mini|Luftaufnahme, in der vorderen Bildmitte die Gose Elbe, links dahinter die Regattastrecke an der Dove Elbe mini|Panoramabild des Gebiets Das Naturschutzgebiet Die Reit liegt im Hamburger Stadtteil Reitbrook in den Marschlanden, zwischen dem Zusammenfluss der Dove Elbe und Gose Elbe.
Das Naturschutzgebiet im Südosten Hamburgs hat eine Größe von 92 Hektar. Es umfasst das 1973 ausgewiesene Gebiet Die Reit und die 2011 erfolgte Erweiterung um die Flächen Die Hohe, Kleiner Brook und ein rund 3,3 ha großes Gebiet im Südosten. Die heutige Geländestruktur der Reit ist wesentlich auf den Betrieb einer Ziegelei zurückzuführen. Geprägt wird das Gebiet von den ausgedehnten Schilfröhrichten, artenreichen Weidengebüschen und dem urwüchsigen Birkenbruchwald, zwei größeren Teichen sowie vielen Kleingewässern und Gräben. Die Hohe ist ein vielfältiges Teichgelände auf einem ehemaligen Spülfeld. Der Kleine Brook wird geprägt durch Grünland im Vorland der Dove Elbe.
Den Schutzstatus erhielt Die Reit in erster Linie wegen ihrer Bedeutung als Brut- und Rastgebiet mitteleuropäischer Sing- und Zugvögel, Die Hohe für das bedeutende Vorkommen des Kammmolchs und der Kleine Brook aufgrund seiner Bedeutung für Wiesenvögel, insbesondere für die Uferschnepfe. Auch durch weitere Amphibienvorkommen, vielerlei Insekten und seine Flora zeichnet sich das Schutzgebiet aus.
Schutzstatus Die Reit wurde am 21. August 1973 als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Wegen der großen Bedeutung des Gebietes für Vögel wurde es 1982 als Schutzgebiet nach der EG-Vogelschutzrichtlinie (79/409/EWG) benannt. 1999 erfolgte zudem eine Meldung als europäisches Schutzgebiet nach der FFH-Richtlinie (RL 92/43 EWG) an die Europäische Kommission (Gebietsnummer 2526-303). Eine Festlegung der Erhaltungsziele für das EG-Vogelschutzgebiet Die Reit ist mit der Änderungsverordnung vom 24. März 2009 erfolgt. Mit einer neuen Verordnung vom 7. Juni 2011 erfolgte die sich aus dem Bundesnaturschutzgesetz ergebende Verpflichtung eingetragene Fauna-Flora-Habitat-Gebiete als Naturschutzgebiet auszuweisen (bis 2011 fehlte der Schutz für Die Hohe) und die Verordnung in ihren Zielen sowie Ge- und Verboten den europäischen Ansprüchen eines Natura-2000-Schutzgebietes zu entsprechen. Gleichzeitig wurde das Schutzgebiet nach den Darstellungen aus dem hamburgischen Landschaftsprogramm um den Kleinen Brook und Flächen im Südosten erweitert.
Lebensräume, Tier- und Pflanzenwelt Die Reit Die Reit gliedert sich in einen außendeichs an der Gose Elbe gelegenen Teil und einen eingedeichten Bereich. Die Außendeichsflächen, die Gose-Elbe-Wiesen, sind zurückhaltend genutzte Feucht- und Frischwiesen mit strukturreichen Kleingewässern. Durch extensive Weidebewirtschaftung und den Einsatz des betreuenden Naturschutzverbandes konnte dort einer von drei Beständen der Schachblume in den Vier- und Marschlanden erhalten werden. Entlang der Gose Elbe entwickelte sich in den vergangenen Jahren durch die Einstellung der Beweidung ein breiter und ausgeprägter Röhrichtgürtel, der wasserseitig in einen gut ausgebildeten Vegetationsstreifen aus Teichrosen und Sumpfcalla übergeht. Hier sind auch die für den Bitterling wichtigen Großmuschelbestände vorhanden. Binnendeichs ist ein Mosaik von unterschiedlichen Lebensraumtypen entstanden: Der Wald im Norden, die großen Röhrichtflächen im Süden und Osten und die dazwischen liegenden Weidengebüsche. Im Schutzgebiet befinden sich mehrere Gewässer, von denen der rund einen Meter tiefe und 1,2 ha große Reitteich im Südosten das größte ist. Auch existiert eine Reihe kleiner Weiher, Tümpel und Gräben, die zum großen Teil zur Erhöhung der Biotopvielfalt wiederhergestellt oder neu angelegt wurden. In den 1990er Jahren ist in den zentral und östlich gelegenen Schilfflächen ein ausgedehntes Grabensystem zur Bewässerung entstanden. Der nördlich gelegene Birkenbruchwald und angrenzende Bereiche mit Silber-Weiden und Eschen sind in ihrer Entwicklung vom Feuchtstandort in den 1950er Jahren zum heutigen Wald wenig gestört worden und strukturreich ausgeprägt. Auf den nassen Binnendeichsflächen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten Schilfröhricht und Weidengebüsche verdichtet.
