Der Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden ist der nach Passagierzahlen zweitgrößte Verkehrsflughafen in Baden-Württemberg.ADV-Monatsstatistik Dezember 2022 adv.aero, abgerufen am 12. Juni 2023 Er liegt südwestlich von Rastatt und westlich von Baden-Baden, nahe der französischen Grenze auf dem Areal des Gewerbegebiets Baden-Airpark. Das Gelände war von 1953 bis 1993 ein kanadischer Militärflugplatz mit der Militärbezeichnung CFB Baden-Soellingen, benannt nach dem nahe gelegenen Ort Rheinmünster-Söllingen. Der Flughafen ist eine Basis für die irische Billigfluggesellschaft Ryanair ryanair.com. und die polnische Enter Air.Enter Air stationiert Flugzeug in Karlsruhe/Baden-Baden., airliners.de
Geschichte RCAF Station Baden-Söllingen / Canadian Forces Base Baden-Söllingen Der Flugplatz wurde im Rahmen der europäischen Verteidigungsplanung der NATO während des Kalten Krieges zunächst ab 1951 als Militärflugplatz für die französischen Luftstreitkräfte errichtet.
Noch vor der endgültigen Fertigstellung wurde beschlossen, den Platz an die Royal Canadian Air Force (RCAF) zu übergeben, da sich der Bau des für die Kanadier ursprünglich vorgesehenen Stützpunktes in Pferdsfeld verzögerte. Die Royal Canadian Air Force Station Baden-Söllingen (kurz RCAF Station Baden-Söllingen) unterstand der 1. Air Division (RCAF) in Metz und wurde Anfang September 1953 Heimatbasis des 4. (Jagd-)Geschwaders, 4. (Fighter) Wing, dem drei fliegende Staffeln, die 414., 422. und die 444. Squadron, unterstellt waren. Das Geschwader war zunächst mit 62 Tagjägern vom Typ Sabre Mk.4 (ab 1954 Mk.5 und Mk.6) ausgerüstet.
Die 414. Staffel wurde im Juli 1957 aufgelöst und im folgenden Monat durch die mit allwettertauglichen Abfangjägern CF-100 Canuck Mk.4B ausgerüstete 419. Squadron ersetzt.
Die 419. Staffel wurde Ende 1962 deaktiviert und die beiden übrigen Staffeln wurden zwischen März und Juli 1963 auf die CF-104 Starfighter umgerüstet, einen Aufklärer und nuklearwaffenfähigen Überschall-Jagdbomber. Im Februar 1964 kam die zuvor in Grostenquin stationierte 421. Squadron als dritte Staffel nach Söllingen. Die 444. Staffel ihrerseits wurde Ende März 1967 aufgelöst und dem 4. Wing unterstanden nur noch / nunmehr zwei Staffeln.
Nach Umgliederungen bei den kanadischen Streitkräften wurde der Stützpunkt 1968 in Canadian Forces Base Europe, Det. Baden-Söllingen (kurz CFB Europe, Det. Baden-Söllingen, ab November 1979 CFB Baden-Söllingen) umbenannt und ab 1970 zusätzlich zu den Luftwaffeneinheiten ein Bataillon mechanisierte Infanterie am Standort Söllingen stationiert. Parallel hierzu erfolgte eine drastische Verkleinerung der in Europa stationierten kanadischen Luftstreitkräfte, die als Folge in Söllingen konzentriert wurden. Als Konsequenz wurde das 4. Wing zur Jahresmitte 1970 deaktiviert und die Söllinger Staffeln, inzwischen die 421., 439. und 441. Squadron wurden der in Lahr stationierten neuaufgestellten 1. Canadian Air Group (CAG) direkt unterstellt. Ihr unterstanden die 421., 439. und 441. Squadron.
Infolge der neuen NATO-Strategie der Flexible Response verloren die CF-104 Anfang der 1970er Jahre ihre nukleare Rolle und im weiteren Verlauf des Jahrzehnts errichtete die NATO auch in Söllingen eine Reihe sogenannter Hardened Aircraft Shelter.
In dieser Zeit begannen auch umfangreiche Umbaumaßnahmen der Basis im Hinblick auf die Stationierung des zweistrahligen Mehrzweckkampfflugzeuges CF-18 (CF-188) als Ersatz der CF-104. Im Mai 1984 operierten vier CF-18 erstmals versuchsweise von Söllingen aus, während die drei CF-104-Staffeln zwischen November 1984 und Februar 1986 deaktiviert wurden. Die Umschulung auf die CF-18 erfolgte in Kanada. Durch technisch bedingte Verzögerungen verlegte anstelle der 441. Staffel die 409. Squadron als erste CF-18-Einheit im Juni 1985 nach Söllingen. Die 439. Staffel wurde im November des gleichen Jahres reaktiviert und mit der Reaktivierung der 421. Staffel im Juli 1986 war die Einführung der CF-18 abgeschlossen.
