Remigius von Auxerre, lateinisch: Remigius Autissiodorensis, französisch: Remi d’Auxerre (* um 841 in Burgund; † um 908) war ein Benediktinermönch, Lehrer und Verfasser von Kommentaren zur Bibel und antiken Texten.
Leben Remigius war in der Abtei Saint-Germain d’Auxerre Schüler des Heiricus von Auxerre und unterrichtete dort als dessen Nachfolger. In Reims organisierte er im Auftrag des Erzbischofs Fulco von Reims die dortige Domschule neu. Nach dessen Tod setzte er in Paris sein Lehramt fort. Zu seinen Schülern gehörte Odo von Cluny.Max Manitius: Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. S. 504 f.
Literatur
Werke
Überblick Sein umfangreiches Werk beschäftigt sichCora E. Lutz: Remigii Autissiodorensis Commentum in Martianum Capellam. Introduction, S. 11 f. einerseits mit den Werken der lateinischsprachigen Antike:
Kommentare zu Werken der Grammatik, insbesondere zur ars minor und ars maior des Aelius Donatus, Kommentare zu antiken literarischen Werken, z. B. das Commentum in Martianum Capellam, ein Kommentar zu De Consolatione Philosophiae des Boethius, Auszüge aus dem Werk des Valerius Maximus, Andererseits verfasste er aber auch Schriften zur Bibelexegese und Dogmatik.
Commentum in Martianum Capellam De nuptiis Philologiae et Mercurii ist ein spätantikes Werk des Martianus Capella. Es enthält Fachvorträge über die sieben Disziplinen der Artes liberales. Darüber hinaus wird in der „Rahmenhandlung“, der Hochzeit von Philologie und Merkur ein umfangreiches Bild der antiken Mythologie und Philosophie entworfen.Hans Günter Zekl Hrsg.: Martianus Capella: Die Hochzeit der Philologie mit Merkur Einleitung, Würzburg 2005.
Remigius von Auxerre erstellte für den Schulbetrieb einen ausführlichen Kommentar dieser Schrift. Er benutzte dazu die früheren Kommentare des Johannes Scottus Eriugena und des irischen Mönches Dunchad.Max Manitius: Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. 1. Band S. 514. Aber auch andere Quellen wurden herangezogen. Er zitierte zahlreiche antike Schriftsteller, wie Horaz, Marcus Terentius Varro, Cicero und benutzte andere wie Plinius ohne Namensnennung.Cora E. Lutz: Remigii Autissiodorensis Commentum in Martianum Capellam. S. 23.
Das Werk ist ungewöhnlich umfang- und inhaltsreich. Schon die zugrunde liegende Schrift des Martianus Capella gliedert sich in 1000 Abschnitte und ist in der Ausgabe von Adolfus Dick 533 Seiten mit etwa je 20 Zeilen pro Seite lang. Fast zu jeder Seite hat Remigius von Auxerre mehrere Erläuterungen verfasst. Diese reichen von kurzen, einfachen Wortsynonymen bis zur fast seitenlanger Erklärung. Der Index, der die wichtigsten behandelten und erwähnten Begriffe, wie griechische Götter und Helden, Geographisches, Sternbilder, Kirchenväter usw. auflistet, umfasst zirka 900 Einträge.Cora E. Lutz: Remigii Autissiodorensis Commentum in Martianum Capellam. Index
In den ersten 2 Büchern schildert Martianus Capella das Umfeld des Brautpaares. Remigius erläutert die griechischen Götterwelt, die neuplatonische Philosophie, orientalische Mystik usw. Nur an wenigen Stellen kontrastiert er die pagane Welt mit christlichen Aussagen. Z.B. schließt er die philosophischen Überlegungen Buch II, 76.14 ab mit:
Die folgenden Bücher stellen jeweils ein Gebiet der Artes liberales dar. In Buch IX über die Musik werden mehrere Thematiken der antiken griechischen Musiktheorie dargelegt. Der Autor kommt aber bis in seine Gegenwart. Die Beschreibung der Intervalle (Buch IX, 496.18 – 497.9) wird durch Chorbeispiele verdeutlicht, etwa der Diatessaron (= Quarte) durch den Introitus Tibi dixit cor meum.
Das Werk hat die übrigen Kommentare zum Buch des Martianus Capella verdrängt und im Mittelalter eine führende Stellung eingenommen.Max Manitius: Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. 1. Band S. 514.
Textausgaben Remigii Autissiodorensis Commentum in Martianum Capellam, hg. von Cora E. Lutz, 2 Bde., Leiden 1962–1965. Expositio super Genesim, hg. von Burton van Name Edwards (Corpus Christianorum, Continuatio Mediaevalis 136), Turnhout 1999.
Literatur
Maria Laetitia Coletti: Un opera grammaticale di Remigio di Auxerre. Il commento al „De barbarismo“ di Donato. In: Studi medievali, Ser. 3, Band 26 (1985), S. 951–967. Burton van Name Edwards: The two commentaries on Genesis attributed to Remigius of Auxerre. With a critical edition of Stegmuller 7195. University of Pennsylvania 1990.
Max Manitius: Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters, Band 1: Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts. Beck, München 1911 (Handbuch der Altertumswissenschaft, Abt. IX, Band 2.1), S. 504–518. Digitalisat. E. Ann Mattern: Art. Remigius of Auxerre. In: Medieval France. An Encyclopedia. New York 1995, S. 793. Paolo Paredi: Per le fonti del „Commentum in Matthaeum“ dello ps. Remigio d'Auxerre (dal codice di Ivrea LXXVI/43). In: Aevum 79 (2005), S. 249–263. Marcello Terzano: Art. Remigius of Auxerre (841-908). In: Encyclopedia of the Middle Ages. Chicago 2000, Teil 2, S. 1226.
Weblinks Kurzer Artikel Artikel in der New Schaff-Herzog Encyclopedia of Religious Knowledge
Einzelnachweise
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