Anmerkungen
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