mini|Rathaus mini|Barbarakirche mini|Laurentiuskirche am Redenberge mini|Hauptpostgebäude Chorzów [; ], deutsch: Königshütte (1922–1934 Królewska Huta), ist eine kreisfreie Großstadt in der Woiwodschaft Schlesien in Polen.

Geographie Die Industriestadt liegt im Oberschlesischen Industriegebiet, etwa sieben Kilometer nordwestlich von Katowice (Kattowitz) und sieben Kilometer südöstlich von Bytom (Beuthen). Geologisch liegt die Stadt im Oberschlesischen Steinkohlebecken, welches das gesamte Oberschlesische Industriegebiet und das Rybniker Kohlenrevier umfasst.

Stadtgliederung 1939 wurde die Stadt in sechs Bezirke geteilt, die heute nur noch historische Bedeutung haben:

Chorzów Stary (Chorzow) Chorzów Batory (Bismarckhütte) Chorzów Miasto (Königshütte) Chorzów II (Königshütte) Maciejkowice (Maczeikowitz) Klimzowiec (Klimsawiese)

Seit der Verabschiedung des neuen Statuts der Stadt Chorzów im Jahr 2009 gibt es die mehrfach geänderte Einteilung in Stadtbezirke nicht mehr. Ebenfalls 2009 wurde Maciejkowice als einziger separater Stadtteil gegründet.

Geschichte Gründung der Hütte und der Stadt mini|Eisenwalzwerk in Königshütte von Adolph von Menzel mini|Außenansicht der Königshütte aus dem Jahre 1842 1797 wurde die namensgebende Königshütte als preußisches Staatsunternehmen gegründet. Sie war eines der ersten mit Dampfkraft betriebenen Hüttenwerke auf dem europäischen Kontinent. Ein 1802 angestochener Hochofen war damals der größte Europas. 1871 wurde der Betrieb Teil der Vereinigten Königs- und Laurahütte. Adolph von Menzel reiste 1875 nach Königshütte, um Studien für sein Gemälde Eisenwalzwerk (Moderne Cyklopen) zu betreiben.Eintrag auf germanhistory.doc

Die Stadtgemeinde Königshütte im Kreis Beuthen war zum 17. Juli 1868Dekret des Königs Wilhelm I. von Preußen aus dem Gutsbezirk Königshütte, Hüttenwerk, Kolonie Erdmannswille, Charlottenhof und aus Teilen der Landgemeinde Chorzow und der Gutsbezirke Ober-Heiduk, Mittel-Lagiewnik, Ober-Lagiewnik und Schwientochlowitz als „Stadt Königshütte i. P.“ (in Preußen) gegründet worden. Die Veröffentlichung des königlichen Dekrets zur Stadterhebung durch den Oberpräsidenten der Provinz Schlesien erfolgte am 17. April 1869. Zum ersten kommissarischen Bürgermeister der neugegründeten Stadt wurde am 9. März 1869 der Bürgermeister a. D. Lange aus Bernau berufen und zu seinem ordentlichen Nachfolger wurde ein Jahr später der Gerichtsassessor Goetz.

Seit dem 20. Juni 1884 galt der Name Königshütte Ober-Schlesien oder Königshütte O.S. (inoffiziell „Königshütte O/S.“, häufig auch abgekürzt „Kgsh. O/S.“). Mit dem 1. April 1898 erhielt Königshütte O.S. den Status eines Stadtkreises und schied damit aus dem Landkreis Beuthen aus.

Abstimmung und Anschluss an Polen Bei der Volksabstimmung in Oberschlesien am 20. März 1921 stimmten in Königshütte O.S. 31.864 Wahlberechtigte (74,5 Prozent) für einen Verbleib bei Deutschland und 10.764 Wahlberechtigte (25,2 Prozent) für eine Abtretung an Polen. Die Wahlbeteiligung betrug 97,1 Prozent, es wurden 130 ungültige Stimmen (0,3 Prozent) gezählt.

Weil es aber im stadtumgebenden Landkreis Kattowitz eine Stimmenmehrheit für den Anschluss an Polen gab, wurde am 19. Juni 1922 die Stadt Königshütte O.S. zusammen mit dem Landkreis Kattowitz an Polen abgetreten, weil sie sonst zu einer deutschen Exklave in Polen geworden wäre. Königshütte O.S. erhielt nunmehr eine übliche polnische Übersetzung des deutschen Namens: Królewska Huta. Im Stadtrat hielt sich beinahe die gesamte Zeit bis 1939 eine deutsche Mehrheit.

