Die Symrise AG mit Hauptsitz in Holzminden ist ein börsennotierter Anbieter von Duft- und Geschmackstoffen, kosmetischen Grund- und Wirkstoffen sowie Inhaltsstoffen. Symrise entstand 2003 durch die Fusion von Dragoco und Haarmann & Reimer.
Geschichte Haarmann & Reimer (1874–2003) 1874 entwickelten Wilhelm Haarmann und Ferdinand Tiemann ein Verfahren zur Herstellung von Vanillin aus Coniferin.F. Tiemann, W. Haarmann: Ueber das Coniferin und seine Umwandlung in das aromatische Princip der Vanille. In: Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft. Jahrgang 7 (1874), S. 608–623. doi:10.1002/cber.187400701193. . Haarmann errichtete im Jahr 1874 in Holzminden ein Unternehmen zur Herstellung des synthetisch gewonnenen Vanillins, die Vanillinfabrik Dr. Wilhelm Haarmann.Mitteilung in den Comptes rendus des séances de l'Académie des sciences, Band 79 (1874), S. 635. Im Jahr 1876 trat Karl Reimer in das Unternehmen ein, das in Haarmann & Reimer umfirmierte. Reimer half bei der Entwicklung eines Verfahrens, das die kostengünstigere Gewinnung von Vanillin aus Eugenol ermöglichte. Das Unternehmen begann zudem mit der Herstellung synthetischer Duftstoffe,Cohen, Symrise GmbH and Company KG. darunter Salicylaldehyd mithilfe der Reimer-Tiemann-Reaktion. 1890 stellte Tiemann Eugenol aus Isoeugenol her. Ein Jahr später war die synthetische Produktion von Vanillin damit erstmals profitabel.Cohen, Symrise GmbH and Company KG. Georg Schwedt: Betörende Düfte, sinnliche Aromen. Wiley-VCH, Weinheim 2008, S. 89–93, ISBN 978-3-527-32045-5.Wolfgang Legrum: Riechstoffe, zwischen Gestank und Duft: Vorkommen, Eigenschaften und Anwendung von Riechstoffen und deren Gemischen. Vieweg + Teubner, Wiesbaden 2011, S. 186 f, ISBN 978-3-8348-1245-2. Die Synthese von Jonon, dem Duftstoff der Veilchen, erfolgte erstmals 1893.Georg Schwedt: Betörende Düfte, sinnliche Aromen. Wiley-VCH, Weinheim 2008, S. 89–93, ISBN 978-3-527-32045-5. Bis Ende des 19. Jahrhunderts stieg das Unternehmen auch in die Gewinnung natürlicher Pflanzenextrakte ein. Zu diesem Zeitpunkt hielt es rund 30 Patente. 1901 wurde das Unternehmen in eine GmbH umgewandelt.Angaben auf der Website www.albert-gieseler.de, Abruf am 26. Juni 2017. 1931 übernahmen die Söhne von Wilhelm Haarmann die Führung. Bombentreffer zerstörten im Zweiten Weltkrieg weite Teile der Produktionsanlagen, zudem gingen Auslandsbeteiligungen kriegsbedingt verloren.
Rudolf Groger verantwortete ab 1946 als Geschäftsführer den Wiederaufbau. 1953 erfolgte die Akquisition durch Bayer. Operativ blieb das Unternehmen jedoch selbständig und expandierte international durch Kauf von Produktionsanlagen und anderer Unternehmen in den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Südafrika, Mexiko, Brasilien, Frankreich und Spanien. Der Umsatz des Unternehmens, bei dem mittlerweile über 1.000 Mitarbeiter beschäftigt waren, stieg bis 1968 auf 80 Millionen DM.
1973 gelang die vollsynthetisch-industrielle Herstellung von Menthol. Dieser Erfolg legte den Grundstein für eine eigene Abteilung, die sich mit der Entwicklung und Herstellung von Minz-Stoffen befasste. In den 1990er Jahren erwarb das Unternehmen Mitbewerber wie Créations AromatiqueZu diesem Hersteller siehe den Eintrag in Nigel Groom (Hrsg.): The New Perfume Handbook. 2. Auflage, Blackie Academic & Professional, London 1997, S. 79, ISBN 978-0-7514-0403-6. oder Florasynth.Siehe den Eintrag Haarmann & Reimer in Nigel Groom (Hrsg.): The New Perfume Handbook. 2. Auflage, Blackie Academic & Professional, London 1997, S. 149. Zudem wurde in neue Anlagen in Mexiko, Brasilien und Kolumbien sowie in ein neues Werk in Nördlingen und in Anlagen im Stammwerk Holzminden investiert. 1999 erfolgte die Übernahme der chinesischen Anteile des Joint Ventures H&R Cosfra Ltd. in Shanghai. Haarmann & Reimer gehörte von 1991 bis 1995 zu einem internationalen Zitronensäure-Kartell, gegen das das FBI seit 1992 ermittelte. 1997 musste Haarmann & Reimer 50 Millionen US-Dollar Strafe an das Justizministerium der Vereinigten Staaten zahlen. Im Dezember 1996 hatte das Unternehmen nach Zivilprozessen 46 Millionen US-Dollar Schadensersatz an geschädigte Kunden überwiesen.
