mini|hochkant=0.9|Wappen derer von Saldern. Saldern (bis zum 17. Jahrhundert Salder) ist der Name eines alten Adelsgeschlechts aus dem Hildesheimer und Braunschweiger Land. Das gleichnamige Stammhaus Schloss Salder liegt an der Fuhse in Salzgitter-Salder. Die ursprüngliche Namensform „Salder“ wechselte im 17. Jahrhundert mit „Saldern“, das im 18. Jahrhundert allgemein üblich wurde. Ursprünglich besaß die Adelsfamilie, deren Zweige bis heute bestehen, Güter nur im Bereich des heutigen Niedersachsens, seit Mitte des 16. Jahrhunderts auch in der Mark Brandenburg.

Familienchronik

Erste Nennung Laut Familienbuch soll die Familie von Sieghard de Rossis abstammen, der 718 mit Bonifatius nach Germanien gekommen ist.Chronik Salder, S. 61. Ein Nachfahre sei 870 mit Salder belehnt worden, später habe die Familie sich dann nach dem Ort benannt. Jedoch findet sich die erste urkundliche Erwähnung der Familie im Jahre 1102 im Chronicon coenobii Sancti Michaelis, ordinis Sancti Benedicti, in Hildesheim. Das Rittergeschlecht von Saldern wurde in diesem Jahr vom Michaeliskloster bei Nettlingen (Gemeinde Söhlde) mit dem Zehnten belehnt. Urkundlich belegt ist das Geschlecht sodann 1161 mit Thidericius de Saldere unter den nobiles layciUrkundenbuch des Hochstifts Hildesheim, 1, Publikation aus den königlich preußischen Staatsarchiven, Band 65, Hrsg. Karl Ed. Gustav Janicke, Verlag Zeller, Osnabrück 1896. Reprint: Degener & Co., Neustadt an der Aisch 1965, S. 308–311. in der Gründungsurkunde der Johannishofstiftung. Die Stammreihe beginnt 1226 mit dem Ritter Burchard von Salder, erwähnt 1226–1253. 1299 bis 1332 wird ein Johann von Salder genannt.

Das Ende in der alten Heimat (heute Niedersachsen) Im Hildesheimer und Braunschweiger Land verschlechterten sich im 16. / Anfang 17. Jahrhundert die Beziehungen der Familie von Saldern zum Hildesheimer Fürstbischof und später auch zum Herzog von Braunschweig (steigende Verschuldung des Landes und Unzufriedenheit über das verstärkte Machtstreben des Herzogs). Es kam 1519 zur sog. Hildesheimer Stiftsfehde zwischen dem Hochstift Hildesheim und den welfischen Fürstentümern Braunschweig-Wolfenbüttel und Calenberg und den Vasallen Salder, die trotz anfänglicher Verluste in der Schlacht bei Soltau schlussendlich zum Sieg des Herzogs von Braunschweig-Wolfenbüttel führte (Quedlinburger Rezess). Die Salderns verloren ihre Lehen und veräußerten ihre Besitzungen. Noch bis 1537 blieb mindestens Burkhardt von Salder aber als Rat in den Diensten Herzog Heinrichs von Braunschweig-Wolfenbüttel und bürgte auch für dessen Kredite, bis er Ende der 1530er Jahre in die Dienste der protestantischen Herzogin Elisabeth von Braunschweig-Calenberg und damit in offene Opposition zu seinem ehemaligen Herren trat. Nach und nach verließ die Familie Salder ihre alte Heimat und wurden Brandenburger, was zur Märkischen Linie der Familie führte. Das Stammschloss Salder wurde 1695 endgültig verkauft.

Neuanfang in Brandenburg Matthias von Saldern (Kämmerer), (1508–1575), war der erste Saldern, der in Brandenburg Besitz erwarb. Er kam bereits im Jugendalter an den kurfürstlichen Hof Brandenburg als Page für den Kurprinzen Johann Hektor, den späteren Kurfürsten Joachim II. Aus dieser Pagenzeit wurde für Matthias und Joachim II. eine 55 Jahre lange freundschaftliche, vertrauliche und dienende Zusammenarbeit für das kurfürstliche Haus Brandenburg.

Matthias wurde kurbrandenburgischer Hauptmann zu Lehnin, Lehnsherr auf Plaue (heute ein Ortsteil von Brandenburg a. d. H), Rath und Oberstkämmerer (heute mit dem Finanzminister vergleichbar) bei Joachim II. Da dieser wegen Geldknappheit in der Staatsschatulle 20 Jahre seinen Oberstkämmerer nicht bezahlte, konnte Matthias 1560 als Ausgleich das Amt Plattenburg-Wilsnack erwerben. Seine Witwe Gertrud, geb. v. Hake, stiftete in Brandenburg/Havel 1589 die „Saldernsche Schule“, auch Saldria genannt (heute von Saldern-Gymnasium).

