Medaillenspiegel Platz Land G S B Ges. 1 48 22 30 100 2 36 39 37 112 3 24 13 23 60 4 19 13 19 51 5 16 11 14 41 6 14 15 17 46 7 13 11 8 32 8 9 8 8 25 9 8 9 10 27 10 7 16 20 43 … … … … … … 34 2 1 4 7 … … … … … … 64 – 1 2 3 Vollständiger Medaillenspiegel

Die Olympischen Sommerspiele 2008 (offiziell Spiele der XXIX. Olympiade genannt) wurden vom 8. bis zum 24. August 2008 hauptsächlich in der chinesischen Hauptstadt Peking ausgetragen. Es waren die ersten Olympischen Sommerspiele in China. Den Zuschlag des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) erhielt Peking am 13. Juli 2001.

11.126 Sportler traten in den 302 Wettbewerben aus 28 Sportarten an, womit ein Wettbewerb mehr als bei den Olympischen Sommerspielen 2004 in Athen auf dem Programm stand. 37 Wettkampfstätten wurden für die Austragung der Veranstaltungen benutzt. Ein Teil von ihnen befand sich außerhalb Pekings, so in Qingdao (Segeln), Qinhuangdao, Shanghai, Shenyang und Tianjin (alle Fußball). Neben dem Nationalen Olympischen Komitee (NOK) der Volksrepublik China war das Nationale Olympische Komitee Hongkongs Mitausrichter, da dort die Reitsportwettkämpfe stattfanden.

Gastgeberland China war mit 48 Goldmedaillen die mit Abstand erfolgreichste Nation und erreichte damit erstmals Platz 1 im Medaillenspiegel.

Bewerbungen Insgesamt bewarben sich zehn Städte um die Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele 2008: Bangkok, Havanna, Kairo, Kuala Lumpur, Sevilla, Osaka, Toronto, Paris, Istanbul und der Favorit Peking. Die letzten fünf ließ das IOC zur Wahl des Austragungsortes zu – wobei nur Paris, Toronto und Peking Chancen auf den Erhalt der Spiele zugestanden und Istanbul und Osaka als Außenseiter angesehen wurden.

Paris bewarb sich um die Austragung der dritten Olympischen Sommerspiele nach 1900 und 1924. Geplant waren Ausgaben in Höhe von 2,3 Milliarden Euro für die Infrastruktur und 2,2 Milliarden Euro für die Organisation. Die Zustimmung zur Bewerbung war in der französischen Bevölkerung und Politik groß. Dabei wurde versucht, sich gegenüber dem Favoriten Peking vor allem durch ethische Fragen abzusetzen. So gäbe es in Frankreich keine Menschenrechtsverletzungen und keine gravierenden Umweltprobleme. Als Olympiastadion sollte das Stade de France genutzt werden. Daneben sollten die Beachvolleyballspiele unter dem Eiffelturm und die Reitwettbewerbe vor dem Invalidendom ausgetragen werden. Das Roland-Garros-Stadion wäre Austragungsort der Tenniswettbewerbe geworden.

Toronto warb mit der multikulturellen Gesellschaft Kanadas. Die Organisatoren gingen von Ausgaben in Höhe von 10,3 Milliarden Euro für Infrastruktur und 2,3 Milliarden Euro für die Organisation aus. Die Organisatoren versprachen Spiele der kurzen Wege, da 25 von 28 Sportstätten innerhalb von 15 Minuten mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein sollten. Außerdem strebten sie an, nach Calgary und Los Angeles die dritte Stadt zu werden, die einen Gewinn durch die Olympischen Spiele macht. Toronto wollte aus den Fehlern der Olympischen Sommerspiele 1976 in Montreal lernen, das noch heute an der Verschuldung durch die Austragung leidet.

