alternativtext=|mini|Menstruationstasse mini|Unterschiedliche Modelle von Menstruationstassen Eine Menstruationstasse (auch Menstasse, Menstruationsglocke, Menstruationskappe, Menstruationsbecher, Periodenbecher) ist ein meist kelchähnliches Produkt, das zum Auffangen des Menstruationssekrets in die Vagina eingeführt wird. Menstruationstassen sind wiederverwendbare Monatshygieneartikel.

Im Gegensatz zu Tampons oder Monatsbinden saugen Menstruationstassen die Menstruationssekrete nicht auf, sondern fangen die Flüssigkeit auf. Das biegsame Tässchen wird zusammengefaltet und wie ein Tampon in die Vagina eingeführt, wo es sich öffnet und bis zu 50 ml Flüssigkeit auffangen kann. Je nach Bedarf wird der kleine Behälter nach einigen Stunden entleert und kurz ausgespült, bevor er direkt wieder verwendet werden kann.Elizabeth Gunther Stewart, Paula Spencer: The V Book: A Doctor’s Guide to Complete Vulvovaginal Health. Bantam Books, 2002, ISBN 0-553-38114-8, S. 96–97.

Ebenso wie vaginal anzuwendende Verhütungsmittel (z. B. das Diaphragma) werden Menstruationstassen oft aus Silikon für den medizinischen Bedarf hergestellt, es gibt aber auch Modelle aus Gummi oder aus einem thermoplastischen Elastomer. Hersteller bieten verschiedene Größen, Farben und Ausführungen an. Menstruationstassen werden mittlerweile auch in Drogerien angeboten.

Geschichte Bereits im 19. Jahrhundert gab es Menstruationsprodukte, die in ihrer Funktion – Menstruationsblut aufzufangen, ohne es aufzusaugen – heutigen Menstruationstassen vergleichbar sind, etwa "Farr's Ladies' Menstrual Receptacle".

Als Erfinderin der ersten modernen Menstruationstasse wird häufig die amerikanische Künstlerin Leona Chalmers genannt. Sie war die Erste, die 1937 und 1950 Menstruationstassen zum Patent anmeldete.

Es gab allerdings bereits in den 1920er Jahren eine andere Firma, die in den USA Menstruationstassen unter dem Namen „Daintette“ von der Firma Dainty Maid, Inc. angeboten hatte, ohne dass dort ein Patent angemeldet wurde.A History of the Menstrual Cup. Daintette, an early cup. Auf: mum.org, abgerufen am 20. Juli 2021.

In den 1970er Jahren bot der Hersteller Tassette Inc. die Einweg-Menstruationstasse Tassaway an, der wirtschaftliche Erfolg blieb jedoch aus, so dass die Produktion eingestellt wurde.

Seit 1987 ist die Firma The Keeper Inc. aus Cincinnati, USA mit ihrem Moon Cup, einer wiederverwendbaren Menstruationstasse, auf dem Markt vertreten. Zu diesem Zeitpunkt waren Menstruationstassen seit rund 20 Jahren nicht mehr in kommerziellem Maßstab produziert und angeboten worden.

In den westlichen Ländern trägt mittlerweile auch der Wunsch, weniger Abfall zu produzieren, zu einer zunehmenden Verbreitung von wiederverwendbaren Hygieneprodukten wie Menstruationstassen, Naturschwämmen oder Periodenunterwäsche bei. Als ein möglicher Grund für die bisher geringe Verbreitung gilt die Tatsache, dass sich mit diesem Produkt deutlich weniger Geld verdienen lässt als mit Einwegartikeln.

Verwendung mini|Schematische Ansicht einer eingesetzten Menstruationstasse Die Menstruationstasse wird meist zusammengefaltet in die Vagina eingeführt, dort entfaltet sie sich zu der charakteristischen Becherform. Korrekt eingesetzt wird die Tasse sowohl von der Scheidenmuskulatur als auch durch den entstehenden Unterdruck gehalten. Anstatt zu wechseln, wird die Tasse entnommen, entleert, ausgespült und wieder eingesetzt. Nach der Menstruation wird die Tasse mit Sterilisationstabletten oder durch thermische Sterilisation mittels Auskochen oder Dampfsterilisation im Sterilisator sterilisiert.

