Die 27. Division (2. Königlich Württembergische), für die Dauer des mobilen Verhältnisses im Ersten Weltkrieg auch als 27. Infanterie-Division bezeichnet, war ein Großverband der Württembergischen Armee in Verbund der Armee des Deutschen Kaiserreiches.

Organisation Verbandszugehörigkeit Die Division war Teil des XIII. (Königlich Württembergisches) Armee-Korps.

Gliederung Friedensgliederung vom 1. August 1914 53. Infanterie-Brigade (3. Königlich Württembergische) in Ulm Grenadier-Regiment „König Karl“ (5. Württembergisches) Nr. 123 in Ulm Infanterie-Regiment „König Wilhelm I.“ (6. Württembergisches) Nr. 124 in Weingarten 54. Infanterie-Brigade (4. Königlich Württembergische) in Ulm Infanterie-Regiment „Kaiser Wilhelm, König von Preußen“ (2. Württembergisches) Nr. 120 in Ulm 9. Württembergisches Infanterie-Regiment Nr. 127 in Ulm und Wiblingen 10. Württembergisches Infanterie-Regiment Nr. 180 in Tübingen und Gmünd 27. Kavallerie-Brigade (2. Königlich Württembergische) in Ulm Ulanen-Regiment „König Karl“ (1. Württembergisches) Nr. 19 in Ulm und Wiblingen Ulanen-Regiment „König Wilhelm I.“ (2. Württembergisches) Nr. 20 in Ludwigsburg 27. Feldartilleriebrigade (2. Königlich Württembergische) in Ulm Feldartillerie-Regiment „König Karl“ (1. Württembergisches) Nr. 13 in Ulm und Cannstatt 3. Württembergisches Feldartillerie-Regiment Nr. 49 in Ulm Württembergisches Pionier-Bataillon Nr. 13 in Ulm Württembergische Train-Abteilung Nr. 13

Kriegsgliederung bei Mobilmachung 1914 53. Infanterie-Brigade (3. Königlich Württembergische) Grenadier-Regiment „König Karl“ (5. Württembergisches) Nr. 123 Infanterie-Regiment „König Wilhelm I.“ (6. Württembergisches) Nr. 124 54. Infanterie-Brigade (4. Königlich Württembergische) Infanterie-Regiment „Kaiser Wilhelm, König von Preußen“ (2. Württembergisches) Nr. 120 9. Württembergisches Infanterie-Regiment Nr. 127 Ulanen-Regiment „König Karl“ (1. Württembergisches) Nr. 19 27. Feldartilleriebrigade (2. Königlich Württembergische) Feldartillerie-Regiment König Karl (1. Württembergisches) Nr. 13 3. Württembergisches Feldartillerie-Regiment Nr. 49 2. und 3. Kompanie/Württembergisches Pionier-Bataillon Nr. 13

Kriegsgliederung vom 8. März 1918 53. Infanterie-Brigade (3. Königlich Württembergische) Infanterie-Regiment „Kaiser Wilhelm, König von Preußen“ (2. Württembergisches) Nr. 120 Grenadier-Regiment „König Karl“ (5. Württembergisches) Nr. 123 Infanterie-Regiment „König Wilhelm I.“ (6. Württembergisches) Nr. 124 MG-Scharfschützen-Abteilung Nr. 53 5. Eskadron/Ulanen-Regiment „König Karl“ (1. Württembergisches) Nr. 19 Artilleriekommandeur Nr. 27 Feldartillerie-Regiment „König Karl“ (1. Württembergisches) Nr. 13 3. Württembergisches Feldartillerie-Regiment Nr. 49 (ab 24. Februar 1918 Heeresartillerie) II. Abteilung/Fußartillerie-Regiment Nr. 13 Württembergisches Pionier-Bataillon Nr. 13 Divisions-Nachrichten-Kommandeur Nr. 27

Geschichte Die Division wurde am 18. Dezember 1871 errichtet. Die Aufstellung des Stabes erfolgte allerdings erst am 4. März 1872 und das Divisionskommando hatte seinen Sitz in Ulm. Mit der Mobilmachung 1914 wurde die 27. Kavallerie-Brigade planmäßig aufgelöst und die beiden Ulanen-Regimenter als Divisionskavallerie der 26. (Ulanen-Regiment Nr. 19) und 27. Infanterie-Division (Ulanen-Regiment Nr. 20) unterstellt.

