Lieblos ist der zweitgrößte Ortsteil der Gemeinde Gründau im Main-Kinzig-Kreis in Hessen. In diesem Ortsteil ist der Sitz der Gemeindeverwaltung (Rathaus, Bürgerzentrum).

Der Ort liegt im Gelnhäuser Kinzigtal am südlichen Rand des Büdinger Waldes (Herzberg).

Geschichte Vorgeschichte Zwei in der westlichen Gemarkung von Lieblos (aber kurz vor der Gemarkungsgrenze Rothenbergens) gefundene gebrannte Tonurnen aus der Urnenfelderkultur (einer mitteleuropäischen Kultur der späten BronzezeitClaus Bergmann: Bronzezeit auf dem Acker – 3000 Jahre alte Gräber der Urnenfelderzeit aus Gründau-Lieblos, in: Grindaha 25, Schriftenreihe des Geschichtsvereins Gründau e. V., Gründau 2015 S. 31 ff. ), lassen auf eine Besiedlung der Anhöhen rechts (nördlich) der Kinzig schon 1000 vor unserer Zeitrechnung schließen, auch aus der davor liegenden Hügelgräberkultur (Mittlere Bronzezeit) und der nachfolgenden Hallstattzeit sind Grabungsfunde vorhandenGelnhäuser Neue Zeitung – GNZ vom 11. Januar 2014 Otmar Engel entdeckt bei Lieblos prähistorische Urnen, S. 17Otmar Engel, Susanne Heun Archäologische Funde aus Gründau mit zahlreichen Abbildungen, Grindaha, Heft 21, Gründau (Geschichtsverein Gründau e. V.) 2011, S. 25.

mini|Rathaus Gründau in Lieblos

Mittelalter Lieblos wird soweit bekannt erstmals im Jahre 1173 urkundlich unter dem Ortsnamen Libelas in einer Urkunde des Klosters Selbold erwähnt, in der es um Abgrenzungen der Besitzungen zwischen dem Kloster Selbold und dem Kloster Meerholz ging. Weitere Erwähnungen fand der Ort als Liblas (1174), Livela ()1219, Libelahes (1258), Lyebelohs (1299), Liebeloz (1370), Liebillas (1372) und Liebles (1556).

Manchmal wird der Ortsname auf einen vermuteten Gründer zurückgeführt. Wahrscheinlicher ist jedoch die These, dass im Namen einerseits das gängige Element „Lieb-“ vorhanden ist (vgl. Liebenau, Liebenzell, Liebenwerda usw.) und andererseits die Flurbezeichnung „Los“ für ein zugelostes Stück Land (vgl. Magdlos, Friedlos usw.). „Lieb-Los“ hieße dann: „Liebevolles oder gutes zugelostes Land“.

20. Jahrhundert Vom 18. Jahrhundert bis 1938 gab es in Lieblos eine jüdische Gemeinde. Die ehemalige Synagoge in Lieblos, deren Inneneinrichtung bei den Novemberpogromen 1938 in Brand gesetzt wurde, wird seit 1945 als Mehrfamilienwohnhaus genutztDie jüdische Gemeinde Lieblos, Alemannia Judaica, alemannia-judaica.de, abgerufen am 21. Juni 2016.

Am Ostermontag 1945 (2. April) rückte ein Teil der aus Finnland über Norwegen zurückgekehrten 9. SS-Gebirgsdivision (Nordhttps://portal.ehri-project.eu/units/de-002525-rh_28_9) als sogenannter wandernder Kessel bis in den Vogelsberg vor, erreichte (Leisenwald) und überrumpelte die dortige schwache US-amerikanische Besatzung. Im Verlauf der folgenden schweren Kämpfe wurde die Einheit nahezu völlig aufgerieben. Einzelne Soldaten schlugen sich bis zum Herzberg nördlich von Lieblos durch; ein Jahr später soll man noch das Skelett eines Soldaten im Gebüsch neben der unterhalb des Herzbergs herziehenden „Hohen Straße“ gefunden habenKarl Schmerbach: Die alten Straßen im Vogelsberg waren oft Zeugen großer geschichtlicher Ereignisse. In: Zwischen Vogelsberg und Spessart 1979, Gelnhäuser Heimat-Jahrbuch, Jahreskalender für die Menschen in Stadt und Land zwischen Vogelsberg und Spessart, herausgegeben vom Main-Kinzig-Kreis, Gelnhausen 1978 S. 43.

