Piers Raymond Courage [] (* 27. Mai 1942 in Colchester, England; † 21. Juni 1970 in Zandvoort, Niederlande) war ein britischer Automobilrennfahrer. Er entstammte einer wohlhabenden Unternehmerfamilie. Der Eton-Absolvent galt als einer der letzten Gentleman Drivers. Er bevorzugte Monopostorennen und trat ab 1964 vornehmlich im Formelsport an. Courage war eng mit dem Rennstallbesitzer Frank Williams befreundet, für dessen Team er einige Jahre in der Formel-2-Europameisterschaft und in der Formel-1-Weltmeisterschaft fuhr. Beim Großen Preis der Niederlande 1970 verunglückte er mit einem von Williams eingesetzten Rennwagen tödlich.

Familie und Privatleben Persönliches Piers Courage kam aus einer britischen Unternehmerfamilie mit hugenottischen Wurzeln.Die Familie Courage war protestantischen Glaubens. Nach dem Erlass des Edikts von Nantes 1683 verließ sie wie zahlreiche französische Protestanten das Land und ging auf die britischen Inseln. Die Familie ließ sich zunächst in Aberdeen (Schottland) nieder, bevor spätere Generationen nach London zogen. Der Familie gehörte die 1787 gegründete, landesweit bekannte Londoner Bierbrauerei Courage Brewery.Tina Grant (Hrsg.): International Directory of Company Histories. Band 15, St. James Press, 1996, ISBN 1-55862-218-7, S. 443.1972 verkaufte die Familie Courage die Brauerei an den Konzern Imperial Tobacco. Nach mehreren Eigentümerwechseln gehört die Marke Courage seit 2007 dem Brauereiunternehmen Wells & Young’s Brewery.

Piers Courage war das erste von drei Kindern von Richard Courage und Jean Courage, geborene Watson. Sein Vorname war der mittelalterlichen Erzählung Piers Plowman entlehnt.Adam Cooper: Piers Courage. S. 19. Er hatte zwei jüngere BrüderAdam Cooper: Best Courage. In: Motorsport Magazine. Heft Februar 1999, S. 78. und war für die Nachfolge seines Vaters in der Leitung der Courage Brewery vorgesehen,Adam Cooper: Piers Courage. S. 41. übernahm tatsächlich aber keine Funktion in dem Unternehmen.

Courage wuchs in Essex auf.Das „Fitzwalters“ genannte Anwesen der Familie befand sich in der Gemeinde Shenfield im Südwesten von Essex. Nach Grundschulen in Windsor und Seaford besuchte er das Eton College.Alan Henry: Looking back on Piers Courage. In: Motor Sport. Heft 11/1984, S. 26. Im Sommer 1961 bemühte er sich um ein Studium an der Cambridge University, bestand aber die Aufnahmeprüfung nicht. Stattdessen begann er eine Lehre zum Buchhalter bei Pricewaterhouse, die er allerdings nachlässig betriebAdam Cooper: Piers Courage. S. 31–44. und Anfang 1964 schließlich abbrach, um sich voll dem Motorsport zu widmen.Adam Cooper: Best Courage. In: Motorsport Magazine. Heft Februar 1999, S. 79. Daraufhin kam es vorübergehend zu einem Bruch mit seiner Familie.Maurice Hamilton: Frank Williams. S. 22.

Im März 1966 heiratete Courage Lady Sarah-Marguerite „Sally“ Curzon, die Tochter von Lord Francis Curzon,Charles Mosley (Hrsg.): Burke’s Peerage, Baronetage & Knightage. Wilmington, Delaware, S: 1988. einem Offizier und Rennfahrer, der 1931 das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewonnen hatte. Aus der Ehe gingen die Söhne Jason (geb. 1967) und Amos (geb. 1969) hervor. Jason Courage begann 1988 eine Karriere als Automobilrennfahrer,Im Januar 1990 gründete Jason Courage das in London ansässige Unternehmen Jason Courage (Racing) Ltd., das seit 2003 liquidiert ist. kam aber über das Amateurniveau nicht hinaus. 1995 verunglückte er bei einem Unfall im Straßenverkehr schwer und ist seitdem querschnittgelähmt. Nach Piers Courages Tod heiratete seine Witwe 1972 den Buchmacher, Spielhallenbesitzer und späteren Politiker John Aspinall (1926–2000).Warren Hoge: John Aspinall, Gambler and Zoo Owner, Dies at 74. In: The New York Times. 1. Juli 2000, abgerufen am 26. Mai 2017.

