Die Pazifische Hurrikansaison 2006 begann offiziell am 15. Mai und endete am 30. November. Innerhalb dieser Periode bilden sich die meisten Tropischen Stürme, da nur zu dieser Zeit geeignete Bedingungen, wie etwa ein warmer Ozean, feuchte Luft und wenig Windscherung, existieren, um die Bildung von Tropischen Wirbelstürmen zu ermöglichen. Alle Stürme, die sich nördlich des Äquators und östlich von 180°W bilden gehören zu diesem Becken. Stürme, die sich weiter westlich bilden werden nicht mehr Hurrikane, sondern Taifune genannt.

Saisonüberblick

Obwohl das pazifische Hurrikanbasin, nach dem Westpazifik, das zweitaktivste Basin der Welt ist, bedrohen die meisten Stürme kein Land, da sie meistens auf den offenen Ozean heraussteuern. Nur wenige Stürme machen eine Kurve nach Osten oder Nordosten und bedrohen dann vor allem die mexikanische Küste.

Dieses Jahr bedrohten ungewöhnlich viele Stürme das Festland. Bereits der erste Sturm der Saison, Aletta, formte sich ungewöhnlich nahe dem Festland und bedrohte kurz die mexikanische Küste, bevor er nach Westen abdrehte. Aletta brachte heftige Regenfälle nach Mexiko, jedoch wurden weder Überschwemmungen, Schäden noch Todesfälle gemeldet.

Das tropische Tiefdruckgebiet Zwei-E löste sich knapp vor der mexikanischen Küste auf und verursachte dort, durch heftigen Regen, zahlreiche Schlammlawinen und Überflutungen.

Hurrikan Ioke, der stärkste bis jetzt beobachtete zentralpazifische Sturm, verursachte teils schwere Schäden auf dem Johnston-Atoll, sowie auf Wake, dennoch gab es keine Verletzten.

mini|Hurrikan John vor der Küste Niederkaliforniens Hurrikan John war der erste Sturm der Saison, der auf das Festland in Mexiko traf. Der Sturm erreichte die Südspitze der Halbinsel Niederkalifornien als Hurrikan der Kategorie 2 und verursachte dort schwere Schäden von $60,8 Millionen Dollar und tötete 6 Menschen.

mini|links|Lane kurz vor Landfall Der zweite Sturm, der als Hurrikan über Land gelangte, war Hurrikan Lane. Er kreuzte die Küste zum Zeitpunkt seiner größten Intensität als schwerer Hurrikan der Kategorie 3 in Sinaloa. Die Schäden beliefen sich auf $110 Millionen Dollar, vier Menschen starben durch Lane.

Das tropische Tiefdruckgebiet Norman bedrohte die Küste von Manzanillo, doch gelangte dort jedoch nicht an Land, sondern löste sich knapp vor der Küste auf. Das System verursachte dort schwere Regenschauer.

Der dritte und letzte Landfall eines Sturmes in dieser Saison trat durch das tropische Tiefdruckgebiet Paul ein. Schwere Regenfälle und hohe Wellen töteten vier Menschen, verursachten aber nur leichte Schäden.

Vorhersagen Quelle Datum BenannteStürme Hurrikans StarkeHurrikansNOAADurchschnitt15.38.84.2NOAA22. Mai 200612–166–81–3Tatsächliche Aktivität 18 10 5

Am 22. Mai 2006 gab die NOAA ihre Vorhersagen für die Hurrikansaisonen im Atlantik, Ostpazifik, sowie Zentralpazifik bekannt. In dieser postulierten sie eine leicht unterdurchschnittliche Saison für den Ostpazifikraum mit zwölf bis sechzehn Stürmen, von denen sechs bis acht Hurrikane und eins bis drei schwere Hurrikane werden sollten. Im Zentralpazifik wurden zwei bis drei Stürme erwartet, die entweder in dieses Becken wanderten oder sich dort formten. Diese Aussagen basierten sie auf einen Zirkel von allgemein unterdurchschnittlicher Aktivität während der letzten 10 Jahren. Die Experten erwarteten, dass weder El Niño oder La Niña die Saison beeinflussen würden.

Stürme Tropischer Sturm Aletta

Am 23. Mai, nur acht Tage nach dem Beginn der Saison wurde eine Störung, südsüdwestlich von Acapulco entdeckt. Die Störung begann sich zu organisieren und wurde am Morgen des 27. Mai als erstes tropisches Tiefdruckgebiet der Saison klassifiziert. Später an diesem Tag verstärkte es sich zum tropischen Sturm Aletta. Aletta intensivierte sich zu einem tropischen Sturm mit Windgeschwindigkeiten von 70 km/h, während sie sich auf die Küste von Guerrero zubewegte. Doch später drehte der Sturm in Richtung Westen ab und begann sich stetig abzuschwächen, um sich am 31. Mai aufzulösen. Trotz heftiger Regenfälle in Mexiko wurden weder Schäden, noch Überflutungen gemeldet.

