Die Automobile Monteverdi AG ist ein ehemaliger Schweizer Hersteller von Luxusautomobilen, der 1967 von Peter Monteverdi gegründet wurde und in Binningen ansässig war. Mitte der 1980er-Jahre stellte Monteverdi die Produktion von Personenwagen ein. 1990 betrieb Monteverdi kurzzeitig einen Formel-1-Rennstall.

Geschichte Während der späten 1950er und frühen 1960er Jahre baute, verkaufte und fuhr Monteverdi verschiedene Spezialanfertigungen, während er zur gleichen Zeit die Autowerkstatt seines Vaters zu einer Vertretung der Marken Ferrari, BMW und Lancia ausbaute. Monteverdi war seinerzeit der jüngste Ferrari-Händler weltweit. Kurzzeitig hatte er auch die englischen Marken Jensen, Rolls-Royce und Bentley im Angebot.Roger Gloor, Carl Wagner: Monteverdi – Werdegang einer Schweizer Marke. 1980, S. 127 f.

Bereits in den 1950er Jahren begann Peter Monteverdi, Fahrzeuge zu konstruieren. In erster Linie handelte es sich dabei um Rennwagen. Die ersten Modelle, die Einzelstücke waren oder eine nur begrenzte Verbreitung erfuhren, wurden unter der Bezeichnung MBM vertrieben. Abgesehen von einer Handvoll Rennwagen für die Formel Junior (und einer Ableitung nach Formel-1-Konfiguration) ist hier vor allem ein bereits 1956 entstandenes geschlossenes Coupé mit Kunststoff-Karosserie und Ford-Motor zu nennen, das angeblich in kleiner Serie hergestellt und dem ein Einzelstück als Barchetta mit OSCA-Motor zur Seite gestellt wurde. Daneben kleidete Monteverdi 1958 einen Ferrari Monza nach Entfernung der werksseitigen Karosserie mit einem selbst entworfenen Aufbau ein. Das Fahrzeug blieb ein Einzelstück. Es existierte bis in die 1990er Jahre; dann wurde es von seinem britischen Eigentümer restauriert und erhielt wieder seine anfängliche Ferrari-Karosserie.Geschichte des Ferrari 750 Monza (Fahrgestellnummer 0486M 54) auf www.barchetta.cc (abgerufen am 6. Juli 2021).

1965 kam es zum Zerwürfnis zwischen Monteverdi und Ferrari. Peter Monteverdi beschloss daraufhin, eine Produktion von eigenen exklusiven und luxuriösen Sport- und Tourenwagen aufzubauen. In den ersten Verkaufsprospekten wurde die Marke noch MBM genannt; kurz danach wurde – angeblich auf Betreiben des Chefredakteurs der Schweizer Automobil Revue – der für prestigeträchtiger gehaltene Name Monteverdi als Firmenbezeichnung gewählt.

Zwischen 1967 und 1982 produzierte Monteverdi insgesamt acht verschiedene Fahrzeugtypen mit zumeist diversen Abwandlungen, daneben präsentierte das Werk eine Reihe von Studien und Prototypen.

Monteverdi gab die Produktion von Personenwagen 1982, nach manchen Quellen 1984 bzw. 1987 auf. Obwohl in den darauf folgenden Jahren einige weitere Modelle geplant und in einigen Fällen auch Prototypen gebaut wurden – beispielsweise eine veredelte Version eines Ford Granada II –, erreichte kein Fahrzeug mehr die Produktion. Das Werk wurde in ein Museum umgestaltet, die 1985 eröffnete Monteverdi Car Collection in Binningen. Zunächst zeigte das Museum neben einigen Monteverdi-Modellen auch andere Klassiker, darunter einige Iso Rivolta Grifo. Letztere wurden allerdings um das Jahr 1990 verkauft, woraufhin sich das Monteverdi-Museum ausschliesslich mit Fahrzeugen der eigenen Marke beschäftigte. Peter Monteverdi kaufte in dieser Zeit viele seiner Autos zurück, und später fand sich von jedem Fahrzeugtyp, den Monteverdi jemals hergestellt hat, mindestens ein Exemplar in dem Museum.

1990 kehrte Peter Monteverdi in die Öffentlichkeit zurück, indem er kurzfristig einen Rennstall in der Formel 1 betrieb. Die technischen Reste dieser Unternehmung wurden für ein letztes Auto, den Monteverdi Hai 650 F1 verwendet, einen Sportwagen mit Formel-1-Komponenten und ohne Strassenzulassung.

