mini|Buch über die Geschichte der Stadt Duisburg

Die Geschichte der Stadt Duisburg umfasst die Entwicklungen auf dem heutigen Gebiet der Stadt Duisburg von der ersten Besiedlung bis zur Gegenwart.

Römische und fränkische Zeit Intensive Ausgrabungen haben eine feste Besiedlung des hochwassergeschützten „Burgplatzes“ bereits im ersten nachchristlichen Jahrhundert nachgewiesen.Duisburg: Römische Säule in der Altstadt, rp-online.de, 6. Januar 2011. Die Römer unterhielten hier eine regelmäßige Präsenz zur Sicherung des Rheinübergangs und der Ruhrmündung, die den Legionen als Brückenkopf diente. Die von Tacitus in Germania (3. Kapitel) erwähnte römische Niederlassung Asciburgium, die mit Ausgrabungen bei Asberg südlich von Moers in Verbindung gebracht wird, könnte nach Auffassung einiger Geschichtsforscher auch ein unmittelbar an dem seit der Steinzeit genutzten Westfälischen Hellweg gelegener Umschlagplatz und somit einer der antiken Bernsteinstraßen gewesen sein; in diesem Fall der von Massilia (Marseille) über Rhone und Rhein an die Nordseeküste führenden Handelsroute.W. Geerlings: Die Tränen der Schwestern des Phaëton – Bernstein im Altertum. In: Michael Ganzelewski, Rainer Slotta (Hrsg.): Bernstein – Tränen der Götter. Glückauf, Bochum 1996, ISBN 978-3-7739-0665-6, S. 395–400.

Der „Alte Markt“ war seit dem 5. Jahrhundert der zentrale Handelsplatz der Grenzstadt zum Sachsenreich im angestammten Reich der Franken, die durch ihre Lage am Hellweg und an einer Rheinfurt ausgezeichnet war. Aufgrund der günstigen geographischen Lage Duisburgs auf einer hochwasserfreien Hochterrasse am Zusammenfluss von Rhein und Ruhr hatte die Stadt eine strategisch wichtige Lage. Bereits um 740 wurde mit der Anlage eines Königshofes begonnen.

Strittig ist, ob Chlodio, der erste namentlich fassbare rex bzw. König der Salfranken, der im zweiten Viertel des 5. Jahrhunderts lebte, seinen Hauptsitz im deutschen Duisburg oder im belgischen Duisburg östlich von Brüssel hatte.

Ersterwähnung und Name Der Krefelder Archäologe Christoph Reichmann leitet von Ausgrabungsergebnissen und Textquellen ab, dass am Duisburger Heiligen Brunnen der vorrömische Ort der Verehrung des germanischen Gottes Deuso lag. Der später dem gallo-römischen Gott Hercules Deusoniensis geweihte Tempel von Elfrath sei nur der Ersatzkultort der von Duisburg auf die linke Rheinseite vertriebenen und romanisierten Menschen gewesen. So wurden für das Fundament des Tempels in Krefeld Steine aus der Nähe des Duisburger Heiligen Brunnens gewählt und der Hauptzuweg des Tempels ist genau auf den Heiligen Brunnen hin ausgerichtet. Ein direkter Zusammenhang von „Deusos Burg“ und Duisburg ist jedoch nicht belegt. Möglich ist auch, dass die erste Silbe des Namens der Stadt direkt auf das germanische „dheus“ zurückgeht, was „bauschend“ oder „glänzend“ bedeutet.G. van Berkel, K. Samplonius: Nederlandse plaatsnamen verklaard: Doesburg. Het Spectrum, Amsterdam, 2018.

Die erste schriftliche Erwähnung Duisburgs wird auf 883 datiert, Quelle ist die Chronik des Regino von Prüm: die Normannen beziehungsweise Wikinger erobern Duisburg und überwintern hier. Eine weitere mittelalterliche Erwähnung des Stadtnamens erfolgte 1065: „Tusburch in pago Ruriggowe“.MGH Diplomata Henrici IV Nr. 172.

Duisburggau (Diuspurgau) war die Bezeichnung des mittelalterlichen Gaues am Niederrhein.

Duisburg ist nicht der einzige Ort in Europa mit diesem Namen. Ein Ortsteil von Tervuren in Belgien trägt denselben Namen. In der niederländischen Provinz Gelderland gibt es eine Stadt namens Doesburg, wobei die Etymologie zu mnl. dôse (Sumpfgebiet) oder dust (Unterholz) + -burg führt. Ein Stadtteil Bonns nennt sich Duisdorf. In der niedersächsischen Gemeinde Bawinkel im Emsland befindet sich das Dorf Duisenburg. Ebenfalls trägt ein Berg bei Bad Driburg, südlich von Donhausen, den Namen Düsenberg. Auch weitere geographische Objekte tragen ein ‚Duis‘ im Namen, wie der Hügel Duisbergkopf im Quellgebiet der Wurm bei Aachen und der Düesberg in Münster.

