mini|Die Kirche St. Viti mit einem Teil des Klostergebäudes (2024) Das Kloster Zeven in der niedersächsischen Kleinstadt Zeven wurde ab 1141 erbaut, als das im benachbarten Heeslingen bestehende Kanonissenstift nach Zeven verlegt und dort in ein Benediktinerinnenkloster umgewandelt wurde.

Geschichtlicher Überblick Das Kloster Zeven geht hervor aus dem um die Mitte des 12. Jahrhunderts nach Zeven verlegten Frauenkonvent congregatio sanctimonialium monasterium zu Heeslingen.

Gründung Heeslingen wurde als adliges Familienstift zur Zeit Otto I., des Großen von einem Grafen Hed unter Beteiligung des Bremer Erzbischofs Adaldag sehr wahrscheinlich im Jahre 961 gegründet. Eine Gründungsurkunde liegt nicht vor, die Gründungsgeschichte ist zum Teil widersprüchlich. Die älteste datierte Urkunde des Stiftes, in der auch die Entstehung Heeslingens behandelt wurde, ist das Diplom des Königs Otto III. für den Bremer Erzbischof Adaldag vom 17. März 986.Elfriede Bachmann: Die Gründung des Kanonissenstiftes Heeslingen im 10. Jahrhundert. In: Das Kloster Heeslingen-Zeven. 1966, S. 14–24.MGH DO III. 24b. Otto bestätigte darin auf Bitten des Erzbischofs das, wie es in der Urkunde heißt, von den Vorgängern Adaldags gegründete monasterium als Pertinenz der bremischen Kirche, ferner die Bestimmungen über die Wahl der Äbtissin und des Vogtes getroffen und die aus fünf Höfen sowie verschiedenen Zehnten und anderen Gefällen bestehende Dotation konfirmiert. Das Stift erhielt die Immunität. Gründer des Stifts war ein Graf Hed. Über ihn ist nichts weiter überliefert, höchstwahrscheinlich war er mit den Udonen verwandt. Seine Tochter Winnilgerd war die erste urkundlich erwähnte Äbtissin des Stifts Heeslingen.

In der Zeit zwischen der Gründung und der Verlegung wurde das Stift nur selten urkundlich erwähnt. Unter der letzten Äbtissin Hathewich zu Heeslingen trat mit Durchführung einer kirchengeschichtlichen Reform eine einschneidende Veränderung ein.

Verlegung nach Zeven Im Jahre 1141 beschloss Erzbischof Adalbero von Bremen auf Bitten des Stiftspropstes Liudmund und mit Zustimmung der Äbtissin Hathewich und des einsichtigen Teils des Konvents vornehmlich der in Heeslingen herrschenden Disziplinlosigkeit, irreligiositas,Albert Hauck: Kirchengeschichte Deutschlands. IV. 1958, S. 421, Anm. 6. die Verlegung des cenobium Heeslingen in das vier Kilometer entfernte Zeven als einen abgeschiedenen und für die Observanz günstigeren Ort. Hauptgrund für diese Maßnahme war die Disziplinlosigkeit.ZUB 8 Über Klostervelegung. 1141. In Zeven erhob das Stift Heeslingen schon seit seiner Gründung den Zehnten, dort war eine Siedlung vorhanden und das Stift wurde somit nicht in die Wildnis verpflanzt.

Sicherlich war mit der Verlegung zugleich auch die Unterwerfung unter eine monastische Regel, die Benediktinerregel, und damit die Umwandlung in ein Kloster verbunden, wenn die Regel St. Benedikts auch erstmals 1226 als maßgebend für das Kloster erwähnt wird. Erst das Kloster Zeven kann als Benediktinernonnenkloster bezeichnet werden. Der eigentliche Initiator der Reform von 1241 war der Propst Liudmund, der vor seiner Tätigkeit in Heeslingen einer der engste Mitarbeiter Vizelinsin in der SlawenmissionHelmolds Slavenchronik I. 1937, S. 54 p. 105. in Wagrien war und dem Augustinerchorherrenstift zu Segeberg angehört hatte. Auf das Kloster Zeven wurden das Patrozinium und sämtliches Eigentum des Stiftes Heeslingen übertragen. Nach der Einwilligung zur Verlegung des Stiftes konnte man mit der Vorbereitung zur Umsiedlung beginnen und den Grundstein zu den neuen Klostergebäuden und zu der heute noch erhaltenen romanischen Kreuzkirche legen. Um 1150 wird der Umzug vollendet gewesen sein und das Kloster in Heeslingen hörte völlig auf zu bestehen.

Wie das Kloster in Heeslingen auf einer Anhöhe am Ufer der Oste erbaut war, wurde das Kloster in Zeven auf dem erhöhten rechten Ufer der Mehde errichtet. Von der Gesamtanlage, die am Zevener Stadtpark gelegen ist, ist heute noch die St. Vitus geweihte Kirche und das heutige Museumsgebäude erhalten, in dem sich das Museum Kloster Zeven befindet.