Ab 2013 gab es Berichte über ein Comeback der Marke. Danach plante der frühere Verkaufsleiter und langjährige Lebenspartner Paul Berger (* 1942, † 2024)Traueranzeige, Neue Zürcher Zeitung, 245. Jg., No. 150, 1. Juli 2024, S. 6., dem damals auch die Firma Automobile Monteverdi AG gehörte, ein neues Fahrzeug mit dem Markennamen Monteverdi, das anlässlich des 50. Jubiläums der Marke auf dem Genfer Automobilsalon 2017 vorgestellt werden sollte.Peter de Marchi: Binninger Traumauto kurz vor Comeback. In: Basler Zeitung. 23. November 2013. (Basler Zeitung (Archiv), abgerufen am 25. Februar 2014). Das Museum in Binningen hingegen wurde Ende 2016 geschlossen. Ein Teil der Fahrzeuge wird gegenwärtig im Verkehrshaus der Schweiz in Luzern gezeigt.

Fahrzeuge Monteverdi High Speed 375 mini|Monteverdi High Speed 375 L mit einer Karosserie von Carrozzeria Fissore

Mit dem von Pietro Frua gestalteten High Speed 375 S nahm Peter Monteverdi im Herbst 1967 die Produktion eigener Sportwagen auf. Konzeptionell verbanden diese Fahrzeuge amerikanische Antriebstechnik – in diesem Falle von Chrysler – mit italienischen Karosserien, die ab 1969 von Fissore kamen. Aus der Grundkonstruktion des High Speed 375 S entwickelte Monteverdi eine ganze Baureihe, die Coupés (375 L, 375 S und 375 Berlinetta mit kurzem Radstand), Cabriolets (375 C und Palm Beach) sowie eine Aufsehen erregende viertürige Limousine (375/4).

Die High-Speed-Reihe war bedeutsam für Monteverdi. Sie begründete den Ruf des Unternehmens als Hersteller hochwertiger Sportwagen, der noch heute besteht.

Welchen Umfang die Produktion der High-Speed-Reihe erreichte, ist unbekannt. Peter Monteverdi gab nie konkrete Zahlen bekannt. Sicher ist allerdings, dass das Coupé 375 L das am häufigsten hergestellte Modell der High-Speed-Reihe ist. Eine gewisse Verbreitung erreichte auch die Limousine 375/4, wobei die Produktionszahlen hier zwischen 13 und 28 Exemplaren schwanken. Alle anderen Modelle wurden nur in wenigen Exemplaren hergestellt, teilweise blieben sie auch Einzelstücke.

Monteverdi Hai 450 mini|Monteverdi Hai 450 SS und 450 GTS

Eine Sonderstellung nahm der zweisitzige Mittelmotor-Sportwagen Hai 450 ein, der in zwei Versionen als Hai 450 SS und als Hai 450 GTS gebaut wurde. Hierbei handelt es sich um ein Fliessheck-Coupé, das mit einem amerikanischen Achtzylinder ausgestattet war und Anfang der 1970er Jahre mit Berichten über atemberaubende Höchstgeschwindigkeiten für Aufsehen sorgte. Insgesamt entstanden nur zwei Fahrzeuge: Der 1970 vorgestellte 450 SS war mit einem Achtzylindermotor von Chrysler vom Typ 426 Street Hemi (7,0 Liter Hubraum) ausgerüstet, der nach der in den USA üblichen SAE-Norm etwa 425 PS ablieferte. Das Auto wurde mehrfach in Details umgestaltet, um den Eindruck zu erwecken, es handele sich um verschiedene Exemplare. Der 1973 vorgestellte 450 GTS war um 50 mm verlängert worden. Er wurde angetrieben von einem sieben Liter großen Achtzylindermotor von Chrysler (Typ Hemi 426), der nun mit Aluminiumzylinderköpfen ausgestattet war. Monteverdi bezifferte die Leistung des Motors mit 450 DIN-PS.Roger Gloor, Carl Wagner: Monteverdi – Werdegang einer Schweizer Marke. Werksunterstützte Chronik der Marke Monteverdi. 1980, S. 201. Daneben entstanden 1990 zwei Werksrepliken, die nicht verkauft wurden.

Die Monteverdi Hai waren isoliert gesehen ein Verlustgeschäft. Dem Aufwand für die Entwicklung und den Bau des Autos stand der ausbleibende Absatz gegenüber. Ob Monteverdi allerdings tatsächlich jemals die Serienproduktion des Hai geplant hatte, ist zweifelhaft. Dafür war das Konzept zu hastig entwickelt worden, und das ganze Auto war zu wenig ausgereift. Es machte insgesamt den Eindruck eines schönen, aber untauglichen Provisoriums. Wahrscheinlich ging es Peter Monteverdi allein darum, mit einem „Hingucker“ das Interesse an der Marke Monteverdi und an den „serienmässig“ produzierten Coupés aufrechtzuerhalten. So gesehen haben die Hai ihren Zweck erfüllt.

