Der Kreis Uslar war von 1885 bis 1932 ein Landkreis im Süden der preußischen Provinz Hannover Er gehörte dem Regierungsbezirk Hildesheim an und wurde auch „Sollingkreis“ genannt. Kreisstadt war Uslar. Das ehemalige Kreisgebiet liegt heute im südlichen Niedersachsen.

Der Kreis besaß eine Fläche von knapp 349 km² und umfasste im Wesentlichen die heutigen zum Landkreis Northeim gehörenden Gemeinden Uslar und Bodenfelde, das heute zum Landkreis Göttingen gehörende Adelebsen, die heutigen Holzmindener Stadtteile Neuhaus im Solling und Silberborn sowie das heute im Landkreis Holzminden liegende Lauenförde. Anfang des 20. Jahrhunderts hatte das Kreisgebiet etwa 18.500 Einwohner.

Der Kreis grenzte im Uhrzeigersinn an den Kreis Einbeck, den alten Kreis Northeim, den alten Kreis Göttingen, den Kreis Münden (alle preußische Provinz Hannover), den Kreis Hofgeismar (preußische Provinz Hessen-Nassau), den alten Kreis Höxter (preußische Provinz Westfalen) sowie an den Kreis Holzminden (Herzogtum Braunschweig/Freistaat Braunschweig).

Geschichte Der Kreis wurde am 1. April 1885 im Rahmen der neuen Kreisordnung für die Provinz Hannover aus dem damaligen Amt Uslar gebildet, indem es aus dem damaligen Kreis Einbeck ausgegliedert wurde.Kreisordnung für die Provinz Hannover (1884), Seite 42. Abgerufen am 20. Juli 2017. Das Amt Uslar war 1859 um den größten Teil des Amtes Adelebsen vergrößert worden.Verordnung zur Ämterneuordnung im Königreich Hannover 1859, Seite 670 Das Amt Nienover-Lauenförde war bereits 1852 in das Amt Uslar eingegliedert worden. Die Ämter Nienover und Lauenförde waren vorher bereits mehrfach verschmolzen und wieder getrennt worden.

Der Kreis Uslar wurde am 1. Oktober 1932 dem Kreis Northeim mit Verwaltungssitz Northeim eingegliedert. Dies geschah im Rahmen einer kurzfristig am 1. August 1932 vom preußischen Minister des Innern unter der Papen-Regierung ausgerufenen Verordnung zur Verwaltungsreform und gegen den Willen der Uslarer BevölkerungPreußisches Staatsministerium, § 66, Verordnung über die Neugliederung von Landkreisen, vom 1. August 1932 Preußische Gesetzessammlung, Berlin 1932; Nr. 43, R. von Deckers Verlag, G. Schenk, 1932, Seiten 255–273. Grund für den Protest war unter anderem die wirtschaftliche Stabilität des Kreises (im Gegensatz zum Kreis Northeim) und die Identifikation der Einwohner mit ihrem Kreis. Empörung rief auch hervor, dass eine der allerersten Konsequenzen die Überführung des Dienstwagens des Landrats nach Northeim war. Da viele Behörden durch die Fusion nach Northeim abwanderten, verlor Uslar seinen Charakter als Beamtenstadt und wandelte sich zu einer Industriestadt. Es wurden mehrfach vergeblich Versuche unternommen, den Kreis wiederherzustellen, schon während der Zeit der NS-Herrschaft und auch nach dem Zweiten Weltkrieg.

Gemeinden Folgende Gemeinden gehörten dem Kreis Uslar an:

