Das Funkhaus Nalepastraße ist ein zum Teil denkmalgeschützter Gebäudekomplex im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick (Ortsteil Oberschöneweide) und war von 1956 bis 1990 der Sitz des Rundfunks der DDR. Heute ist der Komplex unter dem Namen Funkhaus Berlin als Ort für Kulturveranstaltungen und als Studiostandort bekannt.

Geschichte Rundfunk in Berlin nach 1945 Der Sitz der deutschen Hörfunk-Programme in Berlin im Haus des Rundfunks in der Masurenallee hatte den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden. Nach der Einnahme Großberlins durch sowjetische Truppen im April 1945 begann die Sowjetische Militäradministration in Deutschland am 13. Mai 1945 von hier aus die Wiederaufnahme eines Hörfunkprogramms. Für seine politische Ausrichtung sorgten Angehörige der KPD/SED. Nach den Beschlüssen der Potsdamer Konferenz im Juli/August 1945 gehörte das in Charlottenburg befindliche Rundfunk-Gebäude in der nunmehr geteilten Viersektorenstadt Berlin schließlich zum britischen Sektor.

Im inzwischen geteilten Berlin riegelte am 3. Juni 1952 die britische Besatzungsmacht angesichts der Besetzung bzw. Absperrung der West-Berliner Exklaven durch Sowjettruppen und die Volkspolizei das Gebäude ab, woraufhin der Sender in den sowjetischen Sektor umzog.Hans Joachim Reichhardt (Hrsg.): Berlin. Chronik der Jahre 1951–1954. Herausgegeben im Auftrage des Senats von Berlin. Bearbeitet durch Hans J. Reichhardt, Joachim Drogman (1951/52) und Hanns U. Treutler (1953/54). Heinz Spitzing, Berlin 1968, S. 380.

Moderner Sende- und Produktionskomplex für die DDR-Radioprogramme Nach der zwischenzeitlichen Nutzung eines Wassersport-Klubs in Grünau als provisorisches Funkhaus Grünau wurde ab Sommer 1951 ein durch Demontage leerstehendes Gebäude einer früheren Sperrholzfabrik in der Nalepastraße zu einem Funkhaus ausgebaut. Ein Jahr später war der Umbau (Block A genannt) so weit vorangeschritten, dass aus vier Sendestudios und weiteren Aufnahmeräumen sowie dem notwendigen Schaltraum ab 12./13. September 1952 der volle Sendebetrieb für die zentralen Rundfunkprogramme der DDR aufgenommen werden konnte.

Im Sommer 1952 begann auf dem 135.000 m² großen Gelände nahe der Spree im Ortsteil Oberschöneweide der Bau eines kompletten neuen Sendehauses mit Musik-Aufnahmestudios und einem großen Sendesaal. Für den Bau lieferte unter anderem der Architekt Franz Ehrlich die Pläne. Der Neubau erhielt die Bezeichnung Block B, in seinem Foyer wurden auch Marmor­platten aus der Neuen Reichskanzlei verlegt. 1960 begann der Bau von Block E, der insbesondere durch den fünfgeschossigen Skelettbau (E-R) von der Rummelsburger Landstraße weithin sichtbar ist. Das wurde das Große Sendezentrum.Wohnen statt senden. Berliner Zeitung, 27. Februar 2025, S. 8. Dahinterliegend erstreckt sich ein weit gefächerter Flachbau, Block E-T. Das T steht hier für Technik, denn von diesem Gebäudeteil sendeten nunmehr sämtliche überregionalen Radioprogramme der DDR. Für die Konzeption dieser Aufnahme- und Sendestudios wurden ausgewählte Akustikexperten hinzugezogen und es entstand ein Gebäudekomplex, der für seine Zwecke optimal gebaut wurde. Die Sprecherräume wurden beispielsweise zweischalig gebaut, selbst die Fundamente sind durch  cm starke Piathermplatten entkoppelt. Auch der größte Schaltraum Europas befand sich nun hier. Seit der Fertigstellung Anfang der 1960er und noch heute gelten die Sendestudios als State of the Art. Später folgten noch etliche Dienstleistungseinrichtungen auf dem Gelände.Karin Schmidl: Neues Tempo im alten Funkhaus. In: Berliner Zeitung, 6. Juli 2015, S. 16.

mini|Funkhaus Nalepastraße, 1970 Am 16. Februar 1955 kam es im Block B kurz vor dessen Fertigstellung durch unsachgemäße Baustellenbeleuchtung und Mängel beim Brandschutz zu einem Großbrand, der den Abschluss der Bauarbeiten in diesem Gebäudeteil um ein Jahr verzögerte. Die DDR-Presse unterstellte Brandstiftung durch „Feinde des Friedens“.Berliner Zeitung, 13. Mai 1955, S. 2.