NHC-Archiv zu Tropischer Sturm Aletta (englisch) Tropical Cyclone Report zu Tropischer Sturm Aletta (PDF; 127 kB, englisch)

Tropisches Tiefdruckgebiet Zwei-E

Am 1. Juni entwickelte sich eine tropische Störung, ungefähr an derselben Stelle wie Aletta zuvor. Hohe Windscherung verlangsamte die Entwicklung des Systems, trotzdem konnte es am 3. Juni genug Konvektion und Organisation erlangen, um als tropisches Tiefdruckgebiet klassifiziert zu werden. Das Tiefdruckgebiet verstärkte sich auf fast tropische Sturmstärke, als es sich der Küste des südwestlichen Mexikos näherte, aber Scherung blieb über dem System bestehen und es schwächte sich ab, bis es sich am 4. Juni auflöste. Obwohl es kein benanntes System wurde, fielen in Acapulco 250–300 mm Regen auf Grund von Zwei-E.

NHC-Archiv zu Tropisches Tiefdruckgebiet Zwei-E (englisch)

Hurrikan Bud

Nach über einem Monat Inaktivität, begann sich am 10. Juli Ortszeit (11. Juli UTC) eine Störung zu intensivieren, und zum tropischen Tiefdruckgebiet Drei-E aufgestuft. Am 11. Juli, nur sechs Stunden später, verstärkte es sich in den tropischen Sturm Bud. Danach begann sich Bud auf günstigen Bedingungen rasch zu intensivieren. Er entwickelte ein Auge und wurde am Nachmittag des 11. Juli zu einem Hurrikan aufgestuft. Bud intensivierte sich weiter und wurde am 12. Juli zu einem größeren Hurrikan, d. h. ein Hurrikan der Kategorie 3 und stärker. Am 13. Juli erreichte Bud seine Gipfelstärke als ein starker Kategorie-3-Sturm, mit Windgeschwindigkeiten von 205 km/h. Danach bewegte sich Bud über viel kältere Gewässer und schwächte sich schnell ab. Bud degenerierte am 15. Juli zu einem Resttief, ohne jemals Land bedroht zu haben.

NHC-Archiv zu Hurrikan Bud (englisch)

Hurrikan Carlotta

Spät am 11. Juli Ortszeit formte sich 400 km südwestlich von Guerrero das vierte tropische Tiefdruckgebiet der Saison. Das Tief intensivierte sich schnell, und nur sechs Stunden später wurde es zum tropischen Sturm Carlotta aufgestuft. Carlotta verstärkte sich weiter und wurde 24 Stunden später ein Hurrikan. Danach bewegte sich Carlotta über ungünstige Bedingungen und kühles Wasser und wurde am 14. Juli zu einem tropischen Sturm abgestuft. Dennoch konnte sich Carlotta noch einmal kurz auf Hurrikanstärke verstärken, doch schwächte sich später ab und degenerierte am 16. Juli zu einem Resttief.

NHC-Archiv zu Hurrikan Carlotta (englisch)

Hurrikan Daniel

Am 16. Juli formte sich südlich von Niederkalifornien eine tropische Störung und vermehrte seine konvektive Aktivität und Organisation. Das NHC erklärte es daher zu einem tropischen Tiefdruckgebiet. Das Tief organisierte sich weiter und wurde am nächsten Tag zum tropischen Sturm Daniel ernannt. Daniel intensivierte sich weiter und wurde am 18. Juli zu einem Hurrikan aufgestuft. Daniel begann sich rapide zu intensivieren und erreichte den Status eines größeren Hurrikans (Kategorie 3) und schließlich die Kategorie 4 auf der Saffir-Simpson-Hurrikan-Windskala. Nach einigen Zyklen der Eyewall-Neubildung wurde Daniel ein ringförmiger Hurrikan, was ihm erlaubte seine Intensität länger aufrechtzuerhalten, als es ihm die Bedingungen ermöglicht hätten. Daniel überschritt schließlich am 24. Juli die 140° W Linie und ging daher in das Zentralpazifische Basin über. Zuerst wurde damit gerechnet, dass Daniel Hawaii als tropischer Sturm bedrohen könnte, doch begann Daniel sich zu verlangsamen und er blieb über ungünstigen Bedingungen stehen. Am 26. Juli löste sich Daniel auf, als er noch weit von Hawaii entfernt war.