Menstruationstassen können während der Periode für sechs bis zwölf Stunden in der Vagina verbleiben und lassen sich fünf bis zehn Jahre lang verwenden.Guide to menstrual hygiene materials. Menstrual Cup (engl) UNICEF, abgerufen am 20. Juli 2021. Eine Studie, bei der Tamponverwenderinnen die Menstruationstasse über einen gewissen Zeitraum ausprobierten, zeigte, dass dabei die Mehrheit der Versuchsteilnehmerinnen sich auch nach Ende des Studienzeitraumes für Menstruationstassen entschied.

Gemäß einer repräsentativen Studie aus dem Jahr 2019 unter Frauen im Alter zwischen 15 und 49 Jahren in Deutschland greifen knapp 80 % der Befragten auf Tampons als Menstruationshygieneprodukt zurück, während zwei Drittel Binden verwenden. Etwa 13 % der befragten Frauen verwenden Menstruationstassen.

Größen Da jede Vagina anders dimensioniert ist, kann nur eine Menstruationstasse in der richtigen Größe optimalen Halt finden.Hanna Zobel: Acht Dinge, die du wissen solltest, wenn du auf eine Menstruationstasse umsteigst. Hoch (auf) die Tassen! Der Spiegel, abgerufen am 20. Juli 2021. Aufgrund der Fülle an Herstellern von Menstruationstassen bieten die jeweiligen Angaben der Hersteller einen Anhaltspunkt zur Bestimmung der passenden Größe. Ein weiterer relevanter Faktor zur Ermittlung der geeigneten Größe ist die Beschaffenheit des Beckenbodens.

Eigenschaften Ökobilanz mini|Eine große Menstruationstasse kann bis zu drei Mal so viel Flüssigkeit aufnehmen wie ein Tampon und hält bis zu zehn Jahre Menstruationstassen werden unter anderem aus ökologischen Gründen zur Vermeidung von Müll empfohlen, der bei der Verwendung von Einwegprodukten entsteht.Leslie Garrett, Peter Greenberg: The Virtuous Consumer: Your Essential Shopping Guide for a Better, Kinder and Healthier World, New World Library, 2007, Seiten 17 bis 19, ISBN 1-930722-74-5.M. Sara Rosenthal: The Gynecological Sourcebook. McGraw-Hill Professional, 2003, ISBN 0-07-140279-9, S. 37 ff.

Im Laufe des Lebens verwendet eine Frau rund 17.000 Tampons und Binden. Hochgerechnet wurden allein in Nordamerika im Jahr 2019 rund 20 Milliarden Binden, Tampons und die, besonders in Nordamerika verbreiteten, Einführhilfen für Tampons über den Hausmüll entsorgt.

Verträglichkeit Da die Menstruationstasse aus Silikon, thermoplastischem Elastomer oder Gummi hergestellt wird, trocknet sie die Scheidenflora nicht aus und soll dadurch keine Infektionen oder Scheidenpilze hervorrufen.

Eine Untersuchung durch Öko-Test wies in 11 von 17 Monatshygieneprodukten Rückstände von Chemikalien nach. Neben Bleichmitteln konnten unter anderem Dioxin und Formaldehyd nachgewiesen werden, Produkte mit Baumwollanteil wiesen zudem Rückstände von Pestiziden auf. Derartige Belastungen der Schleimhäute im Intimbereich können durch die Verwendung von Menstruationstassen vermieden werden.

Kostenbilanz Im Vergleich zu Wegwerfhygiene ist die Verwendung einer Menstruationstasse nicht nur ökologischer, sondern auch deutlich günstiger, da nach der Anschaffung über lange Zeit keine zusätzlichen Kosten entstehen. Frauen menstruieren im Durchschnitt alle vier Wochen für drei bis sieben Tage. Insgesamt führt das zu 456 Perioden an insgesamt 2280 Tagen oder sechs zusammenhängenden Jahren. Im Jahr 2017 berechnete eine amerikanische Journalistin, dass sie in ihrem Leben etwa 15.500 Euro für Menstruationsprodukte und damit verbundene Kosten wie Schmerzmittel ausgeben wird. Obwohl es in Deutschland keine Studien zu den Kosten der Menstruation gibt, ist bekannt, dass die Mehrheit der Frauen Einwegprodukte wie Tampons und Binden verwendet. Laut einer Umfrage des Hamburger Marktforschungsinstituts Splendid Research aus dem Jahr 2019 kauften 96 Prozent der befragten Frauen Einwegprodukte. Im Landkreis Starnberg hat der lokale Abfallentsorgungsbetrieb als erster in Deutschland den bisherigen Zuschuss für Stoffwindeln auch auf Menstruationstassen und andere wiederverwendbare Periodenprodukte ausgeweitet, um einen finanziellen Anreiz zur Müllvermeidung zu schaffen. Geruchsvermeidung Da die Menstruationstasse gefaltet eingeführt wird und daher kein Sauerstoff zum Menstruationsblut gelangt, entstehen keine unangenehmen Gerüche. Darüber hinaus kann der Kontakt mit körperbelastenden Stoffen vermieden werden, wie sie in Tampons und Binden, die eventuell gebleicht oder chemisch behandelt sind, vorkommen können.