Ende Februar 1960 wurde das neue Gebäude der evangelischen Kirche für die Gemeinden Lieblos und Roth eingeweiht.

Hessische Gebietsreform Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierten die bis dahin selbständige Gemeinden Breitenborn, Gettenbach, Lieblos und Niedergründau zum 31. Dezember 1971 freiwillig zur neuen Gemeinde Gründau. Für alle eingegliederten Gemeinden von Gründau wurde je ein Ortsbezirk errichtet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Lieblos angehört(e):

vor 1806: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Ysenburg-Büdingen-Meerholz, Gericht Lieblos ab 1806: Fürstentum Isenburg (Rheinbund),Infolge der Rheinbundakte. Gericht Lieblos ab 1813: Generalgouvernement Frankfurt,Infolge der Befreiungskriege. Gericht Lieblos ab 1815: Kaisertum Österreich,Infolge der Beschlüsse des Wiener Kongresses. Gericht Lieblos ab 1816: Kurfürstentum Hessen,Durch Staatsvertrag mit Österreich und dem Königreich Preußen sowie Einigung zwischen Großherzogtum Hessen und Kurhessen. Amt Wächtersbach, Gericht Spielberg ab 1821/22: Kurfürstentum Hessen, Kreis Gelnhausen1822: Trennung zwischen Justiz (Justizamt Meerholz) und Verwaltung. ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hanau ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Kreis Gelnhausen ab 1867: Königreich Preußen,Infolge des Deutschen Krieges. Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Gelnhausen ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Gelnhausen ab 1918: Deutsches Reich,Infolge des Ersten Weltkriegs entsteht die Weimarer Republik. Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Gelnhausen ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Landkreis Gelnhausen ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Gelnhausen ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Gelnhausen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Gelnhausen ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gelnhausen ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gelnhausen, Gemeinde Gründau ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Main-Kinzig-Kreis, Gemeinde Gründau

Geschichte ortsbezogener Geldwirtschaft: Banken, Kreditgewerbe, Raiffeisenkassen Am 31. Januar 1909 wurde der Liebloser Spar- und Darlehenskassenverein gegründet. Der Niedergründauer Spar- und Darlehenskassenverein schloss sich am 23. Oktober 1938 mit dem Liebloser Spar- und Darlehenskassenverein zusammen. Am 20. Dezember 1950 wurde der Liebloser Spar- und Darlehenskassenverein in Raiffeisenkasse Lieblos umbenannt. 10 Jahre später, nämlich am 14. November 1960 schlossen sich die Raiffeisenkasse Roth und die Raiffeisenkasse Lieblos zur Raiffeisenkasse Lieblos zusammen. Am 28. Juni 1963 kam die Raiffeisenkasse Rothenbergen dazu. Die nächste Fusion erfolgte am 29. März 1972, indem die Raiffeisenkassen Lieblos und Meerholz zur neuen Raiffeisenbank Mittlere Kinzig zusammenwuchsen. Diese neue Raiffeisenbank wurde am 11. Mai 1990 in Raiffeisenbank Gelnhausen umbenannt. Am 13. September 2001 erfolgte Zusammenschluss der Raiffeisenbank Gelnhausen und der VR Bank Bad Orb-Gelnhausen unter dem Namen VR Bank Bad Orb-Gelnhausen eG.VR Bank Bad Orb-Gelnhausen eG (Hrsg.): 150 Jahre VR Bank Bad Orb-Gelnhausen eG. Archiv der VR Bank, 2014 S. 16 f.