Die Reit hat eine besondere Bedeutung für den Artenschutz, da sich in diesem Gebiet gut entwickelte Artengemeinschaften angesiedelt haben, wovon ein hoher Anteil schützenswert ist. Es konnten 27 Tier- und Pflanzenarten nachgewiesen werden, die in den Roten Listen von Hamburg oder Deutschland in die beiden höchsten Gefährdungskategorien eingestuft sind. So führten Untersuchungsergebnisse über bedeutende Vorkommen des Kammmolchs zur Meldung als FFH-Gebiet für diese Art. Auch für andere Amphibien, wie den Laubfrosch, ist das Schutzgebiet mit seinen Laichgewässern ein wichtiger Lebensraum. Die Reit ist seit Jahrzehnten für ihren Reichtum an Vogelarten bekannt. Rund 200 Arten konnten beobachtet werden, gut 80 Arten brüten im Gebiet. Besonders hervorzuheben sind die im Schilfröhricht lebenden und brütenden Arten wie Rohrdommel, Tüpfelsumpfhuhn, Blaukehlchen, Rohrschwirl und Rohrweihe. Der Wert des Gebietes für die Vogelwelt wird insbesondere durch seine Bedeutung als Trittstein für den Vogelzug und die damit verbundene wissenschaftliche Forschung bestimmt.
Außerdem entwickeln sich in den Feuchtgebieten mit ihren Weichhölzern sehr seltene und vom Aussterben bedrohte Schmetterlinge (Glasflügler und Nachtfalterarten), und in den wasserpflanzenreichen Stillgewässern findet eine Vielzahl von Libellenarten ihren Lebensraum. Bei den Fischen ist besonders das Vorkommen des stark gefährdeten Bitterlings erwähnenswert. Die für die Fortpflanzung des Bitterlings erforderlichen Großmuscheln sind im Reitteich und im Zulaufgraben mit der Großen Teichmuschel vertreten. Bemerkenswert ist außerdem das Auftreten größerer Bestände des bundesweit gefährdeten Moderlieschens und der in Hamburg gefährdeten Rotfeder.
Die Hohe mini|Die Hohe: Blick von der Windpumpe Richtung Reitdeich. Seit den 1980er Jahren wurde durch Renaturierungsmaßnahmen nach dem Abschluss der Aufspülung ein vielfältiges Teichgebiet geschaffen, das aufgrund seiner besonderen und in Hamburg einmaligen Biotopausstattung einen ganz eigenständigen Lebensraum insbesondere für Amphibien und Libellen darstellt. Das Ensemble von großen, anthropogen nicht genutzten Teichen, teilweise mit ausgeprägter Vegetation und ausgedehnten Flachwasserzonen, bietet hervorragende Laichplätze für Amphibien und Eiablageplätze für viele seltene Libellenarten. Zudem hat sich hier ein hervorragender Bestand des nach FFH-Richtlinie geschützten Steinbeißers etabliert. Die Weideflächen zwischen den Gewässern ergänzen die Teiche zu einer offenen Landschaft. An Gose Elbe und Dove Elbe ist im Rahmen einer Ausgleichsmaßnahme eine beruhigte Uferzone mit Röhrichtgürtel angelegt worden. Das für den Kamm-Molch gemeldete FFH-Gebiet Die Reit (Gebietsnummer 2526-303) umfasst neben dem 1973 ausgewiesenen Naturschutzgebietsteil auch die nördlich angrenzenden Fläche Die Hohe, da hier Kamm-Molche in erheblicher Anzahl ihren Lebensraum finden. Amphibien wie der Kamm-Molch benötigen im Laufe ihres Lebens verschiedenartige Biotope, die sie in unterschiedlichen Teilgebieten eines Lebensraumkomplexes finden. So ist Die Reit im Wesentlichen als Sommer- und Winterlebensraum für den Kamm-Molch von Bedeutung. Die sonnenbeschienenen Gewässer auf der benachbarten Fläche Die Hohe stellen dagegen einen idealen Lebensraum für die Fortpflanzung dar. Um die Lebensbedingungen für den Kamm-Molch zu verbessern, wurden dort flache Gewässer ausgeschoben und durch eine Windpumpe kontinuierlich mit Wasser versorgt. Das ließ die Zahl der Kamm-Molche in den letzten Jahren deutlich ansteigen. Die Reit ist daher mit der angrenzenden Fläche Die Hohe von Hamburg als FFH-Gebiet gemeldet worden.