Hygiene bei der Verwendung außer Haus mini|Gefüllte Menstruationstasse Die Tasse in gemeinsam genutzten Toiletten zu reinigen, wenn sich das Waschbecken im Vorraum befindet, ist vielen Frauen unangenehm. Eine Alternative ist das Auswischen mit Toilettenpapier, oder das Ausspülen der Kappe mit mitgeführtem Wasser in der Toilettenkabine. Herkömmliche Feuchttücher sollten dagegen nicht verwendet werden. Zahlreiche Hersteller bieten jedoch spezielle Feuchttücher auf Wasser- und Alkoholbasis an, die zur Reinigung und Desinfektion von Menstruationstassen konzipiert sind. An Tagen mit einer starken Blutung ist es alternativ auch möglich, eine frische Ersatztasse in einer geeigneten Verpackung dabeizuhaben.

Da die Tasse ohne Probleme bis zu zwölf Stunden getragen werden kann, ist ein Leeren in öffentlichen Toiletten meistens nicht nötig.

Zusätzliche Einsatzgebiete Die Menstruationstasse kann bereits vor Beginn der Periode eingesetzt und auch nach dem Coitus zum Sammeln der Samenflüssigkeit getragen werden.Sarah Charlotte Dionisius: Heteronormative Regulierungen von Reproduktion und Praktiken der Aneignung. In: Queere Praktiken der Reproduktion. transcript Verlag 2021, ISBN 978-3-8394-5624-8. S. 99 Menstruationstassen können je nach Größe ein größeres Aufnahmevermögen als Tampons haben. Auch in Situationen, in denen eine Entsorgung der Hygieneprodukte schwierig sein kann, wie etwa auf Toiletten ohne Abfalleimer, auf Trekkingtouren oder Reisen in unwegsame Gebiete, bietet sich die Nutzung wiederverwendbarer Produkte an.Gary Fujimoto, Marc Robin, Brad Dessery: The Traveler’s Medical Guide: The Comprehensive Self-care Source for All Aspects of Healthy Global Travel. Prairie Smoke Press, 2003, ISBN 0-9704482-5-2, Kapitel 4: Women and Travel (S. 107 ff.)

Bedeutung in Entwicklungsländern mini|Frauen in Kenia bei einer Aufklärungsveranstaltung UNICEF hat mittlerweile sogar eine Aufklärungskampagne zum Thema Menstruation ins Leben gerufen. Obwohl eine Frau etwa sieben Jahre in ihrem Leben menstruiert, sind viele Mädchen nicht ausreichend über die dazugehörigen körperlichen Vorgänge aufgeklärt. Unzureichende Hygiene kann zu urogenitalen Infektionen führen. Darüber hinaus sind Wegwerfprodukte zur einmaligen Nutzung in Entwicklungsländern für die meisten Frauen zu teuer. Da 2,3 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sanitären Anlagen haben und in den ärmsten Ländern nur 27 Prozent der Bevölkerung fließendes Wasser und die Möglichkeit haben, sich mit Seife die Hände zu waschen, stellt die Menstruation für die hier lebenden Mädchen und Frauen ein Gesundheitsrisiko dar. Darüber hinaus verfügt nur etwa die Hälfte der Schulen in diesen Ländern über einen Wasseranschluss und die sanitären Anlagen, die einen hygienischen Umgang mit der Periode ermöglichen würden, so dass viele Mädchen während der Menstruation nicht zur Schule kommen.FAST FACTS: Nine things you didn't know about menstruation (engl) UNICEF, abgerufen am 20. Juli 2021.