Sappl ist ein Dorf am Millstätter Berg in der Gemeinde Millstatt im Bezirk Spittal an der Drau in Kärnten. Die Ortschaft liegt auf ca. auf einem Hochplateau rund 150 m über dem Millstätter See am Fuße der Millstätter Alpe / Nockberge und ist über die B 98 von Dellach oder via Obermillstatt (L 17) erreichbar (Entfernung zur Tauern Autobahn A 10 / Knoten Spittal-Millstätter See 12 km). Unmittelbar benachbarte Orte sind Matzelsdorf, Lammersdorf und Dellach. Von 1889 bis 1973 gehörte Sappl zur Gemeinde Obermillstatt.

Lage und Wirtschaft mini|Millstätter Berg bei Sappl gegen Westen

Wie die umliegenden Siedlungen ist der Ort, zuletzt mit 269 Einwohnern,Volkszählung 2001 (PDF; 8 kB) ein noch bäuerlich strukturiertes Erholungsdorf. Neben einigen Beherbergungsbetrieben gibt es noch fünf Vollerwerbsbauern und einen Reiterhof. Gastronomiebetriebe gibt es nicht mehr in Sappl, lediglich im benachbarten Matzelsdorf. Durch das Dorf fließt der Sapplbach oder Mühlbach, der in den Millstätter See entwässert. Das Ortsgebiet verteilt sich auf die Katastralgemeinden Obermillstatt und Matzelsdorf. Kirche und Friedhof liegen in Matzelsdorf.

Die Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr erfolgt über den Postbus, der den Ort auf seiner Route von Spittal aus mehrmals täglich anfährt.Postbus Fahrplanauskunft Im Ort gibt es keine Straßenbezeichnungen, sondern nur Hausnummern, nach denen sich Einwohner, Postboten, Lieferanten und Besucher orientieren müssen.

Klima Kärnten befindet sich in der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas, wobei der Alpenhauptkamm eine deutliche Wetterscheide ist. Das Klima wird durch die Lage nach Süden, durch das Relief und andere lokale Gegebenheiten stark modifiziert, so dass das Klima sehr kleinräumig strukturiert ist. Der Niederschlag folgt dem mitteleuropäischen Muster mit Niederschlagsminima im Winter und Maxima im Sommer. Der Niederschlag im Sommer erfolgt vielfach über Starkregen, besonders Gewitter. Seine nach Süden offene Beckenlage und den Schutz gegen Nordwinde führen am Millstätter Berg zu mehr Sonnenstunden als sonst in Oberkärnten.

Geschichte mini|Sappl und umliegende Orte bei www.openstreetmap.org

Die Feuersteinklinge von Sappl mini|Feuersteinklinge von Sappl (um 4500 v. Chr.)

Im Frühjahr 1948 fand ein Landarbeiter bei Grabungsarbeiten für die Entwässerung des Riedmooses etwa einen Kilometer westlich von Sappl am Grundstück des Landwirts Alois Palle vlg. Veidlbauer eine besonders geformte Steinklinge, die er vorerst als Brieföffner benutzte. Dies wurde dem Hobbyarchäologen Simon Steinwender, Gymnasialdirektor in Spittal an der Drau bekannt, der die Bedeutung des Fundes erahnte und zur fachlichen Beurteilung an das Urgeschichtliche Institut der Universität Wien sandte. Die 11 cm lange, leicht gekrümmte, besonders schöne Feuersteinklinge (Silex) war eine kleine Sensation, da dieser Typus in Kärnten bis dato nicht gefunden wurde.Die Klinge war viele Jahre im Stiftsmuseum in Millstatt ausgestellt, ist gegenwärtig aber nicht zugänglich. Da Fundort und Fundtiefe noch genau bekannt waren – eine Altersbestimmung Steinfunden ist ohne Beifunde fast unmöglich – konnte die Fundstelle mittels Pollenanalyse genau untersucht werden.Fritz Brandtner: Das Niedermoor von Sappl, Kärnten. In: Archaeologia Austriaca. Beiträge zur Paläanthropologie, Ur- und Frühgeschichte Österreichs. Heft 4, Wien, 1949, S. 72–86. Typologisch ist die hervorragend geschlagene Klinge aus bräunlich-grauen Feuerstein nicht einzuordnen. Dieses Steinzeitmesser wird, „selbst nach vorsichtiger Interpretation mit mindestens 4.500 Jahre v. Chr. datiert“.Brandtner: Niedermoor von Sappl. S. 80. Da im Moor ein Siedlungsplatz unwahrscheinlich ist, wurde die Klinge vermutlich von einer höheren Stelle abgespült. Ausgehend von der Fundstelle wurden mögliche Steinzeitsiedlungen gesucht. Zwei der für die Gegend typischen eiszeitlichen Gletscherkuppen liegen nicht weit entfernt. Als naher Siedlungsplatz käme am ehesten der ab der Fundstelle ansteigende Sauterbichl in Frage. Wie die Pollenanalyse ergab, sind die terrassenförmig zum vlg. Keuschpeter hin ansteigenden Felder seit rund 5.000 Jahren bewirtschaftet. Die Kuppe südlich von Görtschach ist relativ flach und schwer zu befestigen. Während auf diesen Kuppen keine Siedlungsreste aufzufinden waren, wurde man etwa eineinhalb Kilometer weiter westlich fündig. Anfang der 1950er grub man die ältesten Siedlungsspuren Oberkärntens am „Mentepichel“ oder „Schanzkogel“ bei Lammersdorf aus. Die jungsteinzeitliche Siedlung wird mit einem Alter von 3.000 bis 1900 v. Chr. datiert.

