mini|Tim Kaine (2019) rahmenlos|klasse=skin-invert-image|Unterschrift von Tim Kaine Timothy Michael „Tim“ Kaine (* 26. Februar 1958 in Saint Paul, Minnesota) ist ein amerikanischer Politiker der Demokratischen Partei. Seit dem 3. Januar 2013 vertritt er den Bundesstaat Virginia im Senat der Vereinigten Staaten. Er war von 2006 bis 2010 Gouverneur von Virginia und führte von 2009 bis 2011 das Democratic National Committee, die Parteiorganisation der Demokraten. Er war Vizepräsidentschaftskandidat Hillary Clintons, mit der er bei der Präsidentschaftswahl im November 2016 unterlag.
Familie, Ausbildung und Beruf mini|Elternhaus von Tim Kaine Tim Kaine wuchs als ältester von drei Brüdern in einer Familie schottisch-irischer HerkunftNiall O’Dowd: Five Irish Americans who could be Hillary Clinton’s running mate. In: IrishCentral, 8. April 2016 (englisch). in Overland Park auf, das zur Metropolregion Kansas City gehört. Sein Vater Al betrieb dort ein Schmiede- und Eisenwarengeschäft, in dem die Söhne aushalfen, seine Mutter Kathleen war Hauswirtschaftslehrerin. Katholisch erzogen, machte Tim Kaine seinen Schulabschluss an der jesuitischen Rockhurst High School in Kansas City (Missouri).Christina Nuckols: In: The Virginian-Pilot, 16. Oktober 2005 (englisch). Er studierte Wirtschaftswissenschaft an der University of Missouri und danach Rechtswissenschaft an der Harvard Law School. Währenddessen unterstützte er 1980/81 neun Monate lang katholische Missionare als Jesuit Volunteer in Honduras, was er als prägende Erfahrung beschrieben hat; seitdem spricht er fließend Spanisch.Timothy Dwyer: For Kaine, a Faith in Service. In: The Washington Post, 2. November 2005 (englisch). Nach seinem Jura-Abschluss arbeitete er als Rechtsanwalt in einer Kanzlei für Bürgerrechtsfragen und setzte sich für TodeszelleninsassenSheryl Gay Stolberg: Tim Kaine: A Self-Effacing Senator in a Sharp-Elbows Era. In: The New York Times, 22. Juli 2016 (englisch). und für faire Bedingungen im Wohnungsrecht (fair housing) ein.
Kaine ist seit 1984 mit der ehemaligen Richmonder Jugendrichterin Anne Bright Holton verheiratet, einer Tochter des früheren Gouverneurs Virginias A. Linwood Holton,Bruce Parker: From the RTD archives: Wedding announcement of Tim Kaine and Anne Holton. In: Richmond Times-Dispatch, 25. November 1984, online am 21. Juli 2016 (englisch). die im Januar 2014 vom Gouverneur Terry McAuliffe zur Bildungsministerin Virginias berufen wurdeMoriah Balingit, Emma Brown: Meet Tim Kaine’s wife, a longtime child welfare advocate and Virginia’s secretary of education. In: The Washington Post, 22. Juli 2016 (englisch). und im Juli 2016 zurücktrat, um ihren Mann im Präsidentschaftswahlkampf zu unterstützen.Moriah Balingit: Anne Holton, wife of Clinton’s running mate, resigns as Va.’s education secretary. In: The Washington Post, 26. Juli 2016 (englisch). Sie haben drei Kinder und leben in einem Stadtviertel der afroamerikanisch geprägten Stadt Richmond (Virginia), in dem Menschen verschiedener Hautfarben integriert zusammenleben. Auch durch die Wahl ihrer Kirchengemeinde St. Elizabeth, der hauptsächlich Afroamerikaner angehören, hat Kaine gute Beziehungen zu Vertretern dieser Minderheit.
Politische Laufbahn Aufstieg in Richmond Kaines politische Karriere begann, als er im Mai 1994 in den Stadtrat von Richmond gewählt wurde. In der Folge wurde er 1998 Bürgermeister der Stadt und machte sich durch das Project Exile einen Namen, das die Zahl der Schießereien in Richmond um ca. 40 Prozent reduzierte. 2001 wurde Kaine, nachdem die favorisierte Kandidatin Emily Couric sich krankheitsbedingt zurückgezogen hatte, zum Vizegouverneur von Virginia gewählt. Dieses Amt, das er Anfang 2002 antrat, umfasste auch den Vorsitz im Senat von Virginia.