Erster Weltkrieg mini|hochkant|Stellungskampf in den Argonnen 1915

An der Westfront im Rahmen der 5. Armee beim XIII. Korps eingesetzt, rang die 27. Division zwischen 22. und 27. August 1914 in der Schlacht bei Longwy und stieß zum Othain-Abschnitt vor. Zwischen 28. August und Anfang September erkämpfte die Division die Maasübergänge bei Dun und erstürmte dabei den Mont-Montigny. Nach der Abdrängung der französischen 3. Armee in der ersten Schlacht zwischen Varennes und Montfaucon erfolgte die Verfolgung des Gegners westlich von Verdun südwärts durch die Argonnen. Am 11. September endete der deutsche Vorstoß an den Höhen südlich Sommaisne. Nach dem allgemeinen deutschen Rückzug von der Marne, erkämpfte das XIII. Korps bis 24. September bei Binarville um die neuen Abwehrstellungen in den nördlichen Argonnen und ging in den Stellungskrieg über. Am 7. Oktober 1914 wurde die 27. Division dem XVI. Armee-Korps unterstellt und verblieb im Gegensatz zu der nach Flandern abgehenden 26. Division in den Argonnen. Die Division stand unter anderem im Stellungskrieg bei Vauquois und südlich der Moreau-Schlucht. Im Juni 1915 eroberte die Division die gegnerischen Befestigungsabschnitte „Cimitère“ und „Bagatelle“.

mini|Einsatz im Wytschaete-Bogen, Herbst 1916

Ende Dezember 1915 bis Ende Juli 1916 lag die 27. Division bei der 4. Armee in Flandern in Stellungskämpfen an der Yser. Im Juni 1916 hatte Generalleutnant von Moser die Division übernommen, welche ab Ende Juli 1916 im Rahmen der 1. Armee in der Schlacht an der Somme eingesetzt wurde. Während die 26. Division bei Longueval britische Angriffe am Delville-Wald abwehrte rang die 27. Division südlicher bei Guillemont. Ab 30. August 1916 zurück nach Flandern verlegt und diesmal am Wytschaete-Bogen eingesetzt, erfolgte Mitte November die Rückkehr an die Somme.

Im Winter 1916/17 trat eine neue Kampfvorschrift „Grundsätze für die Führung in der Abwehrschlacht“ mit einer neuen generellen Gliederung einer Division in Kraft. Zur Erprobung der Gliederung und gleichzeitigen Schulung von Kommandeuren und Generalstabsoffizieren wurde die 27. Division (2. Königlich Württembergische) zur „Übungsdivision“ bestimmt. Sie führte von Februar bis März 1917 die ersten drei Kurse in Solesmes und den vierten in Valenciennes durch.Otto von Moser: Die Württemberger im Weltkrieg. Verlagsbuchhandlung Chr. Belser A.G. Stuttgart, 1927, S. 74.

mini|Tankgefecht bei Bullecourt, April 1917

Am 12. März 1917 wurde Generalleutnant Maur mit der Führung der Division betraut, welche während der Frühjahrsschlacht südlich von Arras dem XIV. Reserve-Korps zugeteilt, in die dortigen Kämpfe eingriff. Die Division konnte dabei am 11. April im Tankgefecht bei Bullecourt den Angriff eines kräftemäßig überlegenen Gegners standhalten und alle weiteren Angriffe britischer und australischer Streitkräfte abwehren. Sie konnte dabei 28 Offiziere und 1.150 Mann gefangen nehmen und 80 Maschinengewehre erbeuten. Anfang Juni 1917 stand die 27. Division zwischen Gonnelieu und Honnecourt im Raum von Le Catelet und Ende August südöstlich von St. Julien. Ab 12. September 1917 ging die Einheit für einen Monat nordöstlich von Gent in Reserve. Zwischen 16. und 18. November 1917 er folgte der Abtransport ins Oberelsass, bis Anfang Februar 1918 lag sie im Raum nördlich von Colmar bei Schlettstadt. Anfang Februar 1918 nach Graincourt in den Raum südwestlich von Cambrai verlegt, etablierte sie sich im März 1918 im Raum südlich von Cambrai bei Villers-Guislain.

mini|Einsatz der 27. Division in der Schlacht bei Amiens, August 1918

Während der deutschen Michael-Offensive 1918 brach die 27. Division am nördlichen Flügel der 2. Armee wieder beim XIII. Armee-Korps (Gruppe Watter) eingesetzt, an der Front zwischen Gouzeaucourt und Vermand durch, erstürmte am 21. März Vaucellette-Ferme und am 22. März Revelon und Fins. Nach einem Gefecht bei Equancourt folgten Verfolgungskämpfe durch das Sommegebiet. Bis 23. März wurde Aveluy erreicht, wo bis zum 6. April englische Gegenangriffe abgeschlagen wurden und die Front erneut erstarrte.

