mini|hochkant|Lainbachfälle bei Kochel am See hochkant|mini|Tatzelwurm-Wasserfall mini|hochkant|Lechfall in Füssen
Die meisten der Wasserfälle in Deutschland sind aufgrund der nur mäßig gebirgigen Topografie relativ klein. Sie werden daher in weltweiten Verzeichnissen und Rangordnungen, wenn überhaupt, in den hinteren Rängen gelistet. Hinsichtlich der Höhe gibt es jedoch bemerkenswerte Ausnahmen.
Kaum vermeidbar ist, dass Art und Anzahl der erfassten Wasserfälle den regional nicht einheitlichen Gebrauch des Begriffs Wasserfall widerspiegeln. In Regionen mit eher gleichmäßig fließenden Gewässern können bereits Stellen rauschenden Weißwassers in ihrem Namen als Wasserfall bezeichnet sein. Kleinere Wasserfälle können in niedrigeren Mittelgebirgen Besonderheiten darstellen, dagegen in den Alpen oder auch im Schwarzwald unauffällig sein.
In den Listen sind rund 500 Wasserfälle erfasst. Davon entfallen etwa 350 auf Bayern und Baden-Württemberg, wobei die Alpenregion (mit annähernd 200) und der Schwarzwald die größten Anteile haben.
Gliederung und Inhalt der Listen Den nach Regionen unterteilten Listen ist eine Tabelle mit den zehn höchsten Wasserfällen vorangestellt. Da sie fast alle in den Alpen liegen, folgt ihr eine weitere Tabelle mit den zehn höchsten außeralpinen Wasserfällen.
Im eigentlichen Tabellenwerk gibt es spaltenweise zusätzliche Informationen zu Typ und Entstehung des Wasserfalls und zu Anzahl und Form der Fallstufen, angegeben sind weiter der nächstgelegene Ort, das Gewässer oder die umgebende Landschaft, die Gesamthöhe und, bei mehrstufigen Fällen, die höchste Einzelstufe. mini|hochkant|Radau-Wasserfall im Harz mini|Lichtenhainer Wasserfall mini|Wutach-Wasserfall bei der Lauffenmühle in Oberlauchringen
Regionale Gliederung Die Listen sind nach Landschaften gruppiert, in denen Wasserfälle gehäuft vorkommen. Ihnen können auch Wasserfälle aus benachbarten Räumen mit sehr wenigen Wasserfällen zugeordnet sein. Die Benennungen sind an allgemein bekannten Naturräumen orientiert. Die Abfolge ist grob südnördlich (dabei ähnlich geartete Räume möglichst benachbart). Die größeren Regionaltabellen sind nochmals untergliedert. Einleitend zu den Regionaltabellen werden die für die jeweilige Landschaft typischen Wasserfall-Charakteristika beschrieben. Hierzu die folgende Übersicht:
Nördliche Kalkalpen sehr viele und oft sehr hohe Fälle Alpenvorland und Bodenseeraum wenige Fälle, oft in Schluchten, auch wasserreich Bayerischer Wald, Oberpfälzer Wald, Fichtelgebirge kleinere, oft gleitende Fälle, nur wenige größer und mehrstufig Schwarzwald zahlreiche Wasserfälle, teils hoch oder wasserreich Schwäbische Alb Wasserfälle oft über Kalktuffbildungen, im Vorland auch wasserreich Fränkische Alb einige kleine Fälle Schwäbisch-Fränkischer Wald und mittlerer Neckarraum sehr viele Wasserfälle, oft wasserarm mit Sandsteingrotten Pfälzerwald und Odenwald meist sehr kleine Wasserfälle über Sandstein-Stufen Rhön, Knüllgebirge und Vogelsberg wenige Wasserfälle, oft über Basaltkanten Rheinisches Schiefergebirge viele kleinere Wasserfälle in unwegsamen Engtälern, teils wasserreiche Katarakte Thüringer Wald meist kleinere Wasserfälle, oft in Konglomerat-Schluchten Elbsandsteingebirge und Erzgebirge meist freie Fälle in Sandsteinschluchten, teilweise künstlich Harz einige künstliche und ansonsten kleinere Wasserfälle Weser-/Leinebergland und Rothaargebirge wenige, sehr verschiedenartige Wasserfälle Norddeutsches Tiefland natürliche Fälle nur an der Steilküste Rügens
Größenangaben Meistens werden Wasserfälle nach ihrer Fallhöhe sortiert, seltener auch nach Wasserführung. Aber erst eine gewichtete Kombination aus beidem kann die „Größe“ eines Wasserfalles vergleichbar machen.
Da die Wasserführung bei den meisten Wasserfällen nicht bekannt und auch nicht leicht zu ermitteln ist, muss auf diese Angabe hier verzichtet werden. Bei der notwendigen Festsetzung ungefährer Untergrenzen geht sie aber mit ein. Auch die Höhenangaben zu Wasserfällen sind als Näherung zu verstehen; es gibt selten eindeutige Bezugspunkte.
