Die römisch-katholische Dreifaltigkeitspfarrkirche (tschechisch: Farní kostel Nejsvětější Trojice) in Fulnek (Tschechien) gehört zu den künstlerisch bedeutendsten Barockgebäuden Nordostmährens.

Geschichte Geschichte der ersten Pfarrkirche Die erste Pfarrkirche an diesem Ort St. Philippus und Jakobus stand an der Stelle der heutigen St.-Josephs-Kapelle, links vom Kirchenschiff. Das genaue Datum des Baus ist unbekannt. Zum ersten Male erwähnt wurde sie am 26. Februar 1293 in einer Urkunde eines Herrn Oldřich von Lichtenburk, Angehöriger des Geschlechtes von Ronow und Besitzer des Fulneker Gebiets, darin ist festgehalten, dass er an den Vogt Štědron in Eilowitz für zehn Mark das dortige Vogthaus verkaufte.Dějiny kraje Holasovského čili Opavského, Band III., Teil I., S. 103.

Im Jahre 1389 wurde in der Nachbarschaft der Kirche das Augustiner-Chorherrenstift Fulnek gegründetRegesty dokumentów przechowywanych na Górnym Śląsku. S. 92, Nummer 198. In Z kroniky staroslavného města Fulneku, působiště J. A. Komenského findet sich auf Seite 138 die Anmerkung: Warum die ursprüngliche Pfarrkirche, die in einem alten Schriftstück aus dem Jahre 1293 erwähnt worden war, aufgehoben und an ihrer Stelle ein Kloster von Augustinern gegründet wurde, darüber haben wir keine Überlieferung. und bei der Einweihung wurde der Name der Kirche in Dreifaltigkeitskirche geändert.Einige Quellen geben an, dass im Jahre 1389 die Einweihung zur Heiligen Dreifaltigkeitskirche und erst viel später zur heutigen Heiligstee Dreifaltigkeitskirche stattfand.

Mariahilfbild und seine Legende mini|hochkant|Das wundertätige Bild der Jungfrau Maria von Fulnek Über dem Tabernakel des Hochaltars in der Pfarrkirche befindet sich ein Mariahilfbild im Typus des Innsbrucker Gnadenbilds. Die Mutter Gottes auf diesem Bilde wird auch Jungfrau Maria von Fulnek genannt. Einst war darunter eine kleine Tafel mit dieser Aufschrift:

Im Jahre 1648 den 1. October iſt der ehrbare Junggeſell Paulus Mudrack, 19 Jahre alt, unſchuldigerweiß in dem Hauswald (Thiergarten) erſchoſſen worden. Und dann im Jahre 1649 den 3. März iſt Andreas Mudrack nach erlangten heiligen Sakramenten der chriſtkatholiſchen Kirche, von dieſer Welt geſchieden. Seines Alters 22 Jahre 5 Monath. Denen zur Gedächtniß die betrübten Eltern, als Georg und Anna Mudrack, d. Epitaphium aufrichten laſſen. Gott verleihe allen chriſtgläubigen Seelen die ewige Ruhe und Seligkeit amen.

Das erwähnte Epitaphium war das Mariahilfbild, das die Eheleute MudrackAn der Wandzeitung Aus der Pfarrchronik stehen Namen Laurentius und Anna Mudrack anstatt Georg und Anna, wie im Buch Die Pfarrkirche in Fulnek und das Mariabild am Hochaltar geschrieben wird. Was das Jahr der Spende angeht, stimmen beide Quellen überein. im Jahre 1678 der Kirche gespendet hatten. Dieses Bild hing zuerst in der alten Pfarrkirche in der St.-Josephs-Kapelle beim Taufstein. Von da wurde es später weggenommen und zwischen zwei Kirchenfenstern angebracht. Aber auch dort blieb es nicht lange: Im Jahre 1731 wurde es wieder umgehängt und durch ein Bild des damals neu seliggesprochenen Peter Fourier ersetzt. Das Marienbild wurde als kleines Altarbild benutzt und blieb dort ohne besondere Beachtung bis 1746, am 23. Dezember, wurde es wieder umgehängt. Schließlich bekam es seinen Platz im Kreuzgang, weil man nicht gleich einen anderen Ort dafür fand. Nach einigen Wochen zerfiel das Bild dort sogar in drei Stücke. Schließlich nahm sich ein geistlicher Herr, Jakob Erbsmann, Senior im hiesigen Stift, seiner an und ließ es nach Ausbesserung an der Klostermauer hinter der Kirche anbringen.Der Wandzeitung Aus der Pfarrchronik zufolge hat er das Bild an die Außenwand der St.-Josephs-Kapelle hängen lassen. Allmählich fanden sich fast täglich am Bild Gläubige ein, zierten es mit Blumen und verehrten die Mutter Gottes mit Beten und Singen.

