Eisenach Hauptbahnhof ist ein Bahnhof in der Stadt Eisenach in Thüringen. Er ist ein Verkehrsknotenpunkt an der Bahnstrecke Halle–Bebra und an der Werrabahn (Eisenach–Meiningen–Eisfeld) mit rund 6.000 Reisenden pro Tag (2024).
Während auf der Straßenseite des Empfangsgebäudes bereits Anfang des 21. Jahrhunderts ein Schriftzug Hauptbahnhof angebracht wurde, heißt die Station erst seit dem 15. Dezember 2024 offiziell Eisenach Hbf.
Geschichte 1840 bis 1900 mini|Empfangshalle, Zustand im Jahr 2020 mini|Bauinschrift von 1904
Das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, die Herzogtümer Sachsen-Coburg und Gotha und Sachsen-Meiningen gründeten mit dem Ziel der Projektierung und Bau einer Eisenbahnstrecke Weimar–Erfurt–Gotha–Eisenach am 19. August 1840 den Thüringischen Eisenbahnverein. Unter finanzieller Beteiligung des Königreiches Preußen entstand daraus (1844) die Thüringische Eisenbahn-Gesellschaft (ThEG). Deren erstes Bauprojekt war die Thüringer Stammbahn Halle–Gerstungen. Zeitgleich wurde schon die Bahn von Eisenach nach Meiningen geplant. Am 20. Dezember 1841 schlossen die beteiligten „Projektländer“ außerdem einen Staatsvertrag für den Bau der Strecke Halle–Kassel. In den Jahren 1846–1847 wurde der erste Eisenacher Bahnhof zu ebener Erde gebaut. Als vorläufiger Endbahnhof des Streckenabschnitts Gotha–Fröttstädt–Eisenach wurde er am 24. Juni 1847 in Betrieb genommen. Die westliche Fortsetzung der Stammbahn konnte gute zwei Jahre später, am 18. August 1849, mit dem Abschnitt nach dem heutigen Stadtteil Hörschel für den Ausflugsverkehr eröffnet werden. Nach dem Weiterbau, nun der Werra folgend, kam es 25. September 1849 dann in Gerstungen zum Lückenschluss mit der hessischen Friedrich-Wilhelms-Nordbahn.
Ab 1856 entwickelte sich Eisenach mit dem Bau der am 2. November 1858 eröffneten Werrabahn zum Eisenbahnknoten. Schon vorher war die Thüringer Bahn zwischen Eisenach und Apolda zweigleisig ausgebaut worden. So kam es zwischen 1859 und 1861 mehrfach und erneut im Jahre 1885 zur Vergrößerung und Erweiterung des Eisenacher Bahnhofsgebäudes. In den Jahren 1882 und 1895 gingen die beiden Bahnen durch Kauf an die Preußische Staatseisenbahnen über. Seit dem 1. August 1897 hielt die Straßenbahn Eisenach auf dem Bahnhofsvorplatz.
1900 bis 1945 mini|Bahnsteigseite des Empfangsgebäudes
Im Jahr 1900 begann ein großer Umbau der Bahnanlagen: Die Eisenbahntrasse wurde im Bereich des Stadtgebiets um drei bis vier Meter höher gelegt, das Empfangsgebäude wurde 1902–1903 nach Entwürfen des Architekten und preußischen Baubeamten Georg Cuny neu gebaut. Auch der Güterbahnhof wurde verändert und erhielt einen Ablaufberg. Am 12. April 1904 war die Einweihung des neuen Bahnhofsgebäudes mit Bahnpostamt.
Zwischen 1922 und 1926 folgte der Neubau des Bahnbetriebswerks (Bw) im östlichen Teil des Güterbahnhofs mit dem Lokomotivschuppen. 1928 war das Empfangsgebäude abermals zu klein und erhielt einen Anbau für die Fahrkartenausgabe. Des Weiteren wurde die Zugüberwachung eingeführt und die Güterabfertigung zu einer großen Stückgutumschlagstelle ausgebaut, ein modernes elektromechanisches Stellwerk errichtet sowie neue Signaltechnik mit Indusi und Gleisfreimeldeanlagen eingebaut.
