mini|Calabar im Cross-River Delta mini|Lage Calabars im Südosten Nigerias

Calabar ist eine Hafenstadt in Nigeria mit 685.000 Einwohnern und die Hauptstadt des Bundesstaats Cross River. Sie liegt am Fluss Calabar, einem Zufluss des Cross River. In der Stadt gibt es eine Universität, eine Kommandozentrale der nigerianischen Marine, einen geschichtsträchtigen Hafen und einen internationalen Flughafen.University of Calabar Bekannt ist Calabar für seinen im Dezember (der Trockenzeit) stattfindenden Karneval. Die über 500 Jahre alte Stadt rühmt sich, die sauberste und (zusammen mit wenigen anderen Orten) sicherste Gemeinde in Nigeria zu sein.

Geschichte

Hafenstadt seit 1480, transatlantischer Sklavenhandel Die Siedlungen der Efik am Calabar-Fluss, aus denen die heutige Stadt Calabar hervorging, wurden seit 1480 von portugiesischen Seeleuten angelaufen, die längs der afrikanischen Westküste vorstießen, um den Seeweg nach Indien zu finden. Da das Calabar-Delta gute Ankerplätze bot, war Calabar schon im 16. Jahrhundert ein wichtiger Handelshafen im transatlantischen Schiffsverkehr. Die Europäer versorgten sich hier mit Nahrungsmitteln und Trinkwasser.

Im 17. Jahrhundert wurde der Sklavenhandel zur wichtigsten Einkommensquelle der Bewohner von Calabar. Die Efik kauften Menschen aus dem Binnenland des heutigen Nigeria, die sie gegen europäische Waren eintauschten. Seit dem späten 17. Jahrhundert war Calabar der größte Sklavenhandelsplatz in Afrika. Schätzungsweise ein Viertel bis ein Drittel der nach Amerika verbrachten Afrikaner kamen über Calabar. Der Handel mit Sklaven wurde hier, anders als in anderen Häfen von den Einheimischen kontrolliert. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts verhinderten die Efik die Gründung europäischer Stützpunkte am Calabar-Fluss. Im Nahbereich der heutigen Stadt rivalisierten bis Mitte des 18. Jahrhunderts hinein drei von den Europäern Creek-Town, Old-Town und New-Town genannte Städte um Macht und um die Vorherrschaft im Handel mit den Europäern. Ihre Könige führten mehrfach Kriege gegeneinander. Die Könige und führenden Familien der drei Städte übernahmen auf kultureller Ebene viel von ihren europäischen Handelspartnern. Sie lebten in Holzhäusern europäischer Bauart, trugen europäische Kleidung und ließen sich Einrichtungsgegenstände, Werkzeuge und Waffen aus Europa bringen. Viele Angehörige der Oberschicht beherrschten die englische Sprache. Manche hatten in England Schulen besucht. Ihrer traditionellen Religion blieben die Efik bis Mitte des 19. Jahrhunderts treu.

Missionare, Zivilisation Nach dem Verbot des Sklavenhandels 1807 behielt Calabar seine Bedeutung als Hafen. Es wurden nun vor allem Erzeugnisse der in der Region hoch entwickelten Plantagenwirtschaft ausgeführt.

1846 errichteten die schottischen Presbyterianer eine Missionsstation in Calabar. Unter den Missionaren hervorzuheben sind Hope Waddell, der in Calabar von 1845 bis 1858 wirkte und Mary Slessor, die sich von 1876 bis 1915 in Calabar für die Verbreitung des Christentums engagierte. Beide setzten sich aber auch für folgende Punkte ein:

Abschaffung der Tradition, neugeborene Zwillinge zu töten, Abschaffung der Menschenopfer beim Ableben von Dorfältesten (um diesen im Jenseits dienen zu können), Abschaffung der Justizpraxis, Verdächtige durch Trinken von Gift zu „überführen“ (siehe Gottesurteil), Gründung einer Schule mit Sekundarstufe, Eingrenzen von Gelbfieber.

Waddell und Slessor werden auch heute in Calabar geehrt; Straßen und Plätze von Calabar sind nach ihnen benannt. In den folgenden Jahrzehnten traten unter ihrem Einfluss viele Efik zum Christentum über.

Am 10. September 1884 unterzeichnete Königin Victoria einen Schutzvertrag mit dem König und den Häuptlingen von Akwa Akpa, das den Europäern als Alt-Calabar bekannt war. Dies ermöglichte es dem Vereinigten Königreich, die Kontrolle über das gesamte Gebiet um Calabar, einschließlich Bakassi, auszuüben. Calabar war der Sitz des Gouverneurs des Niger Coast Protectorate bis 1906, als der Regierungssitz nach Lagos verlegt wurde.

