Als intentio operis wird die genuine Absicht eines Textes bezeichnet. Die intentio operis wird unterschieden von der intentio auctoris – der dem Verfasser eines Textes unterstellten Absicht – und der intentio lectoris – der Absicht des jeweiligen Lesers.
Ein Text kann – etwa durch stilistische Schwächen – die Aussageabsicht seines Verfassers desavouieren; er kann aber auch, insbesondere im Bereich der Literatur ist dies der Fall, tatsächlich programmatisch Spracharbeit sein, die von den Meinungen des Autors abweichen soll. , heißt es in der Literaturtheorie.
Im Text kann schließlich auch der Eigenwille der Schrift begründet sein, nicht auf eine intentio operis zu zielen, sondern auf die Verhandelbarkeit jeder Intention; dies hat der Wiener Germanist Martin A. Hainz als intentio scripturaeMartin A. Hainz: Intentio scripturae? Zu Offenbarung und Schrift, bei Klopstock sowie in Derridas Kafka-Lektüre. In: Trans. Internet-Zeitschrift für Kulturwissenschaften. Nr. 16/2005, abgerufen am 18. Juni 2012. bezeichnet. Der Begriff soll dem von Jacques Derrida formulierten Sachverhalt Rechnung tragen, dass Schrift Temporalisation und Mittelbarkeit zeitigt, Lektüre also immer auch Intervention – mit Derrida: , mit Walter Benjamin: – bedeutet:
Literatur
Jacques Derrida: Die Schrift und die Differenz. Aus dem Französischen von Rodolphe Gasché. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1972, ISBN 3-518-57341-1 (stw 177). Jacques Derrida: Grammatologie. Aus dem Französischen von Hans-Jörg Rheinberger und Hanns Zischler. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1983 [Paris 1967], ISBN 3-518-28017-1 (stw 417). Jacques Derrida: Préjuges. Vor dem Gesetz. Aus dem Französischen von Detlef Otto und Axel Witte. Wien: Passagen, 1992 (Edition Passagen 34). Martin A. Hainz: Intentio scripturae? Zu Offenbarung und Schrift, bei Klopstock sowie in Derridas Kafka-Lektüre. In: Trans. Internet-Zeitschrift für Kulturwissenschaften. Nr. 16/2005.
Einzelnachweise
Kategorie:Sprachphilosophie Kategorie:Literaturwissenschaft