mini|hochkant=1.2|Henneberg um 1350 Henneberger Land ist die kulturhistorische Landschaftsbezeichnung für große Teile Südthüringens, die dem Kernland des Herrschaftsgebietes der einstigen Grafschaft Henneberg entsprechen. Nicht gebräuchlich ist die Bezeichnung im Landkreis Sonneberg, der sich wie die übrige östliche Hälfte der Pflege Coburg nur kurzzeitig, wenn auch durchaus kulturprägend im Machtbereich der Henneberger befand und sich daher eher dem Coburger Land zurechnet. Ethnisch, kulturell und sprachlich ist diese Region Teil der unter Bayern, Thüringen, Baden-Württemberg und in kleinerem Maße auch Hessen aufgeteilten Region Franken.

Definitionen und Grenzen mini|Die Ämter der Grafschaft Henneberg (in Flächenfärbung) und der Pflege Coburg auf einer Karte aus dem Jahr 1740, Hennebergisches Museum Kloster Veßramini|Henneberg im Fränkischen Reichskreis 1740 Das Henneberger Land liegt in Südthüringen zwischen der Rhön im Westen, dem Schiefergebirge im Osten, dem Thüringer Wald im Norden und – über die heutigen thüringischen Landesgrenzen hinaus – dem Grabfeld im Süden. Dieses Gebiet entspricht heute auf Thüringer Seite den südlich des Rennsteigs gelegenen Landkreisen Schmalkalden-Meiningen und Hildburghausen, der kreisfreien Stadt Suhl sowie dem im Süden des Wartburgkreises gelegenen ehemaligen Landkreis Bad Salzungen und den südlich des Rennsteiges gelegenen Teilen des Ilm-Kreises.

Während sich diese Umschreibung weitgehend mit der Region Südthüringen (ohne den Landkreis Sonneberg) deckt, wird heute die Bezeichnung Henneberger Land auch oft nur auf das durch den Henneberger Dialekt gekennzeichnete Gebiet, das aus dem heutigen Landkreis Schmalkalden-Meiningen, dem Nordwesten des Landkreises Hildburghausen (Schleusingen, Themar) und der kreisfreien Stadt Suhl besteht, beschränkt. Seinen Namen verdankt diese Region der historischen Grafschaft Henneberg, die vom 11. Jahrhundert bis 1583 bestand und deren Nachfolgestaaten unter diesem Namen reichsrechtlich bis zum Jahr 1806 weiterhin eine gemeinschaftliche Stimme im Fränkischen Reichskreis bildeten. In der Bezeichnung Henneberger Land lebt, wie in vielen vergleichbaren Fällen auch, der Name des über einen großen Zeitraum dominierenden Herrschergeschlechtes als Landschaftsbezeichnung fort.

Charakterisierung Die Sage vom Henneberg: mini|Ruine Burg Henneberg

Zwischen den fränkischen Städten Meiningen im Freistaat Thüringen und Mellrichstadt im Freistaat Bayern liegt der Henneberg. Am Fuß des Berges gibt es den gleichnamigen Ort Henneberg, auf dem Berg die Burg Henneberg. Sie war der Stammsitz der Grafen von Henneberg und letztlich der Namensgeber der ganzen Region. Weit ins Land sichtbar ist sie noch heute ein wichtiges Symbol dieses Landes und ihrer Zeit. Auf Grund seiner Lage zwischen Franken, Hessen und Thüringen befand sich das Henneberger Land politisch-kulturell, wirtschaftlich und schließlich auch militärisch immer in einer umkämpften Mischzone. Dies spiegelt sich auch in den hier anzutreffenden Sprachen wider, welche die Rolle Hennebergs als Vermittler und Brücke zwischen den drei Großregionen noch unterstreichen. Diese Entwicklung hat eine intensiv fränkisch geprägte, im Westen hessisch und insgesamt vor allem thüringisch beeinflusste Identität zur Folge, in der sich auch ganz eigene Facetten herausbildeten. Das unter Bayern, Hessen, Baden-Württemberg und Thüringen aufgeteilte historische Frankenland macht im Henneberger Land, was über die Landesgrenzen hinaus auch bayerisch und hessische Anteile hat, die Hauptfläche aus.