Am 1. Juli 1934 wurden die Landgemeinde Chorzów (Chorzow) mit Maciejkowice (Maczeikowitz) sowie die Gemeinde Nowe Hajduki (Neu-Heiduk) der Stadt Królewska Huta einverleibt, die gleichzeitig den neuen Namen Chorzów annahm. Die ehemalige Gemeinde Chorzów hieß seitdem als Stadtteil Chorzów Stary (übersetzt ‚Alt-Chorzow‘). Mit dem 1. April 1939 wurde das Stadtgebiet durch die Eingliederung der Landgemeinden Wielkie Hajduki (Bismarckhütte), Kochłowice (Kochlowitz, teilweise) und Świętochłowice (Schwientochlowitz, teilweise) weiter vergrößert. Die ehemalige Gemeinde Wielkie Hajduki (auch: Hajduki Wielkie) mit angeschlossenen Bereichen hieß als Stadtteil Chorzów Batory.

Zweiter Weltkrieg Im September 1939 kam die Stadt durch den Überfall auf Polen („Polenfeldzug“, „Kampania wrześniowa“) zu Deutschland. Seit dem 26. Oktober 1939 gehörte Chorzów – jetzt wieder Königshütte (ohne den Zusatz „O.S.“) genannt – als Stadtkreis zum Regierungsbezirk Kattowitz in der preußischen Provinz Schlesien, ab 1941 in der Provinz Oberschlesien. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht 1939 wurden viele Polen ins Generalgouvernement verdrängt und der frei werdende Wohnraum wurde bis Ende 1944 durch zuwandernde Deutsche belegt (s. Lebensraum im Osten), dazu kamen seit 1943 Evakuierte aus westdeutschen von Bombenangriffen betroffenen Großstädten und sogenannte Volksdeutsche aus Südosteuropa.

Außerdem mussten Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge für die zur Front berufenen Deutschen in den Industriebetrieben arbeiten. In Königshütte befanden sich mindestens zwei Nebenlager des KZ Auschwitz und fünf Arbeitslager, darunter sogenannte Polenlager und Arbeitslager für jüdische Bürger. Auch aus Chorzów wurden ab 1939 Juden von den deutschen Behörden in Zwangsarbeits- oder Vernichtungslager deportiert. Am 27. Januar 1945 wurde die Stadt von der Roten Armee unzerstört eingenommen; da Flucht verboten war, blieben große Teile der Bevölkerung in der Stadt. Der deutsche Bevölkerungsteil wurde teilweise in die Sowjetunion verschleppt oder von den polnischen Behörden über die Oder-Neiße-Linie vertrieben. Dies wurde aber nicht so streng gehandhabt wie in anderen ehemaligen Teilen des Deutschen Reiches östlich von Oder und Neiße. Dringend benötigte qualifizierte Arbeiter erhielten ein Bleiberecht oder wurden zum Verbleib gezwungen.

Nachkriegszeit Bis Ende 1945 erklärten sich 41.000 Königshütter dem polnischen Staat gegenüber loyal. Außerdem wanderten Menschen aus Zentralpolen und den ehemaligen polnischen Ostgebieten, die an die Sowjetunion gefallen waren, nach Königshütte ein. Erst in den Jahren 1956–1958 kam es zu einer verstärkten Auswanderung der deutschen Bevölkerung in die Bundesrepublik Deutschland. Nach dem Warschauer Vertrag 1970 folgte eine zweite Ausreisewelle. Auch heute noch wohnen in der Stadt Angehörige der Deutschen Minderheit in Polen.

Im Jahr 1955 wurde das Schlesische Planetarium in der Stadt errichtet.

Die Stadt hat wie die ganze Region um Kattowitz mit den Folgen des seit 1989 anhaltenden Strukturwandels (Niedergang von Steinkohlebergbau und Schwerindustrie) sowie Arbeitslosigkeit und Umweltverschmutzung zu kämpfen.

Am 29. Januar 2006 stürzte gegen 17.15 Uhr das Dach einer Messehalle ein. Zur Zeit des Unglücks besuchten etwa 700 Menschen eine jährlich mehr als 12.000 Besucher anziehende Taubenzüchterausstellung. Das Unglück kostete 65 Menschen das Leben, weitere 160 Menschen wurden verletzt aus den Trümmern geborgen.