Angesichts seiner Herkunft und seiner Bildung, aber auch wegen seines Habitus galt Courage als „echter Gentleman“ (Bernie Ecclestone).Adam Cooper: Piers Courage. S. 134. Nach Ansicht von Zeitgenossen hatte er einen ausgeprägten Sinn für Stil und betont gepflegte Umgangsformen, durch die er sich von den meisten anderen Rennfahrern seiner Zeit abhob. Dieser Eindruck wurde durch die Eheschließung mit der zum britischen Adel gehörenden „Sally“ Curzon noch verstärkt. Courage und seine Ehefrau, die als Fotomodell selbst einen hohen Bekanntheitsgrad hatte,Jonathan Aitken: Heroes and Contemporaries. A&C Black, 2006, ISBN 0-8264-7833-6, S. 165. waren in den späten 1960er-Jahren vielfach Gegenstand von Berichterstattungen in der britischen Regenbogenpresse. Dieses Bild übertrug sich auch auf seine Tätigkeit als Rennfahrer. So wurde Courage üblicherweise als Herrenfahrer angesehen. Selbst eine 2003 erschienene Biografie führte noch den Begriff „Gentleman Racer“ im Untertitel und meinte, Courage sei der letzte Vertreter dieser Gattung gewesen.Adam Cooper: Piers Courage.

Frank Williams mini|hochkant=0.7|Langjähriger Wegbegleiter Courages: Frank Williams Courages engster Freund war Frank Williams, der ihn seit den frühen 1960er-Jahren begleitete.Virginia Williams: Dein Schmerz geht durch mein Leben. Bastei Lübbe, ISBN 978-3-404-61223-9, S. 43. Williams gab ihm den Spitznamen „Porridge“ (deutsch: Haferbrei). In den frühen 1960er-Jahren reiste Williams zeitweise mit Courage als dessen Mechaniker durch Europa, wobei es nach der Darstellung von Williams angesichts seines sehr geringen technischen Verständnisses weniger um wirkliche Hilfe als vielmehr um gemeinsamen Zeitvertreib ging.Maurice Hamilton: Frank Williams. S. 16. Seit 1968 fuhr Courage für das Team Frank Williams Racing Cars. Auf seine Initiative war es zurückzuführen, dass Williams zunächst in die Formel 2 und ein Jahr später in die Formel 1 aufstieg. „Sally“ Courage beschrieb die Beziehung zwischen ihrem Mann und Frank Williams als „etwas ganz Besonderes“. Charles Lucas, ein gemeinsamer Freund und zeitweise Courages Teamchef, nannte die Beziehung „sagenhaft“: Williams und Courage hätten sich gegenseitig „hochgeschaukelt“.Adam Cooper: Best Courage. In: Motorsport Magazine. Heft Februar 1999, S. 83. Beide hatten uneingeschränktes Vertrauen zueinander. Courage meinte, Williams und er verstünden sich wortlos.Jonathan Aitken: Heroes and Contemporaries. A&C Black, 2006, ISBN 0-8264-7833-6, S. 170. Die Nähe zu Frank Williams war auch der maßgebende Grund, ein lukratives Angebot der Scuderia Ferrari auszuschlagen. Frank Williams erklärte später, er habe Courage „angebetet“ („I worshipped the guy“). Er bezeichnete den Unfalltod Courages rückblickend als den „größten emotionalen Schlag meines Lebens.“Jonathan Aitken: Heroes and Contemporaries. A&C Black, 2006, ISBN 0-8264-7833-6, S. 172. Er nannte seinen 1975 geborenen ersten Sohn nach Piers Courage.Jonathan Piers Williams, geb. am 22. Februar 1975, erhielt seine beiden Vornamen als Erinnerung an die Rennfahrer Jonathan Williams und Piers Courage. vgl. Maurice Hamilton: Frank Williams. S. 51.

