mini|Luftmessstation und Informationsstand am Postplatz in Dresden, 1990
Die Luftqualität (Luftgüte) beschreibt die Beschaffenheit der Luft bezogen auf den Anteil der darin enthaltenen Luftverunreinigungen. Als Vergleichswert gilt die Baseline Air, welche die Hintergrundluft ohne lokale Emission ist und so eine unverfälschte Messung des CO2-Gehalts ermöglicht. Diese Messung erfolgt an der Nordwestecke von Tasmanien in der Cape Grim Baseline Air Pollution Station Jan Keith, Die Luft der Wahrheit, in: Mare, Nummer 177, 06/2026, S. 66f.
Laut der stellvertretenden WHO-Generaldirektorin Flavia Bustreo sei Luftverschmutzung „einer der hauptsächlichen Gründe für Krankheiten und Tod“.
Die Luftqualität wird durch zahlreiche in Gesetzen oder Verordnungen festgelegte Grenz- oder Richtwerte bestimmt. Die Überwachung der Luftqualität erfolgt mit ImmissionsmessnetzenLuftmessprogramm am Beispiel der Stadt Wuppertal, deren Messstationen unter anderem an viel befahrenen Straßen (hot spots) oder auch in Wäldern (Hintergrundwerte) liegen können.
Zur Luftqualität in Räumen von Gebäuden siehe Innenraumluft.
Messnetze Zur Überwachung der Luftqualität werden von den zuständigen Behörden Messnetze betrieben, die aus einer unterschiedlich großen Zahl an Einzelmessstationen bestehen. Die Einzelmessstationen arbeiten i. d. R. unabhängig voneinander und können auch innerhalb eines Messnetzes über eine unterschiedliche Ausstattung verfügen. Moderne Einzelmessstationen übertragen die Messergebnisse vollautomatisch an Zentralrechner.
Messnetze in Deutschland, Österreich und der Schweiz Die folgende Zusammenstellung zeigt ausgewählte Messnetze in Deutschland, Österreich und der Schweiz:
Stadt / Land Name Zahl der Messstationen Oktober 2012 (zum Vergleich Juli 2006) Bemerkungen Link Berlin (Deutschland) Berliner Luftgütemessnetz (BLUME) 16 (21) In Betrieb seit 1975; Verkehrs- und Hintergrundstationen BLUME Bremen (Deutschland) Bremer Luft UEberwachungs System (BLUES) 10 Beginn 1987 mit einer Station; Verkehrs- und Hintergrundstationen BLUESHessen (Deutschland)Luftmessnetz Hessen72 (seit 2022)Messendatenportal Niedersachsen (Deutschland) Lufthygienisches Überwachungssystem Niedersachsen 25 LÜN Nordrhein-Westfalen (Deutschland) Luftqualitätsüberwachungssystem des Landes Nordrhein-Westfalen (LUQS NRW) 62 (74) Verkehrs- und Hintergrundstationen; durch zeitlich befristete Messstationen (MILIS) ergänzt LUQS Rheinland-Pfalz (Deutschland) ZentralesImmissionsMEmessNetz des Landes Rheinland-Pfalz (ZIMEN) 33 U.a. Verkehrs- und Hintergrundstationen ZIMEN Bundesland Salzburg (Österreich) SAlzburger Luftgüte Informations- System (SALIS) 12 erstes EDV-gestütztes Messnetz (Salis I) 1984 installiert; derzeitiges Messnetz (Salis IV) 1995 in Betrieb genommen Salis Schweiz Nationales Beobachtungsnetz für Luftfremdstoffe (NABEL) 16 Beginn 1978 mit acht Stationen NABEL Schweiz Carbosense 4D 300 (seit 2017) CO2-Messsystem Carbosense 4D
mini|Messstation Dunzweiler des ZIMEN-Netzes (Rheinland-Pfalz)
Bewertung der Luftqualität Die Kriterien für die Beurteilung der Luftqualität in Europa werden seit einigen Jahren nicht mehr nur national, sondern europaweit festgelegt. Dies geschieht in sog. Richtlinien oder Verordnungen. Die in diesen Richtlinien bzw. Verordnungen genannten Grenz- oder Richtwerte müssen dann innerhalb ebenfalls dort festgelegter Zeiträume eingehalten werden. So legt zum Beispiel die Feinstaub-Richtlinie der EU fest, dass ab dem 1. Januar 2005 der Tagesmittelwert von Feinstaub (PM10) bei 50 µg/m3 liegt und an maximal 35 Tagen im Jahr überschritten werden darf. Werden Grenzwerte nicht eingehalten, können Sanktionen verhängt werden.