heutiges Wappen, Ort Status Einwohner(1. Dezember 1910) heute zu heutige Gemeinde heutiger Landkreis Zeitpunkt der Zuordnung Adelebsen Gutsbezirk 337 Adelebsen Flecken Adelebsen Göttingen 1. Januar 1973 20px Adelebsen Landgemeinde 1.138 Adelebsen Flecken Adelebsen Göttingen 1. Januar 1973 20px Ahlbershausen Landgemeinde 242 Ahlbershausen Stadt Uslar Northeim 1. März 1974 20px Allershausen Landgemeinde 371 Allershausen Stadt Uslar Northeim Vereinigung mit Uslar: 1. Juli 1968Ortsteil von Uslar: 1. November 2001 20px Barterode Landgemeinde 722 Barterode Flecken Adelebsen Göttingen 1. Januar 1973 20px Bodenfelde Landgemeinde 1.706 Bodenfelde Flecken Bodenfelde Northeim 1. März 1974 20px Bollensen Landgemeinde 459 Bollensen Stadt Uslar Northeim 1. März 1974 20px Cammerborn Landgemeinde 275 Kammerborn Stadt Uslar Northeim 1. März 1974 20px Delliehausen Landgemeinde 575 Delliehausen Stadt Uslar Northeim 1. März 1974 20px Dinkelhausen Landgemeinde 403 Dinkelhausen Stadt Uslar Northeim 1. März 1974 20px Eberhausen Landgemeinde 233 Eberhausen Flecken Adelebsen Göttingen 1. Januar 1973 20px Erbsen Landgemeinde 212 Erbsen Flecken Adelebsen Göttingen 1. Januar 1973 20px Eschershausen Landgemeinde 315 Eschershausen Stadt Uslar Northeim 1. März 1974 Fehrlingsen Landgemeinde 79 Östlicher Teil von Asche Stadt Hardegsen Northeim 1. April 1937 zu Asche1. Januar 1973 Asche zu Hardegsen 20px Fürstenhagen Landgemeinde 378 Fürstenhagen Stadt Uslar Northeim 1. März 1974 20px Gierswalde Landgemeinde 435 Gierswalde Stadt Uslar Northeim 1. März 1974 20px Güntersen Landgemeinde 438 Güntersen Flecken Adelebsen Göttingen 1. Januar 1973 Knobben-Delliehausen Gutsbezirk 27 ? Stadt Uslar Northeim 1. März 1974 20px Lauenförde Landgemeinde 1.173 Lauenförde Flecken LauenfördeSamtgemeinde Boffzen Holzminden 1. Januar 1973 20px Lödingsen Landgemeinde 562 Lödingsen Flecken Adelebsen Göttingen 1. Januar 1973 20px Nienover Landgemeinde 452 Nienover Flecken Bodenfelde Northeim 1. März 1974 Nienover-Bodenfelde Forstbezirk 0 ? Flecken Bodenfelde Northeim 1. März 1974 20px Offensen Landgemeinde 439 Offensen Stadt Uslar Northeim 1. März 1974 20px Preußisch Neuhaus Landgemeinde 171 Östlicher Teil von Neuhaus im Solling Stadt Holzminden Holzminden Landkreiswechsel: 1. Januar 1962Eingemeindung: 1. Januar 1973 Reitliehausen Gutsbezirk 53 Westlicher Teil von Uslar Stadt Uslar Northeim 1. März 1974 20px Schlarpe Landgemeinde 695 Schlarpe Stadt Uslar Northeim 1. März 1974 20px Schönhagen Landgemeinde 983 Schönhagen Stadt Uslar Northeim 1. März 1974 20px Schoningen Landgemeinde 1.015 Schoningen Stadt Uslar Northeim 1. März 1974 20px Silberborn Landgemeinde 338 Silberborn Stadt Holzminden Holzminden 1. Januar 1973 20px Sohlingen Landgemeinde 712 Sohlingen Stadt Uslar Northeim 1. März 1974 Steimke Gutsbezirk 39 Wiensen Stadt Uslar Northeim 1. März 1974 20px Uslar Stadtgemeinde 2.529 Uslar Stadt Uslar Northeim 1. März 1974 Uslar-Schoningen Forstbezirk 0 Schoningen Stadt Uslar Northeim 1. März 1974 20px Vahle Landgemeinde 344 Vahle Stadt Uslar Northeim 1. März 1974 20px Verliehausen Landgemeinde 435 Verliehausen Stadt Uslar Northeim 1. März 1974 20px Volpriehausen Landgemeinde 964 Volpriehausen Stadt Uslar Northeim 1. März 1974 20px Wahmbeck Landgemeinde 698 Wahmbeck Flecken Bodenfelde Northeim 1. März 1974 20px Wibbecke Landgemeinde 229 Wibbecke Flecken Adelebsen Göttingen 1. März 1974 20px Wiensen Landgemeinde 463 Wiensen Stadt Uslar Northeim 1. März 1974 Winnefeld-Würrigsen Forstbezirk 28 –--bzw. Östlicher Teil von Würgassen (Hannoversche Klippen) gemeindefreies Gebiet Sollingbzw. Stadt Beverungen Northeimbzw. Höxter (Nordrhein-Westfalen) 1. März 1974bzw. 1. Oktober 1971

Anmerkungen hierzu: Entsprechende Tabelle weist einen oder mehrere kleinere und bislang ungeklärte Fehler bzgl. der Einwohnerzahlen auf. Mit Würrigsen ist das heutige Würgassen gemeint. Seinerzeit gehörten auch die Hannoverschen Klippen, die bei Würgassen liegen, zum Kreis Uslar (erst 1971 kamen sie zum nordrhein-westfälischen Kreis Höxter). Die Ortschaft Neuhaus im Solling bestand seinerzeit aus zwei getrennten Gemeinden, der zum Kreis Uslar gehörenden Gemeinde Neuhaus (auch Preußisch Neuhaus genannt) mit 171 Einwohnern (1910) und der zum Land Braunschweig gehörenden Gemeinde Neuhaus mit 328 Einwohnern (1910).

Das Landratsamt des Kreises Uslar befand sich in der heutigen Verwaltung der Stadt Uslar am südlichen Graftplatz. Schon vorher wurde es seit Zeiten des Schlosses Freudenthal zu Verwaltungszwecken benutzt.