Bei mehrstufigen Wasserfällen wird die Gesamthöhe über alle Fallstufen gemessen. Eingebürgerte Wasserfall-Namen umfassen mitunter auch eng aufeinander folgende, eigentlich aber eigenständige Wasserfälle. Trotzdem erscheinen derartige Fallgruppen mit nur einem Namen in den Listen als ein mehrstufiger Wasserfall. Stellt ein solcher steiler Gefälleabschnitt mit mehreren Fallstufen keine hinreichend deutlich abgrenzbare Steilstufe dar, wie öfters bei Schluchten und Klammen, kann keine Gesamthöhe angegeben werden, sondern lediglich die Höhe des höchsten Wasserfalles.
Auch bei Wasserfällen mit nur einer Fallstufe kann eine vom Einzelwert abweichende Gesamthöhe angegeben sein, da ober- und unterhalb der Fallstufe ein hohes Gefälle mit kleinen Kaskaden vorhanden sein kann. Es wird dann mit einbezogen, wenn es mit dem Wasserfall eine augenfällige morphologische Einheit bildet. Bei mehrstufigen Wasserfällen ist es oft noch schwieriger, Beginn und Ende des Wasserfalles zu bestimmen, da das Gesamtbild auch von angrenzenden Sturzbachabschnitten mit sehr kleinen Kaskaden geprägt sein kann.
Die Höhenangaben sind teils aus der Literatur übernommen, teils geschätzt oder grob mit Luftdruck-Höhenmesser ermittelt. Aber auch die „offiziellen“ Höhenangaben der bekannteren Wasserfälle sind einer Überprüfung wert. In der Literatur unterscheiden sie sich untereinander oft, oder sie spiegeln sehr unterschiedliche Auffassungen von Beginn und Ende eines Wasserfalls wider.
Untergrenzen Die Listen enthalten Wasserfälle ab einer Höhe von ca. 1,5 Metern und ab einer Stufenneigung von ca. 30 Grad. Der Wasserfall sollte bei durchschnittlicher Wasserführung als Weißwasser augenfällig sein (nicht nur rieseln oder tröpfeln), außerdem wenigstens teilweise durch natürliche Prozesse entstanden oder aber gezielt als Wasserfall (ohne Pumpbetrieb) gestaltet worden sein.
Diese Abgrenzungen versuchen, dem allgemeinsprachlichen Gebrauch des Begriffs Wasserfall gerecht zu werden, aber auch fachlichen Aspekten der Geomorphologie (dazu, und zu Entstehungsursachen, siehe Wasserfall). Regional bekannte Wasserfälle außerhalb dieser Untergrenzen sind mit Hinweisen wie Tröpfelfall, Katarakt oder Pumpbetrieb aufgenommen. Gelegentlich sind Schluchten und Klammen stellvertretend für die in ihnen enthaltenen, meist namenlosen Wasserfälle aufgeführt.
Die zehn höchsten Wasserfälle Name Beschreibung Gesamt- höhe Röthbachfall Höchster Wasserfall in Deutschland. Stürzt über eine fast 400 Meter hohe, teils senkrechte Wand in den Talkessel Fischunkel südlich des Königssees 470 Meter Landtalgraben-Wasserfall (Bild) Zwei meist gleitende Hauptstufen über Trogtal-Schluss Fischunkel südlich des Königssees 410 Meter Seebach-Wasserfall (Bild) Mehrere große Fallstufen im hinteren Oytal bei Oberstdorf 390 Meter Kuhfluchtwasserfälle Drei hintereinander liegende Wasserfälle an einem Felshang bei Farchant 340 Meter Zipfelsfall (Bild) Mehrere große Fallstufen direkt am Ortsrand von Hinterstein 270 Meter Königsbach-Wasserfall (Bild) Mehrere große Fallstufen über dem Königssee-Ostufer 200 Meter Wasserfall am Ristfeuchthorn Stürzt bei Schneizlreuth über eine Felswand in die Weißbachschlucht. Führt nur nach starken Regenfällen oder während der Schneeschmelze Wasser 200 Meter Staubfall (Bild) Mehrere große Fallstufen südlich Ruhpolding, Grenzübergang nach Österreich unterquert den Wasserfall 190 Meter Triberger Wasserfall Sieben Hauptstufen der Gutach direkt am Ortsrand von Triberg 163 Meter Dietersbach-Wasserfall (Bild) Stürzt eine Steilwand im Gerstrubental bei Oberstdorf hinunter 160 Meter