Das Ende in Brandenburg Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges flohen die Mitglieder der Familie nach Westen. Ab 1945 wurden neben anderen Gütern die noch in der Prignitz im Besitz der Familie von Saldern befindlichen Güter Plattenburg und Wilsnack enteignet und der letzte Besitzer der Plattenburg, Sieghard v. Saldern, mit seiner Familie aus dem Landkreis Prignitz ausgewiesen und vertrieben. Die Ansässigkeit der Familie in der Prignitz endete nach 13 Generationen und 393 Jahren.

Lehns- und Pfandbesitze Salder mini|Schloss Salder. Erster Sitz der Familie war die Burg Salder auf einer Anhöhe über der Fuhse, wo der „Magdeburger Königsweg“ (Deitweg), ein Abschnitt des Heer- und Handelsweges vom Rhein zur Elbe, den Fluss überquerte und wo bereits seit der Römischen Kaiserzeit eine kleine Siedlung bestanden hatte. Die dem Schutz der Furt dienende kleine Burg war schon um das Jahr 1000 angelegt worden und wurde als „Alter Hof“ oder „Kleiner Hof“ bezeichnet.Chronik Salder, S. 39. Seit der Zeit Heinrichs des Löwen gehörte diese Gegend zum Herrschaftsbereich der Welfen. 1235 ging daraus das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg hervor, nach dessen Teilung im Jahr 1269 Salder an das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel fiel. Mitglieder der Familie dienten sowohl dem welfischen Herzogtum als auch dem Hochstift Hildesheim. Bis ins 14. Jahrhundert entwickelte sich die Familie zu einem der begütertsten Geschlechter im Bereich der Ritterschaften von Braunschweig und Hildesheim, ihre Besitztümer lagen im gesamten Harzvorland und sie hatten Anteile am Goslarer Rammelsberg und am Oberharzer Bergbau.

Drei Brüder Saldern unter der Anführung Burchards gerieten 1587 in Konflikt mit Herzog Julius von Braunschweig über eine Reform des Meierrechts, nachdem sie bereits 1576 den Landtag zum Protest gegen die Einführung römischen Rechts bewogen hatten. Da sie von der Ritterschaft unterstützt wurden, wollte der Herzog ein Exempel statuieren – er kündigte die Pfandverträge für Ehrenburg und Lauenstein und ließ die Familie samt Mobiliar von Soldaten hinauswerfen. Sein Nachfolger Herzog Heinrich Julius, reagierte auf weitere Proteste im Landtag mit hohen Geldstrafen, der Einziehung der Drostei Vienenburg und ließ einen Burchard verhöhnenden Schandtaler prägen. Nachdem die Brüder Klage beim Reichskammergericht erhoben hatten, mussten sie außer Landes fliehen und starben dort bald. Im Landtag wurde 1597 ein Kompromiss geschlossen; die nächste Generation der Salderns arrangierte sich mit dem Herzog. Jedoch brachten sie ihr Vermögen durch: Nettlingen wurde verkauft. Wegen einer Schuld von insgesamt 70.000 Talern verpfändeten Jacob und Heinrich von Saldern den Stammsitz ihres Geschlechtes, Schloss Salder, an Statius von Münchhausen, der es bald an den Kriegsrat Sachse weitergab. Dieser ließ 1608 das heute noch stehende Schloss bauen; Münchhausen übernahm vorübergehend auch Equord, verlor es aber in seinem Konkurs 1607 wieder. Schloss Salder wurde zwar 1620, nach Sachses Bankrott und Exil, von den Salderns wieder übernommen, jedoch schon bald an die Familie von Quitzow verpfändet und 1695, nach langen Auseinandersetzungen, an den Erbprinzen August Wilhelm verkauft.

Lichtenberg mini|Ruine der Burg Lichtenberg in Merian-Stich um 1650. Im Jahre 1267 vererbte der Herzog von Braunschweig und Lüneburg, Otto das Kind, seinem Sohn Johann die Lüneburger Ländereien. Dazu gehörte die Burg Lichtenberg im heutigen Salzgitter. 1273 berichten Urkunden, dass in der Burg die Gerichtsbarkeit [„circa castrum Lichtenberg“] ausgeübt wurde. 1299 wurde Aschwin von Salder hier als Richter und Amtmann (officialis) genannt. Möglicherweise besaßen die Herren von Saldern bereits zu dieser Zeit die Vogteirechte.

