Die Bloodhound war eine Langstrecken-Boden-Luft-Flugabwehrrakete aus dem Vereinigten Königreich.

Entwicklung Nach dem Zweiten Weltkrieg forderten die Streitkräfte des Vereinigten Königreichs ein Langstrecken-Flugabwehrraketensystem zur Bekämpfung von hoch- und schnellfliegenden Bombern. Daraufhin wurden im Rahmen der Projekte Red Duster und Red Heaten für die British Army die Thunderbird und für die Royal Air Force die Bloodhound entwickelt. Dabei sollten für die Royal Air Force zwei Lenkflugkörper in einem Stufenplan entwickelt werden. Dieser sah vor, zuerst einen Mittelstrecken-Lenkflugkörper (Bloodhound Mk 1) zur Verteidigung von Militärbasen zu entwickeln. Danach sollte ein weiterer Langstrecken-Lenkflugkörper (Bloodhound Mk 2) zur Verteidigung von großen Gebieten entwickelt werden.

Die Bloodhound Mk 1 (noch als Surface to Air guided Weapon (SAGW) bezeichnet) wurde von einem Konsortium aus verschiedenen Firmen entwickelt. Hauptauftragnehmer war dabei die Bristol Aeroplane Company in Filton. Die Raketentests erfolgten ab Mitte der 1950er-Jahre bei Aberporth in Wales sowie später auf dem Woomera-Testgelände in Australien. Bei den Tests zeigte das Staustrahltriebwerk enttäuschende Leistungen und der Hersteller musste während Monaten immer wieder nachbessern.

Im Jahr 1956 konnte bei einem Test erstmals eine Jindivik-Zieldarstellungsdrohne mit einer Bloodhound Mk 1 getroffen werden. In Woomera wurden zwischen 1958 und 1960 64 Bloodhound Mk 1 gegen Zieldarstellungsdrohnen gestartet. Zwischen 1959 und 1963 wurden in Aberporth 159 Bloodhound Mk 1 und Mk 2 gegen Fallschirmziele, Ballons und Zieldarstellungsdrohnen gestartet. Die ersten Systeme wurden Anfang 1958 für Truppenversuche an die Royal Air Force ausgeliefert. Die Kosten für die Entwicklung der Bloodhound Mk 1 beliefen sich auf 32 Mio. GBP.

Ende 1958 war die erste Bloodhound Mk 1-Stellung operationell und noch im selben Jahr wurde mit der Entwicklung der verbesserten Ausführung Bloodhound Mk 2 begonnen. Dabei griffen die Entwickler auf das abgebrochene Vorprojekt Blue Envoy zurück. Im Jahr fusionierte Bristol Aeroplane Company zusammen mit anderen Firmen zu British Aircraft Corporation (BAC). Dort wurde die Bloodhound Mk 2 fertig entwickelt und ab 1964 an die Royal Air Force ausgeliefert. Insgesamt wurden 440 Bloodhound Mk 1 sowie 783 Bloodhound Mk 2 für die Streitkräfte des Vereinigten Königreichs produziert.Tony Cullen & Christopher F. Foss: Jane’s Land-based Air-Defence, Edition 1992–1993. Jane’s Information Group, 1996, S. 275–276.Jerome Murray: The British Thunderbird & Bloodhound Missiles. 2003. S. 6–22.Stephen R. Twigge: The Early Development of Guided Weapons in the United Kingdom, 1940–1960. 1993. S. 15–22 & 235–237.Hansard.parliament.uk: Bloodhound MissilesSkomer.u-net.com: United Kingdom Aerospace and Weapons Projects

Technik

Bloodhound war ein Langstrecken-Flugabwehrraketensystem zur Bekämpfung von Kampfflugzeugen und Bombern. Dabei konnten Ziele bei jedem Wetter sowie bei Tag und Nacht bekämpft werden. Das System war entweder in ortsfesten Stellungen installiert oder es wurde in vorbereiteten Feuerstellungen aufgestellt. Dazu konnte es mit Lastkraftwagen oder Frachtflugzeugen transportiert werden. Das Bloodhound-System System wurde im Laufe der Zeit mehrfach modernisiert sowie der aktuellen Bedrohungslage angepasst. Zusammen mit der MIM-14 Nike Hercules war es Bestandteil des NATO-Luftverteidigungsnetzwerkes.Ronald T. Pretty: Jane’s Weapon Systems 1985–1986. Jane’s Information Group, Vereinigtes Königreich, 1985, S. 272 f., 478, 486.British Aircraft Corporation: The Bloodhound 21 Weapon System. Offizielle Informationsbroschüre von BAC. British Aircraft Corporation - Guided Weapon Division, Vereinigtes Königreich, 1964.

