Das 14. Jahrhundert begann am 1. Januar 1301 und endete am 31. Dezember 1400. Die Weltbevölkerung zu Beginn des 14. Jahrhunderts wird auf 360 bis 432 Millionen Menschen geschätzt, während die Schätzungen für das Jahrhundertende zwischen 350 und 374 Millionen Menschen liegen.United States Census Bureau: Schätzungen der historischen Weltbevölkerung (englisch). In diesem Jahrhundert prägten Naturkatastrophen, Epidemien, Kriege und politische Umbrüche viele Weltgegenden. Neben den Folgen einer drastischen Klimaverschlechterung kosteten große Pestwellen zahlreiche Menschenleben. Ausgehend von Zentralasien verbreitete sich die Seuche entlang der im vorherigen Jahrhundert etablierten transkontinentalen Handelsrouten. Die mongolischen Reiche, die sich im vorherigen Jahrhundert über weite Teile Asiens erstreckten, brachen zum großen Teil zusammen.
Jedoch war dieses Jahrhundert nicht nur krisenbeladen. Zahlreiche Regionen erlebten zumindest zeitweise eine wirtschaftliche Blüte, kulturelle Entfaltung und technischen Fortschritt. Im Kaiserreich China wurde die mongolische Yuan-Dynastie durch die chinesische Ming-Dynastie abgelöst. Den südostasiatischen Großreichen folgten zahlreiche Regionalreiche. Westlich von diesen dehnte das Sultanat von Delhi seine Herrschaft über große Teile des indischen Subkontinents aus. In Anatolien und Südosteuropa begann das Osmanische Reich seinen Aufstieg zur bedeutenden Regionalmacht, während das Königreich Frankreich seine Vormachtstellung in Europa im Hundertjährigen Krieg verlor.
Europa mini|Europa im Jahr 1328 Im europäischen Kontext wird das 14. Jahrhundert dem Spätmittelalter zugerechnet. Europa war in zahlreiche christlich geprägte Herrschaftsbereiche unterschiedlicher Größe und Struktur geteilt. Die größeren Territorien waren zentralistische Königreiche, von denen im Laufe des Jahrhunderts keines mehr eine Vormachtstellung hatte. Das Heilige Römische Reich in der Mitte Europas war de facto ein Verbund zahlreicher Fürstentümer und Städte, die einen hohen Grad an Autonomie besaßen. Mit der Polnisch-Litauischen Union entstand zum Ende des Jahrhunderts in Ostmitteleuropa eine mächtige Regionalmacht. Wenige wirtschaftlich starke Städte beherrschten Norditalien. Krisen in Europa Die meisten Regionen Europas wurden in diesem Jahrhundert von Krisen schwer getroffen, wobei die Stärke und Dauer der Krisenzeit regional sehr unterschiedlich war. Diese Krisen führten dazu, dass die Bevölkerung Europas um mindestens ein Drittel sank. Der Bevölkerungsrückgang hatte weitreichende Umbrüche in der Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung Europas sowie der Kultur und Weltsicht der Europäer zur Folge.
Anfang des Jahrhunderts kühlte sich das Klima drastisch ab und es setzten Veränderungen ein, die in die „Kleine Eiszeit“ mündeten. Es war ein Klimawandel zu kalten, wechselhaften Temperaturen mit entsprechend negativen Auswirkungen auf den zumeist agrarisch wirtschaftenden Menschen. In der Zeit zwischen 1313 und 1319 stellten sich zudem Überschwemmungen ein. 1342 kam es zu einer ungeheuren Hochwasserkatastrophe in Mitteleuropa, verbunden mit einer beträchtlichen Umgestaltung der Kulturlandschaft durch dadurch bedingte Bodenerosionen.Hans R Bork, Helga Bork, Claus Dalchow, Hans P. Piorr, Thomas Schatz, Berno Faust: Landschaftsentwicklung in Mitteleuropa: Wirkungen des Menschen auf Landschaften. Klett, Stuttgart 1998, ISBN 978-3-623-00849-3 Extremwetterereignisse, wie das Magdalenenhochwasser, hatten in einigen mitteleuropäischen Regionen abrupte Zerstörungen auch der Infrastruktur, etwa durch zahlreiche Brückenabrisse zur Folge.
mini|Begräbnis von Opfern der Beulenpest in Tournai. Teil einer Miniatur aus den Chroniken des Abtes Gilles Li Muisis (1272–1352) Kälte und Unwetter führten zur Spätmittelalterlichen Agrarkrise. Die Landwirtschaft konnte die in den vorherigen Jahrhunderten stark angestiegene Bevölkerung nicht mehr ernähren. Steigende Preise und Hungersnöte waren die Folge. Pestepidemien (mit Höhepunkt zwischen 1347 und 1352) reduzierten eine Bevölkerung, die durch die Mangelversorgung in der Klimakrise geschwächt und dadurch für Seuchen anfällig war. Mehrere Pestwellen forderten ein Drittel der europäischen Bevölkerung. Die Menschen, die der Seuche hilflos gegenüberstanden, reagierten auch mit extremen Aktionen wie in der Geißlerbewegung und mit zahlreichen Judenpogromen. In den Städten brach zeitweise die öffentliche Ordnung zusammen, das Bandenwesen nahm überhand und Moralvorstellungen erodierten. Ganze Regionen wurden zusätzlich durch Kriege stark in Mitleidenschaft gezogen, wie Frankreich durch den Hundertjährigen Krieg. Hochentwickelte Regionen erlebten Finanzkrisen, wie die Bankenkrise in Norditalien.
Der Bevölkerungsrückgang durch Hunger, Mordbrennerei und Pest bewirkte wirtschaftliche und gesellschaftliche Umbrüche. Der mit dem Rückgang verbundene Arbeitskräftemangel in der Landwirtschaft führte zu Landflucht, bei Handwerk und Gewerken (Transport) zu Stagnation und einem Anstieg der Arbeitskosten. Als Folge sanken die landwirtschaftlichen Erlöse bei gleichzeitigem Anstieg der allgemeinen Preise. Fürsten und Ritter versuchten, die mit dieser spätmittelalterlichen Agrarkrise verbundenen Einnahmeausfälle durch Raubzüge oder durch noch stärkere wirtschaftliche Belastung ihrer Abhängigen zu kompensieren. Die ansteigende Unterdrückung löste drei große Bauernaufstände in England (Bauernaufstand von 1381), Frankreich (Jacquerie) und Flandern aus. Folge von Landflucht war die Aufgabe zahlreicher Dörfer. Die zurückgelassenen Wüstungen holte sich die Natur zurück, so dass viele Siedlungen, die in früh- und hochmittelalterlichen Urkunden erwähnt wurden, heute nicht mehr genau lokalisiert werden können. Mit den Opfern der Hungersnöte, Pest und Gewalttaten reduzierte sich die Bevölkerung um mehr als 40 Prozent.
Zur Verunsicherung der noch intensiv religiösen Bevölkerung trug zusätzlich die Krise der Kirche bei, die durch das Verhalten des Avignonesischen Papsttums begünstigt wurde. Zu Beginn des Jahrhunderts hatte der französische König starken Einfluss auf das Papstamt erlangt, sodass die von ihm protegierten Päpste ihren Sitz von Rom nach Avignon verlegten, das unter französischem Einfluss stand. Die dort residierenden Päpste handelten im Einklang mit den französischen Interessen. So duldeten sie den Ketzerprozess gegen den Templerorden, der dem Papst unterstellt war. Bei der Amtsführung der Päpste nahm die weltliche Hofhaltung und der Nepotismus ein bis dahin nicht gekanntes Ausmaß an. Die dafür benötigten hohen Geldmittel beschafften sich die Päpste durch den Verkauf von kirchlichen Ämtern, Dispensen, Erlaubnissen und Reliquienanerkennungen. Die Ökonomisierung kirchlichen Handels setzte sich bis in die untersten Ebenen fort. Viele kirchliche Würdenträger nahmen ihr Amt nicht mehr nach Vorschrift wahr.
Nach der Rückkehr der Päpste nach Rom im Jahr 1378 wurden zwei konkurrierende Päpste gewählt. Dieses sogenannte Abendländische Schisma, das 39 Jahre andauerte, trennte viele kirchliche Institutionen, wie die großen Mönchsorden, in zwei Lager und schadete der päpstlichen Autorität und der Glaubwürdigkeit der Kirche zutiefst.
Zentraleuropa Der größte Teil Zentraleuropas war Teil des Heiligen Römischen Reiches. Seine Gebiete nördlich und südlich der Alpen entwickelten sich in diesem Jahrhundert relativ unabhängig voneinander. An der Spitze des nördlich der Alpen gelegenen Reichsteils stand der römisch-deutsche König. Mit der Goldenen Bulle wurde der Brauch, dass er durch Mehrheitswahl von sieben Kurfürsten gewählt wurde, erstmals in einer rechtlichen Urkunde festgeschrieben. Der Einfluss der gewählten Könige war jedoch im Wesentlichen auf die Gebiete ihrer Hausmacht und königsnahe Regionen begrenzt. In vielen anderen Regionen, insbesondere in den Kurfürstentümern, hatten sie wenig oder keinen Einfluss. Das Königtum war kaum noch von der Ebene des Adels abgehoben.
Um die Königskrone konkurrierten die Familien der Luxemburger, Habsburger und Wittelsbacher, die alle eine beträchtliche Hausmacht im Osten des Reiches hatten. Das Königsamt, in dessen Erlangung sie hohe Bestechungsgelder investierten, nutzten sie um ihre Hausmacht zu vergrößern. In der ersten Jahrhunderthälfte regierte der Wittelsbacher Ludwig der Bayer als römisch-deutscher König. Ludwig war der letzte deutsche König, der in einen heftigen Machtkampf mit dem Papsttum geriet. In der zweiten Jahrhunderthälfte wurde sein Konkurrent der Luxemburger Karl IV. zum König gewählt. Seine Hausmachtpolitik brachte ihm Besitzungen in der Oberpfalz, die Lausitz, Schlesien und mit der Mark Brandenburg eine zweite Kurstimme ein. Der Ausbau seiner Residenzstadt Prag war ihm ein Anliegen. Die Habsburger konnten ihre Machtposition in Tirol ausbauen, verloren hingegen gegen die Schweizer Eidgenossenschaft. Diese konnte sich durch militärische Siege gegen die Habsburger sowohl etablieren als auch vergrößern.
Neben den Fürsten waren die formal nur dem König unterstehenden Reichsstädte quasi autonome Einheiten im Reich. Als Gegengewicht gegen König und Fürsten entstanden politische Städtebünde, die der Landfriedenswahrung, Behauptung städtischer Autonomie oder Durchsetzung und Aufrechterhaltung von Stadtordnungen dienten. Militärische Niederlagen gegen Gruppen von Fürsten am Ende des Jahrhunderts führten jedoch zu ihrer Auflösung. Der primär wirtschaftlich orientierte Städtebund der Hanse konnte seine starke Position im Nord- und Ostseehandel durch einen militärischen Sieg gegen Dänemark im zweiten Waldemarkrieg verteidigen. Er erklomm den Höhepunkt seiner Macht. Die Hanse war auch maßgeblich an dem Zustandekommen der Kalmarer Union beteiligt, die die drei skandinavischen Königreiche unter einer Krone zusammenschloss.
West- und Südeuropa mini|Chroniques von Jean Froissart – zeitgenössische Miniatur der Schlacht von Auray 1364 Zu Beginn des Jahrhunderts war Frankreich die Führungsmacht in Europa. Die Erbmonarchie, die von Paris aus regierte, konnte ihre Stellung weiter ausbauen. Während signifikante Teile des Reiches Krondomäne waren, waren andere Gebiete erbliche Lehen der adeligen Führungsschicht. Da die Einkünfte aus seiner Krondomäne nicht reichten, beschaffte sich der König das Geld, das er für Staat und Militär benötigte, durch Gewaltmaßnahmen gegen reiche Juden und den vermögenden Templerorden, den er im Zuge eines von ihm inszenierten Ketzerprozesses auflöste.
Im Jahr 1328 starb die königliche Hauptlinie der Kapetinger aus und eine ihrer Nebenlinien, die Valois, übernahm den Königsthron. Diesen Wechsel nahm der englische König zum Anlass, eigene Thronansprüche geltend zu machen. Mit seinen Versuch diese Ansprüche militärisch durchzusetzen löste er den Hundertjährigen Krieg aus. Die Gründe für die Auseinandersetzung lagen auch in den nicht aufgegebenen englischen Festlandsansprüchen und in der Konkurrenz beider Königreiche um den Einfluss in Flandern. (überarbeitete elektronische Fassung von Einführung in die Geschichte des europäischen Mittelalters, H-C-I, Bad Münstereifel 2003, ISBN 3-00-010998-6) Durch zahlreiche militärische Siege, wie in der Schlacht bei Crécy, konnten sich die Engländer im Frieden von Brétigny im Jahr 1360 große Gebiete im Südwesten und Norden Frankreichs sichern. Hatte die französische Bevölkerung schon unter den vielen Schlachten und Plünderungen des Krieges zu leiden, so sah sie sich nach dem Friedensschluss mit den Raubzügen entlassener Söldner konfrontiert. Im letzten Quartal des Jahrhunderts nutzten die Franzosen die innenpolitischen Krisen Englands und eroberten große Teile der Gebiete zurück, die den Engländern im Friedensvertrag zugesprochenen wurden. Ende des Jahrhunderts wurde das Herzogtum Burgund einer Seitenlinie der Valois als französisches Lehen gegeben. In Frankreich waren Bemühungen die Bürger und den Adel an der Politik in der Form der Generalstände zu beteiligen im Gegensatz zu England nicht nachhaltig.