Bei den Leichtathletik-Europameisterschaften 2006 wurden 23 Wettbewerbe der Frauen ausgetragen. Ergänzend hinzu kam nun auch der 3000-Meter-Hindernislauf. So war das EM-Programm für Frauen und Männer fast identisch. Abweichungen gab es in der Länge der kurzen Hürdenstrecke, in den Gewichten der Wurfgeräte sowie in der Anzahl der Mehrkampfdisziplinen. Einzig das 50-km-Gehen blieb noch alleine den Männern vorbehalten.
100 m Platz Athletin Land Zeit (s) 1 Kim Gevaert 11,06 2 Jekaterina Grigorjewa 11,22 3 Irina Chabarowa 11,22 4 Joice Maduaka 11,24 5 Julija Guschtschina 11,31 6 Julija Neszjarenka 11,34 7 Sylviane Félix 11,40 8 Daria Onyśko 11,43 Datum: 9. August, 20:25 Uhr
Wind: +0,8 m/s
Kim Gevaert wirkte vom Vorlauf bis zum Halbfinale so souverän, dass sie als klare Favoritin ins Finale ging. Sie wurde dieser Rolle gerecht und siegte überlegen. Kim Gevaert gewann die erste Goldmedaille bei Europameisterschaften für Belgien seit 1971.
200 m Platz Athletin Land Zeit (s) 1 Kim Gevaert 22,68 2 Julija Guschtschina 22,93 3 Natalja Russakowa 23,09 4 Monika Bejnar 23,28 5 Sylviane Félix 23,45 6 Jekaterina Kondratjewa 23,58 7 Olena Tschebanu 23,63 8 Angela Moroșanu 23,66 Datum: 11. August, 20:45 Uhr
Wind: −0,8 m/s
Seit den ersten Europameisterschaften für Frauen 1938 hatte keine Belgierin Gold gewinnen können. Nun konnte Kim Gevaert zwei Tage nach ihrem Titelgewinn über 100 Meter auch 200 Meter souverän für sich entscheiden. Im Ziel wurde sie von der Hochspringerin Tia Hellebaut erwartet, die unmittelbar vor dem Start des 200-Meter-Laufes Hochsprung-Gold gewonnen hatte. Die beiden Belgierinnen gingen gemeinsam auf die Ehrenrunde.
400 m Platz Athletin Land Zeit (s) 1 Wanja Stambolowa 49,85 2 Tatjana Weschkurowa 50,15 3 Olga Saizewa 50,28 4 Marijana Dimitrowa 50,64 PB 5 Ilona Ussowitsch 50,69 NR 6 Nicola Sanders 50,87 7 Swetlana Pospelowa 50,90 8 Joanne Cuddihy 51,46 Datum: 10. August, 18:50 Uhr
Wie bei den Männern war auch bei den Frauen der 400-Meter-Lauf der erste Wettbewerb, in dem keine Endlaufteilnehmerin von 2002 das Finale erreichte. Allerdings waren erfahrene Staffelläuferinnen am Start. Die Siegerin Wanja Stambolowa hatte in den vorherigen Runden ihre Mitfavoritenrolle gefestigt. Als größte Überraschung darf gewertet werden, dass die andere Favoritin Olga Saizewa „nur“ Bronze gewann. Die Belarussin Ilona Ussowitsch hatte bereits in der Qualifikation einen neuen Landesrekord aufgestellt (50,74 s) und unterbot diesen dann im Finale nochmals.
800 m Platz Athletin Land Zeit (min) 1 Olga Kotljarowa 1:57,38 2 Swetlana Kljuka 1:57,48 3 Rebecca Lyne 1:58,45 4 Tetjana Petljuk 1:58,65 5 Brigita Langerholc 1:59,30 6 Teodora Kolarowa 2:00,00 PB 7 Mayte Martínez 2:00,10 8 Swetlana Tscherkassowa 2:03,43 Datum: 10. August, 20:05 Uhr
Die Russinnen waren nach der Bestenliste vor den Europameisterschaften mit den schnellsten Zeiten gemeldet und mussten nur ein langsames Rennen fürchten, weil dann die Spurtkraft der Spanierin Martínez zu beachten war. Swetlana Tscherkassowa opferte ihre Chancen und gab die Tempomacherin. Sie fiel zwar am Schluss auf den letzten Platz zurück, aber ihre Teamkolleginnen gewannen Gold und Silber. Die Siegerin Olga Kotljarowa, seit Jahren Mitglied erfolgreicher russischer 4-mal-400-Meter-Staffeln, kam nach ihrem Umstieg auf die 800-Meter-Distanz zu ihrem ersten großen Einzeltitel.