Nach der gescheiterten Bewerbung von 1993 um die Austragung der Olympischen Sommerspiele 2000, die Peking mit nur zwei Stimmen Unterschied gegen Sydney verloren hatte, bewarb sich die chinesische Hauptstadt zum zweiten Mal. Die geplanten Kosten betrugen 23 Milliarden Euro für die Infrastruktur und 3,6 Milliarden für die Organisation. Man bewarb sich mit einem im Norden Pekings geplanten olympischen Dorf, in dem auch die meisten Sportanlagen liegen sollten, und Beachvolleyballwettbewerben auf dem Tian’anmen-Platz. Daneben war schon der Weg des olympischen Feuers geplant, der auch über den Himalaya führen sollte. Nach dem ersten Scheitern kam es zu radikalen Veränderungen in der Stadt. So wurden Fabriken in Hinterhöfen geschlossen, was zu besserer Luftqualität führen sollte, und alte, verwinkelte Stadtviertel umgestaltet. In der Stadt wurden Grünstreifen angelegt und moderne Hochhaussiedlungen errichtet. Die Bewerbung wurde von Kritik durch Menschenrechtler begleitet, da China die meisten Todesurteile weltweit vollstreckt. Im konkreten Zusammenhang mit den Spielen wurden Zwangsumsiedlungen befürchtet. Außerdem wurde kritisiert, dass mit dem vielen Geld besser Schulen und Krankenhäuser finanziert werden sollten. In den Wochen vor der Entscheidung über die Vergabe der Spiele in Moskau gab es viele Veranstaltungen zur Unterstützung der Bewerbung, die durch die Medien verbreitet wurden. 200.000 Schulkinder haben zum Beispiel ein 2008 Meter langes Plakat gebastelt, das an der Chinesischen Mauer aufgehängt wurde.WAZ, 13. Juli 2001, „Spannender Wettstreit um die fünf Ringe“ Das europäische Parlament formulierte die Kritik der von ihm repräsentierten Länder in einer Entschließung.Entschließung des Europäischen Parlaments zur Kandidatur Pekings für die Olympischen Spiele 2008, 5. Juli 2001.

Vergabe der Spiele + Ergebnis der Wahl des Austragungsortes 2008 Ort Land Runde 1 Runde 2 Peking 44 56 Toronto 20 22 Paris 15 18 Istanbul 17 9 Osaka 6 —

Peking setzte sich am 13. Juli 2001 auf der 112. IOC-Session in Moskau gegen Toronto, Paris, Istanbul und Osaka durch. Für die Beschreibung des politischen Umfeldes dieser Bewerber verwendete die IOC-Evaluierungs-Kommission in ihrem Evaluierungsbericht Begriffe, die üblicherweise für die Beschreibung von Regierungs- und Staatsformen verwendet werden. Abweichend davon übernahm die Kommission für Peking mit „funktionierend für China“ („working for China“) eine chinesische Selbstbeschreibung des politischen Systems. Weiterhin meinte die Kommission zu China: „Die allgemeine Präsenz starker Kontrolle und Unterstützung durch die Regierung ist gesund…“ („The overall presence of strong governmental control and support is healthy…“).Host City Election Procedure 2008: , 2001, S. 60 und S. 74.

Die Vergabe der Olympischen Sommerspiele nach Peking war nicht der erste Fall, in dem die Entscheidung des IOCs zu politischen Kontroversen führte. Weitere Beispiele sind Berlin (1936), Mexiko-Stadt (1968), Moskau (1980), Los Angeles (1984) und Seoul (1988). Die Entscheidung für Peking fiel deutlicher aus und kam rascher als erwartet. Vor der Abstimmung stellte sich jeder Bewerber mit einer 45-minütigen Präsentation vor und warb um Stimmen. Der Favorit Peking setzte sich nach zwei Wahlgängen durch. Bei der Wahl des Austragungsortes der Olympischen Sommerspiele 2000 waren vier Wahlen nötig, ebenso bei den Olympischen Sommerspielen 2004. Nachdem die Spiele an Peking vergeben worden waren, erklärte am 17. Juli 2001 der stellvertretende Ministerpräsident Li Lanqing: „Der Gewinn der olympischen Bewerbung für 2008 ist ein Beispiel für die internationale Anerkennung der sozialen Stabilität Chinas, des wirtschaftlichen Fortschritts und des gesunden Lebens des chinesischen Volkes.“Li Lanqing in en.beijing2008.cn: „The winning of the 2008 Olympic bid is an example of the international recognition of China’s social stability, economic progress and the healthy life of the Chinese people.“ 17. Juli 2001.

Organisation und Vorbereitungen Die Volksrepublik China investierte 40 Milliarden Dollar in Sportstätten und Infrastrukturprojekte. Diese wurden von rund 30.000 Arbeitern realisiert. Zwar gingen die Organisatoren davon aus, dass alle Sportstätten spätestens Ende 2007 fertiggestellt sein würden, jedoch musste der Plan, bereits weit vor dem Beginn der Spiele fertig zu sein, wegen explodierender Kosten, Engpässen in der Stahlproduktion und technischer Probleme aufgegeben werden. Für den Bau der Olympiastätten wurden 3000 Familien zwangsumgesiedelt, was rund 155 Millionen Euro kostete.Baustelle Olympia 2008 – Architekturprojekte der Superlative – chinaseite.de. Die in Genf tätige Organisation COHRE (Centre on Housing Rights and Evictions) befürchtet, dass 1,5 Millionen Einwohner wegen der Olympischen Spiele zwangsumgesiedelt wurden. Das Organisationskomitee und das chinesische Außenministerium entgegneten darauf, nur 6037 Personen seien von Umsiedlungen betroffen. Nach anderen Angaben sind bis Mai 2005 nicht weniger als 300.000 Einwohner umgesiedelt worden.

