Der Grenzlandring, seltener auch Grenzland-Ring geschrieben, im Ausland zu seiner Rennsportzeit auch als Wegbergring respektive Wegberg-Ring bekannt, ist eine ursprünglich 9005 Meter lange und 6,8 Meter breite Ringstraße, die vor dem Zweiten Weltkrieg am linken Niederrhein als militärische Versorgungs- und Transportstraße um die Stadt Wegberg bei Mönchengladbach errichtet wurde. Auf diesem birnen- bzw. eiförmigen Ovalkurs aus Beton mit minimal überhöhten Kurven fanden wenige Jahre nach Ende des Krieges vor bis zu 300.000 Zuschauern insgesamt fünf große Auto- und Motorradrennen statt. Die Hochgeschwindigkeitsbahn wurde zu dieser Zeit in den Medien gerne als „die schnellste Rennstrecke der Welt“ bezeichnet, bevor am 31. August 1952 ein schwerer Unfall mit mindestens 13 Toten und 42 VerletztenVor 25 Jahren auf dem „Ring“: 13 Tote und 42 Verletzte. In: Rheinische Post – Erkelenzer Zeitung, 27. August 1977., der zu den schwersten Unfällen der internationalen Rennsportgeschichte zählt, die motorsportliche Nutzung abrupt beendete.

Der Bau mini| 2007: Der ehemalige Start-Ziel-Bereich mini| 2007: Blick auf die Erkelenzer Gerade Im Jahr 1939 wurde der Bau der Ringstraße als „strategisch wichtige Aufmarschstraße für den Westfeldzug“ begonnen. Mit einem Kostenaufwand von etwa 3,3 Millionen Reichsmark war die Ortsumgehung von Wegberg und Beeck in Nähe der Grenze zu den Niederlanden erst während des Krieges fertiggestellt worden. Die durch Wegberg verlaufende Eisenbahnstrecke „Eiserner Rhein“ wurde dabei von zwei Brücken über- beziehungsweise unterquert. Die Straße wurde zunächst im Rahmen der Flurbereinigung in eim Umlegungsverfahren als zweiteilige Straße geplant. Erst durch die Reichsstraßenverwaltung wurde eine Ringform vorgeschlagen. Die Straße wurde erst während des Krieges fertiggestellt. Aufgrund nicht bedeutsamer Nutzung im Zweiten Weltkrieg geriet sie bald danach jedoch in Vergessenheit.

Neueren Erkenntnissen zufolge wurde der Grenzlandring im Auftrag der Wehrmacht von dem auf den Bau von Betonstraßen spezialisierten Kölner Bauunternehmen August Lindemann gebaut – und nicht, wie man hätte erwarten können, von der Organisation Todt, die während der Zeit des Nationalsozialismus von Staats wegen für derartige Großprojekte zuständig war. In der ersten Phase der Planung ging man von zwei eigenständigen Umgehungsstraßen – einer südlichen und einer nördlichen – aus, welche die engen Ortsdurchfahrten von Wegberg und Beeck vom rapide ansteigenden Westwall-Verkehr entlasten sollten, bis sich die Bezirksplaner der Landesplanungsgemeinschaft Rheinland der Bezirksstelle Aachen für eine Ringform einsetzten. Es halten sich bis in die heutige Zeit die nicht abwegigen Gerüchte, dass die damals in Rheindahlen stationierte Motorschule des Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps (NSKK) dabei Einfluss ausübte, um sich die Möglichkeit einer geeigneten Test-, Demonstrations-, Lehr- und Übungsstrecke zu sichern, wie es sie zuvor bereits in Teterow mit dem Teterower Bergring und Hohenstein-Ernstthal mit dem Sachsenring gab. Die Anlieger wurden dazu gezwungen, das zum Bau benötigte Land gegen ein relativ geringes Entgelt abzutreten. Während man die Baukosten mit rund 2,8 Millionen Reichsmark (entspricht heute etwa  Millionen EURDiese Zahl wurde mit der Vorlage:Inflation ermittelt, ist auf volle 100.000 EUR gerundet und vergleicht 1939 mit Januar .) veranschlagte, wurden für den Grunderwerb gut 500.000 Reichsmark berücksichtigt. Danach soll der Ring in etwa 434.300 Arbeitsstunden gebaut worden seinStrecke der Rekorde. In: Rheinische Post – Erkelenzer Zeitung, 27. August 1977..

