Kraiburg am Inn (amtlich Kraiburg a.Inn, bairisch Groabuag) ist ein Markt im oberbayerischen Landkreis Mühldorf am Inn.

Geografie Geografische Lage Kraiburg am Inn liegt in der Region Südostoberbayern im Alpenvorland an der südlichen Seite des Inns rund 23 km nordöstlich von Wasserburg, 22 km nordwestlich von Trostberg, 73 km östlich der Landeshauptstadt München und 14 km von der Kreisstadt Mühldorf entfernt. Die nächstgelegene, von der Südostbayernbahn betriebene Bahnstation an der Strecke Mühldorf–Rosenheim befindet sich im Nachbarort Waldkraiburg.

Gemeindegliederung

Es gibt 54 Gemeindeteile:

Es gibt die Gemarkungen Guttenburg, Kraiburg a.Inn und Maximilian.

Nachbargemeinden Waldkraiburg Polling Oberneukirchen Taufkirchen Jettenbach

Geschichte Antike Zwischen Kraiburg und dem Ortsteil Ensdorf etwa 600 Meter vom Inn entfernt lässt sich archäologisch eine etwa drei Hektar große römische Siedlung nachweisen, die aufgrund der gefundenen Fibeln zwischen der Mitte des 1. Jahrhunderts und dem Anfang des 3. Jahrhunderts datiert werden kann. Der Ort lag damals nicht nur an der Grenze zwischen den römischen Provinzen Noricum und Rätien, sondern auch am Übergang zwischen dem gallischen und dem illyrischen Zollbezirk. Daher handelte es sich laut dem Archäologen Martin Pietsch vermutlich um eine römische Zollstation, an der Binnenzölle von 2,5 Prozent in beide Richtungen erhoben wurden. Für denkbar hält er auch einen Warenumschlagplatz mit Hafen und Pferdewechselstation. 1994 wurde bei archäologischen Ausgrabungen ein farbiges Mosaik gefunden, das vermutlich Anfang des 3. Jahrhunderts in Iuvavum (heute Salzburg) angefertigt wurde.Martin Pietsch: Neue Ausgrabungen in der römischen Grenzsiedlung von Kraiburg a. Inn. In: Das archäologische Jahr in Bayern 1994, 1995, S. 127–130.

Mittelalter und Frühe Neuzeit mini|hochkant=1.15|Markt Kraiburg nach einem Stich von Michael Wening von 1721 Die Ersterwähnung des Ortes erfolgte 772, als der Priester Sigiperht sein Vermögen in Chreidorf der Kirche zu Freising vermachte, wobei es sich um den heutigen Kraiburger Ortsteil Maximilian handeln dürfte.

Von 1100 beginnend bis 1256 war die Burg Kraiburg auf dem Schlossberg Sitz der Grafen von Kraiburg, der erste Graf und Gründer der Grafschaft Kraiburg war Engelbert II. aus dem Hause der Spanheimer. Den Spanheimern folgte die kurze Herrschaft des Grafen Hartmann von Werdenberg-Sargans in den Jahren 1256 bis 1259. Im Jahr 1259 kam Kraiburg an den Wittelsbacher Herzog Heinrich XIII. von Niederbayern.

Im Jahr 1140 erfolgte die erstmalige Erwähnung von Schloss Guttenburg. Mehr als zwei Jahrhunderte später, im Jahr 1359, findet eine Brücke über den Inn in der Marktchronik erste Erwähnung, obgleich sie zu dieser Zeit noch als „weit vom Markt entfernt“ beschrieben wird.

Im Jahre 1385 wurde Kraiburg durch die niederbayerischen Herzöge das Marktrecht erneuert und besondere Privilegien verliehen.

Zu den namhaften Persönlichkeiten des 15. Jahrhunderts zählt der spätere Chiemseer Bischof Bernhard von Kraiburg, ein Sohn des Friedrich Kramer, der hier 1412 zur Welt kam. In jener Epoche wuchs auch die sakrale Infrastruktur des Ortes: Im Jahr 1450 wurde die Kirche St. Maximilian errichtet, und 1484 folgte der Bau der Vorgängerkirche der heutigen Marktkirche, von der bis heute noch vier Turmgeschosse erhalten sind.

