mini|Millstätter Berg bei OpenStreetMap Der Millstätter Berg ist ein Hochplateau zwischen Millstätter See und Millstätter Alpe (Nockberge) in Kärnten / Österreich. Im engeren Sinn umfasst der Millstätter Berg jene Orte, die zur Gemeinde Millstatt am See gehören.Alexander Glinz (Tmvm77): Obermillstatt Umgebung, DJI-S800 on air bzw. Impressionen um Millstatt, DJI-S800 on Tour, 2013. Luftbildaufnahmen (HDTV-Filme) von Obermillstatt und Umgebung. Geologisch gesehen ist der Millstätter Berg eine parallel zum nördlichen Ufer des Sees verlaufende, etwa 10 km lange Hochfläche zwischen Starfach bei Matzelsdorf und Kolm bei Treffling, wobei die meisten Orte in der Gemeinde Millstatt liegen, weitere in der Gemeinde Seeboden am Millstätter See und einer in der Gemeinde Radenthein.

Geologie mini|Millstätter Berg rechts neben dem Millstätter See gegen Westen mini|Millstätter Berg bei Lammersdorf und Obermillstatt gegen Süden

Das Hochplateau (Terrasse) in rund 260 m über dem See () entstand während der letzten Eiszeit-Periode, im Hochglazial der Würmeiszeit vor etwa 24.000 Jahren, als das Eis bis auf etwa 1800 m Seehöhe reichte. Die nach Osten strömenden Eismassen des Möll- und des Drautal-Gletschers vereinigten sich im Raum Spittal mit dem Lieser-Gletscher zu einem breiten Eisstrom. Dieser teilte sich bei Lieserhofen in einen Nord- und einen Südast auf, wobei der nördliche Zweig die Millstätter Seefurche bildete. Der Gletscherschliff ist in Döbriach an beiden Bergflanken noch deutlich sichtbar. Das Plateau ist die Schulter eines Trogtals, des Seetals. Vor etwa 20.000 Jahren schmolzen die Gletscher allmählich ab. Ein Toteiskörper blieb in der ausgeschürften Millstätter Wanne länger liegen und staute die Schmelzwässer des Liesertalgletschers sowie die mitgeführten Schottermassen auf. Letztere lagerten sich als Lieserdelta am Westrand des heutigen Sees ab. Mit dem Einsinken und Abschmelzen des Eiskörpers hat sich die Lieser allmählich in den Staukörper eingeschnitten und große Teile davon wieder abgetragen. Im Lieserdelta bildete sich aber auch eine abgeschlossene Wanne, in der sich das Wasser des heutigen Sees sammeln konnte.Angaben nach Jochen Schlamberger: Zur Geologie des Raumes um den Millstätter See. In: Der Millstätter See, Klagenfurt 2008, S. 47–50. Lange Zeit war der See größer als heute und reichte vermutlich bis Lurnbichl. Die Lieser scheint über Kötzing bei Krauth ober Seeboden in den See geflossen zu sein. Der alte Flusslauf ist noch entlang der Straße nach Treffling erkennbar. Im Laufe der Zeit hat die Lieser mit ihrem Geschiebe den Abfluss über das Lurnfeld verlegt. So entstand der heutige Einschnitt im Millstätter Seerücken, der Liesergraben als Abfluss. Die geologische Entstehungsgeschichte führt dazu, dass der Geländeabfall zum Millstätter See im Bereich Seeboden deutlich flacher verläuft als in Millstatt oder Dellach. Der Millstätter Berg ist im Osten durch den steilen Abfall nach Döbriach topografisch deutlich begrenzt. Im Westen zieht sich die Talstufe bis zum Liesertal hin.

Die Ausrichtung von Nordwest nach Südost und eine Höhenlage über der Nebelgrenze führen zu einer überdurchschnittlich hohen Zahl von Sonnentagen. Über diese Talstufe führt die Obermillstätter Landesstraße 17 von Dellach nach Sappl mit einer Abzweigung nach Matzelsdorf, weiter nach Lammersdorf, Obermillstatt, Laubendorf, Gössering, Tangern bis Treffling.

Orte der Gemeinde Millstatt am Millstätter Berg mini|Millstätter Berg bei Matzelsdorf gegen Osten mit Mirnock Gössering bildet am Millstätter Berg das westlichste Dorf der Gemeinde Millstatt. Folgende Ortschaften liegen (von Osten nach Westen) am Millstätter Berg. Die östlichst gelegene Siedlung ist Starfach, eine heute zur Gemeinde Radenthein, früher zu Dellach gehörende Streusiedlung mit 136 Einwohnern,Diese und alle weiteren aktuellen Einwohnerangaben Volkszählung 2001. liegt am südöstlichen Abhang des Millstätter Bergs bei Döbriach. Ursprünglich hatte die aus vier Bauernhöfen bestehende Rotte ein Gotteshaus, die Maria Magdalena-Kapelle (erstmals um 1177 urkundlich erwähnt), eine von den Benediktinern Millstatts erbaute Filialkirche, die einstweilen in ein Wohnhaus umgebaut wurde (Ölbrennerkreusche). Die frühere Kirchenglocke ist heute in Matzelsdorf.

