Die Sklerotherapie ( und ), auch Verödung genannt, stellt ein minimal-invasives und ambulant durchgeführtes Therapieverfahren zur Behandlung von Krampfadern der Beinvenen sowie des Hämorrhoidalleidens und Krampfadern der Speiseröhre dar. Bei der planvollen Ausschaltung von Besenreisern und Krampfadern durch die Sklerotherapie werden die erkrankten Venen durch Einspritzen eines Sklerosierungsmittels verschlossen und längerfristig vom Körper in einen bindegewebigen Strang umgebaut, der idealerweise vom Körper abgebaut wird. Beim Hämorrhoidalleiden führt die Sklerotherapie zu einer gewollten Entzündungsreaktion des Gewebes, durch die die vergrößerten Hämorrhoiden wieder fixiert bzw. stabilisiert werden. Eine Sklerose an sich kann auch durch (patho)physiologische Prozesse bedingt von alleine im Organismus stattfinden, wie z. B. bei der Niere (Glomerulosklerose).

Anwendungsgebiete Nach der Bonner Venenstudie leiden über 90 % der deutschen Bevölkerung an Krampfadern oder Besenreisern.E. Rabe, F. Pannier-Fischer, K. Bromen, K. Schuldt, A. Stang, C. H. Poncar, M. Wittenhorst, E. Bock, S. Weber, K. H. Jöckel: Bonner Venenstudie der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie. In: Phlebologie. Band 32, 2003, S. 1–14. doi:10.1055/s-0037-1617353 Allein 60 % der Bevölkerung sind von Besenreisern und retikulären Krampfadern betroffen. Daher kann man bei dieser Erkrankung von einem Volksleiden sprechen. Mit der Sklerotherapie können alle Formen von Krampfadern erfolgreich behandeltG. Heyn: Krampfadern: Sklerotherapie als Option. In: PTA-Forum. Ausgabe 10/2012.J. Brüning: Ergebnisse der antegraden Sklerotherapie bei der Behandlung der Varikozele testis. Medizinische Fakultät Heidelberg, 2000. und so möglichen Komplikationen entgegengewirkt werden. Weitere Ziele der Behandlung sind die Beseitigung von Symptomen sowie die Verbesserung des ästhetischen Erscheinungsbilds und der Lebensqualität. Anwendungsgebiete sind neben Besenreisern und retikulären Krampfadern auch Krampfadern der Perforansvenen, Seitenäste und Stammvenen. Treten nach operativen Behandlungen wieder Krampfadern auf (so genannte Rezidive), können diese ebenfalls mit der Sklerotherapie therapiert werden. Weitere Indikationen sind das Hämorrhoidalleiden und akut blutende Krampfadern der Speiseröhren (Ösophagusvarizen).

Andere Anwendungsgebiete wie Varikozelen, Lymphzysten oder Baker-Zysten sind nicht offiziell zugelassen. Zysten wie z. B. in der Schilddrüse lassen sich ebenfalls mit der Sklerotherapie behandeln.

Durch die Sklerotherapie werden unerwünschte oder krankhaft veränderte Venen in Bindegewebe bzw. einen Bindegewebsstrang umgewandelt.F. Huth, W. Lenz, N. Rasche, D. Bernhardt: Licht- und elektronenmikroskopische Untersuchungen zur akuten Venenthrombose nach Einwirkung von Venenverödungsmitteln im Tierexperiment. In: Phlebol Proktol. Band 6, 1977, S. 1–18. Man bezeichnet diesen Vorgang auch als Sklerose und die Behandlung mit der Sklerotherapie wird daher oft auch als Sklerosierung bezeichnet. Die behandelte Vene ist dann fest verschlossen und der entstandene Bindegewebsstrang entspricht in seinem funktionellen Ergebnis der Entfernung einer Krampfader mit operativen oder endovenösen thermischen Methoden.E. Rabe, F. X. Breu, I. Flessenkämper, H. Gerlach, S. Guggenbichler, B. Kahle, R. Murena, S. Reich-Schupke, T. Schwarz, M. Stücker, E. Valesky, S. Werth, F. Pannier: Leitlinie: Sklerosierungsbehandlung der Varikose. AWMF-Leitlinie Nr. 037 - 015, Stand 12-2018, abgerufen am 11. März 2020. In der Regel baut der Körper den Bindegewebsstrang im weiteren Verlauf selbständig ab. Die behandelte Vene wird nicht zum Rücktransport des Blutes zum Herzen benötigt, denn das Blut sucht sich einen neuen Weg über andere Venen.

