Der Rennbahn-Express (ab 2003 Xpress) war eine österreichische Jugendzeitschrift, die 1968 in Salzburg als Schülerzeitschrift entstand und zu einem erfolgreichen Musik- und Jugendmagazin wurde, das bis 2013 erschien. Er erschien monatlich und behandelte die klassischen Themen von Jugendmagazinen wie Chart-Musik, Film- und Star-Berichterstattung sowie Beziehungsthemen und sexuelle Aufklärung, aber vor allem in früheren Jahren auch jugendpolitische Themen.

Geschichte Der Rennbahn-Express wurde im September 1968 in Salzburg gegründet. Der Name stammt von der Salzburger Rennbahnsiedlung, in der die jungen Gründer Karl Vilsecker, Wolfgang Fellner und sein Bruder Helmuth wohnten und produzierten, und der Boulevardzeitung Express. Karl und Wolfgang waren bei der Gründung knapp 14 und Helmuth 12 Jahre alt. Sie gründeten die Zeitschrift als handgeschriebene wöchentliche Schülerzeitung in einem Salzburger Gymnasium. 1970 wechselten die Fellner-Brüder die Schule und zerkrachten sich mit Vilsecker, der als Verleger, Eigentümer und Chefredakteur für die teils provokant schulkritischen Inhalte geradestehen musste. Vilseckers Blatt wurde schließlich verboten, und die Fellners produzierten ihren eigenen R-E. Dort stand ab 22. Oktober 1970 Wolfgang Fellner unter „redaktionelle Leitung, Verleger, Eigentümer“, obwohl die Rechte am Zeitschriftentitel eigentlich bei Vilsecker und dessen volljähriger Schwester lagen. Der R-E erschien nun nur mehr alle zwei Wochen, ab März 1971 monatlich. Der Rennbahn-Express wurde bald an viele Schulen im Bundesland Salzburg geliefert und nach einigen Jahren in ganz Österreich gelesen. Im Sommer 1972 gab es eine Fusion mit der ambitionierten Schülerzeitung Con-Front, von der erst zwei Ausgaben am Akademischen Gymnasium Salzburg erschienen waren. Deren Herausgeber Mark Kadar teilte sich mit Wolfgang Fellner ein Schuljahr lang die Chefredaktion, wurde aber bald aus dem Projekt gedrängt.Peter Baumgartner: Jugendpresse und Markt. Marketing und Management bei „Rennbahn Express“ und „Neue Freie Presse“. Dissertation, Universität Salzburg, 1979. S. 91f.

Am 6. Juli 1973 wurde der Verein Gesellschaft der Redakteure des Rennbahn-Express gegründet, der sich als alleiniger Eigentümer, Verleger und Herausgeber der Zeitschrift definierte. Ab Oktober 1974 war der R-E auch im Zeitschriftenhandel erhältlich, zunächst an 200 Kiosken und größeren Trafiken in den Städten Wien, Graz und Salzburg.Rennbahn-Express, Ausgabe 1/1974, Oktober 1974, S. 3. Wolfgang und Helmuth Fellner gingen nach Wien und produzierten den Rennbahn-Express von dort aus weiter. 1975 wurde die Redaktion der Zeitschrift mit einem Förderungspreis des Dr.-Karl-Renner-Publizistikpreises ausgezeichnet.https://www.oejc.at/wp-content/uploads/2023/09/Preistraegerliste-Dr-Karl-Renner-Publizistikpreis.pdf. Abgerufen am 9. Juni 2026. Nach dem Sommer 1979 stand im Impressum statt des Vereins die Rennbahn-Express VerlagsgesmbH, die den Fellners alleine gehörte. Dies war ein überraschender Schritt, mit dem die Fellners ihre Dominanz in der Zeitschrift offiziell machten und den Weg zur Kapitalisierung der Erfolgszeitschrift ebneten.

1983 gründeten die Fellner-Brüder das Polit- und Gesellschaftsmagazin Basta, Wolfgang Fellner blieb aber beim R-E weiterhin Chefredakteur. In den 1980er-Jahren erreichte der R-E schließlich in Österreich eine höhere Auflage als die vergleichbare deutsche Zeitschrift Bravo. Zwischen 1984 und 1988 verkauften die Brüder den Rennbahn-Express etappenweise an den Tageszeitungsverlag Kurier. Seit 2000 gehörte das Magazin zum ORAC-Verlag, der 2001 mit Fellners Unternehmen, dem NEWS-Verlag, fusionierte. Der Titel der Zeitschrift wurde ab 2001 als rennbahn eXpress stilisiert und Ende 2003 in Xpress geändert. Der Xpress erschien noch im NEWS-Verlag, wobei sich Fellner aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hatte und im Juli 2006 von den übrigen Gesellschaftern WAZ, Gruner und Jahr und Raiffeisen aus dem Gesellschafterbeirat gedrängt wurde.

