Landarenca ist eine Fraktion der politischen Gemeinde Calanca im italienischsprachigen Teil des Schweizer Kantons Graubünden.

1980 fusionierte die bis dahin selbständige Gemeinde Landarenca mit Arvigo. Vorher galt sie während längerer Zeit als kleinste Gemeinde der Schweiz.

Geographie Landarenca liegt auf einer Höhe von 1272 m ü. M. im unteren Teil des Calancatals auf einer kleinen Terrasse hoch über dem rechten Ufer des Flusses Calancasca und am Ost-Fuss des Pizzo Mottone, 22 km nördlich von Bellinzona.

Das Dorf ist nur mit einer Seilbahn vom ca. 400 Meter tiefer gelegenen Selma aus oder auf einem Saumweg erreichbar.

Geschichte mini|links|x230px|Dorf Landarenca mini|280px|Gemeindestand vor der Fusion am 1. Januar 1980 Eine erste Erwähnung findet das Dorf im Jahre 1529 unter dem damaligen Namen Lan Darencha. Landarenca entstand, weil die moderne Alpwirtschaft ein Gemeinwerk erforderte. Das führte dazu, dass die verstreuten Hofsiedlungen aufgegeben und gemeinsam in einem Dorf gewohnt wurde. Seit dem Beitritt des Calancatales zum Grauen Bund im Jahr 1496 und dem Loskauf vom Grafen Gian Giacomo Trivulzio aus Mailand wurde Landarenca von der Bevölkerung autonom verwaltet, wovon der ehemalige Gemeindeversammlungsplatz vor der Kirche mit dem Steintisch zeugt.

Die 1529 erwähnte Kirche SS. Bernardo e Nicolao wurde mehrmals umgebaut, u. a. im 17. Jahrhundert, und 1969 bis 1974 restauriert. Landarenca führte 1968 nach Chur als zweite Bündner Gemeinde das Frauenstimmrecht auf Gemeindeebene ein. 1999 war noch eine Familie – der Ort zählte 10 Einwohner – in der Landwirtschaft tätig.

Wappen

Bevölkerung mini|Landarenca, Friedhof Bevölkerungsentwicklung Jahr 1773 1850 1900 1950 1970 1990 1999 2012 Einwohner 117 71 72 37 20 14 10 15

Wirtschaft Heute gibt es nur noch einen Landwirtschaftsbetrieb in Landarenca. Auch hier führt der Rückgang der Landwirtschaft dazu, dass das über Jahrhunderte kultivierte Land verloren geht und durch Hasel-, Erlenbüsche und Waldbäume überwachsen wird. Die übrigen Erwerbstätigen pendeln bis nach Bellinzona.

Verkehr und Tourismus mini|Herberge, ehem. Schul- und Gemeindehaus Da jedes Bündner Dorf Anspruch auf eine öffentliche Zufahrt hat, entschied sich die Bevölkerung von Landarenca für eine Seilbahn anstatt einer Strasse. Diese wurde 1962 in Betrieb genommen und 2004 in eine vollautomatische Seilbahn mit 24-Stunden-Betrieb umgebaut.Bergbahn (Foto). In: komoot.com Die Seilbahn hatte tiefgreifende Veränderungen zur Folge. Während man früher Kartoffeln anbaute, damit man sie nicht auf dem Rücken hochtragen musste, war es jetzt einfacher sie im Tal zu kaufen.

Dank der Seilbahn ist Landarenca wohl das einzige wirklich autofreie Schweizer Dorf. Landarenca kann von Selma zu Fuss auf einem schmalen Saumweg in 40 Minuten erreicht werden. Es ist Ausgangsort für zahlreiche Wanderungen im Calancatal und für Übergänge ins Tessiner Rivieratal.

Im Dorf gibt es ein Restaurant und der Wirt betreibt auch die Herberge, die im ehemaligen Schul- und Gemeindehaus eingerichtet wurde.

Sehenswürdigkeiten

Landarenca wurde vom südlichen Dorfteil her erbaut, der von den rauen Nordwinden geschützt ist. Eine Quelle war bis ins 20. Jahrhundert mit Waschbecken und Tiertränke versehen. In der Südecke steht auch das ehemalige Armenhaus. Die Häuser sind strahlenkranzförmig um die Kirche SS. Bernardo und Nicolao (1529 erstmals erwähnt) angeordnet.Pfarrkirche Santi Bernardo und Nicolao (Foto) auf visit-moesano.ch Ursprünglich wurden die Häuser aus bautechnischen und klimatischen Gründen immer dem Hang entlang gebaut.

mini|Steindach mit Lesesteinen und Zaun gegen Ziegen In Landarenca gibt es noch einzelne Steindächer aus Lesesteinen, als Zeugen eines inzwischen ausgestorbenen Handwerks. Die traditionellen Holzkreuze auf dem Friedhof sollen die Gleichheit nach dem Tode symbolisieren, und zugleich musste kein Marmor vom Tale hochgetragen werden. Am Bach im Norden des Dorfes stand die Mühle, wo der im Dorf angebaute Roggen gemahlen wurde.

Der kleine Schiessstand des Dorfes wurde mit einer Spende von Batista Margna, dem Schützenkönig des ersten Eidgenössischen Schützenfestes von 1849 in Aarau, errichtet. 1968 gewährte Landarenca als zweite Bündner Gemeinde den Frauen das Stimmrecht.

Literatur Edoardo Agustoni: Guida all’arte della Calanca. Casagrande, Bellinzona 2005, S. 66 f. Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 518. Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden, Band VI: Die italienischbündnerischen Talschaften Puschlav, Misox und Calanca (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 17). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1945, ISBN 978-3-906131-55-9.

Weblinks

Comune di Calanca Offizielle Website der Gemeinde (italienisch) Dorf Landarenca Selma-Landarenca auf graubuenden.ch

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Calancatal Kategorie:Ehemalige politische Gemeinde in der Schweiz Kategorie:Ortsbild von nationaler Bedeutung im Kanton Graubünden Kategorie:Calanca Kategorie:Ersterwähnung 1529 Kategorie:Gemeindeauflösung 1979