mini|hochkant|Nicholas Patrick Stephen Wiseman mini|hochkant|Nicholas Kardinal Wiseman, Stich um 1860, aus „Geschichte der Kirche Christi“ von Johannes Ibach, Benziger, Einsiedeln, 1916 mini|hochkant|Kardinalswappen Nicholas Patrick Stephen Wiseman (* 2. August 1802 in Sevilla; † 15. Februar 1865 in London) war der erste Kardinal und Erzbischof der römisch-katholischen Kirche in England nach der Reformation.
Leben Nicholas Wiseman war der Sohn von James Wiseman, einem aus Waterford stammenden Händler, der zu jener Zeit in Sevilla lebte, und dessen zweiter Ehefrau Xaviera Strange, die ebenfalls aus Waterford kam. Seine frühe Bildung erfuhr er in Waterford und am Ushaw College in Durham, England. Wiseman studierte in Irland und Rom katholische Theologie, er war Seminarist am Päpstlichen Englischen Kolleg, wo er am 7. Juli 1824 zum Doktor der Theologie promoviert wurde. Am 18. Dezember 1824 empfing er die niederen Weihen und am 19. März 1825 die Priesterweihe. Er wurde Vizerektor des Päpstlichen Englischen Kollegs. An der Universität La Sapienza lehrte er 1827 als außerordentlicher Professor Hebräisch und Syro-Chaldäisch. Von Juni 1828 bis Mai 1840 war er Rektor des Päpstlichen Englischen Kollegs.
Papst Gregor XVI. bestellte Nicholas Wiseman am 22. Mai 1840 zum Koadjutor des apostolischen Vikars für den Midland District in Birmingham mit dem Titularbistum Milopotamus. Die Bischofsweihe spendete ihm am 8. Juni 1840 in der Kapelle des Päpstlichen Englischen Kollegs in Rom Kardinal Giacomo Filippo Fransoni; Mitkonsekratoren waren der apostolische Vikar des Nordens, Jean Théodore Laurent, und James Kyle, der apostolische Vikar des Norddistrikts von Großbritannien. Zum päpstlichen Thronassistenten wurde Nicholas Wiseman am 14. Juli 1840 ernannt. Am 2. September 1847 wurde er apostolischer Provikar des Erzbistums Westminster und am 28. Juli 1848 Koadjutor mit dem Recht der Nachfolge des apostolischen Vikars von London. Nach dem Tode Bischof Thomas Walshs trat Nicholas Wiseman am 18. Februar 1849 dessen Nachfolge an und wurde am 29. September 1850 zum Erzbischof von Westminster und damit zum ersten römisch-katholischen Bischof in London nach der Reformation erhoben. Damit gelang es ihm, die Wiederherstellung der katholischen Hierarchie in England und Wales durch Papst Pius IX. zu vollenden.
Doch die so wiedergestellte Verbindung zu Rom hatte auch eine Kehrseite. Der römischen Kurie war daran gelegen, die katholische Kirche in England und Wales, die sich jahrhundertelang weitgehend selbst gesteuert hatte, wieder auf Linie zu bringen. Auch Kardinal Wiseman meinte, sie habe zu wenig „italienischen Geist“.Lytton Strachey: Cardinal Manning. In: ders.: Eminent Victorians: Cardinal Manning, Florence Nightingale, Dr. Arnold, General Gordon. Chatto & Windus, London 1948, S. 11–128, hier S. 67–68. Andererseits wählte er seinen Freund George Errington (1804–1886), Bischof of Plymouth, den angesehenen Repräsentanten der englischen katholischen Gemeinschaft, als seinen Koadjutor mit dem Titel eines Titularerzbischofs und mit dem Recht der Nachfolge als Erzbischof von Westminster.Lytton Strachey: Cardinal Manning. In: ders.: Eminent Victorians: Cardinal Manning, Florence Nightingale, Dr. Arnold, General Gordon. Chatto & Windus, London 1948, hier S. 68.
Papst Pius IX. erhob ihn im Konsistorium vom 30. September 1850 zum Kardinalpriester. Den Kardinalshut und die Titelkirche Santa Pudenziana verlieh der Papst ihm am 3. Oktober desselben Jahres. Damit war Nicholas Wiseman der erste Kardinal, der seit der Reformation wieder in England residierte.
Wiseman hatte maßgeblichen Einfluss auf die Konversionen von John Henry Newman und Henry Edward Manning. Manning, der seit 1857 Propst des Domkapitels von Westminster war, stieg schnell zu Wisemans maßgeblichem Berater auf. Manning wollte eine „römische“ Kirche in England und Wales, die sich uneingeschränkt dem Jurisdiktionsprimat des Papstes unterordnete. Als Bischof Errington nach einem Streit im Domkapitel sich gegen eine Entscheidung Mannings stellte und sich unter Berufung auf das Kirchenrecht und Beschlüsse des Konzils von Trient an einen Gerichtshof der römischen Kurie wandte, ließ Wiseman von Manning 1860 dazu bewegen, den Papst darum zu bitten, seinen Freund Errington vom Amt des Koadjutors zu „befreien“. Der Papst stimmte umgehend zu.Lytton Strachey: Cardinal Manning. In: ders.: Eminent Victorians: Cardinal Manning, Florence Nightingale, Dr. Arnold, General Gordon. Chatto & Windus, London 1948, hier S. 72–74.
Nicholas Wisemans Grab befindet sich in der Krypta der Westminster-Kathedrale in London.
Literarisches Werk Vielfach aufgelegt und übersetzt, unter anderem in Reclams Universal-Bibliothek, wurde bis in die neuere Zeit sein historischer Roman Fabiola (nicht identisch mit der hl. Fabiola). Der Roman verknüpft die Schicksale mehrerer bekannter Opfer der diokletianischen Christenverfolgung (unter anderem die hll. Sebastian und Agnes) miteinander und zeigt Wisemans Vertrautheit mit der altchristlichen Literatur.Andreas Wollbold: Katholische Literatur, die man wirklich lesen kann, 28. Mai 2018, abgerufen am 9. September 2025.
Nachruf Der Tod von Kardinal Wiseman wurde in den britischen Zeitungen ausführlich kommentiert. Die Londoner Abendzeitung The Star formulierte beispielhaft, was die Öffentlichkeit empfand:
Schriften Memoir of His Eminence Cardinal Wiseman, First Archbishop of Westminster. Richardson and son, London, 2. Aufl. 1865 (Digitalisat). Fabiola oder Die Kirche der Katakomben. Übersetzt aus dem Englischen von Marie von Borch, 2., revidierte Auflage, Verlag Philipp Reclam, Leipzig 1920.
Literatur Wilfrid Philip Ward: The life and times of Cardinal Wiseman. London 1897. (catalog.hathitrust.org)
Weblinks
Werke von Nicholas Wiseman im Projekt Gutenberg-DE
Einzelnachweise
Kategorie:Kardinal (19. Jahrhundert) Kategorie:Titularbischof Kategorie:Erzbischof von Westminster Kategorie:Römisch-katholischer Bischof (19. Jahrhundert) Kategorie:Römisch-katholischer Theologe (19. Jahrhundert) Kategorie:Päpstlicher Thronassistent Kategorie:Brite Kategorie:Geboren 1802 Kategorie:Gestorben 1865 Kategorie:Mann