Nach dem Zweiten Weltkrieg mini|Eisenbahnunfall vom 23. Juni 1976 Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden das zweite Streckengleis und mehrere Bahnhofsgleise als Reparationszahlung an die Sowjetunion demontiert, aber schon im August 1945 gab es wieder 20 Reisezugverbindungen. Im Herbst 1945 legte der Aufbaustab für das unter sowjetischer Militärverwaltung stehende BMW-Werk Eisenach einen detaillierten Plan mit drei Varianten für den Bau eines 900 m langen Anschlussgleises vom Kraftwerk II der Werkes zum Bahnhof Eisenach vor.Diese Trasse sollte am Südufer der Hörsel verlaufen, dann auf einem Bahndamm ab Nordende Bauhofstraße bis nördliches Bahnhofsgelände verlaufen, mit lediglich zwei erforderlichen Straßenunterführungen für die Clemens- und Heinrichstraße.; Quelle: Der Wiederaufbau der BMW-Werkes Eisenach (1945–1960). Materialsammlung im Archiv der Stiftung Automobile Welt
Am 1. Juni 1955 nahm das neue Bahnbetriebswagenwerk (Bww) in Eisenach mit zahlreichen Außenstellen (z. B. Vacha, Gotha, Mühlhausen usw.) seinen Betrieb auf. Bereits Ende der 1950er Jahre mussten die Bahnhofsanlagen wieder erweitert werden: 1956 mit dem Bau des Bahnsteiggleises 10 und 1958 mit dem Bau von fünf Rangiergleisen im Güterbahnhof. Die Dienststellen Bahnhof, Güterabfertigung, Fahrkartenausgabe und Gepäck- und Expressgutabfertigung wurden am 1. November 1959 zur Komplexdienststelle Eisenach vereinigt. 1961 und 1962 wurde der Westkopf des Bahnhofs Eisenach im Zuge des Baus der „Trasse“ genannten Bahnstrecke Förtha–Gerstungen umgestaltet. In den nächsten Jahren folgten zwei weitere Meilensteine. Die Großcontainertechnologie hielt 1970 Einzug und 1971 ging das Dampflokzeitalter zu Ende. In den Jahren von 1974 bis 1980 wurde das Bahnbetriebswerk Eisenach zur Großdienststelle umgestaltet. Es entstand ein neues Sozialgebäude, eine neue Triebfahrzeughalle, ein neues Werkstattgebäude, ein neues Kesselhaus und eine neue Tankanlage, die Fahrzeugwaschanlage wurde rekonstruiert. Inzwischen beheimatete das Bahnbetriebswagenwerk über 200 Wagen. Am 23. Juni 1976 kam es am Westkopf des Bahnhofes zum Eisenbahnunfall von Eisenach, als der Transitzug D 354 entgleiste und mit einer Rangierabteilung kollidierte. Hierbei stürzte eine Rangierlokomotive und ein Waggon auf die neben den Gleisen verlaufende Straße. Von 1981 bis 1982 wurde die Bahnhofshalle umgestaltet und mikroprozessorgesteuerte Fahrkartendrucker eingeführt. In den Jahren 1983 und 1984 folgte der Einbau moderner Dreikraftbremsen unterhalb der beiden Ablaufberge und eine Teilsanierung des Oberbaus. Das Bahnbetriebswerk hatte 1985 ungefähr 1000 Mitarbeiter. 1989 und 1990 gab es kurzzeitig eine Art S-Bahnbetrieb zwischen dem Bahnhof Wutha, Eisenach, Eisenach/West und Eisenach/AWE, der durch die politischen Veränderungen der Wende in der DDR und die Schließung des AWE beendet wurde.
1990 bis 2000
mini|Lokschuppen Tiefgreifende Veränderungen gab es in kommenden Jahren. Einerseits Neu- und Ausbaumaßnahmen (VDE Nr. 7, ab 26. April 1990), Einführung des InterCity-Verkehrs, Wiederinbetriebnahme der Strecke Eisenach–Wartha(Werra)–Gerstungen (ab 2. Juni 1991, zweigleisig ab 26. September 1992), gleichzeitig Eröffnung des ersten Reisezentrums Ostdeutschlands, Umbau der Bahnsteige 3 bis 6 (1994), Aufnahme des Betriebes des Zentralstellwerkes ESTW Eisenach (Frühjahr 1995/16. Juni 1996) und Aufnahme des elektrischen Betriebes zwischen Bebra und Neudietendorf (28. Mai 1995) und andererseits Schließung des Bahnbetriebswerkes Eisenach (28. Mai 1995), Schließung zahlreicher Stellwerke zwischen Gerstungen und Wandersleben (16. Juni 1996), Abriss des alten Stellwerkes Ew (Frühjahr 1999), Verlegung der Lokleitung der DB Regio AG nach Meiningen (Sommer 1999) und Angliederung des Güterbahnhofes an den Cargo Bahnhof Erfurt.
Seit Mai 1997 verkehrt eine Regionalbahnlinie von Eisenach nach Bad Hersfeld im Zwei-Stunden-Takt. Gleichzeitig wurde der Nahverkehrsbahnsteig 1/2 umgebaut. 1999 wurden neue Automaten im Eisenacher Bahnhof aufgestellt.
2000 bis 2010 Am 30. Mai 2000 wurde die IC-Linie Frankfurt am Main–Leipzig–Dresden auf ICE mit Neigetechnik (ICE-T) umgestellt, der EC 56/57 „Goethe“ Paris Est–Frankfurt Hbf.–Dresden Hbf.–Prag hl.n. entfiel, die Regionalbahn Eisenach–Bad Hersfeld wurde eingestellt und Stundentakt auf den Linien Eisenach–Bebra und Eisenach–Meiningen eingeführt. Außerdem wurde die Wagenwerkstatt und die Beheimatung von Reisezugwagen nach Erfurt verlagert.
