Die Maku wohnen im Nordwesten Brasiliens und im Südosten Kolumbiens. Sie sind Jäger und Sammler. Sie unterteilen sich in sechs verschiedene Gruppen, jede mit ihrem eigenen Gebiet und ihrer eigenen Sprache.

Name Es gibt keine Eigenbezeichnung, die von allen Makugruppen verwendet wird. Jede der sechs verschiedenen Sprachgruppen hat ihre eigene Selbstbezeichnung. Die Bezeichnung Maku ist arawakischen Ursprungs und bedeutet Sklave oder Wilder. Sie wird wegen ihrer offensichtlich herabsetzenden Bedeutung von allen Makugruppen abgelehnt, hat sich aber in der ethnografischen Literatur fest etabliert, zumal es keine andere Bezeichnung gibt, die die verschiedenen Gruppen umfasst.

Selbstbezeichnung Andere Namen Gebiet (Zu lesen: Zwischen den Flüssen …) Nukak Maku Guaviare und Inírida, in Kolumbien Bara, Kakwa Maku, Pohsá, Boroa, Wirapoyá Vaupés und Papuri, in Kolumbien Hupda Maku, Pohsá, Peoná, Wirapoyá Papuri und Tiquiê, in Brasilien und Kolumbien Yuhupde Maku, Pohsá, Peoná, Wirapoyá Tiquiê und Rio Traíra, in Brasilien und Kolumbien Dow Maku, Kamã Curicuriari und Negro, in Brasilien Nadöb, Kabori Maku, Guariba Tapuya, Xiruai Negro und Japurá, in Brasilien

Mit Ausnahme der Bara, die häufiger den Ausdruck Bara anstelle von Kakwa („Menschen“) als Selbstbezeichnung benutzen, und der Kabori, eine Untergruppe der Nadub, die sich selbst Kabori („Kinder“) nennen, benutzen alle anderen Maku den Ausdruck „Menschen“ in ihrer jeweiligen Sprache als Selbstbezeichnung.

Die Bezeichnungen Boroa und Pohsá bedeuten Sklaven in den Tucano-Sprachen Dahséa and Cubeo. Der Ausdruck Peoná, ebenfalls aus dem Tukano, bedeutet Herren der Wege, eine Anspielung auf die Tatsache, dass die Maku nicht per Kanu reisen, wie alle anderen Indianer dieser Gegend, sondern zu Fuß entlang Wegen. Mit dem Ausdruck Wirapoyá bezeichnen die Desana, eine Untergruppe der Tukano, die Maku in ihrer Nachbarschaft. Er bedeutet „verdorbener Desana“. Die Herkunft des Wortes Kamã ist unbekannt; es hat ebenfalls eine herabsetzende Bedeutung. Die Bezeichnung Guariba (deutsch: Brüllaffe) wird von den nichtindigenen Bewohnern des Gebiets der Nadub benutzt, in Anlehnung an den Aberglauben, dass jene Waldbewohner Nachkommen des Brüllaffen seien. Das Nheengatu-Wort Xiruai (deutsch: Schwager) ist eine freundschaftliche Bezeichnung mit der dieselben Bewohner die Nadub bezeichnen.

Infolge des Einflusses der regionalen Indianer-Bewegung des Rio Negro ab der Mitte der 1980er Jahre werden die diskriminierenden Bezeichnungen (Boroa, Pohsá, Wirapoyá, Kamã, Guariba und auch Maku) zunehmend ungebräuchlich – aber bisher hat sich noch kein allgemeiner und neutraler Ausdruck gefunden.

Sprache Die sechs Maku-Sprachen sind untereinander verwandt und bilden zusammen eine Sprachfamilie. Abgesehen von ein paar Lehnwörtern sind diese Sprachen vollkommen verschieden von den Tucano-Sprachen und Arawak-Sprachen.

Praktisch alle Maku sprechen ihre eigene Heimatsprache. Die Maku im Vaupésgebiet (Bara, Hupda und Yuhupde) sprechen wegen ihrer Nähe zu den Tukano auch Tukano-Sprachen. Da die Tukano als Mittelsleute im Kontakt mit den Weißen agieren, sind sie eine Art Barriere der kulturellen Anpassung der Maku, so dass nur ungefähr 20 % der Maku des Vaupés spanisch oder portugiesisch sprechen können. Die Nukak, die erstmals im Jahre 1988 kontaktiert wurden, sprechen nur wenig Spanisch oder irgendeine andere fremde Sprache. Die Duw und Nadub, die ihren Erstkontakt mit Weißen bereits im 18. Jahrhundert hatten und nicht die Tukano-Barriere in ihrer Nachbarschaft haben, können gut portugiesisch und nheengatu (die Verkehrssprache der Flussbewohner des mittleren und unteren Rio Negro) sprechen.