Laut dem Fehdebuch der Stadt Braunschweig unternahmen die Herren von Saldern zwischen 1379 und 1382 Raubzüge in der Umgegend. Aschwin überfiel 1379 einen Tross von Handelswagen mit 17 Tonnen Heringen. Die Beute wurde zur Burg Lichtenberg gebracht unter zwangsweiser Mitwirkung der Begleitmannschaft. Neben Aschwin saßen weitere Raubritter auf der Burg, wie Jan und Borchhard von Saldern, Sieverd von Broistede sowie Kord von dem Steinberge. Nachdem die Burg Lichtenberg 1388 wieder von den Braunschweiger Herzögen in Besitz genommen worden war, erhielten die Herren von Saldern sie jedoch weiterhin als Pfandbesitz. Zwischen 1390 und 1396 verpfändete Herzog Friedrich die Burg und das Gericht erneut an die Herren von Saldern. Im 15. Jahrhundert wurden sie offensichtlich von der Burg verdrängt, da als Burgvögte andere Familien genannt werden.

Nettlingen mini|hochkant|Schloss Nettlingen. Im 14. Jahrhundert besaß das Geschlecht in Nettlingen (heute Ortsteil der Gemeinde Söhlde im Landkreis Hildesheim) Lehnsgüter vom Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel und Fürstentum Hildesheim. Um 1325 hatten die Grafen von Wohldenberg die Ritter mit der Gerichtsbarkeit über das Dorf und mit der Holzgrafschaft über das Vorholz belehnt. Um 1570 erbaute Kurt von Saldern das Schloss Nettlingen und verkaufte es um 1611 an die Brauergilde in Hildesheim.

Wohldenberg Um 1400 wurde Aschwin von Saldern als Pfandinhaber der Burg Wohldenberg bei Holle genannt.

Gebhardshagen Am 22. Mai 1406 zerstörten Truppen des Hildesheimer Bischofs Johann III. von Hoya, Heinrich von Bortfeld und Burghard von Cramm, die Mauern der Burg Gebhardshagen (heute Salzgitter-Gebhardshagen) und nahmen sie ein. Die Pfandinhaber, die herzoglichen Mannen Jan und Burchhard von Saldern, erhielten den Auftrag, das Zeughaus, den Roten und den Grauen Turm wieder aufzubauen.

Lauenstein mini|Burg Lauenstein. 1509 hatte Heinrich von Saldern einen Vertrag mit dem Hildesheimer Bischof Johannes IV. von Sachsen-Lauenburg abgeschlossen mit der Zusage, dass die seit 1497 bestehende Pfandschaft derer von Saldern über Burg Lauenstein und Amt Lauenstein (Salzhemmendorf) nicht zu Heinrich von Salderns Lebzeiten gekündigt werde. Nach seinem Tod sollte die Pfandschaft ausschließlich in bischöfliche Verwaltung übergehen. Hans von Saldern, Pfandinhaber des festen Hauses Lutter am Barenberge musste dieses widerstrebend räumen. Im Anschluss an diese Räumung versorgte der Bischof seine Burgen Steuerwald und Peine vorsorglich mit Lebensmitteln und Munition. 1515 übernahm Burchard von Saldern die Burg Lauenstein und das Amt Lauenstein von seinem Vater. Im selben Jahr kündigte Bischof Johannes jedoch den drei Söhnen Heinrichs Burg und Amt Lauenstein. Die Brüder verweigerten deren Aufgabe wegen des besagten Vertrags. Zudem verlangten sie vom Bischof 3000 Gulden, die sie in Verteidigungsanlagen investiert hatten – was der Bischof wiederum ablehnte. Es folgten diverse Verhandlungen, die am 15. März 1518 schließlich einen Schiedsspruch der Landstände ergaben: Bischof Johannes sollte denen von Saldern die Baukosten erstatten, die von Saldern aber sollten bis Ostern Burg und Amt Lauenstein räumen. Da aber Burchard die Annahme der Rückzahlung des Pfandschillings verweigerte, wurde er im gleichen Jahr von der Burg Lauenstein vertrieben und Stacius von Münchhausen als hildesheimischer Vogt auf Lauenstein eingesetzt. Nach einem misslungenen Angriff auf die Burg brannte Burchard von Saldern den Burgflecken Lauenstein nieder. Im Sommer heftete er den Fehdebrief mit der Aufschrift: „Borchert von Salder do bekand; dat ick hebbe jedan dußen Brand; dat bekenne ick mit meiner Hand.“ an das Burgtor. Es kam zu diversen Kämpfen, die sich schließlich zum überregionalen Politikum ausweiteten: Am 5. Juli 1518 äscherte Burchard Schellerten ein. Gronau (Leine) ließ er durch einen gedungenen Knecht in Brand stecken und fast vollständig einäschern. Den Stacius von Münchhausen schlug er tot. Im Januar 1519 begann daraufhin die Hildesheimer Stiftsfehde.

Henneckenrode mini|Schloss Henneckenrode. mini|Die Plattenburg um 1860.