mini|Robert Indiana in Maine (2007) Robert Indiana (* 13. September 1928 in New Castle, Indiana; eigentlich Robert Clark; † 19. Mai 2018 in Vinalhaven, Maine) war ein US-amerikanischer Maler sowie ein Hauptvertreter der Pop Art und der Signalkunst.
Bekannt wurde Indiana durch seine plakativen Zeichenbilder, die zu den radikalsten Äußerungen in der Pop Art zählen. Ebenso einfach wie Indianas 1966 entstandenes Werk LOVE mit seinen Buchstaben L und O, darunter V und E – in den Farben Rot, Blau und Grün –, erscheinen seine anderen Arbeiten aus Zahlen, Buchstaben und fünfstrahligen Sternen. Diese Einfachheit, die Komprimierung auf das Wesentlichste, aus der Werbung entlehnt, führte dazu, dass seine Bilder zu einem Logo, einer lettristisch-emblematischen Bildfigur,Karin von Maur (Hrsg.): Magie der Zahl in der Kunst des 20. Jahrhunderts. Verlag Gerd Hatje, S. 90; vgl. auch: Karin Thomas: Bis Heute – Stilgeschichte der bildenden Kunst im 20. Jahrhundert. DuMont Buchverlag, Köln 1986, S. 280 werden konnten und wurden.
Leben Kindheit und Ausbildung (1928–1954) mini|Robert Indiana: Skulptur im LOVE-Park, Philadelphia (Detail) (2006) Indiana wurde als einziges Kind von Earl Clark und Carmen Waters in New Castle geboren und nannte sich ab 1959 nach jenem Bundesstaat, in dem er geboren wurde. Zur Besichtigung der Weltausstellung „A Century of Progress“ reiste er mit seinen Eltern 1933 nach Chicago. Im Jahre 1935 wurde Indiana in Mooresville eingeschult und seine Absicht, Künstler zu werden, wurde durch seine Lehrerin Ruth Coffman stark unterstützt. Er lebte nach der Scheidung seiner Eltern bei der Mutter und dem Stiefvater Foster Dickey. 1942 zog er nach Indianapolis, um die „Arsenal Technical School“ zu besuchen. In der schulfreien Zeit arbeitete er bei Western Union und beim „Indianapolis Star“. Seine Bewunderung galt den amerikanischen Künstlern Charles Demuth, Grant Wood, Thomas Hart Benton und Charles Sheeler. Ein Stipendium am „John Herron Institute“ im Jahre 1946 nahm er nicht an und beschloss stattdessen in die Army Air Force einzutreten, wodurch er für fünf Jahre kostenfreie Ausbildung erlangen konnte. 1948, während seiner Stationierung in Rome, New York, besuchte er Kunstseminare am „Manson-Williams-Proctor Institute“ in Utica und belegte einen Anfängerkurs in Russisch an der Syracuse University.
1949 meldete er sich bei der Air Force zum außereuropäischen Dienst in Übersee und wurde nach Anchorage, Alaska geschickt, wo er für die Militärzeitschrift „Sourdough Sentinel“ arbeitete. Wenig später erhielt er Heimaturlaub, da seine Mutter tödlich an Krebs erkrankt war. Im Herbst immatrikulierte er sich für ein vierjähriges Studium an der School of the Art Institute in Chicago und erhielt 1953 ein Stipendium an der „Skowhegan School of Painting and Sculpture“ in Maine, wo er die Sommerkurse besuchte und Alex Katz kennen lernte. An der „Skowhegan School“ erhielt er die „George Brown Travelling Scholarship“, wodurch er seinen akademischen Grad an der University of Edinburgh, in den Studienfächern Englische Literatur, Botanik und Philosophie des 20. Jahrhunderts, abschließen konnte. Nebenher schrieb er Gedichte, die er erstmals maschinenschriftlich umsetzte und mit lithographischen Illustrationen versah, was für Indiana der Vorbote für sein Interesse an Wörtern und deren visueller Umsetzung überhaupt war.
