Fürstenau ist ein Ortsteil der Stadt Altenberg im Osterzgebirge im Süden von Sachsen. Der Ortsteil bildet zusammen mit den Ortsteilen Gottgetreu und Müglitz die Ortschaft Fürstenau nach der Sächsischen Gemeindeordnung. Diese hat gemäß ihrer Ortschaftsverfassung einen Ortschaftsrat und Ortsvorsteher. Der südliche Nachbarort Fojtovice () liegt im Norden Böhmens. Zwischen den beiden Orten verläuft die deutsch-tschechische Grenze.

Geografie Geografische Lage mini|Gedenktafel und -Stein am Wanderübergang (Sudetenvertreibung, abgerissene Ortschaften)

Fürstenau liegt etwa 45 km südlich von Dresden im Erzgebirge. Der Ort grenzt im Süden direkt an die tschechische Grenze, wobei die tschechische Nachbargemeinde Fojtovice (Voitsdorf) über einen Wanderweg erreichbar ist. Entlang des hier von der Weißen Müglitz gebildeten deutsch-tschechischen Grenzverlaufes sind Zinnwald-Georgenfeld und einige Häuser von Müglitz (Grenzschänke-Hammermühle), welche sich auf den Fluren von Fürstenwalde befinden, die Nachbargemeinden von Fürstenau. Auf tschechischer Seite grenzt Fürstenau an die Flurstücke der ehemaligen tschechischen Gemeinden Vorderzinnwald (Přední Cínovec), Böhmisch Müglitz (Mohelnice) und Ebersdorf (Habartice u Krupky), welche im Rahmen der Sudetenvertreibung abgerissen wurden. Der Ort selbst erstreckt sich auf etwa 3 km Länge in der Mulde des gleichnamigen Baches. Er steigt dabei vom etwa hoch gelegenen Hofeteich am nördlichen Ortsende in Richtung Süden bis auf etwa an, sinkt aber bis zur Müglitz wieder auf etwa ab.

Naturraum Naturräumlich ist das weitgehend über hoch gelegene Gemeindegebiet Fürstenaus dem oberen Osterzgebirge zuzuordnen. Das Oberflächenbild wird durch weite, reliefenergieschwache und nach Süden hin ansteigende Hochflächen mit wenig ausgeprägten Erhebungen bestimmt. Eine Ausnahme stellt die 807 m hohe Traugotthöhe südwestlich des Ortes dar. Die Hochflächen werden von Flüssen und Bächen zerschnitten, die wie der Fürstenauer Bach, konsequent der Abdachung des Gebirges folgen. Das Fürstenauer Klima wird von Jahresmitteltemperaturen um 5,2 °C und jährlichen Niederschlägen um 1000 mm, davon etwa 25 % als Schnee (Mittelwerte 1901–1950) bestimmt. In den Wachstumsmonaten Mai und Juni wurden im langjährigen Mittel (1901–1950) Temperaturen von 12 °C und Niederschläge von 305 mm gemessen. Ältere Ortsbeschreibungen ist zu entnehmen, dass bis zum 17. Jahrhundert in Fürstenau rauhe Winde und eisige Nebel beinahe heimisch gewesen sein sollen.Friedrich August Brandner: Lauenstein, seine Vorzeit, frühern Schicksale und jetzige Beschaffenheit. Lauenstein 1845. zitiert in: Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin [Hrsg.]: Um Altenberg, Geising und Lauenstein. Werte der deutschen Heimat Band 7. Berlin 1964. S. 176 Die im Untergrund vorwiegend anstehenden Gneise, Granit- und Quarzporphyre bilden zumeist Hangsandlehm-Braunerde-Bodengesellschaften aus. Auf den Braunerden bzw. Braunpodsolen ist bei einer Vegetationsdauer von etwa 200 Tagen noch eine landwirtschaftliche Nutzung möglich. Allerdings beschränkt das Klima die Ertragsleistung der Böden (Ackerzahl 24), so dass sich die Landwirtschaft auf die Grünlandwirtschaft und die damit in Verbindung stehende Viehzucht konzentriert.

Geschichte Gründung mini|Ehemalige Schule/Gemeindezentrum von Fürstenau Laut einer Sage verirrte sich um 1000 der Markgraf Heinrich von Meißen bei der Jagd und wurde von Wölfen angegriffen (im Wolfsgrund), drei Köhler retteten ihn, der Fürst machte sie frei und schenkte ihnen die Waldfläche vom ehemaligen Vorderzinnwald und die Hälfte von Fürstenau. 1149 beginnt der Bergbau am Mückentürmchen. Wahrscheinlich erfolgte zu dieser Zeit die Gründung von Fürstenau und Löwenhain. Bis 1200 erfolgte die Hochkolonisation für das Erzgebirge. Es wird vermutet, dass Fürstenau und Fürstenwalde spätestens in dieser Zeit oder wenigstens im unmittelbaren Anschluss daran gegründet worden sind. Die Gründung des Ortes erfolgte somit um die Mitte des 13. Jahrhunderts in der ersten Rodungszeit des Erzgebirges, in der Regierungszeit Heinrich des Erlauchten, vielleicht sogar auf Veranlassung dieses Markgrafen.

Orts- und Flurform, Baustil mini|Mitteldorf mit Kirche

Die großzügige und übersichtliche Anlage dieser beiden Reihendörfer und ihrer Waldhufenfluren lassen darauf schließen, dass es deutsche Siedler fränkischen Stammes sind, da um 1200 die Slawen ihre Orte anders anlegten. Aus der Dorf- und Fluranlage geht hervor, dass Fürstenau als bäuerliche Siedlung in Form eines Waldhufendorfes angelegt wurde. Die älteren Gebäude bringen den Charakter des Gebirgsdorfes deutlich zum Ausdruck: Erdgeschosshaus mit starken Bruchsteinmauern, kleine Fenster schindelbeschlagene Giebel, Vorhäuschen vor der Eingangstür.

Das Oberdorf, welches auf Grund von Nachbesiedlungen entstand, umfasst etwa ein Viertel der Dorfgemarkung. Für das Oberdorf wurden die Hufen nur mit reichlich 19 Acker (etwa 11 ha) vermessen, im älteren Niederdorf waren es 33 Acker (etwa 19 ha).

Um 1900 umfasst die Gemarkung Fürstenau mit seinen Ortsteilen 818 ha.

Name und Wappen Der Name Fürstenau ist, wie es für die meisten deutschen Kolonistendörfer typisch ist, ein aus zwei Gliedern zusammengefügter Name. Das Bestimmungswort Fürsten stellt einen Bezug zum Siedlungsgründer her. Es leitet sich wahrscheinlich vom auf Burg Lauenstein ansässigen Burg- und Grundherren ab. Die nördlich von Fürstenau um 1250 angelegte Wehranlage diente als Ausgangs- und Schutzpunkt der ersten Besiedlungswelle im oberen Osterzgebirge. Das Grundwort -au spezifiziert die Lage und stellt einen Raumbezug her. Die Endung der ältesten bekannten Schreibweise voerstenowe (1324) weist auf das althochdeutsche ouwa bzw. das mittelhochdeutsche ouwe hin, was so viel wie Land am Wasser oder auch nasse Wiese bedeutet. -au deutet somit auf die Lage des Ortes in der Aue bzw. Quellmulde eines Baches hin. Denkbar ist aber auch ein Bezug zum ehemals vorhandenen Moor der heutigen Fürstenauer Heide. Das östlich benachbarte Fürstenwalde weist einen ähnlichen sprachlichen Hintergrund auf.

Möglich ist auch ein Bezug auf die Höhenlage des Ortes, der sich auf dem First des Osterzgebirges, genau wie Fürstenwalde, befindet. Daher könnte man auch auf die frühe Gründung schließen, welche der Sicherung der Poststraßen dienen sollte und das Austauschen der Pferde nach dem steilen Aufstieg aus Böhmen.

Neben der ältesten Schreibweise voerstenowe (1324) sind auch die Formen Furstenow (1350), Furstenaw (1501) und Fürstenow (1520) überliefert. Auf den von Matthias Oeder und Balthasar Zimmermann um 1600 angefertigten Karten der ersten sächsischen Landesvermessung wird der Ort mit Ferstenau bezeichnet. Albert Schiffner (1840) gibt als ursprünglichen Namen allerdings Neuendorf an. Wahrscheinlich bezieht er sich damit aber auf die im Zuge einer Nachbesiedlung ab 1530 am südlichen Ortsende angelegten Häuser und Hofstellen, da diese bei Oeder und Zimmermann als Neudorff bezeichnet werden. Auf einer von Adam Friedrich Zürner um 1730 angefertigten Karte wird bereits die heutige Schreibweise verwendet.

Entwicklung des Dorfes mini|Erbgericht mit Saal, Blick ins Unterdorf, Schule und Kirche vor 1935

Am 26. Juli 1324 ist in einer Urkunde zu erkennen, dass die Herren von Bergow und der Friedrich, Landgraf von Thüringen und Markgraf von Meißen, die Burg und Stadt Sayda, Burg Purschenstein und ihre „Zugehörungen“ belehnt haben. Folgende Dörfer wurden ihnen als weiteren Lehnsbesitz übertragen: Helbigsdorf, Zethau, Dorfchemnitz, „Vorstenawe“, Vorstenwalde, Bärenstein und Börnchen. Diese Lehen erhielten sie als Pfand für einen größeren Betrag, den sie den Markgrafen auf drei Jahre geliehen hatten. Hieraus geht hervor, dass damals weder Fürstenau noch Fürstenwalde Zubehör der Burgen Sayda noch Purschenstein waren.

Beide Dörfer nehmen somit besitzrechtlich eine Sonderstellung ein. Zu erkennen ist, dass sie auch nicht zur Burgschaft Lauenstein gehören. Bis 1350 lässt Friedrich der III. (der Strenge) ein „Lehnsbuch“ (schriftl. Nachweis aller Besitzungen) anlegen. In ihm ist vermerkt, dass drei Herren von Tharandt Fürstenau und Fürstenwalde belehnt haben. Friedrich und Hermann von Tharandt besitzen je die Hälfte der beiden Dörfer und Heinrich die andere Hälfte. In dieser Quelle werden die beiden Orte sogar als Zubehör zur Burg Tharandt aufgeführt. 1378 mussten die „niederen“ Fürstenauer und Löwenhainer das Zinnerz vom Kahlen Berge in die Wäsche nach Lauenstein als Fronarbeit verbringen. Im 14. Jahrhundert erfolgte der Kirchenbau in Fürstenau „Zur unbefleckten Empfängnis Mariae“. Das Dorf war immer ein Bestandteil der Herrschaft Lauenstein.

Im Jahre 1542, ein Jahr nach den Hussitenwirren, ist im Türkensteuerregister neben dem alten Fürstenau ein Oberdorf vermerkt, in dem 16 und ein Jahr später 17 Bauern siedelten. 1424 wurde die Fürstenauer Kirche „mit einer Glocke beehrt“. Von 1518 bis 1547 erhöht sich die Einwohnerzahl Fürstenaus (Niederdorf) von 30 (1518) auf 55 Mann (Hermann Löscher, 1954). Die Grenze der beiden Orte liegt im Ostflurteil, bei dem Haus der Nummer 11 der damaligen Ortsliste, wo auch der Dorfbach aus der Heide in die Dorfsiedlung hineinfließt.

Nachbesiedlungen müssen zwischen 1529 und 1540 und auch noch bis 1566 stattgefunden haben, anscheinend wegen des wachsenden Zinnbergbaus der Gegend. Haupterwerbszweig blieb aber nach wie vor die Landwirtschaft. Von 1518 bis 1547 verdoppelte sich fast die Zahl der Fürstenauer Einwohner von 30 auf 55 Mann. Ein Beleg dafür ist das Ansteigen der Erbzinsen für die Herrschaft von etwa 30 Schock im Jahre 1477 auf etwa 50 Schock im Jahre 1529.

Erstmals wurde die Pfarre Fürstenwalde in den Meißnischen Türkensteuerregistern von 1530 und beide Pfarren in den Visitationsniederschriften von 1539/40 gelegentlich der Einführung der Reformation erwähnt. Wahrscheinlich gehörten sie einst, als Tochterkirche der Pfarrkirche Graupen zum Prager Bistum. Deshalb ist davon auszugehen, dass sie bis zur Reformation politisch zum Königreich Böhmen gehörten, jedoch sind sie im Besitz der Markgrafen von Meißen. Ganz gleich ob die Siedler um 1200 herum aus dem Tale der Eger, oder aus dem Meißnerischen Land kamen, sie waren auf jeden Fall deutsche Bauern. Das Dorf wurde 1602 noch in die selbstständigen Gemeinden Fürstenau und Oberdorf geschieden. Noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts teilte man es in die Obere und Niedere Gemeinde, ohne dass eine volle Selbstständigkeit anzunehmen ist. 1813 richteten die Truppen von Napoleon große Schäden an dem Gebirgsort an. Am 1. November 1887 wurde mit feierlichem Geleit der Fürstenauer Altar Maria Heimsuchung in die neu errichtete Kapelle nach Vorderzinnwald überführt.

Am 1. Juni 1900 gründete Edmund Fehrsch, Hermann Kadner, Ernst Jäpel, Julius Kadner, Julius Gowasch, Julius Ehrlich, Heinrich Dietrich und Friedrich Kühnel den Spar-, Kredit- und Bezugsverein Fürstenau GmbH.

1904 erbaute die Familie Kadner ein Windrad zum Antrieb ihrer landwirtschaftlichen Geräte. Bis zum Anschluss an das Elektrische Netz im Jahr 1921 wurde dieses genutzt, 1950 erfolge aus Sicherheitsgründen die Demontage des Windrades, der Turm stand noch bis in die 1990er Jahre.

1922 erhalten die Fürstenauer Elektrizitätsanschlüsse. 1950 führt eine Buslinie nach Fürstenau. 1953 beginnt die Gründung der LPG Typ I (LPG Glückauf) im Ort. 1959 sind im Bestand von Fürstenau: 789 Rinder, davon 372 Milchkühe, 285 Schweine, demnach entfallen auf 100 ha Nutzfläche 114,5 Rinder (54 Milchkühe) und 43,7 Schweine. 1960 erfolgte der Abschluss der Gründung der LPG für das ganze Dorf. Bis 1980 fielen die letzten Strohdächer von Fürstenau, des Weiteren kam es infolge von Luftverschmutzungen durch Industrieabgase aus dem Böhmischen Becken zu umfangreichen Waldschäden, insbesondere bei den Fichtenbeständen. 1988 kam es zur Schließung der Schule in Fürstenau, und die Einrichtung einer Bibliothekszweigstelle in deren Raum wurde beschlossen.