Möglich ist auch, dass es sich bei Duisburg um das in den „Zehn Büchern Fränkischer Geschichte“ des Bischofs Gregor von Tours genannte römische rechtsrheinische Dispargum handelt, von wo aus die Franken ihre Eroberungszüge in linksrheinisch gelegenes römisches Gebiet führten. In den schriftlichen Erläuterungen zum Corputius-Plan des Jahres 1566 wird die Identität von Dispargum mit Duisburg noch als selbstverständlich angenommen.Günter Krause: Duisburgs Geschichte… Archäologische Beiträge zur frühen Geschichte Duisburgs von ersten Anfängen bis heute, archaeologie-duisburg.de

Mittelalter und Frühe Neuzeit Königshof – Freie Reichsstadt – zur Grafschaft Kleve Am Ende des 9. Jahrhunderts war Duisburg von den Raubzügen der Wikinger in den Rheinlanden betroffen. Im Sommer 882 wurde die Stadt von einem Heer unter Führung eines Godefried (Herzog von Friesland) erobert und anschließend besetzt. Zwei Jahre später gelang die Rückeroberung der Wikingerfeste durch ostfränkische Truppen unter Graf Heinrich von Babenberg. 885 kehrte das Wikingerheer zurück, wurde aber von Babenbergs Truppen in einen Hinterhalt am Rheinufer gelockt und vollständig aufgerieben.

Im 10. Jahrhundert wurde der Königshof zu einer Königspfalz ausgebaut. 929 fand in der Stadt unter König Heinrich I. eine Reichssynode statt, 944 rief Otto der Große die Lehensmänner von Franken und Lotharingen in Duisburg zusammen. Zwischen 929 und 1129 sind insgesamt 17 Königs- und Kaiseraufenthalte in Duisburg belegt. Bei der eigenwilligen Königswahl von 1002 versöhnte sich hier Heinrich II. mit dem Kölner Erzbischof. Von etwa 950 bis 1045 stand Duisburg mit Kaiserswerth im Besitz der Ezzonen. Der Pfalzgraf zu Aachen vertrat in der Stadt die königlichen Interessen, bis der König um 1045 Duisburg als Reichsgut anerkannte und einen Reichsvogt als königlichen Verwalter einsetzte.

Um das 10. Jahrhundert begann man in Duisburg mit der Prägung von Pfennigen auf Kölner Schlag. Von Konrad II. (1024–1039), Heinrich III. (1039–1056) und Heinrich IV. (1056–1105) liegen Duisburger Pfennige mit selbständigen Münzbildern vor. Als typisch gilt das gut geschnittene Profilbild des Kaisers und die Anordnung des Stadtnamens „DI – VS – BV – RG“ in Kreuz- oder Kreisform. Einige der Pfennige scheinen auf der Rückseite das Bild einer weltlichen Anlage der Pfalz zu zeigen. Im 11. Jahrhundert gelangte eine Münze aus Duisburg bis auf die Färöer, wie der Münzfund von Sandur belegt. Der Vertrag vom 29. Mai 1173 zwischen Kaiser Barbarossa und Graf Philipp von Flandern bezeugt, dass in Duisburg schwere Pfennige des Kölner Fußes noch im 12. Jahrhundert geprägt wurden. 1190 wurde dann zwischen Heinrich VI. und dem Kölner Erzbischof Philipp I. von Heinsberg vereinbart, dass in der Diözese Köln nur zwei Münzstätten unterhalten werden sollten, jene in Duisburg und eine in Dortmund. Im 12. Jahrhundert bricht die Duisburger Münzreihe ab.

mini|Wichtige Rheinverlagerungen von der Spätantike bis zur Neuzeit Der Rhein begann um 1000 seinen Hauptstrom von Duisburg weg zu verlagern, der so entstandene Altrheinarm blieb aber noch lange Zeit schiffbar. 1120 wurde eine Stadtbefestigung gebaut. Fünf Jahre später besuchte Heinrich V. die Stadt. Der Johanniterorden gründete vor dem südlichen Tor der Stadt 1145 seine erste deutsche Niederlassung mit der Marienkirche als Gotteshaus. Eine weitere Aufwertung erfuhr der Ort, als Kaiser Friedrich Barbarossa Duisburg 1173 das Recht gewährte, jährlich zwei vierzehntägige Tuchmessen abzuhalten.

Durch Vermittlung des Kölner Erzbischofs Konrad von Hochstaden schloss die Reichsstadt Duisburg sich 1248 dem Gegenkönig Wilhelm von Holland an. 1272 erfolgte die Weihe der ersten Liebfrauenkirche „Maria in den Himmel aufgenommen“ am Rande des Burgplatzes. Wegen des anliegenden Klosters wurde sie auch Minoritenkirche genannt. Laut einer Urkunde von König Lothar III. war Duisburg 1279 Stadt. Eine Lateinschule entstand 1280, aus der später das Landfermann-Gymnasium hervorging.