2002 übernahm die schwedische Private-Equity-Gesellschaft EQT (Wallenberg-Gruppe) Haarmann & Reimer sowie eine Minderheitsbeteiligung bei Dragoco. Beide Unternehmen wurden 2003 zur Symrise GmbH und Co. KG zusammengeführt.Neuer Duftstoffgigant heißt Symrise. Fusion von Ex-Bayer-Tochter Haarmann & Reimer und Dragoco kommt gut voran. In: Börsen-Zeitung, 22. Februar 2003.
Dragoco (1919–2003) 1919 gründeten Carl Wilhelm Gerberding und August Bellmer die Dragoco in Holzminden. Es konzentrierte sich zunächst auf die Produktion von Parfüm- und Seifenkompositionen. Die erste Fabrik entstand 1926. Ab 1930 wurden Geschmacks- und Aromastoffe hergestellt. 1935 übernahm das Unternehmen die Heinrich Haensel GmbH in Pirna. Auch Dragoco war von den kriegsbedingten Zerstörungen durch Luftangriffe auf Holzminden betroffen.
1955 nahm die italienische Tochtergesellschaft von Dragoco in Mailand ihre Geschäfte auf, ein Jahr später in den USA. Bis 1972 entstanden in Frankreich, Österreich, Großbritannien und der Schweiz weitere Auslandsgesellschaften, im Verlauf der 1970er Jahre weitere in Brasilien, Hongkong, Japan, Singapur und auf den Philippinen. Horst-Otto Gerberding forcierte die Internationalisierung seit 1981, beispielsweise in Südamerika und Asien. 1993 erfolgte die Umwandlung der Dragoco Gerberding & Co. GmbH in eine Aktiengesellschaft, die Dragoco Gerberding & Co. AG. Noch in den 1990er Jahren betrat das Unternehmen die Märkte in Südafrika und Indien.
Entwicklungen seit der Fusion 2003 Hauptanteilseigner von Symrise waren nach dem Zusammenschluss die EQT mit ungefähr 76 Prozent und der ehemalige Mehrheitsgesellschafter der Dragoco, Horst-Otto Gerberding, mit 18 Prozent. Geschäftsführer des Unternehmens war von Februar 2003 bis September 2003 Horst-Otto Gerberding. Ihm folgten von September 2003 bis Februar 2005 James D. Forman und ab März 2005 Gerold Linzbach. Von 2009 bis März 2024 stand Heinz-Jürgen Bertram als Vorstandsvorsitzender an der Spitze der Symrise AG. Seit dem 31. März 2024 ist der Geschäftsführer der Symrise AG Dr. Jean-Yves Parisot. Der Vertrag von Dr. Jean-Yves Parisot läut zunächst bis Ende September 2028.
Am 16. November 2004 gab die Geschäftsführung den Verzicht auf eine zuvor geplante Produktionsverlagerung nach Polen oder in die Slowakei bekannt. Vor diesem Beschluss hatte sie mit dem Betriebsrat eine Erhöhung der Arbeitszeit auf eine 40-Stunden-Woche und einen Verzicht auf Lohnerhöhungen für 2005 und 2006 vereinbart. An der Betriebsversammlung nahmen auch der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff, der Innenminister und ehemalige Bürgermeister der Stadt Holzminden Uwe Schünemann, der aus dem Landkreis stammende Umweltminister Hans-Heinrich Sander und Wirtschaftsminister Walter Hirche teil. Wulff bezeichnete den Erhalt der Arbeitsplätze in Holzminden durch einen der größten Arbeitgeber vor Ort eine Gemeinschaftsleistung und einen „Modellfall für Deutschland“, um ein „Horrorszenario“ einer Produktionsverlagerung abzuwenden. Im Jahre 2005 schloss das Unternehmen zwei Produktionsstätten in Skokie (Illinois) und in Grasse. Im Mai 2006 fasste Symrise die beiden Geschäftsbereiche Fragrances (Düfte) und Sensory Ingredients (ehemals Cosmetic Ingredients und Aroma Chemicals) zum neuen Geschäftsbereich Scent & Care zusammen. Gemessen am Umsatz entstanden dadurch zwei nahezu gleich große Segmente: Scent & Care sowie Flavors. Letzteres wurde im Oktober in die beiden Bereiche Flavors und Nutrition aufgegliedert. Die Informatik (Information Systems) mit weltweit ca. 100 Mitarbeitern und einem Budget von 20 Millionen Euro wurde 2006 an den französischen EDV-Dienstleister Atos Origin verlagert.
