Die russische Männer-Handballnationalmannschaft repräsentiert den Handballverband Russlands als Auswahlmannschaft auf internationaler Ebene bei Länderspielen im Handball gegen Mannschaften anderer nationaler Verbände.
Geschichte Die Vorgängermannschaften der russischen Nationalmannschaft waren bis zum 22. Dezember 1991 die sowjetische Männer-Handballnationalmannschaft und bis zu den Olympischen Sommerspielen 1992 die Männer-Handballnationalmannschaft der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, die während des Turniers als Teil des Vereinten Teams antrat. Der russische Handballverband ist seit 1992 Mitglied in der Internationalen Handballföderation (IHF) und in der Europäischen Handballföderation (EHF). Seitdem tritt die russische Auswahl als offizieller Nachfolger an. Da der überwiegende Teil der erfolgreichen sowjetischen Mannschaft aus Russland kam, gehörte die Auswahl bis in die frühen 2000er-Jahre zur Weltspitze. Bei den Olympischen Sommerspielen 2004 gewann sie ihre letzte Medaille.
Sie übernahm 1993 den Startplatz der Sowjetunion, Vizeweltmeister 1990, bei der Weltmeisterschaft 1993, bei der Russland den Weltmeistertitel gewann. Vor der ersten Europameisterschaft 1994 musste die Mannschaft wie alle 34 Bewerber in die Qualifikation, in der sie sich als Gruppensieger für das Turnier qualifizierte. Beim Endturnier in Portugal unterlag sie im Finale ihrem Dauerrivalen der 1990er-Jahre Schweden. Mit Wassili Kudinow stellte sie den Torschützenkönig. Bei der Europameisterschaft 1996 besiegte die Mannschaft im Finale Spanien und gewann ihren einzigen Europameistertitel. Ein Jahr darauf wurde die Auswahl bei der Weltmeisterschaft 1997 in Japan zum zweiten Mal Weltmeister. Im Endspiel bezwang man erneut Schweden knapp mit 23:21. Nachdem man das Spiel um Bronze bei der Europameisterschaft 1998 in Italien gegen Deutschland mit 28:30 nach Verlängerung verloren hatte, traf man im Endspiel der Weltmeisterschaft 1999 in Ägypten wieder auf Schweden, das diesmal mit 25:24 die Oberhand behielt. Auch bei der Europameisterschaft 2000 unterlag man Schweden im Spiel um Gold mit 31:32 nach zwei Verlängerungen. Bei den Olympischen Sommerspielen 2004 gewann die älteste Mannschaft des Turniers um den 42-jährigen Torhüter Andrei Lawrow und den 40-jährigen Rückraumspieler Alexander Tutschkin ihre letzte Medaille bei internationalen Großereignissen.
In den nächsten Jahren gehörte Russland nicht mehr zur Weltspitze. Ein sechster Platz bei der Weltmeisterschaft 2007 in Deutschland war das beste Ergebnis. Für die Weltmeisterschaft 2011 in Schweden konnte man sich erstmals nicht qualifizieren, ebenso für die Europameisterschaft 2018 Kroatien und alle olympischen Handballturniere.
Nach einer Forderung von vier Jahren Sperre gegen russische Nationalmannschaften durch die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) entschied der Internationale Sportgerichtshof (CAS), dass bis Dezember 2022 bei Weltmeisterschaften sowie bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio 2021 und den Winterspielen in Peking 2022 keine Mannschaften unter russischer Flagge antreten dürfen. Die russische Handballnationalmannschaft wird offiziell als „Mannschaft des russischen Handballverbandes“ (Russian Handball Federation Team) geführt und muss auf den Trikots und der Teamkleidung weitestgehend auf nationale Symbole, das heißt auch auf die russischen Farben Weiß, Blau und Rot, verzichten.