Neben der Zweigstelle der VR Bank hat die Sparda-Bank Hessen (im Gewerbegebiet Kinzigtal-Zentrum) eine Zweigstelle.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Lieblos 3582 Einwohner. Darunter waren 285 (7,9 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 702 Einwohner unter 18 Jahren, 1562 zwischen 18 und 49, 636 zwischen 50 und 64 und 672 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 1485 Haushalten. Davon waren 435 Singlehaushalte, 378 Paare ohne Kinder und 519 Paare mit Kindern, sowie 129 Alleinerziehende und 30 Wohngemeinschaften. In 291 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 1026 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung

Historische Religionszugehörigkeit • 1885: 807 evangelische (= 94,61 %), 19 katholischer (= 2,23 %), 27 jüdische (= 3,17 %) Einwohner • 1961: 1691 evangelische (= 78,94 %), 420 katholische (= 19,61 %) Einwohner

Politik Für Lieblos besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Lieblos) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus sieben Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 45,78 %. Dabei wurden gewählt: drei Mitglieder der CDU und je Zwei Mitglied der SPD und der Liste „Bürger für Gründau“ (FWG). Der Ortsbeirat wählte Gerd Specht (FWG) zum Ortsvorsteher.

Kulturdenkmäler Siehe: Liste der Kulturdenkmäler in Gründau#Lieblos

Einrichtungen Im Ort gibt es: ein Bürgerhaus die Kinzigtalschule, eine Grundschule ein großes Gewerbegebiet, das Kinzigtalzentrum die KinzigmühleWilli Klein: Zur Geschichte des Mühlenwesens im Main-Kinzig-Kreis – Nr. 042 Kinzigmühle Lieblos, Selbstverlag des Hanauer Geschichtsvereins 1844 e. V. und der Wetterauischen Gesellschaft für die gesamte Naturkunde zu Hanau, gegr. 1808 e. V., Hanau 2003 S. 111 ff. die evangelische Paul-Gerhardt-Kirche von 1960

Verkehr Autobahn und Straßen Am südlichen Ortsrand führt die Bundesautobahn 66 mit einer eigenen Anschlussstelle vorbei, am westlichen Ortsrand die Bundesstraße 457, die als Ortsumgehung ausgebaut wurde. In Ortsnähe treffen sich die Kreisstraßen 225 und 903. Durch Lieblos führt die Landesstraße 3333. Direkt östlich an den Ort schließt sich der Ortsteil Roth der Stadt Gelnhausen an.

ÖPNV: Bahn und Bus Der Ortsteil besitzt mit dem Haltepunkt Lieblos () eine Bahnstation an der Bahnstrecke Gießen–Gelnhausen (Lahn-Kinzig-Bahn). Während früher drei Gleise und entsprechende Weichen vorhanden waren, ist der Bahnhof heute auf ein Bahnsteiggleis zurückgebaut. Die ehemaligen Nebenanlagen liegen bereits größtenteils in der Gemarkung Roth der Stadt Gelnhausen, das Empfangsgebäude hingegen liegt in der Gemarkung LieblosKlaus von Berg: Die Bahn in Lieblos mit einem Fahrplan der Linie Gießen–Gelnhausen vom 18. Mai 1874. In: Grindaha, Heft 11, Geschichtsverein Gründau e. V., Gründau 2001, S. 109–114.

In Lieblos gibt es einen der wenigen Bahnübergänge, deren Schranken noch von einem Schrankenwärter bedient werden (Die Schranke ist 1936 gebaut worden).

Vom Bahnhof Lieblos der Lahn-Kinzig-Bahn zweigte früher ein Gleis zu dem 1936 in Rothenbergen errichteten Militärflugplatz (Fliegerhorst) ab, das nach dem Zweiten Weltkrieg für das Industriegebiet in Rothenbergen (StEG – Staatliche Erfassungsgesellschaft, WIBAU – Straßenbaugesellschaft - u. a.) genutzt wurde; es ist mittlerweile stillgelegt und teilweise überbaut worden.

Persönlichkeiten

Mit Lieblos verbundene Persönlichkeiten

Reinhard Stumpf, Fußballspieler und -trainer

Literatur

Weblinks

Der Ortsteil im Internetauftritt der Gemeinde Gründau

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise 2015: ; 2020:

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