Feuerleitradar

mini|Type 87-Radar mit Splitterschutz

Bloodhound Mk 1 verwendete das Feuerleitradar Type 83 Yellow River (Target Illumination Radar (TIR) bezeichnet). Dieses Radar arbeitete nach dem Monopulsverfahren. Für die Zielsuche wurde eine Frequenz von 4 GHz bei einer Sendeleistung von rund 1.000 kW verwendet. Für die Zielbeleuchtung wechselte es auf eine Frequenz von 10 GHz, bei einer Sendeleistung von rund 750 kW. Verwendet wurde eine Parabolantenne mit Hornstrahler. Die maximal angezeigte Entfernung betrug rund 150 km. Das Radar war auf einem zweiachsigen Anhänger installiert.Bristol / Ferranti: The Bloodhound Weapon System. Offizielle Informationsbroschüre von Bristol & Ferranti. British Aircraft Corporation. Vereinigtes Königreich, 1961.Radarpages.co.uk: Type 83 Yellow River radarBmpg.wordpress.com: “Yellow River” – Type 83 RadarIwm.org.uk: THE SURFACE TO AIR GUIDED WEAPON SYSTEM

Bloodhound Mk 2 verwendete in der halbmobilen Ausführung das Feuerleitradar Type 86 Indigo Corkscrew. Dieses wurde unter der Bezeichnung Ferranti Firelight exportiert und kam auch mit dem Thunderbird-Flugabwehrraketensystem zum Einsatz. Das Type 86-Radar von Ferranti war ein frequenzmodulierendes Dauerstrichradar (Frequency-Modulated Continuous Wave = FMCW) und arbeitete im X-Band. Für die Ermittlung der Zieldistanz wurde die Frequenzmodulation und für die Messung der Zielgeschwindigkeit das Dopplerprinzip angewendet. Die Antennengruppe verwendete als Sendeantenne eine Parabolantenne mit 2,1 m Durchmesser sowie eine Torusantenne als Empfangsantenne. Weiter war eine Lenkflugkörper-Bezugsantenne angebracht. Die Installierte Radarreichweite betrug rund 185 km. Das Radar war auf einem zweiachsigen Anhänger mit einer Länge von 5,45 m installiert.Radarpages.co.uk: Type 86 Firelight radarRadartutorial.eu: Type 86Skomer.u-net.com: Indigo Corkscrew Target Illumination RadarBloodhoundmkii.org.uk: Radar Type 86

In der stationären Ausführung verwendete Bloodhound Mk 2 das Feuerleitradar Type 87 Scorpion (Blue Anchor). Dieses war eine vergrößerte Ausführung das Type 86. Das Type 87-Radar von Ferranti war ein frequenzmodulierendes Dauerstrichradar (FMCW) und arbeitete auf einer Frequenz von 8,1–8,75 GHz mit Zentimeterwellen. Die Antennengruppe verwendete als Sendeantenne eine Parabolantenne mit 4,26 m Durchmesser sowie eine Torusantenne als Empfangsantenne. Weiter war eine Lenkflugkörper-Bezugsantenne angebracht. Bei einer Sendeleistung von 2,5 kW betrug der Antennengewinn 49 dB. Für die Zielbeleuchtung im Dauerstrichmodus wurde mit hoher Sendeleistung ein Radarstrahl mit 0,5° Winkelbreite erzeugt. Die Installierte Radarreichweite betrug rund 300 km. Das Radar konnte Ziele mit einem Radarquerschnitt von 10 m² auf eine Distanz von 220 km erfassen und begleiten. Die Radaranlage war in drei Containern verbaut. In diesen waren die Sendeeinheit, Empfangseinheit sowie ein Maschinenraum untergebracht. Die Container hatten ein Gewicht von rund 50 Tonnen, wobei rund 10 Tonnen auf die Antennengruppe entfiel. Anfänglich beruhte der Aufbau des Radars auf Analogtechnik. Später wurde einzelne Teile durch Digitaltechnik ersetzt. Das Radar wurde von zwei Mann überwacht und vom Feuerleitstand gesteuert sowie bedient.Wrd.ch: Zur Geschichte der militärischen Radaranwendungen in der SchweizRadarpages.co.uk: Type 87 Scorpion radarBl-64.ch: Verein BL-64.ch (Bloodhound Lenkwaffen Schweiz)

Feuerleitstand

mini|Konsolen in einem Feuerleitstand

Neben den Radargeräten kam ein zentraler Feuerleitstand (Launch Control Post (LCP) bezeichnet) zum Einsatz. Dieser war in einem Container mit 5,92 m Länge, einer Breite von 2,24 m sowie einem Gewicht von 7 Tonnen untergebracht. Von hier aus führten die Bediener den Feuerkampf. Dafür waren ein Plotextraktor, ein Radarsichtgerät, ein Statusboard sowie Computer und Konsolen verbaut. Anfänglich wurden im LCP Mk 1 Rechner vom Typ Argus 200 mit Schwarzweiß-Computermonitoren verwendet. Im späteren LCP Mk 2 kamen Argus 700-Rechner mit Farb-Computermonitoren zur Anwendung. Der Feuerleitstand konnte innerhalb von kurzer Zeit vom realen Einsatzbetrieb auf Simulationsbetrieb umgeschaltet werden. In dieser Betriebsart war es möglich, jeden einmal errechneten Bekämpfungsablauf wiederholt in Echtzeit zu simulieren und zu analysieren.Radarpages.co.uk: The Radar PagesBmpg.wordpress.com: Ferranti’s Argus Computer and the Bloodhound Missile