Die Europäische Handballföderation (EHF) schloss am 28. Februar 2022 nach dem russischen Überfall auf die Ukraine alle russischen und belarussischen Teams von ihren Wettbewerben aus.ehfeuro.eurohandball.com, 28. Februar 2022, abgerufen am 1. März 2022eurohandball.com: EHF DECISION ON CURRENT COMPETITION STRUCTURES vom 4. März 2022, abgerufen am 5. März 2022 Am 7. März 2022 beschloss die Internationale Handballföderation (IHF) ebenfalls einen kompletten Ausschluss.www.ihf.info, „DECISION OF THE IHF REGARDING THE SITUATION IN UKRAINE AND RUSSIA“, 7. März 2022, abgerufen am 7. März 2022
Internationale Großereignisse Für Teilnahmen vor 1993 siehe sowjetische Männer-Handballnationalmannschaft und Männer-Handballnationalmannschaft der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten. Olympische Spiele Olympische Spiele 1996: 5. Platz (von 12 Mannschaften) Olympische Spiele 2000: 16px|Goldmedaille 1. Platz (von 12 Mannschaften) Olympische Spiele 2004: 16px|Bronzemedaille 3. Platz (von 12 Mannschaften) Olympische Spiele 2008: 6. Platz (von 12 Mannschaften) Olympische Spiele 2012: nicht qualifiziert Olympische Spiele 2016: nicht qualifiziert Olympische Spiele 2020: nicht qualifiziert Olympische Spiele 2024: suspendiert
Weltmeisterschaften Weltmeisterschaft 1993: 16px|Goldmedaille 1. Platz (von 16 Mannschaften) Weltmeisterschaft 1995: 5. Platz (von 24 Mannschaften) Weltmeisterschaft 1997: 16px|Goldmedaille 1. Platz (von 24 Mannschaften) Weltmeisterschaft 1999: 16px|Silbermedaille 2. Platz (von 24 Mannschaften) Weltmeisterschaft 2001: 6. Platz (von 24 Mannschaften) Weltmeisterschaft 2003: 5. Platz (von 24 Mannschaften) Weltmeisterschaft 2005: 8. Platz (von 24 Mannschaften) Weltmeisterschaft 2007: 6. Platz (von 24 Mannschaften) Weltmeisterschaft 2009: 16. Platz (von 24 Mannschaften) Weltmeisterschaft 2011: nicht qualifiziert Weltmeisterschaft 2013: 7. Platz (von 24 Mannschaften) Weltmeisterschaft 2015: 19. Platz (von 24 Mannschaften) Weltmeisterschaft 2017: 12. Platz (von 24 Mannschaften) Weltmeisterschaft 2019: 14. Platz (von 24 Mannschaften) Weltmeisterschaft 2021: 14. Platz (von 32 Mannschaften) Weltmeisterschaft 2023: suspendiert
Europameisterschaften mini|Die russische Handballnationalmannschaft am 26. Juli 2008 vor dem Länderspiel gegen Deutschland Europameisterschaft 1994: 16px|Silbermedaille 2. Platz (von 12 Mannschaften) Europameisterschaft 1996: 16px|Goldmedaille 1. Platz (von 12 Mannschaften) Europameisterschaft 1998: 4. Platz (von 12 Mannschaften) Europameisterschaft 2000: 16px|Silbermedaille 2. Platz (von 12 Mannschaften) Europameisterschaft 2002: 5. Platz (von 16 Mannschaften) Europameisterschaft 2004: 5. Platz (von 16 Mannschaften) Europameisterschaft 2006: 6. Platz (von 16 Mannschaften) Europameisterschaft 2008: 13. Platz (von 16 Mannschaften) Europameisterschaft 2010: 12. Platz (von 16 Mannschaften) Europameisterschaft 2012: 15. Platz (von 16 Mannschaften) Europameisterschaft 2014: 11. Platz (von 16 Mannschaften) Europameisterschaft 2016: 9. Platz (von 16 Mannschaften) Europameisterschaft 2018: nicht qualifiziert Europameisterschaft 2020: 22. Platz (von 24 Mannschaften) Europameisterschaft 2022: 9. Platz (von 24 Mannschaften) Europameisterschaft 2024: suspendiert