Demographie

+ Bevölkerungsentwicklung bis 1921 Jahr Einwohnerzahl Anmerkungen 1816 443 Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats. Band 2, G–Ko, Halle 1821, S. 367, Ziffer 3484. 1825 660 davon 292 KatholikenJohann Georg Knie: Alphabetisch-Statistisch-Topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien, mit Einschluß des jetzt ganz zur Provinz gehörenden Markgrafthums Ober-Lausitz und der Grafschaft Glatz; nebst beigefügter Nachweisung von der Eintheilung des Landes nach den verschiedenen Zweigen der Civil-Verwaltung. Melcher, Breslau 1830, S. 345. 1840 778 davon 211 Evangelische, 567 KatholikenJohann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preusz. Provinz Schlesien. 2. Auflage. Graß, Barth und Comp., Breslau 1845, S. 296–297. 1855 779 1861 1076 davon 260 Evangelische, 808 Katholiken, acht JudenFelix Triest: Topographisches Handbuch von Oberschlesien, Wilh. Gottl. Korn, Breslau 1865, S. 318, Ziffer 21. 1862 4495 1867 11.013 am 3. Dezember 1871 19.546 darunter 1800 Evangelische, 250 Juden;Gustav Neumann: Das Deutsche Reich in geographischer, statistischer und topographischer Beziehung. Band 2, G. F. O. Müller, Berlin 1874, S. 177 (). nach anderen Angaben 19.536 Einwohner (am 1. Dezember), davon 2624 Evangelische, 16.268 Katholiken, 644 JudenKönigliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Schlesien und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. Dezember 1871. Berlin 1874, S. 336–337, Ziffer 2. 1880 27.522 1885 32.072 1890 36.502 davon 4354 Evangelische, 31.316 Katholiken, 830 Juden 1900 57.919 davon 6665 Evangelische, 50.317 Katholiken, 925 Juden (25.256 Personen mit polnischer Muttersprache)Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 11, Leipzig/Wien 1907, S. 390. 1910 72.641 am 1. Dezember, davon 8306 Evangelische, 54.839 Katholiken, 894 Juden, 24 Sonstige (39.276 mit deutscher, 24.687 mit polnischer Muttersprache, 8366 Einwohner sprechen Deutsch und eine andere Sprache);Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon der Regierungsbezirke Allenstein, Danzig, Marienwerder, Posen, Bromberg und Oppeln. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und anderer amtlicher Quellen. Heft VI: Regierungsbezirk Oppeln, S. 22–23, Stadtkreis Königshütte. nach anderen Angaben davon 8573 Evangelische, 63.143 Katholiken

+ Anzahl Einwohner seit 1922 Jahr Einwohner 1934 81.000 1939 110.000 1946 110.000 1955 141.363 1977 156.600 1997 123.045 2007 113.469

Politik Stadtpräsidenten An der Spitze der Stadtverwaltung steht ein Stadtpräsident. Seit 2010 war dies Andrzej Kotala (PO), der 2024 von Szymon Michałek, der mit seinem eigenen Wahlkomitee antrat, abgelöst wurde. Die turnusmäßige Wahl 2024 brachte folgendes Ergebnis:Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 4. Juni 2024. Szymon Michałek (Wahlkomitee Szymon Michałek) 54,7 % der Stimmen Andrzej Kotala (Koalicja Obywatelska) 33,9 % der Stimmen Grzegorz Krzak (Prawo i Sprawiedliwość) 11,4 % der Stimmen

Damit setzte sich Michałek bereits im ersten Wahlgang gegen Amtsinhaber Kotala durch und wurde zum neuen Stadtpräsidenten gewählt.

Die turnusmäßige Wahl 2018 brachte folgendes Ergebnis:Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 11. August 2020. Andrzej Kotala (Koalicja Obywatelska) 65,0 % der Stimmen Leszek Piechota (Prawo i Sprawiedliwość) 14,6 % der Stimmen Adam Trzebinzyk (Kukiz’15) 5,5 % der Stimmen Artur Żurek (Unabhängiges Wahlkomitee Chorzów) 5,4 % der Stimmen

Damit wurde Kotala bereits im ersten Wahlgang wiedergewählt.

Stadtrat Der Stadtrat besteht aus 23 Mitgliedern (bis 2024: 25) und wird direkt gewählt. Die Stadtratswahl 2024 führte zu folgendem Ergebnis:Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 4. Juni 2024. Koalicja Obywatelska (KO) 44,8 % der Stimmen, 10 Sitze Wahlkomitee Szymon Michałek 37,9 % der Stimmen, 9 Sitze Prawo i Sprawiedliwość (PiS) 17,3 % der Stimmen, 4 Sitze

Die Stadtratswahl 2018 führte zu folgendem Ergebnis:Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 11. August 2020. Koalicja Obywatelska (KO) 51,8 % der Stimmen, 18 Sitze Prawo i Sprawiedliwość (PiS) 22,4 % der Stimmen, 7 Sitze Kukiz’15 6,9 % der Stimmen, kein Sitz Śląskiej Partii Regionalnej 6,2 % der Stimmen, kein Sitz Unabhängiges Wahlkomitee Chorzów 5,6 % der Stimmen, kein Sitz Übrige 7,1 % der Stimmen, kein Sitz

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