Stiftsgeschichte, Verfassung und Aufhebung Mit der Reform änderte sich auch die Verfassung. Diese war charakteristisch für die im 12. und 13. Jahrhundert in den norddeutschen Diözesen gegründeten Benediktinerinnenklöster. Die Zevener Verfassung war stimmig mit den übrigen Benediktinerinnenklöstern.

Stand in Heeslingen noch eine Äbtissin an der Spitze des Konvents, lag die Leitung des Klosters in Zeven nun in der Hand eines Propstes und einer Priörin. Der Propst wurde bei der Erfüllung seiner seelsorgerischen Pflichten gegenüber Konvent und Klosterfamilie von Klostergeistlichen unterstützt und vertreten. Die wichtigste Aufgabe des Propstes war, die Vertretung des Klosters nach außen hin und die Beschirmung und Verwaltung der klösterlichen Güter, Gerechtsame und Hintersassen. Alle bedeutenden Entscheidungen wurden jedoch von Propst und Konvent gemeinsam getroffen. Die führende Stellung des Propstes zeigte sich in der urkundlichen Überlieferung deutlich in dem einzigen Zevener Diplom, das in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts die Klosterverfassung streift. Es ist eine zwischen 1185 und 1189 ausgestellte Urkunde, in der Erzbischof Hartwig II. von Bremen einen Landaustausch zwischen dem prepositus de Zciuena cum collegio et familia ecclesie sue einerseits und dem Bremer Dekan anderseits bestätigt.ZUB 10 ausgestellt vom Bremer Erzbischof Hartwig undatiert, ist in die Zeit zwischen 1185 und 1189 zu setzen. Propst, Konvent und Klosterfamilie waren am Abschluss des Geschäfts beteiligt. Von einer Äbtissin war keine Rede mehr. Auch in der Folgezeit erschien bei Rechtsangelegenheiten nur der Propst mit dem Konvent.

Der Konvent des Klosters Zeven war gemeinständisch. Er setzte sich im Wesentlichen aus Angehörigen des bremischen Stiftsadels sowie des Patriziats und auch des niederen Bürgertums der Stadt Stade zusammen. Der Konvent bezeichnete sich in den Urkunden als ordinis sancti Benedicti. Die Existenzgrundlage bildete der für erzstiftisch-bremische Verhältnisse bedeutende, im Laufe der Jahrhunderte durch Schenkung, vornehmlich aber durch Kauf erworbene Besitz an Gütern und Rechten verschiedener Art, hauptsächlich der Besitz an Grund und Boden.Elfriede Bachmann: Das Kloster Heeslingen-Zeven. 1966, S. 150. Durch die recht frühen Beziehungen zum Bistum Lübeck und die Verbindungen zu Holstein, seit 1199 war Graf Adolf III. von Holstein Vogt des Klosters ZevenZUB 7 Adolf III., Graf von Holstein 1199. verdankte das Kloster wohl auch seine Kontakte und Besitzungen im benachbarten Mecklenburg.Mecklenburgisches Jahrbuch MJB 31 (1866) S. 10. So zogen Zevener Nonnen zwischen 1231 und 1234 in das von Stader Mönchen verlassene und in ein Nonnenkloster umgewandelte Dobbertiner Benediktinerkloster.Mecklenburgisches Urkundenbuch MUB I. (1863) Nr. 425. Das Kloster Dobbertin wurde bei seiner Gründung nach 1220 durch Mönche vom Kloster St. Marien zu Stade aus besiedelt. Das Kloster Zeven besaß neben seinen niedersächsischen Gütern auch in Mecklenburg ein Dorf. 1226 bestätigte Erzbischof Gerhard II. von Bremen auch zu vollem Recht das nördlich von Wittenburg in der Diözese Ratzeburg gelegene Dorf Döbbersen (Doberse) mit der Kirche.MUB I. (1863) Nr. 320. Die Umstände des Erwerbes des wohl bald wieder veräußerten Dorfes sind unbekannt.Wolfgang Huschner, Ernst Münch, Cornelia Neustadt, Wolfgang Eric Wagner: Mecklenburgisches Klosterbuch. Band 2, 2016, S. 1295.