Die vorgebliche Grenzlandring-Entdeckung mini| 2007: Blick auf die Rheydter Gerade mit Kuppe mini| 2007: Die Friedhofsbrücke stellte bei Rennen Wegbergs Verbindung zur „Außenwelt“ sicher Mündlichen Überlieferungen von Zeitzeugen und Pressemeldungen zufolge soll der im Krieg fast unbeschädigt gebliebene Grenzlandring in einer Nacht des Jahres 1947 vom damaligen Oberbürgermeister der Stadt Rheydt, Carl Marcus, per Zufall während einer Dienstfahrt entdeckt worden sein. Nachdem dieser auf einer normal aussehenden Landstraße gleich mehrmals denselben Radfahrer passiert hatte, habe er erst begriffen, dass er sich auf einer Ringstraße befinden müsse. Da sie als militärische Anlage geplant und praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit gebaut worden war, soll ihre Existenz sogar in dieser Region Grenzland weitgehend unbekannt geblieben sein. Außerdem sei sie auch nicht auf dem damals verfügbaren Kartenmaterial eingezeichnet gewesen. Bei dieser Geschichte dürfte es sich eher um einen cleveren Marketinggag der damaligen Protagonisten als um Tatsachen handeln. Gegen sie sprechen unter anderem auch Berichte, dass der Ring vom Frühjahr 1945 bis ins Jahr 1948 hinein nicht durchgängig befahren werden konnte, weil er von US-Truppen im Bereich der Rheydter Geraden als Benzindepot genutzt wurde und die britischen Besatzer im Bereich der Erkelenzer Geraden eine Werkstatt für Militärfahrzeuge betrieben. Trotzdem ist die vorgebliche Entdeckung durch Carl Marcus, der sich in der Zeit des Nationalsozialismus u. a. als Doppelagent für die deutsche und die britische Seite betätigte und von 1945 bis 1948 als von den Briten eingesetzter Rheydter Oberbürgermeister amtierte,Zu Carl Marcus: Heike Bungert: Rezension zu: Reinhard Doerries (Hrsg.): Diplomaten und Agenten. Nachrichtendienste in der Geschichte der deutsch-amerikanischen Geschichte. Heidelberg 2001. In: H-Soz-u-Kult, 12. April 2002. seither untrennbar mit der Rennsport-Historie des Grenzlandrings verbunden.

Laut Überlieferung berichtete Marcus bald darauf dem Rheydter Seidenfabrikanten (Inhaber und Geschäftsführer der Seidenweberei C. C. Bang) Emil „Teddy“ Vorster von seiner „Entdeckung“. Vorster war selbst Rennfahrer und Vorsitzender des Rheydter Clubs für Motorsport (RCM). Er prüfte den nur wenige Kilometer von seinem Wohnort Rheydt entfernten Ring auf eine eventuelle Rennsporttauglichkeit und brachte im März 1948 nach einer Tagung des Deutschen Motor Clubs (DMC) in Köln einige aktive Fahrerkollegen und Offizielle wie Hermann Lang und Alfred Neubauer nach Wegberg, um deren Urteil zu hören. Die beteiligten Experten waren sich nach Demonstrationsrunden auf dem Ring noch vor Ort schnell einig und teilten danach der Presse mit: „Der Grenzlandring ersetzt uns die AVUS und Tripolis (gemeint war die libysche Vorkriegs-Rennstrecke Autodromo della Mellaha, zwischen Tripolis und Tajura). Neben dem unvergleichlichen Nürburgring als Bergstrecke ist er als unerhört schnelle Flachrennstrecke unentbehrlich für die großen Zerreißproben für Maschinen und Fahrer, auf die die deutsche Automobilindustrie, so sie denn wieder in den umfassenden Wettbewerb auf allen Märkten der Welt zu treten vermag, nicht verzichten kann.“