Reitdeich mini|Männliche Erdkröte beim Überqueren des Reitdeichs mini|Überfahrener Kamm-Molch auf dem Reitdeich Die Straße und Hochwasserschutzanlage (Zweite Deichlinie) Reitdeich verläuft zwischen dem Bruchwald im Süden und dem Teichgebiet im Norden des Schutzgebietes. Umfangreiche Amphibienwanderungen über den Reitdeich mit einer hohen verkehrsbedingten Mortalität der Tiere führten seit 1990 zu genauen Zählungen und Kartierungen der Lebensräume. Seit 1993 ist der Reitdeich als Straße teilentwidmet und jedes Jahr für den Zeitraum vom 1. Februar bis 15. November durch Schranken für den Autoverkehr gesperrt.
Kleiner Brook mini|350px|Kleiner Brook: Blick von der Allermöher Kirchenbrücke (über die Dove Elbe) Richtung Regattastrecke Im östlichen Bereich des Naturschutzgebietes liegt im Außendeichsbereich der Dove Elbe der rund 23 ha große und als Dauergrünland genutzte Kleine Brook. Das schützenswerte Grünland des Kleinen Brooks wird seit Jahrhunderten als Weide von den landwirtschaftlichen Betrieben in Reitbrook und Allermöhe in Form einer rund 20 ha großen Gemeinschaftsweide genutzt. Die Beweidung erfolgt als zweiteilige Umtriebsweide. Der Kleine Brook wird insbesondere durch die weithin offene und großflächige Marschenlandschaft mit Grünland frischer bis mäßig trockener Standorte der Weidelgras-Weißklee-Weide geprägt. Diese Merkmale sind eine der wesentlichen Voraussetzungen für die besondere Bedeutung des Kleinen Brooks als Lebensraum für gefährdete Wiesenvogelarten. In der östlichen Hälfte befindet sich ein 270 m langes Gewässer, welches von der Dove Elbe kommend einem ehemaligen Prielverlauf folgt und in eine in den 1940er Jahren geschaffene Erdentnahmestelle für den nicht vollendeten Sommerdeich endet. In einem rund 130 m breiten Bereich entlang der Dove Elbe ist das Gelände deutlich niedriger und konnte bis zum Bau der Tatenberger Schleuse aufgrund des Tideeinflusses kaum genutzt werden. Der als wertvoll zu bewertende relativ breite Reitgraben zwischen den Grünlandflächen des Kleinen Brooks und dem Reitdeich hat im Norden den Charakter eines kleinen Nebenarmes der Dove Elbe. In diesem Bereich ist das Gewässer sehr naturnah mit unterschiedlich breiten Ausbuchtungen. Die Ufer sind dicht mit Sumpfpflanzen bestanden und weisen einen Röhrichtsaum auf. Er besteht vorwiegend aus Rohrglanzgras, Wasser-Schwaden, Schlank-Segge mit dichten Beständen des Blutweiderichs. Das Gewässer bietet Amphibien einen wichtigen Lebensraum und ist Brutplatz für gefährdete Vogelarten wie der Schnatterente und Knäkente. Auf dem Grünland des Kleinen Brook brüten als typische Arten für diesen Lebensraum Uferschnepfen, Austernfischer und Kiebitze. Die Vorkommen konzentrieren sich insbesondere im Westen entlang der niedrigen Bereiche an der Dove Elbe und des Grabens am Reitdeich. Die Brutbestandserfassungen seit den 1990er Jahren zeigen insgesamt bei allen Arten bedeutende Rückgänge auf ein für die Bestände sehr kritisches Niveau, beträchtliche jährliche Schwankungen und Jahre ohne Bruterfolg.
Südöstliche Flächen am Reitbrooker Westerdeich Die südöstlichen Flächen mit ihrer Größe von rund 3,3 ha dienen vor allem als Puffer zu den intensiven Ackerbauflächen der Umgebung. Es handelt sich um extensiv genutztes, mäßig artenreiches Grünland. In dem durch Entnahme von Deicherde entstandenen Erlenbruch kommt Wald-Simse, Scheinzypergras-Segge und vereinzelt Sumpf-Schwertlilie vor. Die Strauchschicht setzt sich locker aus Weißdorn, vereinzelt Holunder und Gemeine Esche zusammen. In dem Bruchwald brütet u. a. der Mäusebussard. Zu der südöstlichen Erweiterungsfläche gehört auch eine wertvolle 0,5 ha große Teilfläche am Reitbrooker Westerdeich an der Forschungsstation. Der östliche Teil besteht aus einem auf einer ehemaligen Entnahmestelle für Deicherde stockenden Erlenbruch. Auf der östlichen Deichseite der beiden Erlenbrüche sind noch Gewässerreste zu erkennen, die durch Deichbrüche entstanden sind Im Frühjahr sind zumeist hohe Grundwasserstände vorhanden und es kann sich eine dichte Wasserpflanzenvegetation mit Wasserfeder und Sumpf-Schwertlilie ausbilden.
Geschichte