Jean-Baptiste Accolay (* 17. April 1833 in Brüssel; † 19. August 1900 in BrüggeSterberegistereintrag Nr. 1032 vom 20. August 1900, West Flanders, Belgium, Civil Registration, 1797-1900, online bei ancestry.com, abgerufen am 22. März 2023In den meisten Normdatensätzen wie dem der Library of Congress () oder der Gemeinsamen Normdatei () sind fälschlich die Lebensdaten 1845–1910 angegeben (Stand 2023).) war ein belgischer Komponist, Violinist, Violin-Lehrer, Musikpädagoge und Dirigent der Romantik.
Leben Jean-Baptiste Accolay studierte Violine am Brüsseler Musikkonservatorium. Seine Lehrer waren Lambert Joseph Meerts (1800–1863) und Nicolas Lambert Wéry (1789–1867). Er wurde Solohornist beim 2. Kürassierregiment in Brügge, erster Violinist im Orchester des Theaters in Namur und Lehrer in Tienen. Danach ging er dauerhaft nach Brügge. 1860 wurde er Musiklehrer am Konservatorium. 1861 bis 1864 war er Assistenzlehrer für Violine, 1864 Lehrer für Violine und Viola, 1865 Lehrer für Streichquartett und ab 1874 für Harmonielehre. Diese Funktionen hatte er bis zu seinem Tod inne. Hendrik van den Abeele war unter seinen Schülern. Mehr als 20 Jahre war er erster Violinist im Orchester des Stadttheaters und im Orchester la Réunion musicale.
Eines seiner Werke, das Drama Les Templiers [Die Templer], wurde in Brügge aufgeführt. Zusammen mit dem Pianisten Ernest de Brauwere und dem Cellisten Jean Baptiste Rappè gründete er 1865 die Séances de musique classique in Brügge. 1896 war er Mitbegründer und Konzertmeister der Konzertgesellschaft des Konservatoriums und für einige Jahre Leiter des Fanfarenzugs der Brugse Jagers-Verkenners.
Accolay heiratete Barbara Françoise Sophie Hugo († 1907). Sie hatten mehrere gemeinsame Kinder, darunter die Musikerin Olivia Accolay.
Werke (Auswahl)
Violinkonzerte Concertino Nr. 1 a-Moll für Violine und Orchester in einem Satz. Allegro moderato, 1868. Bärenreiter BA 8976. Schott SF1931 Concertino Nr. 2 d-Moll für Violine und Orchester in einem Satz. Moderato. Schott SF 4320 Concertino Nr. 3 e-Moll für Violine und Orchester in einem Satz. Allegro moderato. Schott SF 4462
Weitere Werke Au Bord du Russeau, Idylle für Violine mit Klavierbegleitung, Schott Frères, Brüssel Barcarolle für Violine und Klavier, Schott Frères, Brüssel Berceuse für Violine mit Klavierbegleitung, Schott, Paris 1868 Canzonetta für Violine und Klavier, 1885 L 'Abandon, Elégie für Violine mit Klavierbegleitung, Schott Frères, Brüssel La Taglioni Scène de Ballet für Violine oder Flöte mit Klavierbegleitung, Schott Frères, Brüssel Légende écossaise für Violine mit Klavierbegleitung, Schott Frères, Brüssel Mélodie romantique für Violine oder Violoncello mit Klavierbegleitung, Schott Frères, Brüssel Fassung für Violoncello und Klavier, Schott Frères, Brüssel, 1885 Nocturne B dur für Violine mit Klavierbegleitung, B. Schott’s Söhne, Mainz 1866 Polonaise für Violine mit Klavierbegleitung, Schott Frères, Brüssel Reflet du Passé, Romance für Violine mit Klavierbegleitung, B. Schott’s Söhne, Mainz Fassung für Violine oder Violoncello mit Klavierbegleitung, B. Schott’s Söhne, Mainz, 1891. Rêverie Champêtre für Violine mit Klavierbegleitung, Schott Frères, Brüssel 1879 Rêverie mélancolique für Violine mit Klavierbegleitung, Schott Frères, Brüssel Ruines et Souvenirs Ballade für Violine mit Klavierbegleitung, Schott Frères, Brüssel
Sein bekanntestes Werk ist das Violinkonzert Nr. 1 in a-Moll aus dem Jahr 1868, das nur aus einem Satz besteht. Es gilt als ein Schüler-Werk, das auch heute noch im Violin-Unterricht Verwendung findet. Yehudi Menuhin spielte es bei seinem ersten öffentlichen Auftritt 1922, Itzhak Perlman nahm es 1999 auf dem Album Concertos from my Childhood auf. Faszinierend daran ist vor allem die große expressive Ausdruckskraft trotz der Verwendung einfacher technischer Mittel.
Des Weiteren schrieb er Charakterstücke für Violine und Klavier.
Einspielungen Accolay: Violinkonzert Nr. 1. In: Concertos from my Childhood. Itzhak Perlman, Violine. Juilliard Orchestra. Ltg.: Lawrence Foster. EMI (später: Warner) 1999.
Literatur Charles van den Borren: Accolay (Jean-Baptiste). In: Biographie Nationale publiée par l'Académie Royale des Sciences, des Lettres et des Beaux-Arts de Belgique. Tome trentième, Supplément tome II. Bryant, Brüssel 1958, Sp. 7–8; academieroyale.be. Accolay (J.-B.). In: Édouard Georges Jacques Gregoir (Hrsg.): Documents historiques relatives à l'art musical et aux artistes-musiciens. Band. 3, Brüssel 1875, S. 91; digitale-sammlungen.de. Accolay (Jean-Baptiste). In: Édouard Georges Jacques Gregoir: Les artistes-musiciens belges au XVIIIme et au XIXme siècle. Brüssel 1885, S. 16; . Jaak Maertens: Accolay, Jean-Baptiste. In: Antoon Defoort (Hrsg.): Lexicon van de muziek in West-Vlaanderen. Band 5. Vereniging van West-Vlaamse Schrijvers, Brügge 2004, ISBN 90-72390-27-X, S. 43. André Malfeyt: Het Muziek-Conservatorium te Brugge. Geschiedenis en herrinneringen (1847–1897). Van Poelvoorde, Brügge 1922, , S. 71–72. Accolay, Jean-Baptiste. In: Flavie Roquet: Lexicon Vlaamse componisten geboren na 1800. Roularta, Roeselare 2007, ISBN 978-90-8679-090-6, S. 9–10.
Weblinks
Biographie von Jean-Baptiste Accolay (auf Niederländisch) im Studiecentrum Vlaamse Muziek
Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Komponist (Romantik) Kategorie:Komponist (Belgien) Kategorie:Klassischer Geiger Kategorie:Belgier Kategorie:Geboren 1833 Kategorie:Gestorben 1900 Kategorie:Mann