Mittelalter und Neuzeit mini|Letzte Pferdefuhrwerke in den 1960er Jahren mini|Bauernhof „Hofer“ in Sappl

Aus der Zeit der römischen Provinzialkultur liegen bis dato keine Funde aus Sappl vor. Aufgrund der topographischen Lage kann man von einer kleinen Siedlung ausgehen, da der Ort an der alten Römerstraße zwischen Turrach und Teurnia an einem Bach liegt. Die frühesten mittelalterlichen Funde stammen aus der Zeit von 500 bis 1000 n. Chr. Unweit der heutigen Landstraße wurden Gräber des „Karantanischen Typs“, charakterisiert durch die Verwendung einfärbiger Emailschmuckstücke (Broschen, Ohrgehänge) meist mit Tierdarstellungen, gefunden.Gernot Piccottini (Hrsg.): Archäologischer Atlas von Kärnten. Verlag des Geschichtsvereines für Kärnten, Klagenfurt, 1989. Erstmals urkundlich erwähnt wird Sappl als villa Saepl im Jahre 1286.Eberhard Kranzmayer: Ortsnamenbuch von Kärnten. II. Teil, 1958, S. 194 f. Der seltene Ortsname geht vermutlich auf den althochdeutschen Personennamen Segi(n)palt zurück. Eine Namensähnlichkeit gibt es nur mit der Einschicht Sämpel (gespr. Sanpe) bei Rennweg. Eine alte Schreibweise war Säpl.Urbar von Millstatt 1477. Joseph Chmel: Die Handschriften der K. K. Hofbibliothek in Wien. Wien 1840, S. 590 (Google Books). Bis in die Nachkriegsjahre wurde gelegentlich auch Sappel oder Sapl geschrieben.