Bis 1290 war Duisburg reichsfreie Stadt, dann wurde sie von König Rudolf von Habsburg gegen 2000 Mark Silber als Mitgift an den Grafen Dietrich von Kleve verpfändet. Diese Verpfändung änderte 1314 der römisch-deutsche König Ludwig der Baier für 1000 Mark vom Grafen von Kleve auf Graf Adolf VI. von Berg, dessen Gattin Agnes von Kleve Duisburg und den dortigen Rheinzoll im Jahr 1312 als Aussteuer mit in die Ehe gebracht hatte und noch bis zu ihrem Lebensende entsprechende Verwaltungsaufgaben versah. Allerdings fiel Duisburg bereits mit dem Tode Adolfs VI. wieder zurück an die Grafschaft Kleve, die 1417 zum Herzogtum aufstieg.

Wirtschaftliche Stagnation und Reformation mini|Duisburg im Mittelalter (Modellaufnahme)

Durch die im 13. und 14. Jahrhundert zunehmende Verlandung des toten Rheinarms wurde der Aufwärtstrend der wirtschaftlichen Entwicklung unterbrochen. Von einer prosperierenden mittelalterlichen Stadt am Rhein, die Unterstützung durch deutsche Könige und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches erfuhr, die Mitglied des Rheinischen Städtebundes war und als Kaufmannsstadt Handelsbeziehungen mit London, Antwerpen, Brüssel und anderen bedeutenden Handelsorten hatte, entwickelte sich Duisburg nach der Jahrtausendflut 1342, auch als Magdalenenhochwasser bekannt, zu einer unscheinbaren Ackerbürgerstadt. Das Jahrtausendhochwasser verteilte sehr große Mengen an Sedimenten im Überschwemmungsgebiet. Auch Duisburg war 1349 vom Schwarzen Tod, einer großen europäischen Pandemie mit dem Pesterreger Yersinia pestis, betroffen. Etwa im 14. Jahrhundert verlandete dann der tote Rheinarm vollends, wodurch die Stadt vom Rhein abgeschnitten war und die Zollfreiheit verlor. Die Duisburger Messen gingen auf Frankfurt am Main über. 1407 wurde Duisburg noch Mitglied der Hanse.

Ein Überfall der Truppen des Kölner Erzbischofs während der Soester Fehde konnte 1445 abgewehrt werden. Von 1474 bis 1517 verfasst der Duisburger Geistliche Johann Wassenberch eine Chronik in niederfränkischer Sprache, die als „Duisburger Chronik“ bekannt ist.Duisburger Chronik

Eine seit dem 12. Jahrhundert erwähnte jüdische Gemeinde bestand bis zum Pestjahr 1349/1350. Seit dem 15. Jahrhundert werden wieder Juden in Duisburg erwähnt. Eine Synagogengemeinde entstand aber erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts wieder.

Duisburg gehörte im Mittelalter erst zum Bistum Lüttich, später zum Erzbistum Köln. Nach der Reformation in Duisburg blieben die verbliebenen Katholiken weiterhin beim Erzbistum Köln. Während der Hexenverfolgungen von 1513 bis 1561 in Duisburg waren 13 Menschen von Hexenprozessen betroffen. 1543 wurde auf Beschluss des Rates der Stadt im evangelischen Sinne gepredigt und in den Folgejahren auch das Abendmahl in beiderlei Gestalt („Brot und Wein“) gefeiert, so dass bis 1555 die Reformation endgültig eingeführt war. Vorherrschend war ab 1579 das reformierte Bekenntnis, Duisburg und Wesel bildeten die reformierten Zentren im Herzogtum Kleve. 1610 wurde in der Duisburger Salvatorkirche der Synodalverband der reformierten Gemeinden Jülich, Kleve und Berg gegründet, zu dem auch die Gemeinde in Duisburg gehörte. Die Gegenreformation konnte sich im Dreißigjährigen Krieg nicht durchsetzen. Erst 1727 bildete sich wieder eine lutherische Gemeinde. Beide Konfessionen vereinigten sich 1891 zur unierten Gemeinde von Duisburg.

Der Klever Herzog betrieb beim Papst die Gründung einer Landesuniversität seit 1555. Vorerst nahm 1559 ein Akademisches Gymnasium unter Heinrich Castritius den Betrieb auf. Der Kartograf Gerhard Mercator ließ sich 1552 mit seiner Familie in Duisburg nieder und unterrichtete dort von 1559 bis 1562. 1566 vollendete Johannes Corputius den farbigen Stadtplan. Die Alte Universität Duisburg wurde schließlich 1655 eröffnet und bestand bis 1818.

mini|hochkant|Duisburg 1647, Kupferstich Matthäus Merian