Die aktuell gültigen Regelungen der EU sind in der sog. Luftqualitätsrichtlinie (Richtlinie 2008/50/EG) zusammengefasst, die am 11. Juni 2008 in Kraft getreten ist. Die Vorgaben dieser EU-Richtlinie wurden in Deutschland im Rahmen des Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) in nationales Recht umgesetzt und in der 39. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes, der Verordnung über Luftqualitätsstandards und Emissionshöchstmengen (39. BImSchV), konkretisiert. Werden Luftqualitätsgrenzwerte nicht eingehalten, werden in der Regel von den betroffenen Städten und Kommunen Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität ergriffen, die im sog. Luftreinhalteplan dargestellt und hinsichtlich ihrer Wirkung bewertet werden.
Während ein Grenzwert strikt eingehalten werden muss, d. h. nicht überschritten werden darf, gibt ein Zielwert einen meist zu einem bestimmten Zeitpunkt zu erreichenden Höchstwert an. Zielwerte sind häufig nicht strikt verbindlich.
Einen einheitlichen Luftqualitätsindex zur Bewertung der Luftqualität gibt es nicht. Beispiele für allgemein verständliche Kriterien zur Beurteilung der Luftqualität sind der Wiener Luftgüteindex und der Luftqualitätsindex des Umweltbundesamts.
Deutschland Für Deutschland gibt das Umweltbundesamt den Luftqualitätsindex (LQI) in fünf Stufen an, basierend auf den gemessenen Werten der jeweiligen Messstation für die folgenden Schadstoffe: Feinstaub (PM2,5 und PM10), Ozon (O3), Stickstoffdioxid (NO2).
Die schlechteste Teilbewertung für einen der vier Luftschadstoffe entspricht dem LQI. Betrachtet werden für PM2,5 und PM10 jeweils die Mittelwerte der letzten 24 Stunden (stündlich gleitendes Tagesmittel), für O3 und NO2 jeweils die Messwerte der letzten Stunde. Die Grenzwerte für die einzelnen Stufen sind in der nachfolgenden Tabelle angegeben: BewertungKennfarbeBedeutungFeinstaub < 2,5 µm (PM2,5)Feinstaub < 10 µm (PM10)Ozon (O3)Stickstoffdioxid (NO2)sehr gutBeste Voraussetzungen, um sich ausgiebig im Freien aufzuhalten.0-100-200-600-20gutGenießen Sie Ihre Aktivitäten am Freien, gesundheitlich nachteilige Wirkungen sind nicht zu erwarten.11-2021-3561-12021-40mäßigKurzfristige nachteilige Auswirkungen auf die Gesundheit sind unwahrscheinlich. Allerdings können Effekte durch Luftschadstoffkombinationen und bei Langfristiger Einwirkung des Einzelstoffes nicht ausgeschlossen werden. Zusätzliche Reize, z. B. ausgelöst durch Pollenflug, können die Wirkung der Luftschadstoffe verstärken, so dass Effekte bei empfindlichen Personengruppen (z. B. Asthmatikern) wahrscheinlicher werden.21-2536-50121-18041-100schlechtBei empfindlichen Menschen können nachteilige gesundheitliche Wirkungen auftreten. Diese sollten körperlich anstrengende Tätigkeiten im Freien vermeiden. In Kombination mit weiteren Luftschadstoffen können auch weniger empfindlichen Menschen auf die Luftbelastung reagieren.26-5051-100181-240101-200sehr schlechtNegative gesundheitliche Auswirkungen können auftreten. Wer empfindlich ist oder vorgeschädigte Atemwege hat, sollten körperlich Anstrengungen im Freien vermeiden.ab 51ab 101ab 241ab 201
Wiener Luftgüteindex Der Wiener Luftgüteindex enthält ein Bewertungsschema, das durch die Verwendung von Smileys in entsprechenden Farben und einer Erläuterung der Bedeutung die jeweils getroffene Bewertung der Luftqualität an Messstationen in Wien (Österreich) sehr einfach ermöglicht.