New York (1954–1978) Nach einem letzten Sommerseminar an der University of London zog Indiana 1954 nach New York und bezog ein Zimmer im Bezirk Hell’s Kitchen. 1955 arbeitete er als Verkäufer in „Frederick’s Kunsthandlung“ in der 57th Street, wodurch er Kontakte zu Künstlerkreisen der Pop Art herstellen konnte, darunter James Rosenquist, Ellsworth Kelly und Cy Twombly. Wenig später zog er in ein Loft an der Fourth Avenue, das dem Atelier Willem de Koonings rückseitig gegenüberlag. 1956 bezog er ein Eck-Loft, Ecke 31 Coenties Slip mit Ausblick auf den East River und die Brooklyn Bridge. Wegen der billigen Mieten auf der Coenties Slip folgten andere Künstler, wie zum Beispiel Agnes Martin, James Rosenquist, Ellsworth Kelly und Jack Youngerman, und bezogen dort ihre Lofts. 1957 bezog er ein neues Loft, 25 Coenties Slip, und malte seine ersten Hard-Edge-Gemälde, bei denen er sich der Form eines Ginkgoblattes bediente. Indiana nahm im darauf folgenden Jahr eine Teilzeitarbeit als Sekretär an der Cathedral of Saint John the Divine an und arbeitete an Crucifixion, einem aus 44 Stücken schweren Kartons zusammengefügten Wandbild, welches Formen von Ginkgo und Avocado zeigt. Zur Herstellung des Bildes benutzte er Druckerfarbe, die er mit dem Pinsel auftrug.
Im Spätsommer 1963 begegneten sich Indiana und Andy Warhol in der „Stable Gallery“ von Eleanor Ward, die zu diesem Zeitpunkt auch Cy Twombly, Robert Rauschenberg und die Bildhauerin Marisol (Maria Sol Escobar) vertrat. Warhol überredete Indiana und Marisol zu einer kurzen Filmszene für seinen Underground-Experimentalfilm Kiss, in der sich das Paar drei Minuten lang küssen sollte. Im Verlauf freundeten sich Indiana und Warhol an. Anfang Februar 1964 drehte Warhol in Indianas Loft den schwarz-weißen Stummfilm EAT, mit Indiana als Hauptdarsteller. In dem Film sitzt Indiana 39 Minuten lang auf einem Stuhl, einen Pilz essend, wobei seine Katze auf seiner Schulter sitzt. Für die Dreharbeiten war Indiana zuvor Lebensmittel einkaufen gewesen, denn er hatte den Abend vorher und zum Frühstück nichts gegessen. Warhol kam in sein Loft, gab ihm den einen Pilz und sagte zu Indiana, dass es dies sei, was er essen würde. mini|Ahava (), Skulptur aus COR-TEN-Stahl, 1977, Israel Museum, Jerusalem Im selben Jahr hatte Indiana auf Einladung des Architekten Philip Johnson an der Fassade des Circaramas, eines Teils des von Johnson und Richard Foster für die Weltausstellung in New York 1964/65 entworfenen „New York State Pavilion“, die mit riesigen Leuchtlettern realisierte Arbeit EAT, zwischen Arbeiten von Ellsworth Kelly und Robert Rauschenberg, angebracht. 1965 arbeitete Indiana als Theaterset- und Kostümdesigner für Virgil Thomsons The Mother Of Us All, das 1976 von der „Santa Fe Opera“ produziert wurde und sich mit dem Leben der Suffragette Susan B. Anthony beschäftigt. Indiana zog erneut um und bezog ein Atelier in den Räumlichkeiten einer früheren Kofferfabrik in der Bowery. Eine vier Meter hohe LOVE-Skulptur aus Cortenstahl wurde 1971 zur Weihnachtszeit im New Yorker Central Park aufgestellt, die nach Fertigstellung erstmals in den leeren Räumen des neu errichteten Indianapolis Museum of Art in der Ausstellung „Seven Outdoors“ zu sehen war. LOVE steht im Mittelpunkt des fünfundzwanzig minütigen Dokumentarfilms Indiana Portrait und war Indianas erster Auftritt im Medium Film seit Warhols Filmen Kiss und EAT.
Vinalhaven (seit 1978) 1978 zog er sich in ein Landleben zurück. Indiana lebte seither auf der Insel Vinalhaven in Maine, einer Künstlerkolonie, die er seit 1969 regelmäßig besucht hatte, in einer von den Stars and Stripes geschmückten Lodge namens „Star of Hope“,Volker Rattemeyer u. a.: Robert Indiana. The American Painter of Signs. Wiesbaden 2008, S. 14 einem ehemaligen Sitz der Odd Fellows. Als Indiana nach Vinalhaven kam, war für ihn das Wichtigste die „Vinalhaven Press“, von einem Pat Nick über Jahre hinweg betrieben. Hier hatte Indiana sein Werk anhand der Lithografie und der Radierung erneuert. 1985 wurde sie eine wichtige Anlaufstelle für nationale und internationale Künstler, zudem besitzt sie eine Kunstdruckerei mit Werkstatt und Galerieräumen in New York.bc.edu und mainehomedesign.com
1989 arbeitete er an der Gemäldeserie The Hartley Elegies (1989–1994), die in Erinnerung an den 75. Todestag des im Ersten Weltkrieg gefallenen Offiziers Karl von Freyburg entstand. Freyburg war ein Freund von Marsden Hartley, einem von Indiana hoch geschätzten Maler. Indiana fing an, sich für Hartley zu interessieren, als er herausfand, dass er auf demselben Grundstück lebte wie Hartley 1938.