Das 16. Jahrhundert brachte sowohl schwere Rückschläge als auch einen deutlichen Modernisierungsschub. Nach einem verheerenden Brand im Jahr 1548 wurde 1552 das Bruderhaus errichtet. Fünf Jahre später, im Jahr 1557, fand das markante Kronenwappen erstmals Verwendung. Die Infrastruktur wurde ebenfalls verbessert, als die Langgasse 1567 ein Pflaster erhielt. Die Jahre 1571 und 1582 waren jedoch erneut von schweren Bränden gezeichnet. Die Straßen wurden in der Folge mit Brandschutt aufgeschüttet – eine Maßnahme, die noch heute am auffallend niedrigen Fußbodenniveau der Häuser am Marktplatz erkennbar ist. Um die Gebäude künftig feuersicherer zu machen, versah man alle neuen Räume beim Wiederaufbau mit Gewölbedecken. Zur besseren Brandbekämpfung wurde zudem 1584 der Marktbrunnen erweitert; er besaß damals eine Marienstatue aus Holz, die auf einem Gemälde am Benefiziantenhaus aus demselben Jahr zu sehen ist. Dass die Bevölkerung in dieser Zeit stark anwuchs, zeigt sich um 1590: Neben der Inschrift am Wandinger Tor zeugt davon die Tatsache, dass viele Häuser ein zweites Stockwerk erhielten, um mehr Wohnraum zu schaffen. Ein beachtliches wirtschaftliches Ausmaß erreichte der Salztransport im Jahr 1593, bei dem 20.000 Pferde zum Einsatz kamen.

Das 17. Jahrhundert war geprägt von reger Bautätigkeit, aber auch von Naturkatastrophen. Im Jahr 1605 begann der Bau des Benefiziantenhauses, dessen Baustein eine Inschrift aus dem Jahr 1608 trägt. Nach einem Wolkenbruch im Jahr 1612, der ein verheerendes Hochwasser auslöste, wurde 1614 die Aukapelle erbaut. 1620 folgte der Umbau des Rathauses, das mit einer Uhr, einem Glockenturm sowie einem siebensäuligen Bogengang ausgestattet wurde. Dieser beherbergte die Markthalle und diente später als Veranstaltungsraum und Schule. Nach einem weiteren Hochwasser im Jahr 1641 wurde 1649 das Gefängnis am Nußbichl errichtet. Um die Mitte des Jahrhunderts, im Jahr 1650, war schließlich die gesamte Marktplatzseite mit dem Bischof-Bernhard-Haus und dem Pfarrhof fertiggestellt. Zum Schutz vor zukünftigen Feuersbrünsten wurde der Marktbrunnen 1652 auf vier Röhren erweitert. Wirtschaftlich ging es weiter aufwärts, als 1669 vier Hauptmärkte (Christi Himmelfahrt, Magdalena, Egidi und Martini) bewilligt und ein Pflasterzoll erhoben wurde.

Das 18. Jahrhundert brachte tiefgreifende Veränderungen für das Ortsbild und die Verwaltung. Für das Jahr 1706 ist nachweislich eine Weinschenke im Bischof-Bernhard-Haus belegt, und 1721 hielt Michael Wening den „Marckh Crayburg“ in einem bekannten Stich fest. In den 1730er Jahren erfuhr die Aukapelle eine Barockisierung, und der Maler Nikolaus Miller schuf 1735 ihr Altarbild. Das Jahr 1740 war durch den Bau des Lerchenfeld-Palais (der späteren Marktapotheke) am Marktplatz sowie der Hauszeilen in der Langgasse gekennzeichnet. Fast zeitgleich, im Jahr 1741, trafen gegensätzliche Ereignisse den Ort: Während die Burg endgültig verlassen wurde und zu verfallen begann und ein durch einen Wildbach ausgelöstes Hochwasser das Grieß überschwemmte, wurde mit Martin Anton Seltenhorns ein bedeutender späterer Maler geboren. Ab 1754 wurde das Lerchenfeld-Palais zum Sitz des vereinigten Landgerichtes Kraiburg und Mörmosen. Da die Burg nun nicht mehr benötigt wurde, verkaufte man die Burggebäude und den Hofbau 1756 auf Erbrecht. Nur ein Jahr später, 1757, folgte der Abriss der Burg, deren wertvolle Quadersteine als Baumaterial für die Häuser am Marktplatz Verwendung fanden. Dennoch standen selbst im Jahr 1800 noch bedeutende Teile der Ruine. In den darauffolgenden Jahren wurde 1758 die Fißlkling Kapelle neu gebaut, und 1759 erwarb der Handelsmann Sebastian Söll das Sachsenschlössl. Das Jahrhundert neigte sich mit dem letzten Todesurteil in Kraiburg im Jahr 1796 dem Ende zu, bei dem der Hüterssohn von Pettenham hingerichtet wurde, sowie mit dem Bau der Schusterschleif im Jahr 1798. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts, im Jahr 1802, wurde schließlich der Salzstadl in der Bahnhofstraße errichtet.

19. Jahrhundert bis erste Hälfte des 20. Jahrhunderts Der Markt Kraiburg am Inn war bis 1802 Pflegamt und gehörte zum Rentamt Burghausen des Kurfürstentums Bayern. Kraiburg besaß ein Marktgericht mit magistratischen Eigenrechten, die zwischen 1804 und 1806 im Zuge der Reformen des Grafen von Montgelas aufgehoben wurden. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde unter Wiederherstellung der gemeindlichen Selbstverwaltung Kraiburgs.