Alle überregionalen Radiosender der DDR – beispielsweise der Deutschlandsender, Radio Berlin International, der Berliner Rundfunk, Radio DDR I und Radio DDR II, und später auch Stimme der DDR und DT64 – produzierten und sendeten nun von hier aus. In den verschiedenen Studios und Aufnahmesälen und in dem mit sehr guter Akustik ausgestatteten großen Saal 1 wurden Sendungen produziert, über 6000 Hörspiele aufgenommen Die ARD-Hörspieldatenbank verzeichnet 6.580 vom Rundfunk der DDR produzierte Hörspiele, Kinderhörspiele, Kriminalhörspiele etc., die im Deutschen Rundfunkarchiv archiviert vorliegen. und von 320 Musikern und 85 Choristen in vier Orchestern Konzerte bzw. Musikaufnahmen eingespielt.Rundfunk-Sinfonieorchester und Rundfunkchor Berlin, Großes Rundfunk-Orchester Berlin, Rundfunktanzorchester sowie Rundfunk-Tanzstreichorchester Berlin; siehe Ensembles der DDR 1989/90, Hg. Direktion für Theater und Orchester beim Ministerium für Kultur Über 2500 Personen (Journalisten, Redakteure, Orchestermusiker, Chorsänger, Studiotechniker, Mitarbeiter der Versorgungs- und Verwaltungsbereiche) arbeiteten in den 1970er Jahren jeweils dreischichtig in der Nalepastraße und verfügten vor Ort über das Dienstleistungsangebot einer kleinen Stadt. Dazu gehörten auch Service- und Versorgungseinrichtungen wie Kantinen, Veranstaltungsräume, eine Poliklinik, ein Betriebskindergarten, eine Buchhandlung, Lebensmittel-Verkaufsstelle, Eisdiele, Zahnarzt, Friseur, Sparkassenfiliale, Theaterkasse, Turnhalle und eine Sauna – zusammengefasst als Block C. Im Block A befanden sich seit Inbetriebnahme des neuen Funkhauses (Block B) Bibliothek, Schallarchiv, zentrale Musikkartei, das DDR-Rundfunk-Komitee, die Leitung des Hauses und einige kleine Vorproduktions-Studios.

Nach der deutschen Wiedervereinigung wurden die Rundfunkprogramme von der Einrichtung nach Art. 36 Einigungsvertrag bis 31. Dezember 1991 fortgeführt und an diesem Tag um 24 Uhr eingestellt. Die neuen öffentlich-rechtlichen Landesrundfunkanstalten MDR, NDR, ORB und SFB für (Ost-)Berlin begannen um 0 Uhr zu senden.

Das Funkhaus von 1990 bis 1993 Mit dem endgültigen Auszug der Redaktionen und technischen Dienste zum 31. Dezember 1991 begann eine wechselvolle Geschichte um eine ungewöhnliche Immobilie. Das Haus diente auch noch danach als zeitweiliger Standort einiger Radioprogramme. Der neu gegründete Ostdeutsche Rundfunk Brandenburg (ORB) produzierte hier zunächst die Programme Radio Brandenburg und Rockradio B, bis sie Mitte 1993 in Studios am Sitz in Potsdam-Babelsberg zogen. Das aus einer Kooperation vom Sender Freies Berlin (SFB) und dem ORB hervorgegangene öffentlich-rechtliche Jugendradio Fritz erlebte vom Programmstart im März 1993 bis zum Umzug nach Babelsberg am Jahresende ebenfalls hier seine ersten Stunden. Außerdem produzierte der Berliner Rundfunk 91.4 seit 1. Januar 1992 als Privatsender zunächst weiter im Funkhaus sein Programm. Das Jugendradio DT64, bzw. ab 1. Mai 1993 MDR Sputnik, wurde vom Mitteldeutschen Rundfunk übernommen und bis zum Umzug nach Halle im November 1993 weiterhin hier produziert.

Nach der politischen Wende in der DDR saßen vom 16. Juni 1990 bis zum 31. Dezember 1993 die Redaktionen von DS Kultur im Funkhaus in der Nalepastraße.

