Reichenbach ist eine Ortschaft der Stadt Gengenbach im Ortenaukreis in Baden-Württemberg, rund 10 Kilometer südlich von Offenburg. Reichenbach besteht aus seinem Dorfkern Reichenbach und den fünf Ortsteilen Mittelbach, Schwärzenbach, Sondersbach, Haigerach und Pfaffenbach. Die Ortschaft zählt rund 1.900 Einwohner.

Geographie Reichenbach liegt in einem breiten Seitental des vorderen Kinzigtals im Mittleren Schwarzwald, rund drei Kilometer nördlich von Gengenbach. Die Gemarkung reicht von der Kinzig bis weit ins Bergland hinein. Zu ihr gehören das Dorf Reichenbach, die Höfe Binzmatte, Haigerach, Hohgrund, Höllhof, Mittelbach, Mooshof, Pfaffenbach, Schlehenwald, Schwärzenbach und Sondersbach, die Wohnplätze Gaishut und Sägmühle und die abgegangenen Ortschaften Grube und Schnaiberg.

Die Ortschaft erstreckt sich von 171 m am Ausfluss des Reichenbachs in die Kinzig im Südwesten, bis auf auf dem Siedigkopf im Nordosten, der wie der nahe Mooskopf (auch Geißschleifkopf genannt, ) ein Gipfel der Moos ist, über den die Stadt- und Teilortgrenze gegen Nordrach läuft.

Von der Kinzig bis zur Moos erstreckt sich die Gemarkung über etwa 8,5 km, quer dazu erreicht die Gemarkung eine maximale Breite von etwa 5,5 km. Die Reichenbacher Gemarkung ist mit 2.762,97 ha mehr als vier Mal so groß, wie die des zentralen Gengenbachs (653,25 ha) und die zehntgrößte des Ortenaukreises. Etwa 1.800 ha der Gemarkung sind von Wald bedeckt, davon sind etwa 800 ha Privatwald, 800 ha Staatswald, 140 ha Gemeindewald und 60 ha Kirchenwald.

Die heutige Siedlung Reichenbachs bietet vom Kinzigtal her den Anblick einer schier endlosen Straßensiedlung, die sich erst im Bereich der Hubstraße verbreitert und nach der Mühlmatt in die rein erhaltenen Hofsiedlungen übergeht.

Durch das Reichenbachtal fließt der namensgebende 9 Kilometer lange Reichenbach, welcher am Fuße des Reichenbachtales in die Kinzig mündet. In den Reichenbach münden wiederum der Mühlbach, der Mittelbach, der Schwärzenbach und der Sondersbach. Durch das Haigerachtal fließt der namengebende 7,5 Kilometer lange Haigerach, in den der Pfaffenbach mündet, bevor er auf der Gemarkung Gengenbachs in die Kinzig mündet.

Der L99-Kreisverkehr auf der Reichenbacher Gemarkung liegt geografisch fast genau am Mittelpunkt des Ortenaukreises.

Nachbargemeinden Die Grenze der Gemarkung verläuft im Norden gegen die Gemeinde Durbach und die Gemarkung Ödsbach, ein Teilort von Oberkirch, im Osten gegen die Gemeinde Nordrach, im Süden gegen die Gemarkung des Gengenbacher Teilorts Schwaibach und die der Stadt Gengenbach selbst, im Südwesten kurz längs der Kinzig gegen die Gemeinde Berghaupten und im Nordwesten gegen die Gemeinde Ohlsbach.

Früher grenzte Reichenbach auch an die Gemarkung Nordrach Fabrik, diese wurde jedoch 1929 nach Nordrach eingemeindet und ist heute als Nordrach-Kolonie bekannt.

Flurnamen Reichenbach:

Wolfshag, Grün, Hoheld, Herg, Hub, Runzenmatt, Deichfeld, Remersbühnd, Spöcke

Schwärzenbach:

Wannenmatt, Binzengraben, Felsenmatt, Rebacker, Rebdobel, Lochenacker, Scheibenköpfle, Höll (Buttenhöll), Gaicht

Mittelbach:

Scheidegrund, Hasendobel, Senderbach, Moosbach, Späneplatz, Linde, Störhalte, Finkeneck, Schlewald, Helsenbühl (Stachelbeeren), Krähendobel, Holzmatt, Eichhalde, Hohgrund

Sondersbach:

Rebacker, Roßmatt, Spitzwinkelbrunnen, Harzhütte, Gerstenacker, Rennhalde, Heidengraben, Lehdobel, Schwandeck, Stockacker

Haigerach und Pfaffenbach:

Bruacker, Bühnd, Schwarzrain, Sorben (Bergbau), Sauerstein, Alt Gengenbach, Kornebene

Waldgebiete:

Sommerwald, Buchrain, Rothwäldele, Herrenwäldele, Niederholz, Nellenwald, Gaishaut, Schneitberg, Mooswald, Stockwald, Krähenwald, Kohlerwald, Holzwald, Schlehenwald, Immensteinwäldele

Geschichte

Von der Gründung bis 1800 Reichenbach wurde im 12. Jahrhundert von Mönchen des Benediktiner-Klosters Gengenbach gerodet. Überlieferungen erzählen, dass ein Mönch mit Namen Richo(w) die Aufgabe erhielt, das im Norden seiner Abtei gelegene Tal urbar zu machen. Daraus entstand zunächst der Name Richenbach, aus dem das heutige Reichenbach wurde. Eine erste urkundliche Nennung Reichenbachs erfolgte im Jahr 1235 n. Chr., jedoch wurde ein Dinghof in Reichenbach bereits 1139 urkundlich erwähnt. Neben Reichenbach ließ das Kloster unter anderem auch den Haigerach roden, um Bauernhöfe für die Versorgung mit Lebensmitteln sicherzustellen. In einer zweiten Rodungsphase wurden die hinteren Täler (Schwärzenbach, Sondersbach, Mittelbach, Pfaffenbach, Gaishut) gerodet und besiedelt. Sowohl die St. Peter und Paul-Kapelle in Reichenbachtal, als auch die St. Michael-Kapelle im Haigerach wurden im 12. Jahrhundert gebaut. Die Kapelle in Reichenbach wurde erstmals 1235 erwähnt, die Kapelle im Haigerach 1298. Laut Stiftungsurkunden wurden wöchentlich zwei bis drei Messen in der Peter und Paul-Kapelle abgehalten. Der älteste Wohnbezirk war die Kurie Reichenbach-Hub rings um die St. Peter und Paul-Kapelle. Kurz danach wurde eine Siedlung im Haigerach erwähnt. Im 13. Jahrhundert dürfte wohl der Höllhof entstanden sein. Am 3. September 1297 befreite der deutsche König Adolf von Nassau die Einwohner Reichenbachs von allen Abgaben und Steuern. Im 14. Jahrhundert wurde die Binzmatt gerodet. 1483 werden "Richenbach" und "Pfaffenbach" als zu Gengenbach gehörende Ortschaften aufgezählt. Bis ins 16. Jahrhundert wurde im Haigerach geflößt. Carl Isenmann schrieb dazu: „Dem jungen Hofbauer Michael Späth wird gestattet, sein Holländerholz durch den Haigerachbach nach der Kinzig zu flößen […].“ Laut Grundstein im Keller, wurde das Gebäude in welchem sich heute das Martinsteinhiesle befindet, schon 1620 erbaut. Eine Eintragung in einem Protokollbuch vom 16. Oktober 1627 benennt Mathis Schläfer als Zehntknecht, welcher mit der Bewirtschaftung des Klostergut Reichenbach beauftragt war.

Ursprünglich wurde die grundherrliche und hoheitliche Verwaltung durch die Klosterhöfe übernommen. Die Täler bildeten je eine Geburschaft mit dem Vogt an der Spitze. 1366 wurden sie Teil der freien Reichsstadt Gengenbach. Die Geburschaften in Reichenbach bildeten zusammen eine Wirtschaftsgemeinschaft, den Stab Reichenbach mit einem Heimburge als örtlichen Vollzugsbeamten der Stadt und Stabhalter.

Sagenumwoben ist auch der Martinstein im Mittelbachtal. Der Sandstein trägt den Namen des frommen Bauern Martin Späth, der jeden Abend dort sein Nachtgebet sprach. Schließlich wurde ihm auf diesem Stein offenbart, dass der Name seines Geschlechts auf seinem Hofgut nie aussterben werde. In dem Sandstein soll man noch heute die Spuren des Martin Späth erkennen können. Der 1,20 m lange und 80 cm breite Martinstein ist noch heute ein beliebtes Wanderziel. Der fromme Bauer Späth ist nicht nur durch den Martinstein heute noch bekannt. Eine Sage erzählt, der Hofgrundbauer habe für sein Begräbnis eine eigenartige Vorgehensweise festgelegt. Sein Wunsch war, dass der Sarg mit seinem Leichnam, auf einem Wagen von zwei jungen Ochsen gezogen wurde und ihnen freien Lauf gelassen wurde. Wie der Bauer es bestimmt hatte, wurde an der Stelle, wo sein Totenwagen zum ersten Mal anhielt, ein Bildstock errichtet. Am zweiten Halt, an dem das Ochsengespann mit dem Sarg hielt, wurde eine Kapelle, die Peter und Paul-Kapelle, gebaut. Und wie der Bauer es wünschte, wurde an der Stelle, wo das Gespann zum dritten Mal anhielt, eine Kirche erbaut, die seinem Namenspatron Sankt Martin geweiht wurde. Diese ist die St. Martinkirche in Gengenbach.