Calabar entwickelte sich früher, wenn auch weniger stürmisch als Lagos, mit dem es wegen einiger Parallelen gelegentlich verglichen wird. Calabar weist darum folgende Errungenschaften auf:

Erste nigerianische Stadt mit einer Schule mit Sekundarstufe (die Hope Waddell Training Institution), erste nigerianische Stadt mit einem Krankenhaus (St. Margaret), erste nigerianische Apothekerin, erste nigerianische Politikerin (Margaret Ekpo), erste nigerianische Bibliothekarin, erster dunkelhäutiger Professor (Eyo Ita), erste nigerianische Stadt mit einem Postamt, erste nigerianische Stadt mit einer Kaserne, erste nigerianische Stadt mit einem Netz von asphaltierten Straßen, erste nigerianische Stadt mit einem Botanischen Garten (heute verfallen), erste nigerianische Stadt mit einer Monorail (heute ebenfalls verfallen), „Nigerias sauberste Stadt“.

Kolonialzeit nach dem Ersten Weltkrieg Von 1914 bis in die 60er Jahre lief monatlich ein Postdampfer der Liverpooler Elder-Dempster-Linie Calabar an und lieferte, außer Briefen und Paketen, auch Zeitungen, Cargo und bis zu 100 Passagiere nach Lagos, Port Harcourt und Calabar.

1922 richtete der britische Gouverneur Hugh Clifford den Legislativrat ein. Die vier gewählten Mitglieder stammten aus Lagos (3) und Calabar (1). Der Legislativrat erließ Gesetze für die Kolonie und das Protektorat Südnigeria. Er genehmigte auch den Jahreshaushalt für das gesamte Land. Die vier gewählten Mitglieder waren die ersten Afrikaner, die in ein parlamentarisches Gremium in Britisch-Westafrika gewählt wurden. Die Clifford-Verfassung führte entsprechend zur Bildung politischer Parteien in Nigeria. Herbert Macaulay, Besitzer der ersten Zeitung in Britisch-Westafrika und Enkel von Samuel Ajayi Crowther, gründete 1923 die erste nigerianische politische Partei – die Nigeria National Democratic Party. Sie blieb in den Wahlen bis 1939 die stärkste Partei.

In den 1920er Jahren erschienen in Calabar die ersten lokalen Zeitungen. Führend war dabei der Verleger Herbert Macauley. Er vertrat einen gemäßigten nigerianischen Nationalismus.

In der gleichen Zeit begann die Elder-Dempster-Gesellschaft in Liverpool, mit ihren Postdampfern MS Apapa und MS Accra einmal im Monat auch Calabar anzulaufen. Auf diese Weise gelangten Briefe, Pakete, Zeitungen, Cargo, aber auch Kolonialoffiziere, Kolonialbeamte und Geschäftsreisende vom britischen Mutterland ins Nigerdelta, b.z.w. umgekehrt.

1926 versuchte der Gouverneur Graeme Thomson, im Südosten Nigerias, darunter Calabar, eine Kopfsteuer einzuführen. Dies führte zu dem, was Nigerianer den „Frauenkrieg“ und die Briten „Aba Riots“ nennen. Diese Unruhen schlugen von der Nachbarstadt Aba auch auf Calabar über. Mehrere Verwaltungsgebäude wurden vernichtet, über 50 Frauen starben durch die Hand der kolonialen Ordnungskräfte.

Biafra-Krieg Calabar war zuerst Teil der Republik Biafra. Im Oktober 1967 verließ eine Armada der nigerianischen Marine auf einer Seekampagne den Hafen von Bonny auf dem Weg nach Calabar. An Bord der Schiffe befanden sich die schwer bewaffneten Truppen der nigerianischen 3. Marinedivision unter dem Kommando von Oberst Benjamin Adekunle. Zu dieser Zeit wurde Calabar vom 9. Bataillon der Biafraner unter dem Kommando von Major Ogbo Oji verteidigt, der für die Verteidigung der gesamten Südostküste Biafras von Opobo bis zur Grenze zu Kamerun verantwortlich war. Am 17. Oktober gerieten die biafrikanischen Verteidigungsanlagen an den Stränden von Calabar unter schweren Luft- und Seebeschuss. Weniger als 24 Stunden später ging das nigerianische 8. Bataillon unter dem Kommando von Major Ochefu in Lokoja an Land und konnte die Zementfabrik von Calabar einnehmen. Später am selben Tag landete das nigerianische 33. Bataillon am Strand von Calabar, darunter auch Oberst Adekunle selbst. Der kleine, aber hartnäckige biafranische Widerstand wurde überwältigt, doch gelang es ihm, die Kontrolle über bestimmte Teile von Calabar und seiner Umgebung zu behalten. Nachdem nigerianische Truppen von drei verschiedenen Positionen aus nach Calabar vorgedrungen waren, kam es zu blutigen Nahkämpfen. Nachdem sie ungewöhnlich hohe Verluste erlitten hatten, zogen sich die verbliebenen Söldner nach Norden zurück und flohen aus Biafra.