Gesetzgebung Am 10. April 2006 gab die Pekinger Stadtverwaltung bekannt, dass im Hinblick auf die Olympischen Sommerspiele 2008 mehr als 70 lokale Gesetze und Verordnungen erlassen werden, um nicht erwünschte Personen von der Stadt fernzuhalten. Betroffen sind Einwohner ohne eine Wohnberechtigung für Peking, Wanderarbeiter, Bettler und Menschen mit geistigen Behinderungen. Die Grenzkontrollen und die Überwachung von Nichtregierungsorganisationen sollen verschärft sowie sämtliche Proteste verboten werden. Die Einwohner Pekings werden dazu aufgerufen, während der Spiele zu Hause zu bleiben. Außerdem sollen Personen, die regimekritisch auffallen, strafrechtlich stärker verfolgt werden.法制晚报 (Fazhi Wanbao, bzw. Abendblatt des Rechtssystems), 10. April 2006, A05. Zahlreiche Personen, die gegen die Umsiedlungen protestierten, sind von der Pekinger Polizei verhaftet worden.Thousands of homes destroyed to make way for Olympic tourists – The Times, 26. Mai 2005.

Die Pekinger Stadtverwaltung hat neue Verhaltensregeln erlassen, welche die Polizeibeamten zu einem besseren Benehmen bewegen sollen. In Umlauf gebrachte Broschüren fordern die Beamten auf, weniger zu fluchen, ihr arrogantes Verhalten aufzugeben und keine Personen zu ignorieren, die ein Verbrechen melden wollen. Verstöße sollen bestraft werden. Die Behörden erhoffen sich bis zum Beginn der Spiele ein besseres Image.New guidelines for Beijing police ahead Of 2008 games – gamesbids.com, 11. Mai 2007.

Wettkampfstätten und olympisches Dorf mini|250px|Lageplan der Wettkampfstätten in Peking mini|250px|Nationalstadion in Peking („Vogelnest“) mini|250px|Nationales Schwimmzentrum („Wasserwürfel“)

Das olympische Dorf ist am nördlichen Ende einer Achse angesiedelt, die in Nord-Süd-Richtung durch Peking verläuft und an der unter anderem der Tian’anmen-Platz und die Verbotene Stadt liegen. Die runde Struktur des Nationalstadions und die eckige Form des Nationalen Schwimmzentrums, die an beiden Seiten dieser Achsen liegen, sind weitere Elemente der architektonischen Symbolik.TV-Dokumentation Ultimate Olympics, Discovery Channel.

Neubauten in Peking Nationalstadion – Leichtathletik, Fußball Nationales Schwimmzentrum – Schwimmen, Turm- und Kunstspringen, Wasserball und Synchronschwimmen Schießhalle – Qualifikation und Finale der Schießwettbewerbe über 10, 25 und 50 Meter Nationales Hallenstadion – Geräteturnen, Trampolinturnen, Handball Wukesong-Hallenstadion – Basketball Laoshan-Velodrom – Bahnradsport Olympic Green Messezentrum – Fechten, Moderner Fünfkampf (Fechten) Olympic Green Tennis Center – Tennis Olympischer Ruder- und Kanupark Shunyi – Rudern, Kanu/Kajak (Flach- und Wildwasser) Landwirtschaftliche Universität Chinas – Ringen Universität Peking – Tischtennis Universität für Wissenschaft und Technik – Judo, Taekwondo Polytechnische Universität Peking – Badminton, Rhythmische Sportgymnastik

Bestehende Anlagen in Peking Olympisches Sportzentrum – Fußball, Moderner Fünfkampf (Geländelauf und Reiten), Handball Arbeiterstadion – Fußball Hauptstadt-Hallenstadion – Volleyball Fengtai-Softballstadion – Softball Ying Tung Natatorium – Wasserball, Moderner Fünfkampf (Schwimmen) Laoshan-Mountainbikegelände – Mountainbike Shijingshan-Schießgelände – Schießen Technische Universität – Volleyball Beihang-Universität – Gewichtheben

Temporäre Anlagen in Peking Olympic Green Archery Field – Bogenschießen Olympic Green Hockey Field – Hockey Wukesong-Baseballstadion – Baseball Laoshan BMX Field – BMX Chaoyang-Park – Beachvolleyball Reservoir bei den Ming-Gräbern – Triathlon Urban Cycling Road Course von der Innenstadt zur Chinesischen Mauer bei Badaling – Straßenradsport

Anlagen außerhalb Pekings Internationales Segelzentrum Qingdao – Segeln Shanghai-Stadion, Shanghai – Fußball