Einwohnerentwicklung Jahr Anzahl Bemerkung 1890 17.432 darunter 157 Katholiken & 159 Juden 1. Dezember 1900 18.524 darunter 18.121 Evangelische & 209 Katholiken 1. Dezember 1910 20.712 darunter 20.212 Evangelische & 279 Katholiken 1925 20.060 darunter 19.594 Evangelische, 324 Katholiken, 1 sonstiger Christ & 114 Juden

Wirtschaft Besonders in der Kreismitte um Uslar begünstigten die guten Lehm- und Lößböden neben einem Klima mit etwa 190 bis 200 Niederschlagstagen den Ackerbau, während die lehmig-sandigen Böden im Nordteil des Kreises den Waldbau begünstigten. Diese beiden Zweige dominierten deshalb auch die Wirtschaft des Kreises. Insgesamt wurden 322 km² für diese Wirtschaftszweige genutzt, in denen 53 % der rund 21.000 Einwohner beschäftigt waren.

Die Betriebsgrößen teilten sich dabei wie folgt auf: bis 2 ha 2 bis 5 ha 5 bis 20 ha 20 bis 100 ha größer als 100 ha 1.100 637 332 120 8

Diese Betriebe nutzen den Boden wie folgt: Verwendung GrößeForste17.898 haAckerland10.671 haWiesen3.077 haWeiden1230 haGartenland306 haObstbau16 ha

Das Ackerland wurde dabei 1930 wie folgt genutzt: Verwendung GrößeRoggen2.807 haHafer2.207 haKartoffeln1.454 haWeizen1.462 haRunkelrüben346 haWintergerste259 haZuckerrüben203 haSommergerste165 ha

Auf den Weiden befanden sich in diesem Jahr: Vieh AnzahlSchweine25.850Rinder (hauptsächlich schwarz-bunte)9.041Ziegen3.980Schafe3.871Pferde1.794

Als besonders wichtig ist hierbei die Rinderzucht hervorzuheben. Hierzu sei die Milchkuh „Inhaberin Nr. 6025“ (geboren am 9. Oktober 1910) des Sohlingers Fr. E. Brandt zu erwähnen, welche eine Lebensleistung von 100.258 Litern Milch hatte, was seinerzeit den Weltrekord darstellte.

Ebenso existierte die Geflügelfarm Brecht in Ahlbershausen (an der Stelle, wo auch heute ein entsprechender Betrieb angesiedelt ist), an der Weser war die Fischerei beheimatet und auf westlich der Sollingbahn existierte bei der Steimke eine Forellenzucht.

Aufgrund der Wichtigkeit der Landwirtschaft wurde 1907 auch die Landwirtschaftsschule zu Uslar gegründet, deren Standort die das große weiße Haus am so genannten Postberg in Uslar war, in welcher sich bis 2009 die Volkshochschule befand.

Bezogen auf die Forstwirtschaft wurden 24.400 Kubikmeter Laub- und 24.800 Kubikmeter Nadelholz als Nutzholz geschlagen, während 37.500 respektive 800 Kubikmeter für Brennholz geschlagen worden. Hierbei wurden hauptsächlich die Eiche und die Fichte geschlagen.

Weiterhin beschäftigten am 16. Juni 1925 die 559 Betriebe in Industrie und Handwerk 4.344 Personen. In den 295 Gewerben im Handel und Verkehr waren 748 Personen angestellt und die 19 sonstigen Betriebe hatten 42 Personen eingestellt.

Im südlichen Teil des Kreises wurde Granit abgebaut (Steinbruch der Firma Hermann Wegener an der Bramburg nördlich von Adelebsen, Steinbruch der Basaltwerke Niedersachsen GmbH auf dem Backenberg bei Güntersen, Steinbruch der Hannoverschen Basaltwerke mbH auf der Grefenburg zwischen Adelebsen, Barterode und Güntersen). Dieser wurde vor Ort unter anderem zu Pflastersteinen sowie Split und Grus verarbeitet und teilweise, wie z. B. von Güntersen aus, per Seilbahn nach Adelebsen zur Verladung gebracht.

Im östlichen Teil wurde seit 1898 im Werk Wittekind der Burbach Kaliwerke Kalisalz untertage in Tiefen bis zu 917 m abgebaut. Dies geschah im östlichen Teil von Volpriehausen und nordöstlich von Ertinghausen (Schachtanlage Hildas Glück), wofür eigens eine Seilbahn eingerichtet wurde. Nördlich von Delliehausen wurde im Tagebau Braunkohle abgebaut (später in eine heute ebenfalls nicht mehr existierende Farbfabrik umgewandelt). Ebenso gab es südlich von Allershausen ein Braunkohlevorkommen, wobei entsprechende jedoch schon damals nicht den qualitativen Ansprüchen genügte.

Bis zum Ersten Weltkrieg bestanden Ziegeleien in Allershausen (vorhandene Gebäude noch im Südosten des Dorfes), Wiensen und Uslar.