Ab Januar 2001 fährt die Süd-Thüringen-Bahn (STB) auf der Strecke Eisenach–Meiningen–Eisfeld. Seit Beginn des Fahrplans 2004 wird auf der ICE-Linie 50 Dresden–Frankfurt im Stundentakt gefahren. Die IC-Linie 15 Frankfurt–Halle–Berlin–Stralsund wurde dafür gestrichen, der Ostabschnitt Eisenach–Stralsund ging in der IC-Linie 51 auf. Diese Linie verkehrt damit zwischen Düsseldorf–Kassel–Eisenach und dann weiter nach Berlin und Stralsund. Ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2004 verkehrt an Sonntagen zusätzlich der IC Eisenach–Frankfurt Süd über Kassel/Gießen und an Montagen der IC Eisenach–Berlin Zoo. Seit Dezember 2005 ist mit dem Fahrplan 2006 Wiesbaden und Karlsruhe mit der ICE-Linie 50 direkt erreichbar.
Zum 100-jährigen Jubiläum des Bahnhofsgebäudes wurde im April 2004 ein ganzes Wochenende lang gefeiert. Im Februar 2006 wurde der Servicepoint geschlossen. Nach Protesten der Stadt und vieler Reisender sah sich die Bahn zur Wiedereröffnung wenige Tage später gezwungen. Die 3-S-Zentrale wurde nach Erfurt verlagert und mit der dortigen Zentrale verbunden. Die cantus Verkehrsgesellschaft übernahm am 10. Dezember 2006 den Regionalverkehr zwischen Bebra und Eisenach. Anfang November 2007 wurden moderne LCD-Anzeigen an den Bahnsteigen und in der Empfangshalle angebracht.
Am 18. und 19. Mai 2008 hielt sich der Zug der Erinnerung am Bahnhof Eisenach auf. Im November und Dezember wurden die alten Stellwerke Em und Eo abgerissen. Am 14. Dezember 2008 hielt letztmals der CNL nach Zürich. Dieser fährt ab dem 14./15. Dezember in Eisenach, aufgrund des Zusammenkuppelns des CNL aus Berlin und des CNL aus Dresden/Prag in Erfurt, nun durch. Seit dem Fahrplanwechsel 2009/2010 zum 13. Dezember 2009 verkehrt sonnabends/sonntags ein ICE-Zugpaar mit Baureihe 401 auf der Relation Interlaken Ost–Mannheim–Frankfurt–Eisenach–Erfurt–Leipzig–Berlin Gesundbrunnen und hält in Eisenach. Damit verkehrt erstmals der ICE 1 planmäßig auf der Thüringer Bahn.
Seit 2010 Im Zuge des Konjunkturpakets I der Bundesrepublik Deutschland wurde das Empfangsgebäude in den Jahren 2010 und 2011 für 1,5 Millionen Euro denkmalgerecht saniert. Schwerpunkt war die energetische Sanierung der Deckenbereiche, Wände, Fassaden und Fenster, wodurch der Energiebedarf im Bahnhof um bis zu 36 Prozent gesenkt wurde. Das Empfangsgebäude wurde mit einem neuen Blockheizkraftwerk ausgestattet und auch die Warteraumsituation verbessert.
Der Bahnhof war 2010 der Bahnhofskategorie 2 zugeordnet, seit 2012 gehört er zur Bahnhofskategorie (seit 2017 Preisklasse) 3. (PDF; 240 kB) Nach Inbetriebnahme der Neubaustrecke Erfurt–Leipzig/Halle im Dezember 2015 wurde der stündliche ICE-Halt beibehalten (Stand: Fahrplanjahr 2022). Am 30. Juni 2019 wurde das Reisezentrum im Bahnhof geschlossen, der Verkauf von Fahrkarten erfolgt seit 1. Juli 2019 durch eine Agentur unter „ServiceStore DB“. Diese Marke wird bis Ende 2026 aufgelöst, die Shops können unter anderem Namen weitergeführt werden.
Zum Fahrplanwechsel 2024/25 wurde der Name des Bahnhofs auf Antrag der Stadtverwaltung auf Hauptbahnhof geändert; den Namen, den die Straßenbahn Eisenach schon immer nutzte.
Hochbauten Empfangsgebäude
mini|links|Glasmosaik mit Darstellung des Automobilwerks Eisenach in der Empfangshalle
Das ursprüngliche Empfangsgebäude der ThEG stand in dem damaligen Inselbahnhof zwischen den Gleisen. Es hatte ein Fürstenzimmer.Brunner & Meyer, S. 13. Das Gebäude entstand wahrscheinlich nach Plänen von Julius Eugen Ruhl.Siegfried Lohr: Planungen und Bauten des Kasseler Baumeisters Julius Eugen Ruhl 1796–1871. Ein Beitrag zur Baugeschichte Kassels und Kurhessens im 19. Jahrhundert. Dissertation, Technische Hochschule Darmstadt, 1982, S. 344 f. Mit dem zunehmenden Verkehr war es am Ende des 19. Jahrhunderts zu klein geworden und wurde nach Fertigstellung des Neubaus im Herbst 1904 abgebrochen.Brunner & Meyer, S. 17.