Daneben unterhielt Courage ab 1969 eine enge Freundschaft zu Jochen Rindt.

Piers Courage im Motorsport Hintergrund und Rahmenbedingungen Pinner Road mini|Pinner Road in Harrow, London: Sammelpunkt des „Kreises der Motorverrückten“ (ca. 1962) Während seiner Zeit in Eton kam Courage durch Mitschüler mit dem Motorsport in Kontakt. Über Etonians lernte er neben Frank Williams auch den angehenden Rennfahrer Jonathan Williams – nicht verwandt mit Frank Williams – sowie die späteren Motorsportmanager Anthony „Bubbles“ Horsley und Sheridan Thynne kennen, die seinerzeit ebenfalls Autorennen fuhren. (abgerufen am 26. Mai 2017). Zeitweise schlossen sich Innes Ireland und Peter Gethin diesem „Kreis der Motorverrückten“ an, die einige Jahre lang eine in der Szene sehr bekannte Wohnung in der Pinner Road im Londoner Bezirk Harrow miteinander teilten.Charles Lucas: That Flat. In: Autosport. Heft Dezember 1969. In diesem Umfeld entwickelte sich Courage vom Amateurfahrer zum professionellen Motorsportler. Die in der Pinner Road geknüpften engen Freundschaften blieben über die frühen 1960er-Jahre hinaus bestehen und führten die Beteiligten auch beruflich immer wieder zusammen. So bildeten Courage und Jonathan Williams 1964 eine Renngemeinschaft, später fuhren beide (allerdings nicht gleichzeitig) für Frank Williams’ Rennstall,Jonathan Williams sprang beim Gran Premio della Lotteria di Monza 1968 für Courage ein, der zur gleichen Zeit für ein Formel-1-Rennen gemeldet war. Jonathan Williams gewann das nicht zur Formel-2-Europameisterschaft zählende Rennen und fuhr damit den ersten Sieg für Frank Williams Racing Cars ein. dessen Finanzen wiederum über mehrere Jahrzehnte von Sheridan Thynne verwaltet wurden.

Gentleman Driver mit finanziellen Schwierigkeiten Durch seine Herkunft und seinen gesellschaftlichen Status war Courage im Motorsport eine Ausnahmeerscheinung. Außenstehende hatten vielfach den Eindruck, Courage sei finanziell abgesichert gewesen. Jackie Stewart, der selbst aus einer gut situierten Unternehmerfamilie stammte,Jackie Stewart: Winning is not enough. Hachette, 2014, ISBN 978-1-4722-2065-3, S. 42. hielt Courage noch 2002 für einen mit „einem silbernen Löffel geborenen Hobbyrennfahrer.“Adam Cooper: Piers Courage. S. 213. Der Eindruck finanzieller Absicherung war allerdings unzutreffend. Zwar bekam Courage, solange er das Rennfahren als bloßes Hobby betrieb, wiederholt Unterstützung von seinen Eltern. So kaufte sein Vater die ersten beiden Rennwagen, mit denen er 1962 und 1963 an den Start ging. Nachdem er sich allerdings für eine Karriere als Profirennfahrer entschieden hatte, endeten die elterlichen Zuwendungen.Adam Cooper: Piers Courage. S. 59. Courage verfügte seitdem lediglich über geringe, aus einem Treuhandfonds fließende EinnahmenMaurice Hamilton: Frank Williams. S. 21. und war oft in finanziellen Schwierigkeiten. Den Lebensunterhalt bestritt die Familie bis 1969 unter anderem durch Einnahmen von „Sally“ Courage aus ihrer Tätigkeit als Fotomodell und Dekorateurin.

Nach Ansicht von Jackie Stewart und Frank Williams war Courages „privilegierter Hintergrund“ seiner Karriere im Motorsport hinderlich. Einige Kollegen und Teamchefs – unter ihnen der Lotus-Gründer Colin Chapman – meinten, Courage könne „nicht hart genug“ sein, weil er nicht um seine Karriere kämpfen müsse. Einige waren darüber hinaus der Auffassung, er sei vor allem durch das Geld seiner Familie zum Autorennen gekommen.

Courages Entwicklung im Überblick