Als alter florierender Handelsplatz und administratives Zentrum blieb Calabar ein bedeutender Ort für die Entwicklung des modernen Nigeria.

Wirtschaft Die heutige Wirtschaft der Millionenstadt Calabar wird geprägt durch:

die ansässige Verwaltung als Landeshauptstadt von Cross River, den zentral gelegenen Marinestützpunkt (Nigerias Marine ist die stärkste in West- und Zentralafrika), den Hafen (siehe unten), den Flughafen (siehe unten) und die Freihandelszone. Die Landesregierung von Cross River versucht, den Tourismus in Calabar zu beleben. Die Initiierung des Calabar Carneval 2004 durch den damaligen Gouverneur Donald Duke ist dabei mutmaßlich die erfolgreichste Maßnahme zur Stimulierung des Tourismus in Calabar.

Verkehr

Flughafen Margaret Ekpo Der Internationale Flughafen Margaret Ekpo wurde 1983 vom damaligen Präsidenten Shagari eingeweiht. Lufthansa, British Airways und KLM/Air France fliegen den Flughafen von Calabar mit Zwischenstopp in Lagos oder Abuja an (der letzte Streckenabschnitt des Fluges läuft unter der Regie der regionalen Airlines Air Peace, Ibom Air und Aero Contractors).

Der Alte Hafen und der Neue Hafen Der Hafenkomplex von Calabar besteht aus dem Alten Hafen, dem Neuen Hafen und der Werft und hat die Zuständigkeit für die Erdölterminals in Antan, Odudu, Yoho und QuaIboe sowie für weitere Anlegestellen in NIWA, McIver, NNPC, ALSCON, Dozzy und Northwest. Die drei Terminals des Hafens von Calabar werden laut Hafenbetreibergesellschaft NPA von „Weltklasse-Terminalbetreibern betrieben, nämlich: ECM Terminal Ltd, INTELS Nigeria Ltd und Shoreline Logistics Nigeria Limited“.

Das Profil des Hafens von Calabar in der Öl- und Gasindustrie gewinnt schnell an Bedeutung, da das Geschäft darin besteht, die Import- und Exportmöglichkeiten auszuschöpfen, indem man ein effizientes Hafendienstleistungssystem anbietet, das eine schnelle Abfertigungszeit der Schiffe und eine schnellere Frachtabfertigung garantiert.

Calabar ist eine Mehrzweckanlage. Der Hafen besteht aus 2 Terminals, A und B, und 2 kleineren Liegeplätzen im Bereich des „Alten Hafens“. Er hat einen Kanaltiefgang von 7,5 m. Die Terminals werden von privaten Betreibern im Rahmen von Konzessionsverträgen betrieben. Terminal B, das 80 % der Hafenfläche einnimmt, wird im Rahmen einer Konzession von ECM Terminals Ltd. betrieben; Intels LTD und Addak sind die anderen Terminalbetreiber.

Sehenswürdigkeiten Calabar sieht sich selbst als die „Tourismus-Hauptstadt von Nigeria“. Dies wird von der zuständigen Landesregierung unterstützt.

Museen mini|Westafrika auf einer Karte von 1736; Cal(l)abar wird bereits erwähnt, Lagos dagegen nur als Fluss (R. Lagos)Calabar ist eine der traditionsreichsten Städte in Nigeria (siehe nebenstehende Landkarte von 1736, das heutige Calabar entspricht dem damals bereits „Old Callabar“ genannten Ort, das heutige Port Harcourt entspricht dem in der Karte verzeichneten „Callabar“; der wahre Verlauf des Niger ist europäischen Kartografen noch bis 1841 unbekannt, wie an der Karte leicht zu erkennen ist).

Dies merkt man auch an der hohen Anzahl von Museen, Monumenten und historischen Orten in der Hafenstadt.

Slave History Museum Das Slave History Museum ist ein Museum in der nigerianischen Stadt Calabar, die ein wichtiger Umschlagplatz für den afrikanischen Sklavenhandel war.