Am 8. August 1918, dem Schwarzen Tag des deutschen Heeres konnte sich die 27. Division im Abschnitt des Generalkommando 54 gegen die Angriffe des britischen III. Korps (General Butler) im Raum Morlancourt anfangs behaupten, war aber infolge des Zusammenbruches der südlicher durchbrochenen Front beiderseits Villers-Bretonneux am folgenden Tag zum Rückzug gezwungen.

Nach dem Waffenstillstand von Compiègne marschierten die Reste des Großverbandes in die Heimat zurück, wo die Division zunächst demobilisiert und 1919 schließlich aufgelöst wurde.

Gefechtskalender 1914 22. bis 27. August – Schlacht bei Longwy-Longuyon und am Othain-Abschnitt 28. August bis 1. September – Schlacht um die Maasübergänge 2. bis 3. September – Schlacht bei Varennes-Montfaucon (1. Schlacht bei Varennes) 4. bis 5. September – Verfolgung westlich Verdun und durch die Argonnen 6. bis 12. September – Schlacht bei Vaubecourt-Fleury 7. bis 11. September – Kämpfe um die Höhen südlich Sommaisne 9. bis 10. September – Nachtangriff südlich Sommaisne 12. bis 16. September – Nachhutgefechte an und in den Argonnen ab 25. September – Kampf im Argonner Wald 28. September – Erzwingung der Waldeingänge bei Binarville

1915 bis 31. Dezember – Kampf im Argonner Wald ab 28. Dezember – Stellungskämpfe an der Yser

1916 bis 27. Juli – Stellungskämpfe an der Yser 14. Februar bis 3. März – Kämpfe an der Kanal-Bastion 2. bis 3. Juni – Kämpfe um die Doppelhöhe 60 und Hooge 29. Juli bis 24. August – Schlacht an der Somme 30. August bis 13. November – Stellungskämpfe im Wytschaete-Bogen 14. bis 26. November – Schlacht an der Somme ab 27. November – Stellungskämpfe an der Somme

1917 bis 15. März – Stellungskämpfe an der Somme 16. bis 28. März – Kämpfe vor der Siegfriedfront 9. April bis 11. Mai – Frühjahrsschlacht bei Arras 13. Mai bis 20. Juni – Kämpfe vor der Siegfriedfront 21. Juni bis 15. August – Kämpfe in der Siegfriedstellung 16. August bis 14. September – Herbstschlacht in Flandern 15. September bis 8. Oktober – Grenzschutz an der belgisch-holländischen Grenze 9. Oktober bis 13. November – Schlacht in Flandern ab 17. November – Stellungskampf im Oberelsass

1918 bis 1. Februar – Stellungskampf im Oberelsass 1. Februar bis 20. März – Kämpfe in der Siegfriedstellung und Vorbereitungszeit auf die Große Schlacht in Frankreich 21. März bis 6. April – Große Schlacht in Frankreich 21. März – Erstürmung der Vancellette-Ferme 22. März – Erstürmung von Revelon und Einnahme von Fins 23. bis 26. März – Verfolgungskämpfe im Sommegebiet 6. April – Abwehr englischer Angriffe bei Aveluy 7. April bis 19. Mai – Kämpfe an der Ancre 19. Mai bis 4. August – Stellungskämpfe in Französisch-Flandern und Artois 8. bis 20. August – Abwehrschlacht zwischen Somme und Avre 8. bis 9. August – Tankschlacht zwischen Ancre und Avre 10. bis 12. August – Schlacht an der Römerstraße 22. August bis 2. September – Schlacht Albert-Péronne 6. bis 25. September – Stellungskämpfe vor Verdun 29. September bis 11. November – Abwehrschlacht in der Champagne und an der Maas 26. September bis 31. Oktober – Abwehrkämpfe zwischen Argonnen und Maas 1. bis 11. November – Abwehrkämpfe zwischen Aire und Maas, Rückzugskämpfe und Übergang auf das rechte Maasufer ab 12. November – Räumung des besetzten Gebietes und Marsch in die Heimat

Kommandeure