Kaum eine andere Region Thüringens wurde so vom Auseinanderbrechen der Herrschaftsgebiete und vom Wechsel der Machtverhältnisse gezeichnet wie das Henneberger Land, was zwangsläufig zum Verlust von Identität und Zugehörigkeitsgefühl führte. Schlusspunkt dieser Entwicklung war die Schaffung des Bezirkes Suhl in der DDR, der erstmals seit Jahrhunderten große Teile des Henneberger Landes wieder zu einer Verwaltungseinheit zusammenführte, bei dem jedoch die hennebergisch-fränkische Identität in den Hintergrund trat (im Landkreis Sonneberg fand diese Identitätsbildung durch die 1952 beginnende Herabsetzung unter die damalig einwohner- und bedeutungsschwächere Stadt Suhl und die starken historischen Beziehungen in den Itzgründisch-Coburger-Raum weit weniger statt). So kam es, dass außerhalb des Henneberger Kernlandes um Suhl und Schleusingen die Bezeichnung „Henneberger Land“ nur noch selten in Gebrauch war bzw. ist. Bis heute hat sich dieser Zustand insofern erhalten, da beispielsweise der Kirchenkreis der Evangelischen Kirche „Henneberger Land“ ausschließlich die einst an Preußen gefallenen Gebiete um Suhl und Schleusingen unter dem Dach der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland vereint. Seit dem Mauerfall 1989 und spätestens dem 900. Jahrestag des Henneberger Landes 1996 ist der Gebrauch des Begriffes wieder etwas häufiger anzutreffen.

Im Zeichen der Henne

Im heutigen Südthüringen und weiten Teilen Unterfrankens verweisen noch immer viele Orts- und Landkreiswappen auf die einstigen Herrschaftsverhältnisse und letztlich die Beziehung zur Kulturlandschaft Henneberger Land.

In Südthüringen, im Kernland der historischen Grafschaft Henneberg, sind dies die Wappen von Albrechts, Behrungen, Benshausen, Bettenhausen, Dietzhausen, Ebertshausen, Gemeinde Grabfeld, Goldlauter, Heinrichs, Henneberg, Jüchsen, Kühndorf, Marisfeld, Meiningen, Obermaßfeld-Grimmenthal, Oberweid, Rentwertshausen, Rohr, Schleusingen, Schmalkalden, Schmiedefeld am Rennsteig, Schwarza, Suhl, Sülzfeld, Themar, Untermaßfeld, Waldau, Wasungen und Wolfmannshausen.

Im südthüringischen Sonneberger Land verweist das Wappen von Mengersgereuth-Hämmern, im heutigen Wartburgkreis das Wappen von Kaltennordheim und nördlich des Rennsteigs und damit streng genommen außerhalb des eigentlichen Südthüringens die Wappen von Ilmenau, Heyda, Oberpörlitz und Neusiß auf die hennebergische Vergangenheit.

In Unterfranken sind dies die Wappen von Aschach, Bad Bocklet, Dittelbrunn, Schonungen, Üchtelhausen und Willmars.

Geschichte und Besiedlung

Vorzeit bis ca. 1000 v. Chr. Archäologische Funde lassen vermuten, dass sich schon vor 80000–10000 Jahren, während der letzten Eiszeit, auf dem Gebiet des heutigen Südthüringen die ersten Jäger und Sammler niederließen. Um 5000–2000 v. Chr. lassen jungstein- und bronzezeitliche Artefakte der so genannte Band- bzw. Schnurkeramiker und Glockenbecherleute, im Gleichberggebiet strukturierter werdende Siedlungskulturen mit Ackerbau und Viehzucht erkennen. Einen ausgeprägten Totenkult der hier siedelnden Kultur belegen Hügelgräber um 1600–1200 v. Chr. zwischen Wichtshausen und Schwarza sowie in der Rhön. Im Gleichberggebiet entstanden ca. 1000 v. Chr. erste Wehranlagen. Funde der so genannten Urnenfelderkultur verweisen im Grabfeld, Werratal, in der Vorderrhön und in der Nähe von Gumpelstadt bei Schweina, ebenfalls auf diese Zeit.

Eisenzeit bis zum 6. Jahrhundert Während der eisenzeitlichen Hallstadtperiode um 700–450 v. Chr. vollzog sich offenbar eine Zweitbesiedlung der Steinsburg bei Römhild. Archäologische Ausgrabungen im Grabfeld, Jüchsen, Henfstädt und Herpf zeigen bis ca. 50 v. Chr. unter anderem keltische Siedlungen der La-Tène-Zeit. Vom 1. bis 6. Jahrhundert n. Chr. begannen sich die ersten germanischen Stämme der Alemannen, Hermunduren und Thüringer auf dieses Gebiet zu verbreiten. An den fruchtbaren Flussauen der Werra entstanden schon sehr früh stärkere Siedlungsverbände. Die Ortschaften mit den Namensendungen -ingen und -ungen wie z. B. Salzungen, Breitungen, Schwallungen, Wasungen und Meinungen (später Meiningen), gehen auf die Alemannen zurück, die im 5. und 6. Jahrhundert dieses Gebiet auf ihrem Zug nach Süden von Nordwest her besiedelten.