The American Dream (externer Weblink) von Robert Creeley und Robert Indiana (1998)
Im Auftrag der Demokratischen Partei stellte er 1980 ein Porträt Jimmy Carters für ein „Jimmy Carter Portfolio“ als Serigraphie mit dem Titel Jimmy Carter her, das er 1981 dem Präsidenten im Weißen Haus präsentierte. Als erster amerikanischer Künstler wurde Indiana 1991 eingeladen ein Stück der Berliner Mauer zu bemalen. 1998 wurde das umfangreiche Buch The American Dream mit Siebdruckreproduktionen Indianas sowie Gedichten von Robert Creeley vom Verlag „Marco Fine Arts“ veröffentlicht.
Nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 schuf Indiana eine Reihe sogenannter Peace Paintings, die im Jahre 2004 in New York ausgestellt wurden und sich auf das aktuelle Geschehen im Irak bezogen.Der amerikanische Maler der Zeichen – Robert Indiana. The american painter of signs – Robert Indiana. Freundeskreis Museum Kurhaus und Koekkoek Haus Kleve e. V., Goch 2007, S. 111 f.
Robert Indiana starb im Mai 2018 im Alter von 89 Jahren.
Werk Ausgehend von der signalhaften Farbigkeit des „Hard Edge“ und des Colourfield Painting zeichnen sich Indianas Arbeiten seit den späten 1950er-Jahren durch signalhafte Bildsprache kommerzieller Natur aus (Industriereklame, Schablonenschriften), die er mit Stilmitteln der amerikanischen Kunst der 1920er-Jahre verband. Seit Beginn der 1960er-Jahre verwendete er für seine Serigraphien die Druckgrafik und benutzte lediglich für die Plakate die Offset-Lithografie.
Er selbst bezeichnete seine Werke als „hard-edge Pop“ und rückte diese so in die Nähe von Ellsworth Kellys „Hard-Edge-Malerei“.Annette Tietenberg, In: Volker Rattemeyer u. a., Wiesbaden 2008, S. 13 ff. So finden sich kommerzielle Messingschablonen, die er in verlassenen Lofts in New York fand und die für Nummern und Namen auf Frachtern und Transportern von Companies des 19. Jahrhunderts verwendet wurden, Eingang in seine Malerei, die sich damit teilweise in Bereichen bewegte, die er selbst als „Skulpturgedichte“ umschrieb. Indianas Arbeiten bestehen häufig aus großen, einfachen, ikonenhaften Bildern, meist Buchstaben und Ziffern, mit einem plakathaften Farbauftrag, wie EAT, DIE, HUG oder LOVE. „Für mich stellt das ‚LOVE‘-Gemälde ein Ein-Wort-Gedicht dar. Das ‚O‘ ist Teil einer typographischen Tradition – bei im Handsatz hergestellten Skripten ist das ‚O‘ gekippt. Das war ganz und gar nicht meine Erfindung. Ich habe einfach eine Tradition fortgeführt.“ Freundeskreis Museum Kurhaus und Koekkoek Haus Kleve (Hrsg.), Goch 2007, S. 106 f. Ebenfalls bekannt geworden ist die einzigartige Bemalung eines Basketballplatzes, der früher von den Milwaukee Bucks genutzt wurde und von Indiana ein großes M auf jeder Seite des Platzes erhielt.
Pop In einem in der Zeitschrift „Art News“ erschienenen Interview mit Gene R. Swenson, geführt im November 1963 in New York,Nach dieser Internetquelle erschien das Interview mit Swenson in „Art News“ bereits 1962; die Darstellung hier folgt der angegebenen gedruckten Quelle. gab Indiana auf die Frage, was „Pop“ für ihn sei, die Antwort, dass „Pop“ all das ist, „was die Kunst in den letzten Jahrzehnten nicht war. Im Grunde ist er eine scharfe Kehrtwendung zurück zu einer gegenständlichen visuellen Kommunikation. Er ist eine plötzliche Rückkehr zum Vater nach einer 15-jährigen Erkundung des Mutterleibs. Pop ist ein Wiedereintritt in die Welt. Er ist ‚Scheiß auf die Bombe‘. Er ist der Amerikanische Traum, optimistisch, üppig und naiv …“ Freundeskreis Museum Kurhaus und Koekkoek Haus Kleve (Hrsg.), Goch 2007, S. 13 Und weiter sagte er, dass es zwei Arten von „Pop“ gebe – „Pop“ des harten Inneren und „Pop“ der harten Kanten. Er sei „Pop“ der „harten Kanten“ (hard-edge).