Wiederentdeckung eines verloren geglaubten Instruments mini|Das Subharchord II/III aus dem Funkhaus mit dem Entdecker M. Miersch

In der Abstellkammer eines Tonstudios des Funkhauses gelang dem Klangkünstler und Musikhistoriker Manfred Miersch nach längerer Recherche im April 2003 die Auffindung eines der verschollen geglaubten elektronischen Instrumente mit dem Namen Subharchord.Bodo Mrozek: Genosse Techno. In: Der Tagesspiegel, 24. Juli 2005. Das Subharchord wurde in dem 1956 von Gerhard Steinke gegründeten Studio für elektronische Grenzgebiete und in den 1960er Jahren von Ernst Schreiber entwickelt und in mehreren Variationen gebaut. Es war eine Parallelentwicklung zu den modularen Synthesizern in den USA Mitte der 1960er Jahre – war jedoch in Technik und Klangerzeugung prinzipiell anders angelegt. Das Subharchord fiel durch die generelle Ablehnung experimenteller Musik durch die DDR-Kulturpolitik 1970 „in Ungnade“. Das bedeutete auch das Ende für das seit den 1960er Jahren im Funkhaus angesiedelte Studio für Elektronische Klangerzeugung. Die Entwicklung war gestoppt und auch das Instrument geriet in Vergessenheit. Heute befindet sich das Funkhaus-Exemplar vollständig renoviert und bespielbar im Technikmuseum Berlin.

Neue Nutzung von Block E: Wohnen und Kultur Das ehemalige große Sendezentrum wird nach den Planungen des Betreibers ab dem Jahr 2025 unter dem Projektnamen Funkytown aufgewertet zu einem Komplex für Kunst, Bildung, Kultur, Gastronomie, soziale Einrichtungen und Wohnen. Zusätzlich zu dem zuletzt vom Jugendsender DT64 genutzten Gebäude werden sieben weitere Häuser (Stations) errichtet. Die Bauplanungen hat das Büro KDSP Engel übernommen, das mit Julian Breinersdorfer Architekten, Graft Gesellschaft von Architekten, Grüntuch Ernst Architekten, Hillig Architekten, LAVA, LXSY sowie Tschoban Voss Architekten eng zusammenarbeitet. Es soll nachhaltige und funktionale Architektur entstehen. Die Vermietung hat bereits begonnen (Stand Ende Februar 2025) und führte dazu, dass drei Gebäude Beherbergungseinrichtungen bieten werden: die Leonardo Hotels werden ein Hotel mit 225 Zimmern unter dem Namen NYX eröffnen, The Base Berlin plant 157 Wohneinheiten mit Gemeinschaftsflächen und Nena Hospitality sieht eine Unterkunft für Jugendliche mit 588 Betten vor. Zur Verbesserung der verkehrlichen Anbindung wird ein privater Shuttle-Bus für alle Mieter in Funkytown eingerichtet, der Verbindungen zum Bahnhof Berlin Ostkreuz und zum Ostbahnhof bereitstellt. Langfristig gibt es bereits ein kommunales Entwicklungsprojekt, an dem der Senat von Berlin sowie die Bezirke Lichtenberg und Treptow-Köpenick beteiligt sind. Das zielt auf die Aufwertung der Uferflächen zwischen Rummelsburger See und Oberschöneweide und soll den neuen Standort anziehend machen.

Architektur mini|Blick auf die Bühne des Großen Aufnahmesaals 1, im Hintergrund die Orgel mini|Blick in den Zuschauerraum des Großen Aufnahmesaals 1

Entsprechend der Nutzung wurde der denkmalgeschützte Teil des Funkhauses in vier funktional getrennte Gebäudeteile untergliedert, die durch brückenartige, säulengetragene Übergänge miteinander verbunden sind. Im monumentalen Hauptgebäude mit dem dominanten, neungeschossigen Turmhaus entstanden zahlreiche Büros für die Redakteure und die Verwaltung sowie Aufnahmestudios für Radiosendungen. Das bogenförmige Studiogebäude wurde für eine einzigartige Akustik nach dem Haus-in-Haus-Prinzip gebaut und umfasst mehrere Aufnahme- und Hörspielstudios sowie den Großen Aufnahmesaal 1. Ehrlich baute zusätzlich ein großes Mehrzweckgebäude mit einer Kantine und einem zweigeschossigen Veranstaltungssaal sowie eine große Halle mit Sheddach, das eine optimale Ausleuchtung mit Tageslicht ermöglichte. Gemeinsam mit dem Werksgarten steht das Gebäudeensemble seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts unter Denkmalschutz.

Der Betonskelettbau der ehemaligen Furnierfabrik erhielt eine neue Fassade aus rotem Klinkermauerwerk, die Franz Ehrlich durch Lisenen aus Sandstein vertikal gliederte. Diese haben keine konstruktive Funktion, verleihen dem Gebäude aber einen klaren und monumentalen Charakter, der durch den elegant schwebenden Dachabschluss eine gewisse Leichtigkeit erfährt.