2005 erzielte Symrise mit rund 4800 Mitarbeitern einen Umsatz von 1,15 Mrd. Euro. Am 11. Dezember 2006 ging das Unternehmen an die Börse. Symrise-Aktien kosten 17,25 Euro - Größter Börsengang des Jahres ist perfekt. In: Allgemeine Zeitung, 11. Dezember 2006. Im März 2007 wurde die Aktie in den MDAX aufgenommen. Symrise rückt in MDax auf, BB Medtech in den TecDax. In: Handelsblatt, 6. März 2007.
Das Unternehmen machte in den Folgejahren eine Reihe von Zukäufen.Siehe die Angaben von Symrise zur Unternehmensgeschichte, Abruf am 27. Juni 2017. Dazu gehörten 2006 Kaden Biochemicals,Symrise aus Holzminden übernimmt Kaden Biochemicals. In: Die Welt, 17. Januar 2006. Duftstoff-Spezialist Symrise plant neue Zukäufe. In: Handelsblatt, 24. Mai 2006. 2007 der Geschäftsbereich Food Ingredients von Unilever in GroßbritannienSymrise stärkt sich in Großbritannien. In: Börsen-Zeitung, 15. September 2007. und Aromatics (Frankreich und Madagaskar),Symrise übernimmt Vanille-Anbieter. In: Neue Westfälische, 29. September 2007. 2008 die Aromendivision des dänischen Anbieters Chr. Hansen,Symrise stärkt mit Hansen die US-Präsenz. CEO Linzbach: Zukauf von 50 Mill. Euro Aromenumsatz – Erstmals Dividende von 0,50 Euro je Aktie. In: Börsen-Zeitung, 6. März 2008. der englische Aromenanbieter Steng und die amerikanischen Hersteller Manheimer Fragrances und Intercontinental FragrancesSymrise verstärkt sich in den USA. In: Börsen-Zeitung, 27. September 2008. sowie 2009 Futura Labs. Im Jahre 2013 folgte der Kauf des amerikanischen Duftherstellers Belmay,Symrise schluckt Parfümölhersteller. In: Börsen-Zeitung, 5. März 2013. ein Jahr später dann die Übernahme von Diana, eines französischen Anbieters von sensorischen und funktionalen Lösungen für Nahrungsmittel, Futtermittel, Babynahrung und kosmetische Inhaltsstoffe.Symrise schließt Kauf von Diana-Gruppe ab. Weitere Kapitalerhöhung – Gewinnbeitrag ab 2015. In: Börsen-Zeitung, 30. Juli 2014. 2016 übernahm das Unternehmen den amerikanischen Hersteller Pinova und veräußerte Teile dieses Unternehmen anschließend an DRT (Dérivés Résiniques et Terpéniques); die Geschäftseinheit Renessenz verblieb dabei bei Symrise.Symrise und DRT unterzeichnen Vereinbarung zur Übernahme von Pinova Inc. Pressemeldung der Symrise AG vom 2. November 2016, Abruf am 29. März 2018. Im Sommer 2017 übernahm das Unternehmen den britischen Obst- und Gemüsesaftlieferanten Cobell LimitedSymrise setzt bei Duftstoffen auf zweites Halbjahr. In: Börsen-Zeitung, 11. August 2017. sowie Ende 2017 den brasilianischen Parfümöl-Anbieter Citratus Fragrâncias Indûstria e Comércio.Symrise expandiert in Brasilien. In: Börsen-Zeitung, 7. Dezember 2017.Wunschanalyse Symrise. In: Euro am Sonntag, 23. Dezember 2017. Im Januar 2019 unterzeichnete Symrise eine Vereinbarung zur Übernahme des US-Unternehmens ADF/IDF, eines führenden Herstellers von Proteinen für Heimtiernahrung. Ende 2020 übernahm Symrise die Duftsparte des US-Unternehmens Sensient.NDR (23. November 2020): Symrise kauft Duftstoffgeschäft von US-Firma Sensient hinzu. Abgerufen am 10. März 2021. Im April 2021 kaufte Symrise das Fragrance und Aroma Chemicals Geschäft des US-amerikanischen Unternehmens Sensient Technologies Corporation.