Das 4. Geschwader wurde im Mai 1988 als Dachverband der Söllinger Staffeln reaktiviert und an Stelle der 1. CAG der in Lahr reaktivierten 1. Air Division unterstellt.
Nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 beendeten die kanadischen Streitkräfte ihr Engagement in Europa. Zunächst kamen Söllinger CF-18 jedoch noch bei der Operation Desert Storm zum Kampfeinsatz. Die Auflösung der Staffeln erfolgte zwischen Juni 1991 und November 1992. Die letzten CF-18 verließen Deutschland Mitte Januar 1993 und der Flugbetrieb wurde im Folgemonat eingestellt. Nach einer Abschlussparade am 31. Juli 1993 schloss die Basis CFB Baden-Soellingen am 31. Dezember 1993.
Das NATO Tiger Meet fand zweimal, 1976 und 1983, in Söllingen statt und im September 1983 fand anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Air Base noch ein großer Tag der offenen Tür statt. Fünf Jahre später im Juni 1988 wurde abermals und gleichzeitig ein letzter großer Flugtag ausgerichtet,Söllingen: Flugplatz, auf mil-airfields.de, abgerufen am 9. Januar 2022 bei dem u. a. die italienische Kunstflugstaffel Frecce Tricolori das letzte Mal in Deutschland vor ihrem Auftritt am 28. August beim Flugtag in Ramstein flog.
Zivile Umnutzung Bis 1994 bemühten sich Städte und Gemeinden, die ehemalige Luftwaffenbasis in einen Regionalflughafen umzuwandeln.
Ein privates Konsortium aus dem Raum Karlsruhe (FlowTex, Vollack Industriebau, Bechtold Ingenieurgesellschaft, Oberle Consulting) gründete im November 1994 die Baden Airpark GmbH (ab 1996: AG) und im Juni 1995 die Baden-Airport GmbH.
Im Februar 1996 erwarb die Baden-Airpark AG, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der FlowTex AG, den Flughafen von der regionalen Entwicklungsgesellschaft Söllingen, die inzwischen Besitzerin des Geländes war. Die später als Betrüger verurteilten Manfred Schmider und Klaus Kleiser stiegen mit 38 Millionen DM ein, die öffentliche Hand steuerte 57 Millionen DM bei. Der erste Charterflug startete im Mai 1997. Neben dem zivilen Flughafen legten die neuen Besitzer auf dem 613 Hektar großen Gelände in mehreren Abschnitten ein Gewerbegebiet an, das zum Teil die noch vorhandenen militärischen Gebäude nutzte. Langfristige Investitionen von bis zu 800 Millionen D-Mark wurden angekündigt.Söllinger Projekt konkretisiert sich Firmenkonsortium wirbt in USA bereits um Investoren In: Immobilien Zeitung 1. Juni 1995. Abgerufen am 20. Oktober 2015.
Der Betrieb des kleinen Baden-Badener Flugplatzes Oos wurde 1997 zum Baden-Airport verlagert. Im selben Jahr wickelte Spanair auf dem ehemaligen Militärflugplatz erstmals einen Charterflug ab, das Ziel war der Flughafen Palma de Mallorca. Im September 1998 folgten die ersten Linienflüge durch Crossair nach Basel. Der 100.000ste Fluggast seit Betriebsaufnahme war im Mai 1999 zu verzeichnen, und noch im November der 100.000ste Fluggast des Jahres. Im Jahr 2000 schloss der Flugplatz Karlsruhe-Forchheim, dessen Funktion als Flugplatz für die Allgemeine Luftfahrt in der Region Karlsruhe inzwischen der Baden-Airport übernommen hatte. Im Zuge der FlowTex-Insolvenz musste die Baden-Airpark AG im Juni 2000 Insolvenzantrag stellen. Die Flughafen Stuttgart GmbH übernahm daraufhin eine Zweidrittel-Beteiligung und Kommunen der Region die restlichen Anteile. Am 1. Januar 2001 wurde eine neue Baden-Airpark GmbH gegründet, die den Platz seitdem als Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden betreibt.Landesarchivdirektion Baden-Württemberg, Landkreis Rastatt und Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (Hrsg.): Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg – Der Landkreis Rastatt. Jan Thorbecke Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 3-7995-1364-7, Band II, S. 435–436. Medienberichten zufolge war die Airpark-GmbH zu diesem Zeitpunkt mit 90 Millionen Euro verschuldet, insbesondere bei Commerzbank, Hypovereinsbank und Sparkasse Karlsruhe, und der Flughafen Stuttgart zahlte 62 Millionen Euro für die Gesellschaft.Flughafen Stuttgart kauft Baden-Airpark In: Immobilien Zeitung 12. Dezember 2000. Abgerufen am 20. Oktober 2015.Stuttgarter Schaumteppich in Söllingen In: Immobilien Zeitung 4. Januar 2001. Abgerufen am 20. Oktober 2015. Neben dem eigentlichen Flughafengelände waren zu diesem Zeitpunkt bereits rund 20 von rund 80 Hektar Gewerbefläche verkauft.
