Medaillenspiegel (Endstand nach 58 Wettbewerben) Platz Land G S B Gesamt 1 16 7 3 26 2 12 10 5 27 3 6 3 9 18 4 5 6 11 22 5 5 4 5 14 6 5 2 1 8 7 3 3 – 6 8 2 5 6 13 9 2 3 3 8 10 2 2 5 9 Vollständiger Medaillenspiegel miniatur|Der Alfréd-Hajós-Schwimmkomplex auf der Margareteninsel Die 28. Schwimmeuropameisterschaften fanden 2006 vom 26. Juli bis 6. August in Budapest statt. Damit kehrten sie an ihren ersten Austragungsort im Jahr 1926 zurück. Der Vizepräsident der Ligue Européenne de Natation (LEN), Sven-Egil Folvik aus Norwegen, ordnete die Europameisterschaften als „weltgrößte Schwimmveranstaltung des Jahres 2006“ ein.
Budapest schloss mit der dritten Austragung der Europameisterschaften nach 1926 und 1958 zu Wien auf, das 1950, 1974 und 1995 Austragungsort war.
Wettkampfstätten Die Wettbewerbe im Wasserspringen, Synchronschwimmen und Beckenschwimmen wurden im traditionsreichen Alfréd-Hajós-Schwimmkomplex auf der in der Donau gelegenen Margareteninsel ausgetragen. Der Komplex ist nicht überdacht und wurde für die Europameisterschaften mit einem neuen 50-Meter-Becken mit zehn Bahnen und einem neuen Sprungturm für das Synchronspringen ausgestattet. Der Schwimmkomplex gilt als einer der modernsten und besten der Welt. Ein Beispiel für die Nachteile des Freibades als Austragungsort bot das Unwetter am 1. August, als die Zuschauer aufgrund der fehlenden Überdachung der Zuschauerränge durchnässt wurden. Auch die Reporter und ihre Arbeitsgeräte kamen wegen der Windrichtung in Kontakt mit dem Regenwasser, obwohl ihre Plätze überdacht waren. Die Wettkämpfe mussten unterbrochen werden.
Die Wettbewerbe im Freiwasserschwimmen wurden im etwa 100 Kilometer entfernten Plattensee ausgetragen.
Teilnehmer Nur 40 der 50 LEN-Mitglieder entsandten 1008 Athleten zu den Schwimmeuropameisterschaften 2006.
Die erfolgreichste Athletin dieser EM war die Französin Laure Manaudou, die bei acht Starts sieben Medaillen gewann (viermal Gold und dreimal Bronze) und über 400 Meter Freistil ihren eigenen Weltrekord verbesserte. Ähnlich erfolgreich war die Berlinerin Britta Steffen, die mit den Staffeln über 4 × 100 Meter und 4 × 200 Meter Freistil jeweils in Weltrekordzeit Gold gewann und auch im Einzelrennen über 100 Meter Freistil mit einer neuen Weltbestzeit siegte; außerdem gewann sie das Rennen über 50 Meter Freistil in deutscher Rekordzeit und holte Silber über die 4-mal-100-Meter-Lagenstaffel.
Zeremonien Eröffnungsfeier Die Eröffnungsfeier der 28. Schwimmeuropameisterschaften fand am 26. Juli vor 7500 Zuschauern statt. Sie wurde live im ungarischen Fernsehen übertragen. Der LEN-Präsident Bartolo Consolo und der ungarische Premierminister Ferenc Gyurcsány hielten Willkommensreden für die Athleten und Zuschauer. Dann marschierten die teilnehmenden Athleten hinter ihren Fahnenträgern ein. Die in Ungarn sehr bekannte Pop-Band Nox, die das Land auch schon beim Grand Prix d’Eurovision vertrat, gab einen Auftritt.
Im Anschluss an die Eröffnungsfeier fand ein Wasserballfreundschaftsspiel zwischen Ungarn und Kroatien statt, das mit dem Ergebnis 11:11 endete.
Siegerehrungen Die Siegerehrungen wurden von Mitgliedern der LEN vorgenommen. Die geehrten Athleten erhielten ihre Medaille, einen Blumenstrauß und einen schwarzen Stoffhund (Puli), der das Maskottchen der Europameisterschaften ist.
Die meisten Siegerehrungen fanden am selben Tag wie der Wettkampf statt. Jedoch verschoben sich einige der Siegerehrungen vom 1. August, die aufgrund eines Unwetters ausfielen. Sie wurden an den folgenden Tagen vor den eigentlich vorgesehenen Wettkämpfen und Ehrungen nachgeholt.
