Lißberg ist ein Stadtteil von Ortenberg im hessischen Wetteraukreis.
Geographische Lage Das Städtchen Lißberg liegt am Ostrand der Wetterau in den westlichen Ausläufern des Vogelsbergs und nördlich des Büdinger Waldes. Die Nidder und der Hillersbach als ihr rechter nördlicher Zufluss umschließen die Altstadt und die Burg, kurz bevor sich die beiden Gewässer vereinigen. Die Gemarkungsfläche beträgt 703 Hektar, davon sind 384 Hektar bewaldet (Stand: 1961).
Ortsgeschichte Mittelalter Die Burg Lißberg muss um 1200 erbaut worden sein, vermutlich auf einer älteren keltischen Ringwallanlage. Am 22. November 1222 wird ein „Wernherus de Liebesberc“ erwähnt.Heinrich Reimer, Urkundenbuch zur Geschichte der Herren von Hanau und der ehemaligen Provinz Hanau. Teil 1. Leipzig 1891, S. 118, Nr. 148 Dies ist zugleich das Datum der Ersterwähnung von Lißberg. Der Ortsname änderte sich im Laufe der historischen Entwicklung: LiebespercStAM, Urk. 26, 1284. (1270), Lybesborg, LibesbergStAM Urk, 53, 21. (1280) bis zum heutigen Lißberg.
Anfang des 13. Jahrhunderts tauchten die ersten Glieder des Lißberger Geschlechts auf. Die edelfreien Herren von Lißberg gehörten ursprünglich wohl zum hohen Adel, verloren allerdings schon früh diese Eigenschaft, vermutlich durch unebenbürtige Heiraten, was schon daraus zu schließen ist, dass 1323 Rupert von Buches, also ein dem Ritterstand Angehöriger, als consanguineus Werners von Lisberg bezeichnet wird (Orig. St. A. Darmst.). Vermutet wird eine Abstammung von den Herren von Büdingen.Angela Metzner: Reichslandpolitik, Adel und Burgen – Untersuchungen zur Wetterau in der Stauferzeit. In: Büdinger Geschichtsblätter 21, 2008/2009, S. 117f.; Klaus-Peter Decker: Herrschaften in der Wetterau. In: Ritter, Grafen und Fürsten – weltliche Herrschaften im hessischen Raum ca. 900–1806. Marburg 2014, S. 305 Ein Berthold von Liebesperc bezeugte 1270 den Verkauf von Gütern des Grafen Gottfreid V. von Gütern in Waldkappel an die Johanniter-Kommende Nidda.StAM, Urk 53,21. Der Abt Heinrich von Haina und der Treysaer Pastor Werner von Libesberg verglichen sich 1280 wegen eines Streites um ein Haus in Treysa.StAM, Urk. 26, 1284. Regest bei Eckhart G. Franz: Regesten und Urkunden. Kloster Haina. Bd. 1. Marburg 1962. S. 342, Nr. 698.
Die Lißberger lebten hauptsächlich von ihren Zolleinnahmen. Sie fielen schon bald unter die Lehnshoheit der Grafen von Ziegenhain. Das Lißberger Geschlecht starb mit Friedrich 1396 im Mannesstamm aus. Vom 18. Oktober 1385 stammt ein Sühnebrief des Friedrich von Lißberg wegen eines ihm zugefügten Brandes zu Wolkershain durch Landgraf Hermann II.StAD, A 3, 226/13.
Ab 1455 waren die Landgrafen von Hessen alleinige Eigentümer der Burg.
Neuzeit 1604 erlangte Lißberg Stadtrechte, die es jedoch im Laufe der Zeit wieder verlor. Im Jahre 1796 wurde die Stadt fast vollständig durch die Franzosen eingeäschert. Die Burg wurde im 19. Jahrhundert auf Abbruch verkauft.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Lißberg:
Als 1874 der Kreis Nidda aufgelöst wurde, wurde Lißberg zusammen mit dem größten Teil des Altkreises in den Landkreis Büdingen eingegliedert. Das Recht zur Führung der Bezeichnung Stadt lebte wieder auf.