Bis heute haben Sprachwissenschaftler nicht genügend Material zusammengetragen, um darauf eine zweisprachige Erziehung aufbauen zu können, was von den Maku immer dringender gefordert wird, in berechtigter Reaktion auf die Hegemonie der Dahséa-Sprache (Tukano) in den regionalen Schulen, die von den Distrikten unterhalten und von katholischen Salesianer-Missionaren geleitet werden.

Lebensraum Das Gebiet, auf das sich ihre Bevölkerung verteilt, ist im Nordwesten begrenzt vom Río Guaviare (ein Nebenfluss des Orinoco), im Norden vom Rio Negro, im Süden vom Rio Japurá und im Südosten vom Uneiuxi (ein Nebenfluss des Rio Negro). Es umfasst 20 Millionen ha. Da dieses riesige Gebiet überwiegend aus verkrüppeltem Wald und Buschland mit extrem nährstoffarmem Boden, geringer Pflanzenvielfalt und wenigen Wildtieren besteht, sind die sechs Sprachgruppen der Maku in hohem Maße in diesem weiten Gebiet zerstreut. Sie besiedeln genau die Orte, an denen das Wild zahlreicher und die Pflanzenvielfalt größer ist.

Die menschliche Besiedlung des Gebiets in präkolumbianischer Zeit erfolgte wahrscheinlich in zwei Etappen: Zuerst besiedelten die Maku das Festland zwischen den Flüssen; danach kamen die Arawak und die Tukano, die sich an den Steilufern der Flüsse niederließen, mitten im Igapó, einer Flussuferlandschaft, die regelmäßig während der Regenzeit von April bis September überschwemmt wird. Der schon ziemlich alte Kontakt zwischen diesen Völkern unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlicher Sprachen, die jedes unterschiedliche Nischen ihrer Umwelt besetzten, resultierte in einem komplexen System kommerziellen und symbolischen Tauschhandels.

Auf brasilianischer Seite leben sie in mehreren zusammenhängenden Indianergebieten. Die brasilianischen Maku-Gruppen (Hupda, Yuhupde, Dow und Nadöb) verteilen sich zumeist auf die zwischen den Flüssen liegenden Gebiete dieses Areals.

Bevölkerung Da sich die ungefähr 3000 Maku auf ein riesiges, binationales Territorium verteilen und sich im schwer zugänglichen Dschungel zwischen den Wasserstraßen aufhalten, ist es schwierig, die Gesamtbevölkerungszahl zu ermitteln. Selbstbezeichnung Bevölkerung Jahr Quelle Nukak 378 1995 Franky et al. (1995) Bara, Kakwa 300 1969 Silverwood-Cope (1990) Hupda 1500 1997 Pozzobon (1997b) Yuhupde 370 1997 Pozzobon (1997c) Dow 78 1994 Oliveira, Meira and Pozzobon (1994) Nadöb, Kabori ≈600 1995 ISA (1996) Total ≈3226

Geschichte des Kontakts Die Kargheit der vorherrschenden Buschlandschaft und der reißende Charakter der Flüsse behinderten die Ausbreitung portugiesischer und spanischer Pionierfronten, die sich schon im 17. Jahrhundert um diese Region stritten und an einigen Punkten des Rio Negro Militärlager errichteten, von wo gefangene Ureinwohner flussabwärts in die entstehenden urbanen Zentren (Barcelos, Manaus und Belém) transportiert wurden.

Ab dem 18. Jahrhundert verstärkten sich diese Transporte derart, dass sogar einige Mitglieder der Maku in ihren versteckten Gebieten zwischen den Flüssen gefangen und versklavt wurden. Aber die Analyse von Dokumenten aus der Kolonialzeit zeigt, dass sie unter den Eingeborenen der Region am wenigsten von der Sklaverei und von den Gewalttaten betroffen waren, die aus dem Kautschukboom am Ende des darauffolgenden Jahrhunderts resultierten. Der Kautschukboom war möglicherweise ein Anlass für die Maku, sich auch landwirtschaftlich zu betätigen. Um der Gefangennahme durch Kautschukarbeiter zu entgehen, flohen die Tukano in die Gebiete zwischen den Flüssen und lebten eine Zeitlang enger mit den Maku zusammen. Von ihnen lernten die Maku den Anbau von Maniok und übernahmen auch eine Reihe von weiteren Elementen ihrer materiellen und geistigen Kultur.