Als älteste Hofstelle wird der Stegg- oder Stöggbauer, heute Steggaber vermutet, ein Hof der vor Hochwasser geschützt auf einem Hügel oberhalb des Dorfes liegt. Die dazugehörende Mühle und eine Säge waren unten weiter beim Dorf. Das 1913 vollständig abgebrannte Holzgebäude wurde durch einen Steinbau ersetzt. Nicht weit davon gab es einen ebenfalls abgebrannten, jedoch nicht mehr aufgebauten Unter-Steggaber. Wenn im ersten erhaltene Hofverzeichnis von 1470 von einem Gotfrid, Fischer, dint von aim lehen zu Stegka und einem Cristian zu Stegka, dint von ainer huben ... idem aber von ainem lehenZitiert nach Pfarre Obermillstatt (Hrsg.): Maria Schnee in Matzelsdorf. Heimatkundliche Studie zusammengestellt von Hermann Stellmann. Klagenfurt, 2005, S. 15. die Rede ist, sind wohl diese Höfe gemeint. Der Urbar der St. Georgs-RitterVgl. Erika Weinzierl-Fischer: Geschichte des Benediktinerklosters Millstatt in Kärnten. 1951, S. 86. weist für Sappl sieben Hüben, sieben Lehen, eine Schwaige und einen Acker aus. Da die Aufzählung praktisch alle Sappler Bauernhöfe aufweist, dürfte die gesamte Ortschaft schon Gründungsbesitz des Stiftes Millstatt gewesen sein. Von 1598 bis 1773 war der Ort Teil der Millstätter Jesuitenherrschaft. Diese vor über 530 Jahren gemachte Bestandserhebung stimmt bei den größeren Höfen, den Huben bis heute fast genau überein. Die größeren Bauern sind oder waren Ambros, Dietrich, Hofer, Kasperle, Palle, Samer, Stöggaber und Veitel. Die Lehen werden vermutlich die Hofstellen von Linder, Keuschler, Moser und Roggenig umfassen. Die Schwaige ist der Leitsberghof. Das älteste bestehende Gebäude könnte der „Hofer“Beschreibung der Höfe Ambros, Hofer, Kasperle, Roggenig, Samer, Stöggaber, Veitelbauer siehe Oberhuber / Kugler: Höfe, Häuser, Häuslichkeit, 1994. ein Paarhof mit Pfeilerstadl und Säge sein, der vor ca. 450 Jahren erbaut wurde. Ab 1788 gab es infolge der Einführung der Schulpflicht durch Maria Theresia im Pfarrhof Obermillstatt die erste Volksschule am Millstätter Berg (Dauer damals: 6 Jahre). Laut „Chronik des Schulhauses Obermillstatt“ soll es aber schon 110 Jahre vorher, also um 1678, eine Art (landwirtschaftliche) Winterschule beim vlg Hofer gegeben haben.Ausgestellt im Heimatmuseum Millstatt – Obermillstatt, 21. September 2012.

Höfe, Häuser und Einwohner 1470 bis 2001Kurt Klein (Österreichische Akademie der Wissenschaften): (PDF; 764 kB), S. 83. (PDF; 115 kB) 1470 1817 1857 1869 1951 1961 1971 1981 1991 2001 Höfe / Häuser 15 13 13 13 23 39 60 64 74 81 Einwohner 107 96 107 152 161 184 167 183 269 Einwohner pro Haus 8 7 8 7 4 3 3 3 3

Vom 15. bis zum 19. Jahrhundert hat sich die Zahl der Hofstellen nicht erhöht, sondern ist sogar leicht zurückgegangen. Wahrscheinlich gingen kleinere Höfe in größeren auf. Der höchste Hof am Leitsberg in 1.174 m Seehöhe scheint durchgehend bewohnt gewesen zu sein, da er 1770 bei der Einführung der Hausnummern 1 erhielt. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat sich die Anzahl der Häuser vervielfacht. Bis in die 1950er Jahre lebten rund acht Familienangehörige im Haus (Dienstboten wurden in der historischen Statistik nicht berücksichtigt). Heute sind es nur mehr rund drei.

Weltkriege Zwar hatte der Ort in den Weltkriegen nie unter direkten Kampfhandlungen zu leiden, aber die Kriegerdenkmäler in Obermillstatt zeigen, dass jede Familie tote Soldaten zu beklagen hatte. Anfang der 1920er Jahre gab es Opfer der Spanischen Grippe. Zeitzeugen berichten noch von der Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg, der Weltwirtschaftskrise ab 1929, die steigenden Arbeitslosigkeit und dem aufkommenden Nationalsozialismus. Im Austrofaschismus (1933–1938), der Diktatur der "Schwarzen" wurden Nationalsozialisten, Sozialisten und Kommunisten verfolgt. Man weiß noch von jungen illegalen Nazis, die am Sauterbichl nordöstlich des Ortes in der Nacht Hakenkreuz-Fahnen anbrachten. In klaren Nächten wurden gelegentlich auf weitum sichtbaren Bergwiesen am Mirnock, Goldeck oder Gmeineck Feuer in Hakenkreuzform abgebrannt. Auch hob man einmal einen Leiterwagen eines katholischen Bauern im Nachbardorf Görtschach auf dessen Holzhüttendach, sodass dieser am nächsten Tag größte Mühe hatte, den Wagen wieder herunter zu bekommen. Mitte der 1930er Jahre verschärfte sich der Konflikt. Um ein Gefühl der latenten Unsicherheit zu erzeugen, schoss man immer wieder aus weiter Entfernung auf das Haus der politischen Gegner.