Gouverneur von Virginia mini|Gouverneur Kaine bei einer Rede 2007 Im November 2005 kandidierte Kaine für das Amt des Gouverneurs von Virginia und erreichte gegen den damaligen Attorney General, den Republikaner Jerry Kilgore, 52 Prozent der Stimmen. Er gewann nicht nur die verlässlich demokratisch wählenden urbanen Regionen im Norden des Staates, sondern setzte sich auch in ländlichen Gebieten durch. Die Amtseinführung am 14. Januar 2006 fand – erstmals seit Thomas Jefferson 1779 – in der heutigen Museumsstadt Williamsburg statt, weil der Amtssitz des Gouverneurs, das Kapitol in der Hauptstadt Richmond, renoviert wurde. Da die Verfassung von Virginia keine zwei aufeinander folgenden Amtsperioden eines Gouverneurs erlaubt, konnte er bei der Gouverneurswahl 2009 nicht erneut kandidieren und schied im Januar 2010 aus dem Amt aus.
In seiner Gouverneurszeit setzte Kaine wenige Gesetzesinitiativen um, da er mit republikanischen Mehrheiten in den Staatsparlamenten umgehen musste; so scheiterte er mit dem Versuch von Steuererhöhungen. Er setzte aber trotz der Bedeutung des Tabakanbaus für Virginia ein generelles Rauchverbot in Restaurants durch. Zu seinem Stil gehörte es, dass er den Regierungsangelegenheiten und ihrer medialen Darstellung stete Aufmerksamkeit widmete und sich sogar um Detailfragen kümmerte, indem er etwa über jeden Posten des Staatshaushalts informiert war, in vier Jahren 145.000 E-Mails schrieb und die Website der Bundesstaatsregierung regelmäßig selbst änderte.Darren Samuelsohn: Kaine email trove shows media-savvy micromanager. In: Politico, 22. Juli 2016 (englisch). Er nahm währenddessen Zuwendungen von Unternehmen in Höhe von über 200.000 US-Dollar an, was im Rahmen seiner Vizepräsidentschaftskandidatur kritisiert wurde, da für seinen republikanischen Amtsnachfolger Bob McDonnell die Annahme von persönlichen Geschenken zu einer Verurteilung wegen Korruption geführt hatte. Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump gab Kaine daraufhin im Juli 2016 den Spitznamen „Corrupt Kaine“.Andrew Prokop: The Tim Kaine gift controversy, explained. In: Vox.com, 23. Juli 2016 (englisch). Die – in Virginia gesetzlich gestatteten – Mittel flossen jedoch in Kaines Fall fast nie dem persönlichen Vermögen zu, sondern wurden für berufsbedingte Aufwendungen wie Reisekosten gezahlt; ein Einfluss auf seine politischen Entscheidungen ist nicht festgestellt worden.Andrew Tanenbaum: Kaine Accepted Many Gifts in Virginia. In: Electoral-Vote.com, 24. Juli 2016 (englisch).
Vorsitzender des Democratic National Committee Kaine gab im Februar 2007 als erster hochrangiger Politiker außerhalb von Illinois bekannt, dass er Barack Obamas Präsidentschaftskandidatur 2008 unterstützte. Er war als möglicher Vizepräsidentschaftskandidat im Gespräch, da der in Virginia populäre Politiker dem Kandidaten Obama hätte helfen können, diesen möglicherweise wahlentscheidenden Bundesstaat zu gewinnen, wurde aber wegen seiner damals fehlenden außenpolitischen Erfahrung nicht ausgewählt.Michael A. Memoli: How Tim Kaine went from ‘wild card’ vice presidential pick to shortlist favorite for Hillary Clinton. In: The Los Angeles Times, 1. Juli 2016 (englisch). Nach seiner Wahl zum US-Präsidenten schlug Obama Gouverneur Kaine als neuen Chairman des Democratic National Committee (DNC) vor. Am 21. Januar 2009 löste er in diesem Amt Howard Dean ab, knüpfte ein bundesweites Netzwerk von ihm gewogenen Geldgebern sowie Parteigrößen und legte Wert darauf, wöchentlich mit je zwölf ehrenamtlichen Wahlkampfhelfern zu sprechen. Während seiner Amtszeit unterlagen die Demokraten in mehreren wichtigen Gouverneurswahlen und bei den Halbzeitwahlen 2010, bei denen sie die Mehrheit im US-Repräsentantenhaus verloren.