Im Jahre 1914, inmitten der durch das Ende des Kautschukbooms ausgelösten Periode wirtschaftlicher Stagnation, begannen Missionare der katholischen Ordensgemeinschaft der Salesianer ihre Tätigkeit der Erziehung in dem Gebiet. Sie bekamen Zulauf von allen Flussindianern auf brasilianischer Seite, trafen aber bei den Maku auf großen Widerstand, da die sich weigerten, ihre Kinder in die Internate der Missionszentren zu schicken. In den 1970er Jahren machten die Salesianer ein paar Experimente mit Missionsdörfern ausschließlich für Maku. Die Goldsucherei, die sich in der Region Mitte der 1980er bis Anfang der 1990er Jahre ausbreitete, bis es der Indianerbewegung mit Unterstützung der Staatsanwaltschaft und der Bundespolizei gelang, die Eindringlinge hinauszuwerfen, hatte wenig Einfluss auf die Maku, da die Goldsucher ihrer Tätigkeit meistens in der Nähe von Flussufern nachgingen. Die einzige Goldmine auf dem Festland, im äußersten Süden des Indianergebiets Alto Rio Negro, wurde schon 1986 von dem Minenunternehmen Paranapanema wegen zu geringer Produktivität wieder eingestellt. Mit dem Erstarken der Indianerbewegung Anfang der 1990er Jahre wurde das Gold nur noch ausschließlich von Indianern ausgebeutet.

Gesellschaftliche Organisation Die traditionellen Maku-Dörfer hatten eine Bevölkerung von 25 bis 30 Personen – ungefähr sechs Haushaltsgemeinschaften. Ein Maku-Haushalt besteht aus dem Ehemann, der Ehefrau oder Ehefrauen, unverheirateten Kindern und eventuell weiteren nahen Verwandten, Witwer oder unverheiratete Erwachsene. Im Allgemeinen besitzt jeder Haushalt seine eigene Feuerstelle, um die sich die Mitglieder zum Schlafen und zum Essen versammeln. Die Behausung besteht aus wandlosen Hütten, die zwischen einer und vier engverwandten Haushaltsgruppen Schutz bieten können. Ein Dorf mit 25 Bewohnern hat gewöhnlich drei solcher Schutzhütten. Diese befinden sich auf einer Lichtung, einem Hügel, in der Nähe eines kleinen Flüsschens oder Baches. Die Felder liegen rund um die Häuser oder befinden sich in nahegelegenen Lichtungen (zwischen 5 und 60 Minuten Fußweg). Oft sind sie auf ehemaligen Dorflichtungen angelegt. Jeder Haushalt besitzt durchschnittlich zwei Felder von 50 × 50 Metern Fläche, stets auf Lichtungen der Allgemeinheit.

Eine Gruppe von benachbarten Dörfern, die zwischen einer Stunde und einem Tag zu Fuß voneinander entfernt liegen, bildet eine regionale Gruppe. In der Regel spricht jede regionale Gruppe einen eigenen Dialekt derselben Sprache. Somit unterteilt sich jede Maku-Sprachgruppe in mindestens zwei regionale Dialektgruppen. Zum Beispiel haben die Hupdu drei regionale Gruppen (drei Dialekte), die voneinander durch navigierbare Wasserläufe getrennt sind, deren Ufer von Flussindianern besiedelt sind. Die erwachsenen Mitglieder derselben regionalen Dialektgruppe kennen sich alle untereinander beim Namen und ihre Verwandtschaftsbeziehungen. Hingegen haben sie nur geringe Kenntnisse über Nachbarn, die andere Dialekte sprechen und mit denen sie keine nachweislichen verwandtschaftlichen Beziehungen haben. Die regionale Dialektgruppe hat einen stark endogamen Zusammenhang. Die durchschnittliche Zahl von endogamen Eheschließungen, das heißt zwischen Personen, die in derselben regionalen Gruppe geboren sind, beträgt 80 %. Die durchschnittliche Größe einer regionalen Gruppe im brasilianischen Gebiet des Río Vaupés beträgt 260 Personen – etwa zehn benachbarte Dörfer.

Das Territorium einer regionalen Dialektgruppe ergibt sich aus den verschiedenen aneinander angrenzenden Jagdterritorien, die jedes rund um ein Dorf gelegen sind. Die Männer eines Dorfes von 25 bis 30 Einwohnern jagen gewöhnlich innerhalb eines Radius von sieben bis zehn Kilometern um das Dorf herum. Vom Dorf aus führt eine Reihe von Wegen in alle Richtungen – einige verbinden verschiedene Maku-Dörfer miteinander, andere führen zu Dörfern von Flussindianern, und wieder andere führen zu Jagdlagern. Jedes Dorf besitzt im Durchschnitt acht Jagdlager in einem Radius von sieben bis zehn Kilometer Entfernung. Wenn ein Dorf die Grenze von 30 oder 40 Einwohnern übersteigt, dann teilt es sich in zwei oder mehr Dorfgemeinschaften, da die Jäger in einem großen Dorf gezwungen sind, sich weiter als zehn Kilometer zu entfernen, um genügend Wild zu finden. Das übermäßig lange Fortbestehen eines Dorfes auf einem Platz (zirka fünf Jahre) ist ebenfalls ein Motiv für seine Verlegung, um den Aktionsradius der Jäger zu verlagern und neue Jagdgebiete zu erschließen.

Das tägliche Leben in einem Maku-Dorf