Die fränkische Ostkolonisation 7.–10. Jahrhundert Im 7. Jahrhundert setzte die fränkische Ostkolonisation ein, die bis ins frühe 9. Jahrhundert andauerte und mittelalterlichen Landausbau und die Schaffung von Feudalstrukturen förderte. Mit der fränkischen Besiedlung begann auch die christliche Missionierung unter Bonifatius und Kilian ausgehend von den religiösen Zentren Bamberg, Würzburg, den Klöstern Fulda und Hersfeld, welche sogleich das Territorium in ihren Machtbereich integrierten. Die Grenze der fränkischen Besiedlung markiert im Wesentlichen der Rennsteig. Im Raum Salzungen und Nordrhön, zwischen Salzbogen und Rennsteig, entstand eine fränkisch-thüringische Mischzone. Dieser kleine Übergangsbereich erschwerte durch die vorhandenen Salzquellen eine fränkische Landnahme und so konnten die Franken nur vereinzelt neue Siedlungen errichten. Der hier gesprochene Dialekt lässt eine Hauptbesiedlung aus Richtung Westen oder Nordwesten vermuten und aus heutiger Sicht würde man es wohl eher als ostfränkisch-osthessisch-thüringische Mischzone bezeichnen, wobei das Hessische sehr prägend ist.

Nach der Zerschlagung des Thüringer Reiches durch die Franken im Jahr 531 wird auch diese Region in ein System befestigter fränkischer Königshöfe an der Werra einbezogen und später Teil des Großherzogtums Franken unter Karl dem Großen. 758, durch die erste urkundliche Erwähnung von Jüchsen, beginnen, hauptsächlich durch das hier landbesitzreiche Kloster Fulda, schriftliche Überlieferungen. Um 815 bis 824 entsteht mit der Gründung des Klosters Rohr eines der ersten religiösen Zentren im nördlichsten Franken.

Die Blütezeit der Henneberger ab dem 11. Jahrhundert Mit dem Niedergang der Fränkischen Grafschaftsverfassung im 10. und 11. Jahrhundert begann der Zerfall des Fränkischen Großreichs und etliche Kleinherrschaften entstanden. Die erste urkundliche Erwähnung der Grafen von Henneberg, welche die Region als territoriale Zentralmacht zusammenschließen, datiert auf das Jahr 1096. Unter ihrem Einfluss entstanden Kleinstädte mit Markt- und Gewerberecht. Andauernde Fehden und Machtkämpfe ließen hennebergische Nebenlinien (u. a. die Frankensteiner bei Salzungen und die Coburger-Linie) entstehen, wobei zahlreiche Burgen aufgrund dieser territorialen Auseinandersetzungen entstanden.

1274 brachte die Hennebergische Hauptteilung in Hartenberg, Aschach-Römhild und Schleusingen den endgültigen Bruch einer geschlossenen Zentralmacht. 1284–1347 erreichten die Henneberger Lande ihre größte Ausdehnung, von Coburg bis Salzungen in Ost-West-Richtung nach der Wiedereingliederung der Frankensteiner und Coburger Gebiete und von Ilmenau bis Aschach. Ab 1310 erhielten die Henneberger Lande insgesamt den Titel Gefürstete Grafschaft Henneberg. Zwischen 1347 und 1480 kam es zu einer Machtkrise des Hauses Henneberg durch den Verlust der Neuen Herrschaft Coburg an die Wettiner, welche sich erst wieder um 1500, mit der Gründung des Fränkischen Reichskreises, stabilisierte. Im Fränkischen Reichskreis, zu dem das gesamte Gebiet der Grafschaft bis 1806 gehörte, stiegen die Henneberger zeitweise zur größten weltlichen Macht auf und bildeten so wieder eine zentrale Einheit. Im frühen 16. Jahrhundert verursachten Missernten das Verlassen und Wüstwerden von vielen Dörfern. Machtkämpfe und Adelsfehden veranlassten den Bau mehrerer Wehrkirchen. Im Zuge ihres ökonomischen Aufstiegs begannen die hennebergischen Kleinstädte mit dem Bau von Stadtbefestigungen. Während des Bauernkriegs von 1525 durchzogen von Norden kommend der Werrahaufen und von Süden der Bildhäuser Haufen das Henneberger Land und zerstörten mehrere Klöster und Burganlagen, unter anderem die Stammburg der Henneberger bei Meiningen.