US-Senator für Virginia mini|Senator Kaine (links) im März 2013 mit dem damaligen US-Verteidigungsminister Chuck Hagel Am 5. April 2011 gab Kaine bekannt, dass er sich um die Nachfolge des nicht mehr kandidierenden demokratischen US-Senators Jim Webb bei der Wahl im November 2012 bewerben werde. Zeitgleich erklärte Kaine seinen Rücktritt als Chairman des DNC.Chris Cillizza: Tim Kaine announces for Senate in Virginia. In: The Washington Post, 5. April 2011, abgerufen am 24. Juli 2016 (englisch). Seine Stellvertreterin Donna Brazile nahm einen Monat lang kommissarisch seine Aufgaben wahr, ehe die Kongressabgeordnete Debbie Wasserman Schultz aus Florida von Präsident Obama zu Kaines Nachfolgerin ernannt wurde. Kaine erreichte die Nominierung seiner Partei und setzte sich nach einem der teuersten Wahlkämpfe des Jahres bei der Senatswahl gegen den Republikaner George Allen durch, einen seiner Vorgänger als Gouverneur von Virginia. Er erreichte 53 Prozent der StimmenElection Results. In: CNN, 10. Dezember 2012, abgerufen am 24. Juli 2016 (englisch). und damit mehr als Obama bei der zeitgleichen Präsidentschaftswahl in Virginia.
Sein Senatsmandat trat Kaine am 3. Januar 2013 an. Dort legte er seinen Schwerpunkt auf die Außen- und Sicherheitspolitik und ist Mitglied der Ausschüsse für die Streitkräfte und Außenbeziehungen. 2013 hielt er zur Unterstützung einer umfassenden, überparteilichen Einwanderungsreform als erster Mandatsträger im US-Senat eine Rede vollständig auf Spanisch. Er kündigte nach der Wahlniederlage als Running Mate Hillary Clintons bei der Präsidentschaftswahl im November 2016 an, sich 2018 für eine Wiederwahl als Senator zu bewerben und an einer Kandidatur als US-Präsident 2020 nicht interessiert zu sein.Alan Suderman: Kaine says he’s not going to run for president in 2020. In: AP News, 18. November 2016 (englisch).
Nachdem Carly Fiorina eine zunächst erwogene Kandidatur gegen Kaine absagte, erklärte der Republikaner Jim Gilmore – der wie Fiorina an der republikanischen Präsidentschaftsvorwahl 2016 teilgenommen hatte –, an einem Antreten gegen Kaine interessiert zu sein.Andrew Kaczynski: Virginia Senate race: Carly Fiorina rules out run, Jim Gilmore ‘considering’ candidacy. In: CNN.com, 8. September 2017 (englisch). In der Vorwahl der Republikaner setzte sich schließlich Corey Stewart durch, der von Präsident Trump unterstützt wird und umstrittene Positionen wie die verschärfte Bekämpfung illegaler Einwanderung und den Erhalt von Denkmalen für Konföderierte vertritt. Stewart blieb im Fundraising und in den Umfragen weit hinter Kaine zurück, der sich mit einer positiven, optimistischen Kampagne gegen das aktuelle politische Klima zu stellen versuchte.Alex Thompson: ‘America’s Dad’ campaigns for redemption. In: Politico, 3. November 2018. Kaine konnte ohne innerparteilichen Konkurrenten antreten. Er gewann mit knapp 57 % der Stimmen als klarer Favorit die Hauptwahl im November 2018.Courtney Pomeroy: Virginia Senator Tim Kaine wins re-election, beating Republican Corey Stewart. In: WJLA, 7. November 2018, abgerufen am 7. November 2018.
Bewerber als US-Vizepräsident 2016 mini|Kaine bei einem Wahlkampf-Auftritt in Arizona im November 2016 Kaine sprach sich bereits 2014 für Hillary Clinton als demokratische Präsidentschaftskandidatin bei der Wahl 2016 aus. Nachdem die frühere Außenministerin im April 2015 ihre Bewerbung bekanntgegeben hatte, unterstützte Kaine sie bei mehreren Wahlkampfterminen. Aufgrund seiner Erfahrung und seiner Herkunft aus dem Swing State Virginia galt er in US-Medien bereits frühzeitig als möglicher Vizepräsidentschaftskandidat.Travis Fain: Tim Kaine: Still Clinton’s general wisdom VP front runner. In: Daily Press, 4. Juni 2015 (englisch). Am 22. Juli 2016 gab Hillary Clinton bekannt, dass Tim Kaine als ihr Vizepräsidentschaftskandidat („Running Mate“) antritt, was von Beobachtern als sichere Wahl eines erfahrenen, moderaten Politikers charakterisiert wurde.Amy Chozick: Hillary Clinton Selects Tim Kaine, a Popular Senator From a Swing State, as Running Mate. In: The New York Times, 22. Juli 2016 (englisch).