Die Zuordnung von Luftmesswerten zum Schadstoffindex wird anhand eines einfachen Bewertungsschemas vorgenommen:
+Wiener LuftgüteindexBewertungSymbol und KennfarbeIndexOzon, O3, 1h-Mittel, µg/m3Feinstaub, PM10, 24h-Mittel, µg/m3Stickstoffdioxid, NO2, ½h-Mittel, µg/m3Schwefeldioxid, SO2, ½h-Mittel, µg/m3Kohlenmonoxid, CO, 8h-Mittel, mg/m3sehr gutrahmenlos|22x22px rahmenlos|22x22px10-600-200-450-500-2.5gutrahmenlos|22x22px261-9021-3546-10051-852.6-3.5befriedigendrahmenlos|22x22px391-13036-50101-14086-1203.6-5.0unbefriedigendrahmenlos|22x22px4131-18051-100141-200121-2005.1-10.5schlechtrahmenlos|22x22px5181-240101-150201-400201-50010.6-20.5sehr schlechtrahmenlos|22x22px rahmenlos|22x22px6ab 241ab 151ab 401ab 501ab 20.6
Luftqualitätsindizes Baden-Württemberg Ein erweiterter aktueller Ansatz stammt aus Baden-Württemberg. Dieses Bundesland verwendet einen tagesbezogenen und einen jahresbezogenen Luftqualitätsindex, um die Bevölkerung auf allgemein verständliche Weise im Schulnotensystem über die kurz- und längerfristige Entwicklung der Luftqualität zu informieren. Die Auswahl der Luftschadstoffe und das zugehörige Bewertungssystem berücksichtigen die gesetzlichen Grenzwerte, die Wirkungen auf den Menschen und Relevanz für die Umwelt. Ein entsprechender Datendienst ist seit Februar 2007 online. Die Jahreswerte können für die zurückliegenden 10 Jahre abgerufen werden. Für die Ballungsräume liegen Darstellungen für die Zeit seit 1985 vor.
+Klassengrenzen für den Luftqualitätsindex LQIIndexBewertungNO2 1-h-Mittelwert (µg/m3)PM2,5 24-h-Mittelwert (µg/m3)O3 1-h-Mittelwert (µg/m3)PM10 24-h-Mittelwert (µg/m3)1sehr gut0 ≤ Wert ≤ 200 ≤ Wert ≤ 8,50 ≤ Wert ≤ 300 ≤ Wert ≤ 122gut20 < Wert ≤ 408,5 < Wert ≤ 2030 < Wert ≤ 8012 < Wert ≤ 263befriedigend40 < Wert ≤ 10020 < Wert ≤ 2880 < Wert ≤ 12026 < Wert ≤ 404ausreichend100 < Wert ≤ 20028 < Wert ≤ 35120 < Wert ≤ 18040 < Wert ≤ 505schlecht200 < Wert ≤ 40035 < Wert ≤ 50180 < Wert ≤ 24050 < Wert ≤ 756sehr schlecht400 < Wert50 < Wert240 < Wert75 < Wert
Schweiz In der Schweiz gibt es das Nationale Beobachtungsnetz für Luftfremdstoffe (NABEL).Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) und die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) veröffentlichen jedes Jahr einen Bericht zur Luftqualität. Die Messungen belegen, dass sich die Luftqualität in den letzten Jahrzehnten stark verbessert hat.Link-Liste zu den Jahresberichten 2010 bis 2022.Jahresbericht 2022, S. 14 (PDF; 2,4 MB)
2022 wurden auf der Alpensüdseite teilweise die Grenzwerte für lungengängigen Feinstaub (PM2,5) überschritten. An allen 16 NABEL-Station wurde zeitweise der Grenzwert für Ozon überschritten, ebenso 2021.
Der Kurzzeit-Belastungs-Index (KBI) gibt die aktuelle Luftqualität in sechs Stufen an:
BewertungIndexO3NO2PM10Gering10-900-600-37Mässig291-12061-8038-50Deutlich3121-15081-10051-62Erheblich4151-180101-12063-75Hoch5181-240120-16076-100Sehr hoch6> 240> 160> 100
Vereinigte Staaten In den Vereinigten Staaten gibt es den Air Quality Index (AQI).
BewertungIndexBedeutungGut (good)0-50zufriedenstellende Luftqualität mit kaum oder gar keinem GesundheitsrisikoMäßig (moderate)51-100akzeptable Luftqualität, jedoch mit Risiko für sensible GruppenUngesund für sensible Gruppen(unhealthy for sensitive groups)101–151geringes Risiko für die Allgemeinheit, jedoch mögliche gesundheitliche Beeinträchtigung bei sensiblen GruppenUngesund (unhealthy)151-200gesundheitlichen Beeinträchtigungen bei Teilen der Bevölkerung, mögliche schwerwiegendere gesundheitliche Beeinträchtigungen für sensible GruppenSehr ungesund (very unhealthy)201-250Gesundheitswarnung: Das Risiko gesundheitlicher Auswirkungen ist für alle erhöht.Gefährlich (hazardous)ab 251Warnung vor gesundheitlichen Notfällen: Das Risiko ist für alle erhöht.
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