Energieversorgung

Für die Energieversorgung einer Bloodhound-Feuereinheit standen zwei Container mit Stromerzeugungsaggregaten zur Verfügung. Es wurden Aggregate mit einer Leistung 290, 140 oder 75 kVA verwendet. Das Bloodhound-System wurde mit 415/240 Volt versorgt.

Lenkflugkörper-Starter

Für die Bloodhound Mk 2-Lenkflugkörper wurden die Type 202-Starter verwendet. Der Starter hatte eine Länge von 3,76 m und war 2,51 m breit. Unbeladen wog er 3.447 kg. Der Starter nahm einen Lenkflugkörper auf. Der Starter bestand aus einer Unterlafette mit vier Stützen sowie einer in der Horizontalen drehbaren Oberlafette. Auf dieser war der Lenkflugkörper auf zwei Haltearmen aufgesetzt. Der Starter konnte in der Horizontalen um 360° gedreht werden, wobei der maximale Drehwinkel 540° betrug. In der Vertikalen wurden die Haltearme mit dem Lenkflugkörper in einem fixen Winkel von 43° angestellt. Am Starter war eine Klimaanlage angebracht, welche für gleichbleibende Temperaturen in dem aufgesetzten Lenkflugkörper sorgte. Über ein Datenkabel mit 92 Polen wurde der Lenkflugkörper auf dem Starter mit den nötigen Informationen vom Feuerleitstand versorgt. Die Datenübermittlung vom Feuerleitstand zu Starter erfolgte über ein Kabel oder eine Funkverbindung. Dafür war am Starter eine 6,7 m hohe Antenne angebracht. Das Richten des Starters erfolgte elektrohydraulisch. Nach dem Lenkflugkörper-Start wurden die Haltearme in die Horizontale abgesenkt und mit einem Seitenstapler konnte ein neuer Lenkflugkörper auf den Starter aufgesetzt werden. Jeder Feuereinheit standen zwei solche Stapler zur Verfügung. Der Nachladevorgang dauerte 5–20 Minuten.Bhmk2.net: THE LAUNCHER (TYPE 202)

Lenkflugkörper

Die Bloodhound-Lenkflugkörper hatten einen schlanken, zylinderförmigen Rumpf. Dieser bestand zu großen Teilen aus einer Aluminiumlegierung und war in verschiedene Sektionen aufgeteilt:

Hinter der ogiven Lenkflugkörperspitze aus GFK befanden sich die Radarantenne des Suchkopfs, das Steuerungssystem sowie die Gyroskope für das Trägheitsnavigationssystem. Dahinter folgten der Continuous-Rod-Gefechtskopf und der Radar-Annäherungszünder. Der K11A1-Gefechtskopf wog 91 kg und bestand aus einem Sprengstoffkern mit einer Mischung aus 36,6 kg RDX sowie TNT. Um den Sprengstoffkern waren 365 Stahlstäbe mit 50 cm Länge und einem quadratischen Querschnitt von 6 mm Seitenlänge angebracht. Der gesamte Gefechtskopf wog 91 kg. Anschließend folgte die Thermalbatterie mit dem Stromwender für die Elektrizitätsversorgung der Lenkflugkörperelektronik. Die Elektronik basierte fast ausschließlich auf Transistoren. In der Bloodhound Mk 1 befand sich im Rumpf ein Treibstofftank mit 155 Liter Kerosin. Im verlängerten Rumpf der Bloodhound Mk 2 waren zwei Tanks mit total 252 Liter Kerosin untergebracht. Für die Treibstoffförderung zu den Triebwerken waren Druckluftspeicher mit nachgeschalteten Treibstoffpumpen verbaut. Weiter gab es Turbopumpen für die Hydraulik-Aktoren der zwei Steuerflächen. Diese waren trapezoidförmig und bestanden aus Holz mit einer Aluminium-Beplankung. Die Steuerflächen waren etwa auf mittlerer Rumpflänge angebracht. Weiter in Richtung Rumpfheck waren zwei rechteckige Stabilisierungsflügel montiert.Tony Cullen & Christopher F. Foss: Jane’s Land-based Air-Defence, Edition 1996–1997. Jane’s Information Group, 1996, S. 103 f.Christopher Chant: Air Defense Systems and Weapons: World AAA and Sam Systems in the 1990s. Brassey’s Defence Publishers, 1989, S. 28 f.