Um die Effektivität der Sklerosierungsmittel durch längeres Verbleiben am Zielort (der Venenwand des zu verschließenden Gefäßes) zu erhöhen, wurde in der Vergangenheit Luft vorgespritzt, um so eine kurzfristige Blutfreiheit der Vene zu erreichen. Dies wird heutzutage mit einem aufgeschäumten Sklerosierungsmittel erreicht.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen) Die Sklerotherapie darf nicht angewendet werden bei bekannter Allergie gegen das Sklerosierungsmittel, bei Patienten mit Verschluss einer tiefen Vene durch ein Blutgerinnsel (akute Thrombose) sowie Patienten mit lokalen Infektionen im Behandlungsbereich und schweren akuten Allgemeininfektionen. Sklerosierungsschaum sollte zusätzlich nicht angewendet werden bei Krankheitserscheinungen durch ein bekanntes Loch in der Vorhofscheidewand des Herzens (bekanntes und symptomatisches offenes Foramen ovale). Besondere Vorsicht ist erforderlich bei Patienten mit einem hohen Risiko für Thrombosen, z. B. bei Patienten mit angeborener Neigung zu Blutgerinnseln oder Patienten, die schon einmal eine Thrombose hatten. Bettlägerigkeit oder nicht laufen können, schwere arterielle Durchblutungsstörungen (Grad III und IV nach Fontaine), ein schlechter Allgemeinzustand und Migräne nach vorangegangener Schaumsklerosierung stellen relative Gegenanzeigen dar. Während einer Schwangerschaft sollte nur bei zwingender Indikation sklerosiert werden und bei einer Sklerotherapie während der Stillzeit sollte das Stillen für 2 bis 3 Tage unterbrochen werden.

Kleine Krampfadern: Besenreiser und retikuläre Varizen Krampfadern sind krankhaft erweiterte, oberflächliche Venen, die häufig geschlängelt und knotenförmig an den Beinen hervortreten und in der Fachsprache als Varizen bezeichnet werden. Besenreiser sind die kleinsten Krampfadern mit einem Durchmesser von bis zu 1 mm und liegen in der oberen Hautschicht (Dermis). Daher sind sie auch gut sichtbar. Oft sind sie stark verzweigt und können blau bis rötlich sein. Diese kleinsten Krampfadern stehen oft in Verbindung mit den so genannten retikulären Varizen, die zwar immer noch gut sichtbar, aber bereits etwas tiefer als die Besenreiser in der Haut liegen. Retikuläre Varizen haben einen Durchmesser von 1-3 mm und stellen oft Nährvenen von Besenreisern dar. Diese Nährvenen versorgen die Besenreiser mit Blut und sollten daher zur Beseitigung der Besenreiser mitbehandelt werden. Als Ursache für das Auftreten von Besenreisern und retikulären Varizen gilt wie bei großen Venen ein pathologischer Rückfluss von Blut aufgrund defekter Venenklappen.V. Wienert, H. P. Simon, U. Böhler: Angioarchitecture of spider veins. Scanning electron microscope study of corrosion specimens. In: Phlebologie. Band 35, 2006, S. 24–29. doi:10.1055/s-0037-1622127R. A. Weiss, M. A. Weiss: Resolution of pain associated with varicose and telangiectatic leg veins after compression sclerotherapy. In: J Dermatol Surg Oncol. Band 16, Nr. 4, 1990, S. 333–336. Besenreiser und retikuläre Varizen werden überwiegend als ästhetische Behandlungsindikation angesehen, obwohl einige Patienten über Schmerzen, Krämpfe, Brennen, Juckreiz oder schwere und/oder müde Beine klagen.A. Bradbury, C. Evans, P. Allan, A. Lee, C. V. Ruckley, F. G. R. Fowkes: What are the symptoms of varicose veins? Edinburgh vein study cross sectional population survey. In: BMJ. Band 318, 1999, S. 353–356.K. Kröger, C. Ose, J. Roesener, H. Hirche: Symptoms in individuals with small cutaneous veins. In: Vascular Medicine. Band 7, Nr. 1, 2002, S. 13–17.R. D. Langer, E. Ho, J. O. Denenberg, A. Fronek, M. Allison, M. H. Criqui: Relationship between the symptoms and venous disease: the San Diego population study. In: Arch Intern Med. Band 165, Nr. 12, 2005, S. 1420–1424.J. P. Benigni, I. Bihari, E. Rabe, J. F. Uhl, H. Partsch, A. Cornu-Thenard, A. Jawien: Venous symptoms in C0 and C1 patients: UIP consensus document. In: Int Angiol. Band 32, Nr. 3, 2013, S. 580–586.S. K. Van Der Velden, N. H. Shadid, P. J. Nelemans, A. Sommer: How specific are venous symptoms for diagnosis of chronic venous disease? In: Phlebology. Band 29, Nr. 9, 2014, S. 580–586.