1500 m Platz Athletin Land Zeit (min) 1 Tatjana Tomaschowa 3:56,91 CR 2 Julija Tschischenko 3:57,61 3 Daniela Jordanowa 3:59,37 4 Jelena Sobolewa 4:00,36 5 Lidia Chojecka 4:01,43 6 Corina Dumbrăvean 4:02,24 7 Natalija Tobias 4:02,71 PB 8 Iryna Lischtschynska 4:04,98 Datum: 13. August, 15:55 Uhr
Wie in fast allen Rennen der Frauen wurde auch in dieser Entscheidung von Beginn das Tempo forciert. Die zweimalige Weltmeisterin konnte nach Bronze in München 2002 nun auch Europameisterschaftsgold gewinnen. Die Bulgarin Jordanowa, Fünfte in München 2002, eroberte im Endspurt noch Platz drei und verhinderte einen russischen Dreifachsieg.
5000 m Platz Athletin Land Zeit (min) 1 Marta Domínguez 14:56,18 CR 2 Lilija Schobuchowa 14:56,57 3 Elvan Abeylegesse 14:59,29 4 Joanne Pavey 15:01,41 5 Wolha Krauzowa 15:06,47 6 Sabrina Mockenhaupt 15:11,38 7 Susanne Wigene 15:11,79 8 Krisztina Papp 15:16,85 Datum: 12. August, 17:15 Uhr
Von den acht Erstplatzierten hatten vier Läuferinnen am Montag zuvor bereits am 10.000-Meter-Lauf teilgenommen. Die Siegerin Marta Domínguez konnte ihren Titel von 2002 erfolgreich verteidigen. Die gebürtige Äthiopierin Elvan Abeylegesse hatte im 10.000-Meter-Lauf entkräftet aufgegeben, konnte sich aber hinreichend erholen, um die erste Medaille für die Türkei bei diesen Europameisterschaften zu gewinnen. Die Britin Jo Pavey hatte für die entscheidende Tempoverschärfung gesorgt, konnte aber nicht in die Medaillenränge laufen.
10.000 m Platz Athletin Land Zeit (min) 1 Inga Abitowa 30:31,42 PB 2 Susanne Wigene 30:32,36 PB 3 Lidija Grigorjewa 30:32,72 PB 4 Galina Bogomolowa 30:35,90 5 Lornah Kiplagat 30:37,26 6 Jeļena Prokopčuka 30:38,78 NR 7 Marta Domínguez 30:51,69 NR 8 Sabrina Mockenhaupt 31:40,28 Datum: 7. August, 20:10 Uhr
Alle drei Medaillengewinnerinnen – die Russin Inga Abitowa, die Norwegerin Susanne Wigene und die Russin Lidija Grigorjewa – liefen persönliche Bestleistungen. Die Viertplatzierte Galina Bogomolowa und die Niederländerin Lornah Kiplagat erreichten jeweils die Saisonbestzeit. Die Lettin Jeļena Prokopčuka und die Spanierin Marta Domínguez stellten nationale Rekorde auf. Persönliche Saisonbestleistungen erreichten die achtplatzierte Deutsche Sabrina Mockenhaupt und ihre Landsfrau Irina Mikitenko auf dem neunten Platz. Die Schweizerin Mirja Jenni-Moser wurde mit persönlicher Bestleistung Siebzehnte.