NHC-Archiv zu Hurrikan Daniel (englisch) CPHC-Archiv zu Hurrikan Daniel (englisch)

Tropischer Sturm Emilia

Am 21. Juli formte sich ein tropisches Tiefdruckgebiet und wurde am 22. Juli zum tropischen Sturm Emilia aufgestuft. Zuerst glaubte man, dass Emilia Mexiko bedrohen könnte, doch der Sturm drehte nach Nordwesten ab und bedrohte nun die Halbinsel Niederkalifornien. Emilia brachte der südlichen Spitze von Baja California Sur tropische Sturmwinde, bevor der Sturm nochmals nach Nordwesten abdrehte und über kalten Gewässern schnell schwächer wurde. Zuerst wurde erwartet, dass Emilia Hurrikanstärke erreichen könnte, aber durch die ungünstigen Bedingungen erreichte sie dies nicht. Trotzdem brachte es Emilia auf Windgeschwindigkeiten von 100 km/h.

NHC-Archiv zu Tropischer Sturm Emilia (englisch)

Tropischer Sturm Fabio

Am 29. Juli entstand ein Tiefdruckgebiet aus einer tropischen Welle. Diese tropische Störung entwickelte sich bald weiter, aber es dauerte bis zum 31. Juli, bis die gut organisierte tropische Störung ausreichend Konvektion und Organisation aufweisen konnte, um sie zum tropischen Tiefdruckgebiet 7-E aufzustufen. Das Tiefdruckgebiet organisierte sich weiter und wurde sechs Stunden später zum tropischen Sturm Fabio aufgestuft. Der Sturm bewegte sich nach Westen, über offene Gewässer, und konnte sich aufgrund von Windscherung nicht bedeutend verstärken. Fabio schwächte sich am 2. August zu einem tropischen Tiefdruckgebiet ab, und degenerierte am 3. August zu einem Resttief.

NHC Tropical Cyclone Report zu Tropischer Sturm Fabio (PDF; 184 kB, englisch)

Tropischer Sturm Gilma

Am 31. Juli entstand vor der Küste Zentralamerikas das achte tropische Tiefdruckgebiet der Saison. Das Tiefdruckgebiet konnte sich langsam verstärken und wurde am 1. August zum tropischen Sturm Gilma aufgestuft. Gilma schwächte sich jedoch auf Grund hoher Windscherung und trockener Luft ab und wurde am 2. August, nur achtzehn Stunden nachdem es zu einem tropischen Sturm aufgestuft wurde, wieder zu einem tropischen Tiefdruckgebiet herabgestuft. Gilma löste sich schließlich am 3. August auf, ohne jemals Land bedroht zu haben.

NHC Tropical Cyclone Report zu Tropischer Sturm Wilma (PDF; 148 kB, englisch)

Hurrikan Hector

Am 14. August entwickelte vor der mexikanischen Küste ein Tiefdruckgebiet. Das Tief begann sich zu organisieren und wurde am 15. August zu einem tropischen Tiefdruckgebiet aufgestuft. Das Tief verstärkte sich am 16. August zu einem tropischen Sturm, bevor es sich am 17. August zu einem Hurrikan intensivierte. Das System geriet danach in ein Gebiet mit kälteren Wassertemperaturen und hoher Windscherung und schwächte sich stetig ab, bevor es sich am 22. August auflöste. Hector bedrohte zu keiner Zeit Land.

NHC-Archiv zu Hurrikan Hector (englisch)

Hurrikan/Taifun Ioke

Eine beständige tropische Störung, die in einem Trog eingebettet war, gewann am 19. August Konvektion und entwickelte sich in ein tropisches Tiefdruckgebiet, als es ungefähr 1250 km südlich von Honolulu gelegen war. Das Tiefdruckgebiet verstärkte sich weiter und das Central Pacific Hurricane Center gab dem System den Namen Ioke, dem ersten tropischen Sturm im Zentralpazifik seit 2002. Ioke begann sich schnell zu verstärken und wurde nur 24 Stunden, nachdem es sich gebildet hatte, zu einem Hurrikan aufgestuft. Ioke verstärkte sich weiter und entwickelte sich am 21. August zu einem großen Hurrikan (Kategorie 3+). Später an diesem Tag verstärkte sich Ioke sogar zu einem Kategorie-4-Hurrikan, doch am 22. August begann sich der Sturm abzuschwächen und wurde zu einem Kategorie-2-Sturm herabgestuft. Die östliche Eyewall zog dabei über das unbewohnte Johnston-Atoll an Land und brachte Hurrikanwinde auf die Insel. Am 23. August zog Ioke wieder über zunehmend wärmere Gewässer und der Sturm konnte sich zum zweiten Mal in einen großen Hurrikan verstärken.

Zwölf Menschen an Bord eines USAF-Schiffs mussten aufgrund des nahenden Hurrikans ihr Schiff verlassen und in einen hurrikansicheren Bunker auf dem Johnston-Atoll Unterschlupf suchen. Sie überstanden den Sturm unbeschadet und ein Aufklärungsflugzeug berichtete nur leichte Schäden auf der Insel.