Weitere Turnierteilnahmen (Auswahl) World Cup Beim World Cup (1971–2010) in Schweden sowie teilweise in Norwegen und Deutschland, erreichte die Auswahl folgende Platzierungen: World Cup 1996: 2. Platz (von 8 Mannschaften) World Cup 1999: 2. Platz (von 8 Mannschaften) World Cup 2002: 4. Platz (von 8 Mannschaften)
Supercup Beim Supercup (1979–2015) in Deutschland erreichte die Auswahl folgende Platzierungen: Supercup 1995: 1. Platz (von 6 Mannschaften) Supercup 1998: 3. Platz (von 8 Mannschaften) Supercup 1999: 1. Platz (von 6 Mannschaften) Supercup 2001: 2. Platz (von 6 Mannschaften) Supercup 2003: 5. Platz (von 6 Mannschaften) Supercup 2005: 3. Platz (von 6 Mannschaften) Supercup 2007: 4. Platz (von 6 Mannschaften)
Yellow Cup Beim Yellow Cup in der Schweiz, bei dem bis 1998 National- und Vereinsmannschaften antraten, erreichte die Auswahl folgende Platzierungen: Yellow Cup 1995: 1. Platz (von 6 Mannschaften) Yellow Cup 1996: 1. Platz (von 8 Mannschaften) Yellow Cup 1997: 2. Platz (von 7 Mannschaften) Yellow Cup 1998: 1. Platz (von 4 Mannschaften) Yellow Cup Dezember 2013: 2. Platz (von 4 Mannschaften) Yellow Cup Dezember 2017: 2. Platz (von 4 Mannschaften)
Sonstige Beim Karpatenpokal (seit 1959) in Rumänien gewann die Auswahl 1993. Bei den Goodwill Games (1986–2001) belegte Russland 1994 den zweiten Platz hinter Frankreich. Beim Handball-Vierländerturnier in der Schweiz wurde die Mannschaft 1995 Vierte und 1999 Zweite.
Spieler und Trainer Aktueller Kader Nr.NameGeburtstagPositionVerein 1 20. Juni 1993 TWMedwedi Tschechow 32 22. Januar 1997 TWGK Permskije Medwedi 87 5. Mai 1987 TWZSKA Moskau 5 15. November 1994 RRZSKA Moskau 17 11. Juli 1994 RRMedwedi Tschechow 22 2. September 1996 KR HT Tatran Prešov 23 26. September 1992 LAMedwedi Tschechow 24 16. Juni 1992 RAMedwedi Tschechow 28 29. Juni 1991 RM C’ Chartres Métropole handball 30 14. Januar 1996 KRMedwedi Tschechow 33 6. Juli 1988 RAMedwedi Tschechow 36 16. Oktober 2000 RRZSKA Moskau 44 27. Mai 1991 LAZSKA Moskau 78 19. Juli 1992 KRMedwedi Tschechow 89 20. November 1989 RM Wisła Płock 99 16. Juni 1999 RL Wisła Płock 39 10. Juli 2000 RADinamo Astrachan 76 19. Mai 1999 KRGK Wiktor Stawropol 20 4. April 1997 RL Bregenz Handball 25 30. August 1997 RLMedwedi Tschechow 3 7. April 1996 RL Brest GK Meschkow 10 27. Mai 1995 RMZSKA Moskau 98 14. April 1998 RRMedwedi Tschechow
Bisherige Trainer Zeitraum Nation Trainer 1992–2004 Wladimir Maximow 2004–2005 Anatoli Dratschow 2005–2008 Wladimir Maximow 2008–2010 Nikolai Tschigarjow 2010–2012 Wladimir Maximow 2012–2015 Oleg Kuleschow 2015–2017 Dmitri Torgowanow 2017–2020 Eduard Kokscharow 2020–2024 Velimir Petković 2024—heute Lew Woronin
Bekannte ehemalige Spieler
Weblinks
rushandball.ru, Offizielle Website (russisch) eurohandball.com, Porträt auf der Website der Europäischen Handballföderation (englisch) ihf.info, Porträt auf der Website der Internationalen Handballföderation (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Handballnationalmannschaft (Männer) Nationalmannschaft Manner Handball Kategorie:Nationalmannschaftsgründung 1992