Wettbewerbe Bei den Schwimmeuropameisterschaften wurden Wettbewerbe aus vier Bereichen ausgetragen: Freiwasserschwimmen, Resultate Synchronschwimmen, Resultate Beckenschwimmen, Resultate Wasserspringen, Resultate
Freiwasserschwimmen Der erste Wettbewerb im Freiwasserschwimmen, die fünf Kilometer der Frauen, wurde am 26. Juli ausgetragen. Die Russin Jekaterina Seliwjorstowa gewann mit einer Zeit von 1:01:50,8 Stunden vor Cathi Dietrich aus Frankreich. Zeitgleich auf dem dritten Rang platzierten sich die Tschechin Jana Pechanová und die Russin Larissa Iltschenko. Die deutsche Hoffnung auf den Titel, Britta Kamrau-Corestein, enttäuschte als dreimalige Weltmeisterin und Titelverteidigerin mit Platz fünf. Sie verpasste um eine Zehntelsekunde den Sprung auf das Treppchen. Noch 500 Meter vor dem Ziel lag sie mit zwei Körperlängen in Führung, bis sie von Begleitbooten aus dem Rhythmus gebracht wurde. So fühlte sie sich nach dem Ende des Wettkampfes um eine Medaille betrogen. Die zweite deutsche Starterin, Johanna Manz, erreichte den 14. Platz.
Am selben Tag gewann Thomas Lurz über die zehn Kilometer nach zwei Weltmeistertiteln nun seine erste Goldmedaille bei Europameisterschaften. Dabei ließ er sich nicht einmal von einer Schlange irritieren. Silber ging an den Niederländer Maarten van der Weijden, hinter dem sich der zweite deutsche Starter, Christian Hein, Bronze holte. Der dritte Deutsche Alexander Studzinski erreichte den 21. Rang. Mit dem ersten und dritten Platz retteten die deutschen Männer das Mannschaftsergebnis für den ersten Wettkampftag, nachdem die Frauen über die Fünf-Kilometer-Strecke enttäuscht hatten.
Einen Tag nach seinem Sieg über die zehn Kilometer gewann Thomas Lurz, der amtierende Weltmeister über diese Strecke, auch die 5-Kilometer-Distanz. Mit einem langen Schlussspurt sicherte er sich sein zweites EM-Gold. Nach Bronze im ersten Wettbewerb verbesserte sich daneben der dreimalige Vizeweltmeister Christian Hein auf den Silberrang. Bronze gewann der Italiener Simone Ercoli. Der dritte deutsche Starter, Toni Franz, erreichte mit einer Zeit von 56:59,3 Minuten den elften Platz und rundete damit die gute deutsche Mannschaftsleistung ab.
Den zweiten deutschen Sieg an diesem Tag holte Angela Maurer über die zehn Kilometer. Damit feierte sie ihr Comeback nach einer einjährigen Babypause und ihren ersten internationalen Titel, den sie ausgerechnet an ihrem 31. Geburtstag gewann. Die lange Zeit in Führung liegende Lokal-Matadorin Rita Kovács holte Silber, Dritte wurde Jana Pechanová aus Tschechien. Stefanie Biller erreichte Platz neun mit einer Zeit von 2:07:30,0 Stunden. Alessa Dörling erreichte mit 2:16:41,9 Stunden Platz 23. Die Titelverteidigern Britta Kamrau-Corestein hatte sich bei den Deutschen Meisterschaften nicht qualifizieren können und war somit nicht am Start.
Die 25 Kilometer der Männer, die am 29. Juli ausgetragen wurden, gewann der Franzose Gilles Rondy in 5:10:17,3 Stunden vor dem Russen Anton Sanatschew und Stéphane Gomez, der ebenfalls aus Frankreich stammt. Bester Deutscher wurde Toni Franz, der mit einer Zeit von 5:14:02,4 Stunden auf dem elften Rang ins Ziel kam. Der zweite deutsche Starter, Alexander Studzinski, wurde Zwölfter und benötigte 5:17:24,1 Stunden, um die Strecke zurückzulegen.
Bei den einen Tag später ausgetragenen 25 Kilometern der Frauen konnte Angela Maurer nach den 10 Kilometern die zweite Goldmedaille bei diesen Europameisterschaften erringen. Für die Strecke benötigte sie 5:35:19,1 Stunden und lag damit sechs Sekunden vor der zweitplatzierten Russin Natalija Pankina und 10,4 Sekunden vor der nächsten Deutschen Stefanie Biller, die Bronze holte. Bei Kilometer 18 wären Maurer die Zweit- und Drittplatzierten fast davongeschwommen, sie kämpfte sich jedoch zurück. Die dritte deutsche Starterin Britta Kamrau-Corestein erreichte mit einer Zeit von 5:36:34,8 Stunden den fünften Rang. Kamrau-Corestein war enttäuscht und beschwerte sich über Maurer, die trotz abgesprochener Team-Taktik sich acht Kilometer lang nur hinten dran gehängt hätte.