Bevölkerung am Millstätter Berg (Ost) 1951 / 2001 / 2017 – Anordnung von Ost nach West Ort typ Gemeinde Katastralgemeinde 1951 2001 2017 Starfach Weiler Radenthein Döbriach k. A. 164 164 Matzelsdorf Kirchdorf Millstatt am See Matzelsdorf 142 188 191 Sappl Dorf Millstatt am See Matzelsdorf 152 269 271 Görtschach Weiler Millstatt am See Obermillstatt k. A. 105 104 Lammersdorf Dorf Millstatt am See Obermillstatt 124 163 172 Grantsch Weiler Millstatt am See Obermillstatt k. A. 80 67 Obermillstatt Kirchdorf Millstatt am See Obermillstatt 348 492 573 Kleindombra Weiler Millstatt am See Treffling k. A. 92 114 Schwaigerschaft Weiler Millstatt am See Laubendorf 70 115 122 Öttern Weiler Millstatt am See Laubendorf k. A. 19 20 Hohengaß Weiler Millstatt am See Laubendorf k. A. 43 28 Großdombra Weiler Millstatt am See Laubendorf 64 185 186 Tschierweg Weiler Millstatt am See Laubendorf 146 149 146 Laubendorf Dorf Millstatt am See Laubendorf 150 233 202 Gössering Weiler Millstatt am See Laubendorf k. A. 57 50 Gesamt 1196 2354 2410

Orte der Gemeinde Seeboden am Millstätter Berg mini|Millstätter Berg von der Burg Sommeregg gegen Westen mit der Kreuzeckgruppe im Hintergrund

Historisch gesehen war Tangern ein Dorf des Millstätter Klosters, während Liedweg schon zur Herrschaft Sommeregg gehörte. Heute sind Tangern sowie alle weiter westlich liegenden Ortschaften Teil der Gemeinde Seeboden am Millstätter See.

Bevölkerung am Millstätter Berg (West) 1951 / 2001 / 2017 – Anordnung von Ost nach West Ort typ Gemeinde Katastralgemeinde 1951 2001 2017 Tangern Dorf Seeboden am Millstätter See Treffling 208 192 191 Liedweg Weiler Seeboden am Millstätter See Treffling k. A. 69 75 Treffling Kirchdorf Seeboden am Millstätter See Treffling k. A. 468 480 Muskanitzen Weiler Seeboden am Millstätter See Treffling k. A. 38 35 Schloßau Weiler Seeboden am Millstätter See Treffling k. A. 87 82 Trasischk Weiler Seeboden am Millstätter See Treffling k. A. 36 34 Unterhaus Weiler Seeboden am Millstätter See Treffling k. A. 119 147 Kolm Weiler Seeboden am Millstätter See Treffling k. A. 58 75 Kötzing Weiler Seeboden am Millstätter See Treffling k. A. 108 119 Pirk Weiler Seeboden am Millstätter See Treffling k. A. 103 118 Gesamt 1278 1356

Geschichte mini|Millstätter Berg bei Sappl gegen Westen, der Schanzkogel ist der dritte Waldhügel im Hintergrund 5000 Jahre Siedlungskontinuität (Lammersdorf / Görtschach / Sappl) mini|Feuersteinklinge von Sappl (ca. 4.500 v. Chr.) mini| Urne von Lammersdorf (ca. 3.400 Jahre alt) Der Millstätter See liegt in einem von eiszeitlichen Gletschern geformten Trogtal, wobei die Millstätter Berg als Überrest eines voreiszeitlichen Tales eine Trogschulter bildet. Am markantesten ist der steile Abfall bei Matzelsdorf (848 m), dem östlichsten Ort am Plateau. Typisch für den eiszeitlichen Gletscherschliff sind Kuppen, die sich aufgrund härteren Gesteins dem Abrieb länger widersetzen. Bei Lammersdorf sind solche besonders gut erkennbar.

Auf und um diese Kuppen fanden sich die bisher ältesten Siedlungsspuren in Oberkärnten. Am „Mentepichel“ oder „Schanzkogel“ gegenüber von Lammersdorf und Görtschach wurden Anfang der 1950er Jahre Spuren einer jungsteinzeitliche Siedlung aus der Zeit von 3000 bis 1900 v. Chr. ausgegraben. Das ist der bisher einzige Siedlungsfund aus dieser Zeit in Oberkärnten. Neben einer Wohngrube mit Steinsetzungen im Durchmesser von 6 m und einer Feuerstelle wurden zahlreiche Gefäßbruchstücke, steinerne Klingen, Steinabschläge, Pfeilspitzen, und ein Spinnwirtel aus Ton gefunden. Nicht weit davon, im mittlerweile entwässerten Sappler Moor fand sich eine 11 cm lange, leicht gekrümmte, besonders schöne Feuersteinklinge (Silex). In Treffling wurde ein spitzhackiges Steinbeil aus Amphibolit aus dieser Epoche gefunden.Die Funde sind zum Teil im Stiftsmuseum in Millstatt zu besichtigen. Zwei in Lammersdorf gefundene Lochbeile sind heute leider verschollen.