Marathon
Platz Athletin Land Zeit (h) 1 Ulrike Maisch 2:30:01 PB 2 Olivera Jevtić 2:30:27 PB 3 Irina Permitina 2:30:53 4 Živilė Balčiūnaitė 2:31:01 5 Bruna Genovese 2:31:15 6 Alewtina Biktimirowa 2:31:23 7 Deborah Toniolo 2:31:31 8 Giovanna Volpato 2:32:04 Datum: 12. August, 12:10 Uhr
Ulrike Maisch hatte 2002 den achten Platz belegt und war hier eigentlich nur als drittstärkste deutsche Läuferin eingeschätzt worden. Sie lief das Tempo der Spitzengruppe bei den ersten Beschleunigungen nach der Halbmarathonmarke nicht mit, konnte aber im Schlussabschnitt alle Läuferinnen überholen und die erste Goldmedaille im Marathon der Frauen für Deutschland gewinnen. Olivera Jevtić gewann die erste Medaille für Serbien bei diesen Europameisterschaften.
100 m Hürden Platz Athletin Land Zeit (s) 1 Susanna Kallur 12,59 2 Kirsten Bolm 12,72 2 Derval O’Rourke 12,72 NR 4 Glory Alozie 12,86 5 Aurelia Trywiańska 12,90 6 Alexandra Antonowa 12,93 7 Jenny Kallur 12,94 8 Adrianna Lamalle 12,99 Datum: 11. August, 19:50 Uhr
Wind: +0,5 m/s
Susanna Kallur errang das erste Gold einer schwedischen Läuferin seit 1982 Ann-Louise Skoglund den 400-Meter-Hürdenlauf gewonnen hatte. Da Susanna Kallurs Zwillingsschwester Jenny nur Siebte wurde, konnten die Kallur-Schwestern nicht den Erfolg der Brüder Mirosław Wodzyński und Leszek Wodzyński wiederholen, die als Geschwister im 110-Meter-Hürdenlauf bei den Europameisterschaften 1974 zwei Medaillen gewannen.
Zuerst wurde die Irin Derval O’Rourke mit Landesrekord als alleinige Zweitplatzierte geführt. Nach Auswertung der beiden Zielfotos legte die deutsche Mannschaft Protest ein, dem stattgegeben wurde. So bekam Kirsten Bolm ebenfalls Silber überreicht.
400 m Hürden Platz Athletin Land Zeit (s) 1 Jewgenija Issakowa 53,93 PB 2 Fani Chalkia 54,02 3 Tetjana Tereschtschuk-Antipowa 54,55 4 Claudia Marx 54,99 5 Natalja Iwanowa 55,04 PB 6 Anna Jesień 55,16 7 Tasha Danvers-Smith 55,56 8 Anastassija Rabtschenjuk 55,74 Datum: 9. August, 20:10 Uhr
3000 m Hindernis Platz Athletin Land Zeit (min) 1 Alesja Turawa 9:26,05 CR 2 Tatjana Petrowa 9:28,05 3 Wioletta Janowska 9:31,62 4 Ljubow Iwanowa 9:33,53 5 Veerle Dejaeghere 9:35,78 6 Jelena Sidortschenkowa 9:38,05 7 Ida Nilsson 9:39,24 NR 8 Zulema Fuentes-Pila 9:40,36 NR Datum: 12. August, 16:15 Uhr
Der 3000-Meter-Hindernislauf der Frauen wurde erstmals im Rahmen der Europameisterschaften ausgetragen. Die Siegerin Alesja Turawa lief persönliche Saisonbestleistung; sie ist die Schwester der Geherin Ryta Turawa, die hier in Göteborg das 20-km-Gehen gewann.
In den Qualifikationswettbewerben wurden gleich drei Landesrekorde gebrochen. Von der Niederländerin Miranda Boonstra (9:45:87 min), von Elena Romagnolo aus Italien (9:52:38 min) und von der Griechin Irini Kokkinariou (9:53:07 min). Alle drei konnten sich jedoch nicht für das Finale qualifizieren.