Hessische Gebietsreform (1970–1977) Im Zuge der Gebietsreform in Hessen genehmigte die Landesregierung mit Wirkung zum 1. Juli 1971 den freiwilligen Zusammenschluss der Städte Lißberg und Ortenberg sowie der Gemeinden Bergheim, Bleichenbach, Eckartsborn, Usenborn und Wippenbach im Landkreis Büdingen zu der erweiterten Stadt Ortenberg. Seit dem Abschluss der Gebietsreform im August 1972 liegt Lißberg im Wetteraukreis. Für Lißberg wurde, wie für die übrigen Stadtteile von Ortenberg, ein Ortsbezirk gebildet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und derenn Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Lißberg angehört(e):
vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Lißberg ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Ulrichstein (Söhne der Margarethe von der Saale) ab 1584: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Lißberg 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Lißberg 1787: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Lißberg ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Oberhessen, Amt (und ab 1803 Gericht) Lißberg ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Lißberg ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk NiddaTrennung zwischen Justiz (Landgericht Ortenberg) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Nidda ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1867: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1874: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Büdingen ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Büdingen ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Kreis Büdingen ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Büdingen ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Büdingen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Büdingen ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Büdingen, Stadt Ortenberg ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Wetteraukreis, Stadt Ortenberg
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Lißberg 903 Einwohner. Darunter waren 24 (2,7 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 138 Einwohner unter 18 Jahren, 345 zwischen 18 und 49, 243 zwischen 50 und 64 und 177 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 393 Haushalten. Davon waren 126 Singlehaushalte, 117 Paare ohne Kinder und 111 Paare mit Kindern, sowie 30 Alleinerziehende und 9 Wohngemeinschaften. In 78 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 261 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung • 1791: 378 Einwohner • 1800: 532 Einwohner • 1806: 414 Einwohner, 66 Häuser • 1829: 522 Einwohner, 83 Häuser • 1867: 388 Einwohner, 62 bewohnte Gebäude • 1875: 325 Einwohner, 60 bewohnte Gebäude
Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 421 evangelische, ein katholischer Einwohner • 1961: 638 evangelische (= 84,28 %), 74 katholische (= 9,78 %) Einwohner
Politik Ortsbeirat Für Lißberg besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Lißberg) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus sieben Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 53,58 %. Alle Kandidaten gehörten der Liste „Bürger für Effolderbach“ an. Der Ortsbeirat wählte Hans-Rudolf Kramny zum Ortsvorsteher.
Wappen Am 13. April 1964 wurde der Stadt Lißberg im damaligen Landkreis Büdingen ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: Auf schwarzem Grund ein silbernes durchgehendes Schrägkreuz mit einem sechsstrahligen, silbernen Stern im oberen Winkel und einem wachsenden, linksgewendeten, blaubezungten und -bewehrten roten Löwen im goldenen Herzschild.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke Die Burg Lißberg wurde im 12. Jahrhundert von den edelfreien Herren von Lißberg erbaut, jedoch erst 1222 erstmals erwähnt. Sie diente seit 1801 als Steinbruch. Von der Burg ist außer dem gut erhaltenen, runden Bergfried nur noch eine Ruine geblieben. Das Nidderkraftwerk mit seinen zwei Oberbecken stammt aus dem Jahr 1923 und gilt als kulturgeschichtliches Denkmal. Es war ursprünglich als Pumpspeicherkraftwerk konzipiert und wird seit 1978 als Speicherkraftwerk betrieben. Zur Gemeinde Lißberg gehört auch die 1722 erbaute Neumühle, deren Erhaltung im öffentlichen Interesse liegt. Die Schafskirche oberhalb Lißbergs an der Bonifatius-Route. Die Evangelische Kirche Lißberg
Museen Im Musikinstrumentenmuseum in der alten Schule zwischen Kirche und Burg wird die Entwicklung der Musikinstrumente von Michael Praetorius bis zur Gegenwart dargestellt. Das Museum beherbergt die weltgrößte Dudelsack- und Drehleier-Sammlung mit zusammen etwa 120 Exponaten. Außerdem werden Musikminiaturen und ethnologische Blasinstrumente gezeigt. Die Sammlung wurde im Wesentlichen von Kurt Reichmann, einem Grafiker, Musiker und Instrumentenbauer aus Frankfurt am Main, zusammengetragen.FAZ vom 13. Oktober 2010, S. 49 Berühmte Einwohner Georg Vogel (Diplomat) Christian Vogel (Heimatforscher) Musikfestival Seit 1973 findet alljährlich in Lißberg rund um die Burgruine ein Drehleier- und Dudelsackfestival statt. Die musikalischen Schwerpunkte liegen auf Bordun- und Alter Musik.
Naturdenkmäler Lißberg hat ein Felsenmeer im Markwald sowie eine Drillingslärche im angrenzenden Wald nach Ober-Lais.
Städtepartnerschaften Es besteht eine Städtepartnerschaft mit der oberfränkischen Gemeinde Lisberg.
Freizeit und Sport miniatur|Das Tretbecken
Der Vogelsberger Vulkanradweg führt durch Lißberg. Heute ist der Vulkanradweg Teil des BahnRadweg Hessen, der auf ehemaligen Bahntrassen ca. 250 km durch den Vogelsberg und die Rhön führt.
Direkt am Vulkanradweg wurde eine kleine Kneippanlage geschaffen. Es umfasst ein Tretbecken und ein Armbecken. Gespeist wird die Anlage aus der gegenüberliegenden Quelle, die eine relativ konstante Temperatur aufweist: Am Quellensprung 14 – am Tretbecken 16 Grad Celsius.
Der SV Lißberg bietet neben Fußball mit eigenem Sportplatz noch Gymnastik, Tischtennis, Aerobic an. Auch eine Karnevalsabteilung ist ihm angegliedert.
Verkehr Lißberg liegt an der B 275. Früher führte die Oberwaldbahn durch den Ort. Heute wird die Trasse vom Vulkanradweg genutzt.
Literatur
Weblinks
Stadtteil Lißberg. In: Webauftritt der Stadt Ortenberg.
Illustration von Daniel Meisner von 1625: Lißberg ; Es seynd nicht alle Jäger, die Hörnlin führen ()
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise Die Zugehörigkeit des Amtes Lißberg anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und
Kategorie:Ort im Wetteraukreis Kategorie:Geographie (Ortenberg, Hessen) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Wetteraukreis) Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1604 Kategorie:Gemeindeauflösung 1971