Mehrere Funde, unter anderem eine Urne in Lammersdorf, eine bronzene Lappenaxt in Treffling, ein Werkzeugdepot bei Seeboden, Lanzenspitzen von der Millstätter Alpe und Ferndorf, zeigen eine durchgehende Siedlungskontinuität am Millstätter Berg auch in der Bronze- (1900 ~ 1400 v. Chr.) und Urnenfelderzeit (bis ca. 750 v. Chr.).

Auf die älteste namenkundlich fassbare Bevölkerung Oberkärntens gehen die indogermanischen Berg- und Flussnamen wie die Tauern oder die Drau zurück, allesamt topographische Einheiten einer Größe, bei der eine Romanisieren, Slawisierung oder Eindeutschung nicht erfolgte. Aus der Zeit in der keltische Stämme wie die Noriker in den Ostalpen oder die Veneter im Hinterland der nördlichen Adria-Region als Bevölkerung anzunehmen sind, gibt es direkt am Millstätter Berg noch keine Funde. In Seeboden wird eine Pfahlbausiedlung aus dieser Zeit vermutet. Bezeugt ist eine vorrömische Siedlung bei dem nicht weit entfernten St. Peter in Holz, aus der sich die römische Stadt Teurnia entwickelte. Ab ca. 200 v. Chr. gehörte der Millstätter Berg zum Stammesgebiet der Ambidravi, der „Beiderseits der Drau Wohnenden“, eine römische Bezeichnung für die hier siedelnde norische Bevölkerung. Zur Zeit der römischen Provinzialkultur kann man davon ausgehen, dass der Millstätter Berg aufgrund seiner topographischen Lage durchgehend besiedelt war, da das Gebiet an der alten Römerstraße zwischen Turracher Höhe und Teurnia an einem Bach liegt.

Die seit Jahrtausenden bestehende menschliche Siedlungstätigkeiten am Millstätter Berg zeigte sich auch bei der Pollenanalyse eines Sedimentkerns vom tiefsten Bereich des Millstätter Sees zwischen Dellach und dem Laggerhof, bei der die Ablagerungsschichten auch mittels C14-Methode bestimmt wurden. Aufgrund der großen Entfernung der Bohrstelle zu beiden Seeufern ist das eingewehte Pollensediment repräsentativ für das gesamte Millstätter Seetal.Adolf Fritz: 4000 Jahre menschliche Siedlungstätigkeit im Spiegel der Pollenanalyse. Ein Pollendiagramm vom Millstätter See. In: Geschichtsverein für Kärnten: Carinthia I. Zeitschrift für geschichtliche Landeskunde von Kärnten. 189. Jahrgang, Klagenfurt 1999, S. 43–52. Das Pollendiagramm zeigt ab ca. 2200 v. Chr. erste größere Einwirkungen des Menschen auf die Vegetation in Form ausgeprägte Häufung von Adlerfarn- und Wacholderpollen, zwei markante Indikatoren für menschliche Weiderodung und Waldweide. Schon in der Bronzezeit tauchen Siedlungszeiger wie Gräser, Kräuter, Getreide, Kornblumen und Nutzpflanzen (Walnuss) ebenso wie verschiedene Unkräuter auf. Anhand der Pollenanalyse können fünf Phasen zunehmender und rückläufiger menschlicher Siedlungstätigkeit um den See identifiziert werden. Mit dem Beginn der Römerzeit häufen sich Pollen von Edelkastanie und Getreide besonders Roggen, die zur Völkerwanderungszeit wieder zurückgehen. Ein drastischer Rückgang der lokalen Waldvegetation durch die einsetzenden bairischen Rodungen ab dem 9. Jahrhundert wird im starken Rückgang von Fichten-, Tannen- und Rotbuchenpollen ersichtlich. Auch die Klimaschwankungen zeigen sich im Pollendiagramm. Zwischen 300 v. Chr. und 400 n. Chr. (Optimum der Römerzeit) und im Mittelalter zwischen 800 und 1300 (Mittelalterliche Warmzeit) gab es zwei Wärmephasen, in denen die Jahresmitteltemperatur um 1 bis 1,5 Grad über dem heutigen Wert lag.

Frühchristentum (Laubendorf) mini|Millstätter Berg bei Laubendorf gegen Südwesten