Im Jahr 1821 erfolgte der Bau des im Kern älteren Unterbräus. Nur wenige Jahre später, 1825, kaufte der Bauer Jakob Sachs den Schloßberg, während 1826 der Große Saal im Rathaus zu einem Schulraum umgestaltet wurde. Zur Verbesserung des Brandschutzes beschloss der Markt-Magistrat im Jahr 1831 die Anschaffung von Feuerspritzen. Das Jahr 1832 war von einem schweren Schiffsunglück auf dem Inn geprägt. In den Folgejahren schritt die bauliche Entwicklung voran: 1835 wurde das Lerchenfeld Palais zur Apotheke umgewandelt, 1838 folgte der Bau der Schloßbergkapelle. Im Jahr 1843 entstanden sowohl der Stolz Bräu in der Langgasse als auch der Bauplan des Marktplatzes mit dem beantragten Neubau von Alois Hardt, dem heutigen Hardt-Hotel. Nach dem Bau des Friedhofs im Jahr 1847 zeigte sich die Bedeutung des Handels, da der Kraiburger Pferdemarkt 1848 noch stolze 1.400 Pferde zählte.

Die Mitte des Jahrhunderts brachte infrastrukturelle Neuerungen wie die Errichtung der Postexpedition im Unterbräu im Jahr 1852. Gleichzeitig nutzte der Ofensetzer Georg Sinzinger ab 1853 einen Keller im Rathaus als Laden. Bis 1856 ging der Pferdebestand auf dem Markt auf 1.100 Tiere zurück. Im Jahr 1862 wurde die Kirche in Fißlkling renoviert, und eine Hausinschrift aus dem Jahr 1868 zeugt von Alois und Theresia Scher sowie ihrem Gasthaus in der Langgasse. Politisch war das Jahr 1869 von der Amtszeit des Bürgermeisters Johann Nepomuk Hardt geprägt. Zur Feier der Wiedereingliederung von Elsaß-Lothringen pflanzte man 1870 eine Eiche in der Guttenburgerstraße. Ein schwerer Brand suchte 1871 den Unterbräu, das damalige Brauhaus Stumbeck, heim. Zwei Jahre später, 1873, erfolgte die urkundliche Teilung des Eigelsperger Hauses hinter der Marktkirche, gefolgt vom Bau des Hardthauses im Jahr 1875.

Kraiburg erhielt am 1. Mai 1876 mit der Eröffnung der Bahnstrecke Rosenheim–Mühldorf einen eigenen Bahnhof. Dieser wurde jedoch, wie die Bahnstrecke selbst, auf der aus Kraiburger Sicht gegenüberliegenden, nördlichen Seite des Inns errichtet und befindet sich damit rund drei Kilometer vom Ort entfernt.

Das Jahr 1880 ist durch eine Fotografie des ersten Rathauses sowie den Anbau mit Uhr und Uhrturm an die Marktkirche dokumentiert. Kulturgeschichtlich bedeutsam ist das Jahr 1883, in dem Johann Sperl das Gemälde „Der Apothekergarten von Kraiburg“ schuf, welches heute in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus hängt. Im Jahr 1885 etablierte sich die Tabakherstellung („Schmei“) in Reiching. Das Jahr 1887 brachte umfangreiche Arbeiten mit sich: Die Marktapotheke, das ehemalige Lerchenfeld Palais, erhielt eine Neurenaissance-Fassade, und auch der Marktbrunnen wurde renoviert. Radikale Veränderungen folgten 1889 mit dem Abbruch des alten Rathauses und der Marktkirche, woraufhin das Rathaus in das Haus hinter der Kirche umzog. Der Kirchenneubau der Marktkirche St. Bartholomäus wurde 1892 fertiggestellt und im darauffolgenden Jahr 1893 feierlich eingeweiht. 1894 erwarb der Markt das Haus des Brauers Stumbeck, um dort das Kraiburger Krankenhaus einzurichten. Zum Ende des Jahrhunderts feierte der Ort 1896 das Georgi-Fest, und 1898 wurden zwei Holzstiche von Kraiburg angefertigt sowie das Kreuz am Schloßberg angebracht. Im Jahr 1900 erfolgte der Bau der Bahnhofstraße und der Eröffnung der Königlich Bayrischen Post in der Bahnhofstraße 1. Fünf Jahre später, 1905, wurde die Mädchenschule gebaut. Der Pferdemarkt verlor weiter an Bedeutung und zählte 1908 nur noch 500 Pferde. Naturkatastrophen und Kriege prägten die Folgejahre: 1914 kam es zum Fronleichnams-Hochwasser, und 1919 begann der folgenschwere Baubeginn des Innkanals. Das Jahr 1924 brachte die Eröffnung des Kraiburger Krankenhauses. Zehn Jahre später, 1934, zog die Deutsche Post in den Unterbräu ein, und es entstand die erste Betonbrücke über den Inn. Nachdem 1935 das Rathaus bezogen worden war, baute man 1936 das zweite Kraiburger Freibad am Bruckhäusln. Mit dem Bau der letzten Plätte im Jahr 1938 endete eine Ära der Flussschifffahrt.