Die Rennsportjahre 1948 bis 1952 mini|Auf einer solchen BMW 500 Kompressor erzielte Schorsch Meier 1949 seinen Motorrad-Rundenrekord mini|Einen derartigen Veritas RS fuhr Toni Ulmen bei seinem Automobil-Rundenrekord 1951 Initiiert von Teddy Vorster und seinem RCM und organisiert in Zusammenarbeit mit dem Erkelenzer Motorsportclub, fand am 19. September 1948 das erste Rennen statt, nachdem beide Vereine im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft auf eigene Kosten die im Krieg entstandenen Schäden der Strecke ausgebessert hatten. Zur Eröffnung wurde eine Medaille geprägt. Der damalige Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Karl Arnold, nahm „den Grenzlandring – die AVUS des Westens“ feierlich in Betrieb. Rund 250.000 Zuschauer waren anwesend, mit mehr als 100.000 Menschen hatte man zuvor überhaupt nicht gerechnet, und laut Zeitzeugen sei „das ganze Eintrittsgeld der unzähligen Leute mit Eimern und Schubkarren weggebracht worden“. Im zwangsläufigen Organisationschaos soll dann auch ein beträchtlicher Teil der Einnahmen auf dem Weg vom Rathaus in Wegberg zur Bank in Rheydt spurlos verschwunden sein. Jedenfalls deckten sich die da und dort gezählten Summen am Ende nicht, wusste ein führendes Mitglied des Organisationsgremiums später zu berichten. Die treibende Kraft des gesamten Grenzlandring-Projekts, Teddy Vorster, nahm selbst mit seinem AFM-Sportwagen am Lauf der Fahrzeuge bis 1100 cm³ Hubraum teil und schlug hier seinen Bezwinger bei der Deutschen Meisterschaft 1948, Petermax Müller. Georg Meier erzielte auf einem BMW-Motorrad eine Spitzenleistung mit einer Höchstgeschwindigkeit von 196,8 km/h.

Am 24. April 1949 wurde vom Rheydter Club für Motorsport, dem Motorsportclub Grenzlandring Wegberg, dem Automobil- und Motorclub Krefeld und dem Gladbacher Motor Club Mönchengladbach die sogenannte Motorunion Grenzlandring e. V. mit Sitz in Wegberg gegründet, unter deren Obhut dann die weiteren vier Rennen abgewickelt wurden.

Ende der 1940er- und Anfang der 1950er-Jahre wurde der Grenzlandring in deutschen Medien als die „schnellste Flachrennstrecke Europas“ bezeichnet, zum Teil sogar als „schnellste Rennstrecke der Welt“. Letzteres entsprach allerdings nicht den Tatsachen, da auf dem Indianapolis Motor Speedway bereits höhere Geschwindigkeiten erzielt wurden als auf dem Grenzlandring, auf dem Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 250 km/h erreicht wurden. Der Kurs bestand aus zwei unterschiedlich langen Geraden, der Erkelenzer Gerade mit 2052 Metern und der Rheydter Gerade mit 2322 Metern und einer Kuppe über eine Bahnunterführung, die Parallelen zur ursprünglichen „Mulsanne“ von Le Mans aufweist, sowie zwei ungleich stark gekrümmten Kurven, der Roermonder Kurve mit 3327 Metern und der Gladbacher Kurve, auch Beecker Kurve genannt, mit 1304 Metern. Der Ring wurde immer gegen den Uhrzeigersinn befahren, mit Ausnahme der Rennen des Jahres 1949, die man versuchsweise im Uhrzeigersinn bestritt. Den Rundenrekord für Motorräder stellte im September 1949 der damals schon legendäre „Gusseiserne Schorsch“ Meier (u. a. Gesamtsieger der Tourist Trophy des Jahres 1939 auf der Isle of Man) aus Bayern mit seiner BMW 500 Kompressor auf und fuhr dabei einen Schnitt von 216 km/h, allerdings im Uhrzeigersinn. Außerdem erreichte Meier als „Held des Tages“ eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 209 km/h. Der absolute Grenzlandring-Rekord ging zwei Jahre später an den Düsseldorfer Toni Ulmen, der im September 1951 mit seinem Veritas RS im Gegen-Uhrzeigersinn einen Schnitt von 220 km/h erreichte. Fast alle Rennsportgrößen der damaligen Zeit gaben sich beim einmal jährlich ausgetragenen Rennen in Wegberg ein Stelldichein: Karl Kling, Hans Stuck, Fritz Riess, Huschke von Hanstein, der Belgier André Pilette, der Italiener Gianfranco Comotti und der Brite Stirling Moss mit ihren Autos sowie Wilhelm Herz, Ludwig „Wiggerl“ Kraus, Heiner Fleischmann, H. P. Müller, Walter Zeller und andere auf ihren Motorrädern. Der raue Beton führte häufig zu Reifenproblemen: „Da wurde bei Geschwindigkeiten bis zu 225 km/Std oft die Gummiauflage von der Leinwand gerissen“, berichtete Motorrad-Streckenrekordhalter Schorsch Meier 1977 in einem Interview für einen „25-Jahre-Grenzlandring-Unfall“-Artikel der Rheinischen Post.Für „Schorch“ Meier noch ein Begriff. In: Rheinische Post – Erkelenzer Zeitung, 27. August 1977.

Die Steher-Weltrekorde