Auch können Besenreiser und retikuläre Varizen ein erstes Zeichen für das Vorhandensein von größeren Krampfadern bzw. tiefer liegenden Problemen sein. Daher ist eine Untersuchung der Venen mit Hilfe eines Ultraschalls auch bei kleineren Krampfadern ratsam. Die Sklerotherapie von Besenreisern und retikulären Varizen wird auch Mikro-Sklerotherapie oder Feinverödung genanntA. R. Green, B. D. G. Morgan: Sclerotherapy for venous flare. In: Br J Plast Surg. Band 38, 1985, S. 241–242. und so von der Sklerotherapie von größeren Krampfadern abgegrenzt. Der Begriff „Mikro“ bezieht sich auf die Behandlung sehr kleiner Venen mit besonders feinen Nadeln. Je nach Ausprägung der Besenreiser sind eine oder mehrere Sitzungen erforderlich.S. Guggenbichler: Mikrosklerotherapie bei retikulären Varizen und Besenreisern-Tipps und Tricks. In: Vasomed. Band 27, Nr. 1, 2015, S. 29–30. Die Sklerotherapie wird ambulant durchgeführt, ist schmerzarm und kommt ohne Hautschnitte aus. Eine Narkose oder lokale Betäubung ist nicht nötig.

Größere Krampfadern Im Gegensatz zu Besenreisern besteht bei größeren Krampfadern aus medizinischer Sicht Behandlungsbedarf, da diese unbehandelt schwere Folgeerkrankungen bis hin zu Thrombosen oder offenen Beinen (Ulcus cruris) verursachen können. Beschwerden bei Krampfadern können neben dem gestörten ästhetischen Empfinden auch schwere und müde Beine, Spannungsgefühle, Kribbeln, Schmerzen in der Ruhe, Krämpfe, Juckreiz, aber auch Wassereinlagerungen (Ödeme) in der Knöchelgegend und Hautentzündungen sein.

Größere Krampfadern gehen überwiegend von funktionsuntüchtigen Perforansvenen, Seitenästen oder Stammvenen aus. Die Krampfadern entstehen durch den lokalen Rückfluss und das Versacken von Blut in den Beinvenen entsprechend der Schwerkraft. Ursachen für den Blutrückfluss stellen nicht mehr gut schließende Venenklappen und der vergrößerte Durchmesser der durch den Blutstau erweiterten Venen dar. Bei größeren Krampfadern kann die Sklerotherapie alternativ oder ergänzend zu einer Krampfader-Operation oder zu den thermischen Verfahren herangezogen werden. Die Sklerotherapie kommt ohne Hautschnitte, Narkose oder Betäubung aus. Im Gegensatz zu den thermischen Verfahren ist somit auch keine Tumeszenzanästhesie notwendig. Nach der Behandlung ist man sofort wieder arbeitsfähig und normal belastbar.

Bisher kann keine Therapiemethode die Krampfadererkrankung für immer heilen. Daher können sich trotz erfolgreicher Therapie wieder erneut Krampfadern bilden und weitere Behandlungen notwendig machen. Der Vorteil der Sklerotherapie ist, dass sie problemlos beliebig oft wiederholbar ist. Häufig wird bei größeren Krampfadern das Skleroserierungsmittel als Schaum angewendet,F. X. Breu, S. Guggenbichler, J. C. Wollmann: 2nd european consensus meeting on foam sclerotherapy 2006. In: VASA. Band 37, Nr. 71, 2008, S. 1–29. der immer direkt vor der Therapie aus flüssigem Sklerosierungsmittel und einem Spritzensystem hergestellt wird (siehe Schaum-Sklerotherapie).

Hämorrhoidalleiden