Die zehn höchsten Wasserfälle außerhalb der Alpen Name Beschreibung Gesamt- höhe Triberger Wasserfälle Die Gutach stürzt über zwei Falltreppen von ca. 10 m und ca. 85 m Höhe (mit sieben Stufen) in den Triberger Talkessel. Deutschlands wohl bekanntester Wasserfall, jedoch nicht, wie traditionell attestiert, sein höchster. Entstehung Steilstufe: Verwerfung, eiszeitliche Konfluenzstufe, Entstehung Kaskaden: Kluftmuster im Granit, Auskolkung 163 Meter Todtnauer Wasserfall (Hangloch-Wasserfall) Der Stübenbach stürzt bei Todtnauberg weit sichtbar in vier Hauptstufen zu Tal (4 m, 4 m, 11 m, 60 m). Der nach dem Hangloch, einem alten Bergwerksstollen, benannte Wasserfall wird frei als „höchster Naturwasserfall“ Deutschlands beworben. Entstehung Steilstufe: Verwerfung und Mündungsstufe eines eiszeitlichen Hängetals 97 Meter Uracher Wasserfall Der Brühlbach stürzt südwestlich von Bad Urach im Maisental über eine Kalktuff-Kante 37 Meter frei in die Tiefe, dann gleitend weitere 50 Höhenmeter über Kalktuffpolster. Entstehung: Aus dem karbonathaltigen Wasser fällt täglich 5 kg Kalksinter aus, wodurch die gesamte Fallterrasse (die Hochwiese) entstand. Die Felswand kragt an den Sturzkanten typisch vor, wurde aber auch durch Kalktuffsteingewinnung versteilt. 87 Meter Wasserfälle Margarethenschlucht Bei Neckargerach stürzt der Flursbach im letzten Laufabschnitt eine treppenartige Folge mehrere Meter hoher Stufen hinab. Entstehung Steilstufe: Prallhang des Neckars; Entstehung Kaskaden: Härteunterschiede horizontaler Gesteinsbänke des Buntsandsteins, Kolkbildung 85 Meter Dietlinger Wasserfälle Nördlich von Waldshut-Tiengen stürzt der Großbach in bis zu 22 Meter hohen Einzelstufen, entstanden an Verwerfungsfugen, in meist unzugänglicher Schlucht ins Tal der Schlücht. 71 Meter Allerheiligen-Wasserfälle Der Lierbach fällt unterhalb des Klosters Allerheiligen durch eine steilwandige Porphyr-Schlucht über sieben Stufen etwa 66 m (laut TK 25) in die Tiefe. Sie werden auch als die Sieben Bütten oder Büttensteiner Wasserfälle bezeichnet. Entstehung Steilstufe: Härteunterschied des gequerten Porhyrganges zum umgebenden Kristallin; Entstehung Kaskaden: Kolkbildung 66 Meter Feldsee-Wasserfall Der Wutach-Oberlauf Seebach fällt östlich des Feldbergs über drei hohe Fallstufen steil in den eiszeitlichen Gletscherkessel des Feldsees ab. Die Kaskaden sind an querenden Granitporphyr-Gängen entstanden. 62 Meter Gertelbachfälle Der Gertelbach überwindet südlich von Baden-Baden einen Steilabschnitt von 220 Meter Höhe in zahlreichen Fallstufen. Der Hauptfallbereich beträgt 62 Meter. Entstehung Steilstufe: glazigene Versteilung wahrscheinlich; Entstehung Kaskaden: Kluftnetz im Bühlertalgranit 62 Meter Romkerhaller Wasserfall 1862 wurde der Wasserfall südlich von Goslar im Okertal angelegt. Die umgeleitete Romke stürzt erst frei eine Kalksteinwand hinunter und dann über einen gestuften Felshang. 50 Meter Trusetaler Wasserfall Der höchste Wasserfall des Thüringer Waldes wurde 1865 bei Trusetal angelegt. Das Wasser der Truse wird 2,2 Kilometer den Waldhang entlang geleitet, um dann, teils in Rinnen geführt, in hohen Kaskaden über einen Felshang und eine Blockhalde zu stürzen. 45 Meter
Nördliche Kalkalpen mini|Die Wimbachklamm
Es verwundert nicht, dass die Alpen das Gebiet mit der größten Wasserfalldichte sind. Dort kommen auch die meisten der wenigen Fälle mit Höhen von europäischem Rang vor (bis 470 Meter Gesamthöhe). Die hohen Fälle sind meist an Steilhänge und -stufen gebunden, die abgeschmolzene Gletscher zurückgelassen haben (zum Beispiel Röthbachfall oder Schrainbachfall in den Berchtesgadener Alpen). In Talstufen haben die größeren Bäche oft Klammen eingeschnitten. In sie stürzen zuweilen kleinere Nebenbäche (Partnachklamm in der Zugspitzregion, Sulzer Fall in den Berchtesgadener Alpen), oder der Hauptbach selbst bildet Wasserfälle durch Kolktreppen oder am Übertritt in weicheres Gestein (Höllentalklamm in der Zugspitzregion). Wasserfälle, die vor allem auf wechselnde Gesteinsfestigkeiten zurückgehen, überwiegen zum Alpenrand hin (zum Beispiel Kuhfluchtfälle in der Zugspitzregion). Die Nördlichen Kalkalpen sind in fünf Regionen aufgegliedert: Allgäuer Alpen, Berchtesgadener Alpen, Chiemgauer Alpen, Mangfallgebirge und Zugspitzregion.
Allgäuer Alpen