Die gläubigen Chronisten jener Zeit berichten von einem Wunder; der Glaube daran führte zum Bau der heute bestehenden Kirche. Den Schilderungen aus dieser Zeit zufolge habe sich folgendes zugetragen:

Am Samstag vor dem Dreifaltigkeitfeste, am 31. Mai 1749, gegen fünf Uhr nachmittags, betete der damalige Herren-Diener Johann Georg Losert vor dem Bilde. Da bemerkte er bei dem rechten Auge der Mutter Gottes etwas Weißes. Zuerst dachte er, das Bild sei mit etwas bespritzt worden, denn damals wurde gerade die neue Sakristei bei der alten Kirche angebaut. Da aber schon zur heiligen Messe geläutet wurde, ging er in die Kirche. Am Ende der Liturgie ging er also wieder zu dem Bilde zurück und betrachtete es genau. Dabei stellte er fest, dass aus dem rechten Auge der Mutter Gottes drei Wassertropfen herabflossen, die mittlere bis auf den Kopf des Jesuskindes. Auch bei dem linken Auge war etwas Nasses zu sehen. Zu dieser Zeit, es war kurz vor sieben Uhr abends, standen bei dem Bilde schon etwa zwölf Personen und sahen alles. Der Mesner Joseph Hopp rief den damaligen Dechanten Joseph Barwig. Dieser stieg zu dem Bilde hinauf und versuchte mit einem Tuch die Tropfen abzutrocknen – es gelang ihm erst nach einer guten Weile. Außer dem Dechant waren anwesend ein Geistlicher aus dem Augustinerstift namens Alexander, von Laien der Mesner Joseph Hopp, seine Schwester Apollonia, der Herren-Diener Georg Johann Losert und etwa zwölf andere Gläubige. Dechant Barwig wies sie an, das Ereignis vorläufig geheim zu halten.

Das Ereignis wurde in der Stadt so bekannt, dass sich noch am gleichen Abend die Mehrzahl der Bürger bei dem Bild versammelte. In kurzer Zeit kam zu Andachten bei dem Bild. Es reisten Wallfahrer an, nicht nur aus dem Pfarrsprengel und den angrenzenden Gemeinden, sondern auch aus der weiteren Umgebung. Einige bezeugten, dass nach dem Gebet bei der Mutter Gottes von Fulnek ihre Bitten in geistlichen und leiblichen Nöten erhört wurden. Das Beten und Singen dauerte bis spät in die Nacht.

Am 2. Juni, nachmittags um ein Uhr, kam bei dem Bilde der Dechant Joseph Barwig mit anderen Geistlichen, mit dem Baumeister Nikolaus Thalherr, mit Mathäus Hopp, dem Bruder des Mesners, und mit Georg Richter zusammen, um alles gründlich zu untersuchen und eine Erklärung zu finden. Nach eingehender Durchforschung und Erwägung aller Umstände jener Erscheinung schlossen sie, dass die Tränen auf dem Gesicht der Jungfrau Maria nicht natürlichen Ursprungs sein könnten, und dass es sich um ein Wunder handele.

Am 2. Juli 1749, dem Fest Mariä Heimsuchung, wurde bei dem Bild erstmals feierlich eine Litanei mit Musikbegleitung gesungen. Von da an wurden dort alle Marien-Tage musikalisch gefeiert. Schüler sangen und beteten dort täglich Litaneien. Am Feste der Jungfrau Maria vom Berge Karmel wurde bei dem Bild zum ersten Male die heilige Messe gelesen. Bei dieser Gelegenheit wurde für das Bild ein Rahmen beschafft und daneben eine Lampe befestigt, die seitdem brennt. Vor dem Feste der Geburt der Jungfrau Maria wurde eine kleine Kapelle aus Holz um das Bildnis errichtet, damit die Beter ein Schutzdach hätten. Es kam der Vorschlag, eine gemauerte Kapelle zu erbauen.

Schon am 10. Dezember 1749 fing man an, den Felsabhang abzutragen, der für den Bau ein großes Hindernis war und die Arbeiten verzögerte. Des Werkes nahmen sich der Fulneker Magistrat und die ganze Stadtgemeinde an. Am 12. Januar 1750 wurde das Mariahilfbild mit großer Verehrung in die St.-Anna-KapelleIn die Kapelle kam man aus dem Kreuzgang des Klosters, nach dessen Aufhebung fiel sie an die Pfarrei. übertragen. Dort wurde es hinter Glas auf den Altar gestellt. Während all dessen, so die Legende, habe die Mutter Gottes Tränen vergossen.

Alle Begebenheiten, die sich um das Bild ereigneten, hat der damalige Mesner Josef Hopp sorgsam notiert. Seine Einträge wurden fortgeführt bis zum 20. Januar 1753. Bis heute sind es 106 Fälle, in denen Menschen aus verschiedenen Gemeinden berichten, dass die Jungfrau Maria ihnen nach Gebet bei dem Fulneker Bild die Hilfe Gottes in verschiedenen Nöten erwirkt habe.