4 × 100 m Staffel Platz Land Athletinnen Zeit (s) 1 Julija GuschtschinaNatalja RussakowaIrina ChabarowaJekaterina Grigorjewa 42,71 2 Anyika OnuoraEmma AniaEmily FreemanJoice Maduaka 43,51 3 Julija NeszjarenkaNatallja SafronnikawaAlena NeumjarschyzkajaAksana Drahun 43,61 4 Olena TschebanuHalyna TonkowydIryna SchtanhejewaIryna Schepetjuk 43,97 5 Susanna KallurCarolina KlüftJenny KallurEmma Green 44,16 DSQ Katja WakanMarion WagnerCathleen TschirchVerena Sailer Véronique MangFabienne Beret-MartinelAdrianna LamalleMuriel Hurtis-Houairi Hanna MariënFrauke PenenOlivia BorléeKim Gevaert Datum: 13. August, 14:50 Uhr
Der Zieleinlauf in diesem Rennen war sehr übersichtlich, nachdem gleich drei Staffeln wegen Wechselfehlern das Ziel nicht erreichten. Die russische Mannschaft war allen anderen Teams deutlich überlegen; sie bestand ausschließlich aus Läuferinnen, die bei diesen Europameisterschaften im 100-Meter- oder im 200-Meter-Lauf Medaillen gewonnen hatten. Die schwedische Staffel, bestehend aus zwei Hürdenläuferinnen, einer Hochspringerin und einer Siebenkämpferin, hatte zwar die prominenteste Besetzung, die Wechsel waren jedoch nicht sicher und so erreichte das Team nur mit Glück das Ziel.
Die irische Staffel, die sich nicht für das Finale qualifizieren konnte, lief im Vorlauf mit 44,38 s irischen Landesrekord.
4 × 400 m Staffel Platz Land Athletinnen Zeit (min) 1 Swetlana PospelowaNatalja IwanowaOlga SaizewaTatjana Weschkurowa 3:25,12 2 Juljana SchalnjarukSwjatlana UssowitschHanna KosakIlona Ussowitsch 3:27,69 3 Monika BejnarGrażyna ProkopekEwelina SętowskaAnna Jesień 3:27,77 4 Lee McConnellEmma DuckMarilyn OkoroNicola Sanders 3:28,17 5 Korinna FinkClaudia HoffmannAnja PollmächerClaudia Marx 3:28,18 6 Ksenija KarandjukOksana IljuschkinaOksana SchtscherbakNatalija Pyhyda 3:30,95 7 Phara AnacharsisThélia SigèreAnita MormandSolen Désert 3:32,38 8 Monika GatschewskaMarijana DimitrowaTeodora KolarowaNedjalka Nedkowa 3:33,75 Datum: 13. August, 16:15 Uhr
20 km Gehen Platz Athletin Land Zeit (h) 1 Ryta Turawa 1:27:08 2 Olga Kaniskina 1:28:35 3 Elisa Rigaudo 1:28:37 4 Kjersti Plätzer 1:28:45 5 Claudia Ștef 1:29:27 6 Sabine Zimmer 1:29:56 7 Sylwia Korzeniowska 1:30:31 NBL 8 Vera Santos 1:30:41 PB Datum: 9. August, 17:15 Uhr
Ryta Turawa setzte sich bereits im Stadion unmittelbar nach dem Start deutlich von allen Verfolgerinnen ab und ging zu einem in keiner Phase des Wettbewerbs gefährdeten Start-Ziel-Sieg. Ryta Turawa ist die Schwester von Alesja Turawa, die in Göteborg den 3000-Meter-Hindernislauf gewann. Die siebtplatzierte Polin Sylwia Korzeniowska ging neue Bestleistung. Sie ist die jüngere Schwester von Robert Korzeniowski, der 1998 und 2002 Europameister im 50-km-Gehen war.
Hochsprung Platz Athletin Land Höhe (m) 1 Tia Hellebaut 2,03 NR / CR 2 Wenelina Wenewa 2,03 CR 3 Kajsa Bergqvist 2,01 4 Blanka Vlašić 2,01 4 Jelena Slessarenko 1,99 4 Iryna Mychaltschenko 1,95 7 Jekaterina Sawtschenko 1,95 7 Anna Tschitscherowa 1,95 Datum: 11. August, 18:30 Uhr