Bis zur Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg existierte auf der Reichenbacher Gemarkung direkt an der Kinzig der Weiler Herg, ein damals selbstständiges Lehen der Abtei Gengenbach. Heute erinnert nur noch der Flurname "Auf der Herg" an den Weiler.

Mindestens seit dem 16. Jahrhundert wurde auf der heutigen Gemarkung Reichenbach Bergbau betrieben. Bekannt ist unter anderem die Grube Silberbrünnle im Haigerach, dort wurde nach Blei-, Silber- und Kupfererzen gesucht. Zudem wurde unter anderem Tsumcorit, Arseniosiderit, Libethenit, Cornubit, Gartrellit, Pseudomalachit, Reichenbachit und Klinoklas gefunden. Der Eingang zur damaligen Grube ist heute verschüttet, die Bergbauhalde, auf welche nicht brauchbare Steine von den Bergleuten entsorgt wurden, ist heute noch sichtbar. 1909, kurz nach Beginn des 20. Jahrhunderts, wurden die Bergbau-Aktivitäten eingestellt. Doch auch im Mittelbach wurde Bergbau betrieben. 1708 wurde der heutige Göppert-Hof erbaut. 1732 wurde die erste Glocke der St. Peter und Paul-Kapelle gegossen. 1789 regte sich in Reichenbach Widerstand und einige Bauern verweigerten Frondienste. Man rottete sich zusammen und man zog gemeinsam nach Gengenbach um bei Rat der Stadt ihre Forderungen vorzubringen, vor allem den Verfall der Kapelle zu unterbinden.

19. Jahrhundert Lange Zeit gehörte Reichenbach herrschaftlich zu Gengenbach, erst 1803 wurde der Ort zum ersten Mal eigenständig, da durch den Reichsdeputationshauptschluss alle Reichsstädte und Reichsabteien der Ortenau aufgelöst wurden und in die Obhut der Markgrafschaft Baden übergingen. Im 19. Jahrhundert ist der Wegzug von Reichenbacher Einwohnern nach Südrussland, genauer in die Schwarzmeerregion und den Kaukasus, nachgewiesen. Im 19. Jahrhundert entstand das Reichenbacher Rathaus mit der Gemeindeverwaltung. Von 1807 bis 1872 gehörte Reichenbach zur Verwaltungseinheit des Bezirksamtes Gengenbach. Bis ins 19. Jahrhundert war Pfaffenbach ein Klosterhof mit eigener Gemarkung und wurde erst 1808 Reichenbach zugeschlagen. Ebenfalls die Bezirke der Kurien Gaishut und Binzmatt waren unabhängig und wurden Reichenbach zugeschlagen. Im selben Jahr gelangte Haigerach zu Reichenbach. 1811 zählte man auf den Schulen in Reichenbach und im Haigerach gesamt 134 Schulkinder. Der Lehrer in Reichenbach bekam 115 Gulden von der Gemeinde und 15 Gulden vom St. Erhardsfond. Der Lehrer im Haigerach 27 Gulden von der Gemeinde und 15 von Fond. 1813 wurde die Banngrenze zwischen Gengenbach und Reichenbach beschrieben. 1818 wurde das Galgenbrückle erbaut, auf diesem fanden bis in die 1850er-Jahre Hinrichtungen der Stadt Gengenbach statt. 1821 wurde der kleine Mooshof gebaut. Zwischen 1820 und 1826 fanden in der Kapelle nur neun stille Messen statt. 1832 wurde das Bürgermeisteramt gebildet. 1836 wurde die alte Abgabe von 9 Viertel Korn an das Kloster aufgehoben. 1872 wechselte Reichenbach vom Bezirksamt Gengenbach zum Bezirksamt Offenburg, wo die Gemeinde bis 1939 verblieb. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts wurde der Schulunterricht in einem Bauernhaus durchgeführt, ab Mitte des 19. Jahrhunderts dann im Rathaus. Dieses wurde eben zu dieser Zeit erbaut. Im Jahr 1878 sind die ersten Fasendaktivitäten im Dorf belegt. Dort fand am Fasendssonntag eine Tanzveranstaltung im Gasthaus Rössle statt. 1880 wurde die Freiwillige Feuerwehr in Reichenbach gegründet, zum ersten Kommandant wurde Bürgermeister Georg Huber. Im Fragebogen Badische Volksstunde von 1895 wird beschrieben, dass der Fasnachtssonntag mit Tanzmusik unter großer Beteiligung der Einwohner gefeiert wird. 1890 wurde der Moosturm auf dem Mooskopf erbaut. 1892 folgte die Gründung der Musikkapelle.

20. Jahrhundert