Weder die Österreichische Media-Analyse noch die Österreichische Auflagenkontrolle erfasste den Xpress. Die Reichweitenstudie CAWI Print des Meinungsforschungsinstitutes Fessel-GfK wies 2011 in Österreich eine Reichweite von 1,8 Prozent aus. (PDF; 2,2 MB). GfK Austria GmbH. Abgerufen am 24. September 2012. Als Folge rückläufiger Auflagezahlen erschien der Xpress im Juni 2013 zum letzten Mal in gedruckter Form, danach noch eine Weile als Onlineangebot. Bald darauf stellte man auch die Onlineausgabe ein.

Starwahlen und Goldener Pinguin 1978, zum 10. Jahrestag der Zeitschriftengründung, sah der Rennbahn-Express Beliebtheitsabstimmungen noch kritisch: „Star-Wahlen sind eigentlich fad: Jedes Jahr dasselbe – hunderte Zeitungen machen eine Art Lotterie. Hier könnt Ihr erstmals selbst jene Stars wählen, die Euch in den letzten 10 Jahren – also praktisch in Eurer Jugend – am meisten beeindruckt haben.“ In späteren Jahren setzte sich die jährliche Starwahl auch beim R-E durch, und mit der Starwahl 88 (als eine Art Jahresrückblick im Heft 1/89 gestartet) wurde erstmals die Trophäe Goldener Pinguin vergeben. Das Aussehen der Trophäe (ein stilisierter Pinguin mit Mascherl im Frack, der eine Tafel mit dem Namen des Preisträgers vor sich hält) wurde offenbar kurzerhand aus dem Artwork des aktuellen EAV-Albums Liebe, Tod & Teufel übernommen. Die Erste Allgemeine Verunsicherung als beliebte Band und der R-E als Medienpartner hatten eine beiderseitig förderliche Beziehung. In der Ankündigung der Starwahl war noch geplant, nur dem Star des Jahres als Hauptpreis einen Goldenen Pinguin zu geben, den anderen Gewinnern (Rock-Star, Rock-Frau, Rock-Band, Austro-Star, Austro-Band, Kino-Star, Fernseh-Star, Sport-Star des Jahres) einen Silbernen.Rennbahn-Express, Heft 1/XXI, Jänner 1989. Letztendlich erhielten aber alle Gewinner einen Goldenen Pinguin, und so konnte man bald im R-E ein Foto von Michael Jackson mit zwei goldenen Awards in den Händen bewundern – für den Star des Jahres und den Rock-Star des Jahres 1988.

Die Kategorien unterlagen einem stetigen Wandel: Schon im zweiten Jahr ließ man in 40 Kategorien abstimmen, darunter zu den meisten Kategorien auch Negativpreise wie Häßlichster Star 1989, Schlechteste Radiostimme, Unnötigste Person des Jahres. Nicht selten waren die Meistgenannten in beiden Extremen die gleichen. Die Starwahl und Vergabe der Goldenen Pinguine blieben bis zur Einstellung des R-E ein jährlicher Fixpunkt.

Chefredakteure 1968–1970: Karl Vilsecker 1970–1972: Wolfgang Fellner 1972–1973: Mark Kadar und Wolfgang Fellner (ab Ausgabe Sept./Okt. 1972) 1973: Wolfgang Fellner (Ausgabe Sept./Okt. 1973) 1973–1978: Kein Chefredakteur genannt, unter „Schlussredaktion“ u. a. Wolfgang Fellner und Ricardo Michael Peyerl (ab Nov. 1973) 1978–1986: Wolfgang Fellner (bis 4/1986) 1986–88: Wolfgang Fellner und Peter Leopold (bis 2/1988) 1988–1989: Peter Leopold (bis 5/1989) 1989–1990: Michael Mazura und Wolfgang Schimmel (bis 2/1991) 1991: Georg Kindel (geschäftsführender Chefredakteur) und Peter Leopold (Consultant Editor) 1991–1992: Georg Kindel (ab 9–10/1991) 1992: Sabine Lachinger und Thomas Zeidler (9 und 10/1992) 1992–1993: Thomas Pertl (11/1992 bis 5/1993; 6–8/1993: keine Angabe) 1993–2001: Barbara Poche (ab 9/1993)Neues Magazin für Generation X. In: horizont.at, 22. Mai 2001. Abgerufen am 5. Juni 2026. 2001–2006: Lisa UlrichRennbahn Express – Chefin geht zu Österreich. In: vienna.at, 12. Juni 2006. Abgerufen am 4. Juni 2026. 2006–2011: Mesi TötschingerMesi Tötschinger wird Mitglied der NEWS-Chefredaktion. APA-OTS, 17. April 2015. Abgerufen am 4. Juni 2026. 2012–2013: Anna WagnerAnna Wagner ist neue Chefredakteurin von Xpress. In: observer.at, 18. Januar 2012. Abgerufen am 4. Juni 2026.

Popkultur Der Rennbahn-Express fand Einzug in den Text der 1984 veröffentlichten Nummer-1-Single Fürstenfeld der steirischen Band S.T.S.„Rennbahn Express“ nur mehr online. In: Die Presse, 22. Mai 2013. Abgerufen am 9. Juni 2026.

Literatur Peter Baumgartner: Jugendpresse und Markt. Marketing und Management bei „Rennbahn Express“ und „Neue Freie Presse“. Dissertation, Universität Salzburg, 1979

(S. 20–74 zum Rennbahn-Express)

Einzelnachweise

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