Synchronschwimmen Das Synchronschwimmen wurde klar von Russland dominiert: In allen vier Disziplinen gewannen die Russinnen Gold. Die zweiterfolgreichste Nation war Spanien, das alle seine Medaillen bei dieser EM (viermal Silber) im Synchronschwimmen gewann. Nur Griechenland und Italien konnten sich mit jeweils zwei Bronzemedaillen noch in die Liste der Medaillengewinner einreihen.
Solo Der Vorkampf des Synchronschwimmen-Solo wurde am 26. Juli ausgetragen. Dabei schwammen die Athletinnen ein freies und ein technisches Programm. Das freie Programm gewann Natalja Ischtschenko aus Russland mit 48,700 Punkten vor Gemma Mengual aus Spanien und der Griechin Nathalia Anthopoulou. Die deutsche Starterin Lisa Lacker erreichte mit 40,400 Punkten den 14. Platz und befand sich damit einen Platz vor der Athletin des Gastgeberlandes, Csilla Acsay. Vor der Deutschen platzierten sich die Österreicherin Elisabeth Mahn mit 40,900 Punkten auf dem 13. Rang und die Schweizerin Magdalena Brunner mit 43,550 Punkte auf dem achten Rang. Im technischen Programm des Vorkampfes änderte sich auf den vorderen Plätzen nichts. Lisa Lacker und Elisabeth Mahn erreichten erneut die Plätze 14 und 13. Magdalena Brunner verschlechterte sich jedoch um einen Platz im Vergleich zum freien Programm. Ihr wurde ein halber Punkt als Strafe abgezogen, sodass die Tschechin Soňa Bernardová mit 43,500 Punkten vor ihr mit 43,150 Punkten lag. Auch im Gesamtergebnis blieben die ersten Plätze gleich: Ischtschenko führte mit 97,850 Punkten mit über einem Punkt Vorsprung auf Gemma Mengual. Den dritten Platz des Vorkampfes belegte die Griechin Anthopoulou. Die Österreicherin Elisabeth Mahn (82,350 Punkte) belegte den 13. und die Deutsche Lisa Lacker (81,250 Punkte) den 14. Rang, womit beide die Qualifikation für das Finale der zwölf Besten verpassten. Die letzte Medaille für Deutschland in dieser Disziplin holte Gudrun Hänisch bei der EM 1983 in Rom. Die Schweizerin Magdalena Brunner belegte trotz ihres neunten Platzes im technischen Programm insgesamt Rang acht.
Im Finale, das am 29. Juli stattfand, wurde ein zweites freies Programm geschwommen. Siegerin war die Russin Natalja Ischtschenko, die bei der letzten EM 2004 in Madrid noch den zweiten Platz belegte. Es war der erste russische EM-Titel im Solo seit dem Jahr 2000 als Olga Brusnikina gewann. Die Titelverteidigerin von 2004, Virginie Dedieu, hatte ihre Karriere beendet und war nicht mehr am Start. Silber holte Gemma Mengual für Spanien, Bronze ging an die Griechin Nathalia Anthopoulou. Die Schweizerin Magdalena Brunner, die als Achte in den Vorkämpfen zu den zwölf fürs Finale Qualifizierten gehörte, errang mit 88,100 Punkten den siebten Rang im Finale.
Duo Der Vorkampf im Synchronschwimmen der Duos wurde am 27. Juli ausgetragen. Er bestand aus einem freien und einem technischen Programm. Im freien Programm platzierte sich das russische Duo Anastassija Dawydowa/Anastassija Jermakowa mit 49,200 Punkten auf dem ersten Platz, vor den Duos aus Spanien und Griechenland. Das deutsche Duo, bestehend aus Saskia Grünes und Lara Kurz, erreichte mit 40,450 Punkten den 14. Rang von 18 Teilnehmern. Die Österreicherinnen Nadine Brandl und Elisabeth Mahn belegten Platz 11 mit einer Punktzahl von 41,550. Auf Platz sieben positionierten sich Ariane Schneider und Magdalena Brunner für die Schweiz, die für ihr freies Programm 43,850 Punkte von den Kampfrichtern erhielten. Die vorderen Plätze im technischen Programm wurden ebenfalls von Russland, Spanien und Griechenland belegt. Das deutsche Team erreichte mit 40,850 Punkten den 13. Rang. Österreich mit 41,800 Punkten und die Schweiz mit 44,300 Punkten nahmen mit den Plätzen elf und sieben dieselben Platzierungen wie im freien Programm ein. Insgesamt gewannen Anastassija Dawydowa/Anastassija Jermakowa den Vorkampf mit 98,150 Punkten, vor den Spanierinnen, die mehr als einen Punkt dahinter lagen, und den Griechinnen. Das Schweizer Duo belegte nach freiem und technischem Programm mit 88,150 Punkten den siebten Gesamtrang. Die Österreicherinnen Brandl und Mahn belegten den elften Gesamtrang mit einer Punktzahl von 83,350. Saskia Grünes und Lara Kurz bekamen insgesamt 81,300 Punkte und belegten damit für Deutschland Rang 14.