Einen indirekten Nachfolger gleichen Namens bekam der Hai Anfang der 90er Jahre mit dem Hai 650 F1.

Geländewagen Zur Zeit der ersten Ölkrise liess der Verkauf der schweren, durstigen Sportwagen nach. Während Konkurrenten wie Iso Rivolta und Jensen strauchelten und letztlich scheiterten, gelang es Peter Monteverdi, sein Unternehmen gänzlich neu auszurichten und so letzten Endes über die späten 1970er Jahre zu retten. Ab 1976 setzte Monteverdi mit insgesamt drei verschiedenen Modellen auf das vergleichsweise neue Konzept luxuriös ausgestatteter Geländewagen. Diese Fahrzeuge, die wiederum amerikanische Grossserientechnik mit eleganten italienischen Karosserien verbanden, verkauften sich sowohl in Europa als auch im Nahen und Mittleren Osten blendend; sie erreichten insgesamt eine vierstellige Stückzahl. Die Geländewagen blieben bis 1982 im Programm. Der Monteverdi Safari war das mit Abstand erfolgreichste Monteverdi-Modell, und das Unternehmen verdiente sehr gutes Geld an den Fahrzeugen. Folgende Modelle entstanden:

Monteverdi Sahara mini|Monteverdi Sahara

Der Monteverdi Sahara war ein kaum veränderter International Scout, der einen neuen Kühlergrill, eine verbesserte Innenausstattung und geänderte Stossstangen trug. Die Ähnlichkeit zum Ausgangsfahrzeug war offensichtlich. Der Sahara verkaufte sich nur in wenigen Exemplaren.

Monteverdi Safari mini|Monteverdi Safari

Auch der Monteverdi Safari beruhte auf der Technik des International Scout; hier war das Ausgangsfahrzeug allerdings wesentlich stärker verfremdet worden. Der Wagen trug eine eigenständige Karosserie. Die Carrozzeria Fissore, Monteverdis langjähriger Partner, konstruierte den Safari und stellte den ersten Prototyp her. Die Serienproduktion des Fahrzeugs übernahm allerdings das 1976 gegründete Karosseriewerk Rayton Fissore,Alessandro Sannia: Enciclopedia dei carrozzieri italiani. Società Editrice Il Cammello, 2017, ISBN 978-8896796412, s. 467.Roger Gloor: Alle Autos der 80er Jahre. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-613-03144-9, S. 434. das rechtlich und wirtschaftlich keine Beziehungen zur Carrozzeria Fissore hatte.

Range Rover Monteverdi Parallel zur Produktion der Safari-Modelle ergab sich für Monteverdi bald die Möglichkeit, echte Range Rover herzustellen.

Zurückgehend auf eine Anfrage von British Leyland Switzerland aus dem Jahre 1976, entwickelte Monteverdi eine viertürige Version des Range Rover, die 1979 in Genf debütierte und in den folgenden zwei Jahren insgesamt 167 mal von Monteverdi gebaut wurde. Die meisten Exemplare wurden in der Schweiz verkauft, einige gingen auch nach Grossbritannien, darunter zwei, die das britische Königshaus bezog. Ab 1982 übernahm Rover die Produktion selbst, liess Monteverdi aber in den kommenden Jahren durch regelmässige Lizenzzahlungen weiter am Erfolg des Modells teilhaben.

Monteverdi Sierra mini|Monteverdi Sierra Cabrio von 1978

Auch auf dem PKW-Sektor setzte Monteverdi das Konzept der Boutique-Autos um: Im Herbst 1976 wurde der Monteverdi Sierra vorgestellt, eine mittelgrosse Limousine mit ausgesprochen unauffälligem Design. Tatsächlich handelte es sich bei dem Sierra um ein intensiv veredeltes Fahrzeug, das weitgehend auf Grossserientechnik beruhte. Das Spenderauto wurde im Grossen und Ganzen unverändert übernommen; letztlich wurden nur Details des äusseren Designs und das Interieur geändert. Basisfahrzeug des Sierra war der 1976 in Amerika vorgestellte Dodge Aspen bzw. dessen Klon Plymouth Volaré; die Carrozzeria Fissore gestaltete vor allem die Front- und die Heckpartie um. Als Antrieb diente ein 5,2 Liter-Achtzylinder mit Vierfach-Vergaser von Chrysler und einer Leistung von 160 PS oder die 5,9 Liter-Version mit zirka 185 PS, die in einem Verkaufsprospekt als „heisse Version“ bezeichnet wurde. Das Standardmodell war eine viertürige Limousine, daneben wurden in wenigen Exemplaren Cabriolets und ein Kombiwagen hergestellt.