Über das Leben des Konvents im Spätmittelalter berichten die Urkunden fast nichts. 1402 wurde die Klosterschule erwähnt, das in Verfall geratene officium scolasticum wurde damals neu eingerichtet. 1482 fanden sich Zeven und die Benediktinerabteien Harsefeld und Unser Lieben Frauen in Stade im Anschluss an ein gemeinsames Bündnis auch zu einer festen Gebetsverbrüderung zusammen.ZUB 146. Im Jahre 1520 erteilte das Generalkapitel der Bursfelder Kongregation auf Veranlassung des Erzbischofs von Bremen den Äbten von Clus und Oldenstadt den Auftrag, das Zevener Kloster zu visitieren und reformieren.Paulus Volk: 500 Jahre Bursfelder Kongregation. I. 1950, S. 430 p. 484. Erfolg und Wirkung der Reformation in Zeven sind nicht bekannt. Während das Erzbistum Bremen im Laufe des 16. Jahrhunderts evangelisch wurde, hielt der Zevener Konvent noch lange an dem althergebrachten Glauben fest. Erst nach 1609 drang der neue Glaube auch in das Zevener Kloster ein.

Mit der Besetzung des Erzstifts Bremen durch schwedische Truppen im Frühjahr 1645 wurde das Ende des Klosters eingeleitet. Bereits vor dem Westfälischen Friedensschluss 1648 übertrug die schwedische Königin Christina mit der Urkunde vom 10. Juli 1647 ihrem Generalleutnant Graf Robert Douglas das Kloster Zeven mit seinen Besitzungen als Mannlehen. 1650 erfolgte die Besitzeinweisung durch die Stader Regierung, den verbliebenen neun Nonnen wurde vertraglich auf Lebenszeit freie Wohnung im Kloster zugesichert. Der königliche Donationsbrief für Graf Douglas wurde am 30. Mai 1651 angefertigt. Der Kaiser und der Reichshofrat, von den Nonnen um Hilfe gebeten, setzten der Säkularisation des Klosters Zeven keinen ernstlichen Widerstand entgegen.

Am 25. März 1694 starb im Alter von 84 Jahren Ilse Mittdorf als letzte Zevener Nonne, sie war bis zu ihrem Tode katholisch geblieben.Kreisarchiv Bremervörde: Amt Zeven. Fach 20 Nr. 1–1694.

Wirtschaftliche Verhältnisse Das Kloster Zeven besaß zahlreiche Güter und eine Fülle von Gerechtsamen verschiedener Art: Höfe und Einzelländereien, Häuser und Renten, Mühlen, Forsten, Jagd- und Fischereigerechtsame, Gerichtsrechte, Patronate und Kirchen.Elfriede Bachmann: Das Kloster Heeslingen-Zeven X. Güterverzeichnis 1966, S. 187–235. Den hervorragendsten Platz nahm unter diesen Gütern der Besitz an Grund und Boden ein. Nomineller Eigentümer des klösterlichen Güterkomplexes waren der Schutzpatron des Klosters, der heilige Vitus,ZUB 26 St. Vitus wurde 1282 häufig als Besitzer der klösterlichen Eigenleute bezeichnet. oder das Kloster selbst, als deren Sachverwalter Propst und Konvent fungierten. Im Spätmittelalter und in der Neuzeit erwarb das Kloster weitere Besitzungen und entwickelte sich zu einem der reichsten Klöster des Erzstifts Bremen. Obwohl das Kloster im 14. und 15. Jahrhundert durch Fehden und Überfälle große Schäden erlitt, wuchs der Besitz vor allem an Grund und Boden von Jahr zu Jahr. Im 17. Jahrhundert erhielt das Kloster Roggenabgaben von etwa 230 Bauern auf der Geest des Erzstifts Bremen und eine Geldpacht von etwa 80 Leuten im Alten Land und bei der Stadt Stade.

An der Spitze des Klosters standen ein Propst und eine Priörin. Über die Größe des Konvents sind aus älteren Zeiten keine Angaben überliefert. Nach Urkundenlage lebten im 15. Jahrhundert nicht mehr als 30 vollberechtigte Klosterfrauen. Im Jahre 1445 bestand der Konvent aus 18, im Jahre 1482 aus 23 und im Jahre 1499 aus 24 Nonnen.ZUB 125 Jahr 1445, ZUB 146 Jahr 1482, ZUB 156 Jahr 1499. Kurz nach der Jahrhundertwende war die Zahl auf 28 Nonnen gestiegen. Mit den geistlichen Kindern und Laienschwestern dürften in Zeven 40 bis 50 weibliche Klosterinsassen gelebt haben. Darunter waren 12 bis 16 junge Kinder, die im Kloster unterrichtet wurden und ein Kostgeld bezahlten. Im 17. Jahrhundert lebten im Zevener Kloster bis zu 18 Jungfrauen. 1601 und 1603 waren es 15, von 1606 bis 1607 waren es genau 18 und 1623 noch 13 Nonnen. In der folgenden Zeit lebten zwischen sieben und 13 Konventualinnen. Im Jahre 1650 gab es nur noch neun Nonnen in Zeven.Elfriede Bacchmann: Das Kloster Heeslingen-Zeven. IV. Verzeichnis der Konventualinnen, geistliche Kinder und Laienschwestern des Klosters Zeven. 1966, S. 167–177.