Im Frühjahr 2003 wurde das „Airpark Business Center“ als erster größerer Neubau auf dem Gewerbegelände fertiggestellt. Er umfasst rund 5000 Quadratmeter Büro- und 1000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche, darunter auch den Polizeiposten des Flughafengeländes.Mit „Steigflug“ in die Zukunft In: Immobilien Zeitung 14. August 2003. Abgerufen am 20. Oktober 2015. Anfang 2009 wurde auf dem Gelände ein Hotel mit 85 Zimmern eingeweiht.
Im September 2005 wurde das neue Terminal des Flughafens in Betrieb genommen, das kurz darauf sämtliche Flugbewegungen abwickelte und auf eine Kapazität von jährlich bis zu zwei Millionen Passagieren ausgelegt ist. Die Baukosten für das Gebäude mit 20 Check-In-Schaltern lagen bei rund zehn Millionen Euro.Terminal eingeweiht In: Immobilien Zeitung 8. September 2005. Abgerufen am 20. Oktober 2015.
mini|Die Start- und Landebahn im Jahr 2018 Um an dem Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden die Allwetterflugbetriebsstufe von CAT I auf CAT III zu erhöhen, wurde die Start- und Landebahn von März 2008 bis September 2009 grundsaniert und entsprechende Markierungen und die für CAT III notwendige Befeuerung installiert. Dafür wurde zunächst der Rollweg G zur Verwendung als Interims-Start- und Landebahn verbreitert, die ab April 2009 die primäre Start- und Landebahn ersetzte. Diese wurde bis September 2009 neu gebaut, nach ihrer Inbetriebnahme wurde die Interims-Start- und Landebahn zum Rollweg G zurückgebaut.
Im Oktober 2011 gab die Billigfluggesellschaft Ryanair bekannt, in Karlsruhe/Baden-Baden ihre vierte deutsche Basis zu eröffnen und zunächst zwei Boeing 737-800 vor Ort zu stationieren. Außerdem gibt es vor allem während des Sommers diverse Charter- und Urlaubsflüge zu Ferienzielen in ganz Europa.
Im März 2016 nahm die ungarische Billigfluggesellschaft Wizz Air Karlsruhe in ihr Programm auf. Die Verbindung mit Air Berlin nach Berlin wurde im Jahr 2017 wegen Insolvenz zunächst eingestellt, aber 2018 von Eurowings übernommen. 2019 stellte auch Eurowings die Verbindung wieder ein. Im Sommer 2020 hatte Wizz Air die Kapazität auf acht Verbindungen erhöht, dabei wurden Bukarest, Tirana und Warna neu angeflogen. Im Oktober 2020 machte Wizz Air zudem bekannt, zwei weitere Verbindungen zu eröffnen. Dabei handelte es sich um Pristina und Cluj-Napoca. Damit erweiterte Wizz Air den Flugplan ab dem FKB auf 10 Flugziele. Im Februar 2022 wurde mit Kukes Verbindung Nummer 11 angekündigt. Kurz darauf stellte Wizz Air die Verbindungen nach Bukarest und Cluj-Napoca allerdings wieder ein. Anschließend stellte Wizz Air die Verbindungen nach Kukes, Pristina, Warna und Tuzla wieder ein. Somit bedient Wizz Air fünf Verbindungen ab dem Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden (Stand Dezember 2024).
Ryanair setzt mit dem Sommerflugplan 2023 ein drittes Flugzeug ab Karlsruhe ein. Ebenso stationierte TUI wieder eine B737-800 der Enter Air, die Vollcharter-Flüge nach Spanien und Griechenland durchführt.
Ryanair setzt seit dem 1. März 2025 ein viertes Flugzeug ab Karlsruhe/Baden-Baden ein. Ebenso bleibt auch im Sommerflugplan 2026 eine Enter Air im Auftrag der TUI stationiert.
Wizz Air bedient neue Verbindungen nach Chisinau und Suceava und plant ab dem 2. Juni 2026 eine neu Verbindung nach Podgorica aufzunehmen.
Im Jahr 2025 wurden mit 2,27 Mio. Passagieren erstmals mehr als 2 Millionen Passagiere abgefertigt.
Betreiber mini|Eigentumsverhältnisse am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden