Philokartie ist das Sammeln und Erforschen von Postkarten, hierunter sehr häufig Ansichtskarten.

Ein in etwa synonymer Begriff ist Postkartenkunde. Post- und Ansichtskartensammler bzw. -kundler werden als Philokartisten bezeichnet. Der Begriff ist in einer ab dem 1. April 1898 periodisch herausgegebenen französischen Fachpublikation mit dem Titel „“ zu finden.AnsichtsKarten-SammlerBrief (Mitteilungsblatt der AnsichtsKarten-InteressenGemeinschaft), Nr. 170, März/April 2009, S. 3.AnsichtsKarten-SammlerBrief (Mitteilungsblatt der AnsichtsKarten-InteressenGemeinschaft), Nr. 172, September 2009, S. 8. Die griechische Vorsilbe phil(o)- bedeutet „liebend“, „freundlich“ oder auch „Freund“;Duden Fremdwörterbuch (Band 5 der Duden Reihe), 9. Auflage. von 2007, S. 794. ein Philokartist ist ein „Freund der Karten“Horst Hille: Sammelobjekt Ansichtskarte. transpress Verlag, Berlin 1989, S. 6., abgerufen am 9. September 2009. oder „Kartenliebhaber“.

Die erste Sammelwelle bei Ansichtskarten gab es bis etwa 1918, und ein nennenswerter Markt für alte Ansichtskarten bildete sich etwa ab Ende der 1970er Jahre. Die meisten Sammler sind sogenannte Heimatsammler; sie sammeln bevorzugt Ansichtskarten ihres Heimatortes und ihrer Heimatregion.

Häufig wird die Philokartie als Teilgebiet der Philatelie angesehen, obwohl es viele Sammler gibt, die nur Ansichtskarten und keine Briefmarken sammeln. Postkarten sind philatelistische Belege, wenn sie postalisch verschickt werden oder wenn es sich um Ganzsachenkarten handelt.

Geschichte mini|Titelseite einer Zeitschrift für Ansichtskartensammler von 1896 mini|Logo des Weltverbandes Kosmopolit mini|U.S. Ganzsachenpostkarte von 1881

Ansichtskarten hatten kurz vor 1900 einen großen Aufschwung.

Gründe für den Aufschwung waren der Einsatz von moderneren, attraktiveren Druckverfahren wie dem Offsetdruck die geringe Verbreitung anderer Bildmedien wie Illustrierten oder Fotografien und das Fehlen von besseren alternativen Kommunikationsformen – noch kaum jemand hatte ein Telefon und Telegramme waren teuer. Außerdem kam es durch neue Verkehrsmittel zu einem stark zunehmenden Reiseaufkommen, hierbei wurden viele Ansichtskarten geschrieben.Das ABC des Luxuspapiers, Katalog zur Ausstellung des Museums für Deutsche Volkskunde Berlin, S. 85.

Insbesondere in Deutschland und den anderen deutschsprachigen Ländern gab es schon frühzeitig eine ausgeprägte Vorliebe, Post- und Ansichtskarten zu schreiben und Ansichtskarten zu sammeln. Das Kartensammelfieber wurde im Ausland auch als die Deutsche Epidemie bezeichnet, bis sie selbst der Sammelleidenschaft verfielen.Website: AnsichtsKarten-InteressenGemeinschaft, abgerufen am 9. September 2009, Websitebetreiber: Alfred Kruse

Es gab damals in vielen Haushalten Ansichtskartenalben; aus dieser Zeit sind zahlreiche stilvolle Alben erhalten.

Erste Sammelwelle bis etwa 1918 Im Mai 1894 wurde der „Sammlerverein für illustrierte Postkarten zu Hamburg“ als erster deutscher philokartistischer Verein gegründet.Linke/Richter: Ratgeber für Ansichtskartensammler. Salzwasser Verlag 2007, S. 54.

Im Verlag Alfred Mello in Göggingen bei Augsburg erschien am 15. Februar 1895 als ältestes deutsches Fachblatt die Monatsschrift für Ansichtskarten-Sammler. Am 1. Mai 1898 fand die erste größere deutsche „Internationale Ausstellung illustrierter Postkarten“ im Grassimuseum in Leipzig statt.AnsichtsKarten-SammlerBrief (Mitteilungsblatt der AnsichtsKarten-InteressenGemeinschaft), Nr. 173, Dezember 2009, S. 12.

1899 hatte der „Weltsport des Ansichtskartensammeln“ eine Anhängerzahl, welche andere Sammelarten weit in den Schatten stellte. Es gab unter anderem auch einen „Allgemeinen Centralverband der Ansichtskartensammler“ und Fachzeitschriften wie Internationale Ansichtskarten-Revue und Der Ansichtskartensammler.Peter K. W. Freude: Gruss aus Murnau. Der Markt auf alten Ansichtskarten. Murnau 1999, S. 94.

Bis 1900 erweiterte sich der Kreis der Ansichtskarten-Informationsblätter um mehr als 40 Stück und zwischen 1896 und 1902 gab es in Deutschland mindestens elf Fachzeitschriften.Robert Lebeck, Gerhard Kaufmann: Viele Grüße… Eine Kulturgeschichte der Postkarte. 2. Auflage. Harenberg Kommunikation, Dortmund 1988, S. 411.

In den USA hatte die „Post Card Union of America“ um etwa 1910 annähernd 10.000 Mitglieder.Thomas E. Range: The Book of Postcard Collecting. E. P. Dutton, New York 1980, S. 79. 1914 hatte der schon lange nicht mehr existierende Weltverband Kosmopolit 13.000 MitgliederOtto Wicki: Geschichte der Post- und Ansichtskarten. Verlag Zumstein & Cie, Bern 1996, S. 16. und verfügte auf fünf Kontinenten über mehr als 100 Konsulate. Deutsche und österreichische Postkartenverlage hatten während der Zeit, als noch Chromolithografien die meistgedruckten Karten waren, eine international führende Rolle bei der Herstellung und behielten sie bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs.Thomas E. Range: The Book of Postcard Collecting. E. P. Dutton, New York 1980, S. 93. Außerdem war der englische Postkartenverlag Raphael Tuck & Sons lange Zeit international von Bedeutung, und als typisches Beispiel für die erfolgreiche Spezialisierung eines Druckunternehmers auf die Nische der Ansichtskarten mag der Deutsch-Amerikaner Curt Teich dienen, der sich von 1905 an mit steten Innovationen in diesem Markt in den USA einen Namen machte.

Die Zeit von 1897 bis 1918 wird auch als das „Goldene Zeitalter der Ansichtskarte“ bezeichnet. Danach sank die Zahl der Sammler.

In den 1920er Jahren gab es eine kleinere Sammlerwelle, als es Mode wurde, Filmschauspieler und Prominente auf Ansichtskarten abzubilden. In den 1920er- und 1930er-Jahren galt der Ross-Verlag als der in ganz Europa führende Verlag für Postkarten mit Porträts bekannter Filmschauspieler und Postkarten mit Filmszenen – zunächst nur für Deutschland, später auch für das internationale Filmschaffen.

Retrospektives Sammeln Ab 1961, mit der Herausgabe des Ansichtskarten-Sammlerbrief der damals gegründeten „Philokartisten Union Europas“, kam über Deutschland hinaus das Sammeln und Tauschen von Ansichtspostkarten durch Privatanzeigen in diesem Blatt langsam in Bewegung. Ein größerer Markt für alte Ansichtskarten bildete sich etwa ab Mitte bis Ende der 1970er Jahre. Kurz zuvor gab es einen Preisanstieg, der die Karten für den Einzelhandel interessant machte.

Die erste deutsche Ansichtskartenauktion wurde durch Willi Bernhard am 29. Dezember 1973 in Hamburg veranstaltet.AnsichtsKarten-SammlerBrief, Nr. 175, Juni 2010, S. 8.Ein ausführlicher Artikel über Willi Bernhard wurde im AK Express, Heft Nr. 87 von 1998 veröffentlicht Im Zuge dieser Entwicklung entstanden auch Ansichtskartenläden, ab 1976 gab es die ersten deutschen Ansichtskartenbörsen in Düsseldorf und Frankfurt am Main,Heinrich-Ludwig Thrin: Die Geschichte der Ansichtskartedokumentiert anhand historischer Ansichtskarten aus Herbstein. Mai 2008, S. 25. ( (PDF; 2,4 MB). Abgerufen am 14. Juli 2010) und eine deutschsprachige Fachzeitschrift für Ansichtskartensammler konnte sich wieder etablieren.

Inzwischen gibt es wieder eine Reihe von örtlichen Sammlervereinen und vereinzelte überregionale Vereine. Philatelie und Numismatik sind jedoch deutlich beliebtere Sammelgebiete.

Sammlungen Sammelgebiete Neben alten Postkarten werden ebenfalls neue Karten gesammelt. Sehr verbreitet ist das Sammeln von Ansichtskarten nach geographischen Kriterien. Philokartisten bezeichnen Abbildungen von Städten, Ortschaften oder Landschaften als topografische Karten.

Andere sammeln bestimmte Sujets ( für Themen, Motive), Karten von einzelnen Künstlern oder Künstlergruppen. Dabei haben viele Sammler bevorzugte Verlage oder Druckverfahren wie zum Beispiel Lithografien oder Echtfotokarten.

Manche Sammler sammeln Ansichtskarten einer bestimmten Art (z. B. Halt-gegen-das-Licht-Karten oder Mondscheinkarten). Meist werden die Karten wegen des dokumentarischen oder künstlerischen Wertes geschätzt. Manche Sammler beachten auch den Text der Karten, zum Beispiel Sammler von Feldpostkarten oder von Postkarten aus Kriegszeiten. Auch Gratispostkarten werden gesammelt.

Heimatsammlungen Der weitaus überwiegende Anteil der Ansichtskartensammler sind Heimatsammler, die hauptsächlich Ansichten ihrer regionalen Umgebung sammeln. Das Ziel von vielen Heimatsammlern ist es, möglichst alle Ansichtskarten ihres Heimatortes oder einen historisch möglichst aussagekräftigen Querschnitt davon zu sammeln. Sammler von großen Städten sammeln oft nur Karten von einem Stadtteil. Heimatsammler setzten innerhalb ihrer Sammlungen oft thematische Schwerpunkte (z. B. Verkehr, Gastronomie, Vereinswesen).

Heimatsammler haben oft ein ausgeprägtes Interesse für Heimatgeschichte; viele von ihnen sammeln noch andere Dinge, die mit der Heimat in Verbindung stehen, wie einschlägige Literatur (z. B. sog. Heimatbücher oder andere Heimatbelege wie Fotos, Korrespondenz, Adressbücher, Reiseprospekte, Firmenbelege, Notgeld, Emailleschilder oder Reklame).

Gerade Heimatsammlungen werden häufig von ihren Besitzern an öffentliche Einrichtungen wie Museen bzw. Archive vererbt oder bereits zu Lebzeiten gestiftet, sie sind häufig wichtige Quellen für die lokalgeschichtliche Forschung.

Thematische Sammlungen Statt einer Heimatsammlung oder als Ergänzung dazu sammeln viele Philokartisten ein oder mehrere thematische Gebiete beziehungsweise Motive. Die Themen reichen von A wie Adel bis Z wie Zeche. Es gibt Sammler für praktisch alles, was auf Postkarten gedruckt wurde. Beliebte Sammelthemen sind zum Beispiel Flugzeuge, Militär, Reklame oder Schauspielerporträts. Eine thematische Sammlung kann auch „topografische“ Karten beinhalten, wenn zum Beispiel Ansichten von Bahnhöfen, Theatergebäuden oder Kirchen gesammelt werden. Bei den Sammelthemen kommt es oft zu einer Überschneidung mit anderen Hobbys und Interessen.Brain Lund: Postcard Collecting. A Beginner's Guide. Verlag Reflection of a Bygone Age, Keyworth (Nottingham) 2008, S. 6.

Philatelie Manche Sammler sind in erster Linie Briefmarkensammler und setzen eher Schwerpunkte nach philatelistischen Aspekten wie etwa nach der Besonderheit der Versandart oder besondere Stempel. Diese Sammler bevorzugen postalisch beförderte Stücke.

Ganzsachenkarten wie etwa die sogenannten Bildpostkarten werden mehrheitlich von Philatelisten gesammelt. Bei der Maximaphilie gibt es weitere Gemeinsamkeiten mit der Philatelie.Thomas E. Range: The Book of Postcard Collecting. E. P. Dutton, New York 1980, S. 13.

Bedeutende Sammlungen Sammlungen von Museen und anderen Institutionen Das Altonaer Museum in Hamburg hat 1,5 Millionen Bildpostkarten gesammelt und inventarisiert.Das Archiv – Magazin für Post- und Telekommunikationsgeschichte, Heft 4, 2007, Hefttitel: Kartengrüße – Sammlungen, Raritäten, Dokumente, , S. 62. Eine der größten Sammlungen von Ansichtskarten (etwa 900.000 Exemplare) kann im ungarischen Ort Szerencs auf der Rákóczi-Burg besichtigt werden.Hinweise auf Sammlungen. In: H. Pätzke, K. Werner: Postkarten & Künstlerkarten. Eine kulturgeschichtliche Dokumentation. Galerie Arkade, Staatlicher Kunsthandel der DDR, VEB Fachbuchdruck Naumburg 1979, S. 90. Eine ebenfalls sehr große internationale Sammlung mit 600.000 dokumentierten Exemplaren ist diejenige von Nikolai Tagrin in Sankt Petersburg.AK – Topographie, Motive A–Z, 1876–1945. Verlag: Albrecht Kuttruff, Konstanz 1984, S. 5. Die deutschlandweit zweitgrößte Sammlung eines Museums besitzt mit rund 300.000 Exemplaren das Museum für Kommunikation in Berlin.Postkarten des Museums für Kommunikation in Berlin, abgerufen am 12. Februar 2011.