Als aber der Abhang unter großen Mühen und Geldkosten abgetragen war, wurde der Plan für den Bau gänzlich geändert. Es wurde entschieden, nicht eine Kapelle, sondern eine große neue Kirche zu erbauen.

Bau mini|Pfarrkirche mit der Südseite des Platzes am Ende des 19. Jahrhunderts

Zum Abgraben des Hanges kamen freiwillige Helfer, so dass es mit den bezahlten Arbeitern täglich 50 bis 60 Personen waren. Die Arbeit ging so gut voran, dass am 25. April 1750Die Pfarrkirche in Fulnek und das Mariabild am Hochaltar, S. 7. schon der Platz für das Fundament frei war. Am 5. Mai wurde der erste Stein dazu gelegt und einen Tag später begannen die Maurer zu arbeiten. Der Grundstein der Kirche wurde mit großer Feierlichkeit am 19. Oktober 1750 gelegtWas dieses Datum angeht stimmen das Buch Die Pfarrkirche in Fulnek und das Mariabild am Hochaltar und die Wandzeitung Aus der Pfarrchronik überein. an der Stelle, wo ehedem das Marienbild war. Zu dem feierlichen Akt wurden eine vergoldete Kelle und ein vergoldeter Maurerhammer angefertigt. Den ersten Schlag tat der Dechant, nach ihm folgten die übrige Geistlichkeit, der Magistrat und wohlhabende Bürger. Am Ende wurde auch jedem vom niedrigen Volk – wer immer den Wunsch hatte – gestattet, jeweils einen Schlag auf den Stein zu tun. Der Grundstein mit der Jahrzahl 1750 ist bis heute unter der Kanzel zu sehen.Die Pfarrkirche in Fulnek und das Mariabild am Hochaltar, Seiten 7–10. 1760 wurde der Bau nach der Pfarrchronik beendet und man begann mit der Ausmalung.

Im Jahre 1760 wurde die Kirche vom Johannes Grafen von Scherfenberg, dem Olmützer Weihbischof, eingeweiht.Nach der Wandzeitung Aus der Pfarrchronik. Im Buch Die Pfarrkirche in Fulnek und das Mariabild am Hochaltar ist auf der Seite 10 als Einweihungstag der 19. April 1762 angegeben, aber er ist dort als unsicher bezeichnet; das Jahr ist jedoch angeblich unstrittig. Der Einweiher war nach diesem Buch Maxmilian Graf von Hamilton, Olmützer Bischof. Allerdings datiert das Komenského Fulnek auf der Seite 38 den Ausbau in die Jahre 1750–1752 und die Einweihung ins Jahr 1760. Fulnecký zpravodaj, Jahrgang 1980, Nummer 2, führt an, dass in einer Gedenkliste von 1760, die in den Turm hineingelegt war, als Datum der Grundsteinlegung der 19. Oktober 1750 angegeben ist, für die Beendigung des Rohbaus das Jahr 1752, für den Kuppelansatz báně der 29. September 1760 und für die Einweihung der 22. Oktober 1760.

Die Pläne zur Kirche stammen vom in Fulnek niedergelassenen Baumeister Nikolaus Thalherr, dem auch die Kirchen in Bautsch und Sternberg zugeschrieben werden. Die heutige Kirche wurde an der Stelle der ursprünglichen Pfarrkirche St. Philippus und Jakobus bei dem Augustiner-Kloster errichtet. Das Kloster selbst wurde im Jahre 1784 von Kaiser Joseph II. aufgelöst.

Beschreibung Dreifaltigkeitspfarrkirche mini|Interieur der Pfarrkirche am Anfang des 20. Jahrhunderts Die Kirche ist einschiffig, auf der Westseite mit einem gotischen Kreuzgang verbunden, der ein Bauteil des unteren Stockes des Pfarrhauses wurde. Die Nordsüd-Längsachse des Kirchenschiffs zielt direkt zum Schlossberg hin, die Querachse ist gleichlaufend mit der gedachten Südseite des Platzes. Der Hochaltar ist nach Norden ausgerichtet, mit einer sanften Neigung nach Westen, das Presbyterium der Pfarrkirche hat die geographischen Koordinaten 49° 42′ 41,60″ n. Br., 17° 54′ 15,27″ ö. L. Auf der Ostseite wurde eine ovale St.-Josephs-Kapelle ausgebaut. Auf der Nordseite des Kirchenschiffes dominiert ein mächtiger gemauerter Chor.

Inneres In der Gliederung des inneren Kirchenraumes zeigt sich das Prinzip der Raumbildung durch Zusammensetzung. Die einzelnen Elemente sind in der Wölbung durch ausdrucksvolle doppelte Gurtbögen und an den Außenmauern durch Pilaster voneinander getrennt, die Abschnitte des Gebälks tragen, auf denen die Gurtbögen aufsitzen. Unter der Kuppel läuft ein durchlaufendes Gebälk herum, unter dem man Oratorien mit nach außen gewölbten Brüstungen findet.