mini|Elisabeth Leonskaja (2012) Elisabeth Leonskaja (; * 23. November 1945 in Tiflis, damals Georgische Sozialistische Sowjetrepublik) ist eine russische Pianistin. Sie zählt zu den führenden Pianistinnen der Gegenwart.

Leben Elisabeth Leonskaja wurde als Tochter einer jüdischen Gesangs- und Klavierlehrerin und eines Anwalts in Tiflis (Georgien) geboren. Auf Wunsch der Mutter besuchte sie dort ab dem siebten Lebensjahr eine Musikschule. Bereits mit elf Jahren gab sie ihr Debüt mit einem Orchesterkonzert, zwei Jahre später folgte der erste Soloabend in ihrer Heimatstadt.Wahrnehmen – Begreifen – Wiedergeben Oder Zuwendung herüber und hinüber. Ein Gespräch mit Elisabeth Leonskaja zu ihrer Biographie. In: Elisabeth Leonskaja. Pianistin. Hrsg. von Wolfgang Erk. Stuttgart 2005, S. 8. 1964 wurde sie für den wichtigen George-Enescu-Wettbewerb in Bukarest mit Arthur Rubinstein in der Jury ausgewählt. Sie gewann den ersten Preis und wurde daraufhin ohne Aufnahmeprüfung am Moskauer Konservatorium aufgenommen, wo sie bis 1971/72 bei Jacob Milstein studierte.Wahrnehmen – Begreifen – Wiedergeben Oder Zuwendung herüber und hinüber. Ein Gespräch mit Elisabeth Leonskaja zu ihrer Biographie. In: Elisabeth Leonskaja. Pianistin. S. 8. Während der Studienzeit wurde sie noch für weitere wichtige internationale Klavierwettbewerbe ausgewählt, an denen sie ebenfalls erfolgreich teilnahm. So gewann sie 1965 beim Marguerite Long-Jacques-Thibaud-Wettbewerb in Paris den dritten Preis und 1968 beim Königin-Elisabeth-Wettbewerb in Brüssel einen neunten Preis.Elisabeth Leonskaja. Piano 1968: Ninth Prize auf der Website Queen Elisabeth Competition. Vgl. auch: Elisabeth Leonskaja & Ekaterina Novitskaya at the Queen Elisabeth Competition 1968, Video anlässlich der Preisverleihung bei YouTube. Aufgrund dieser ersten Erfolge erhielt sie nicht nur ein Stipendium, sondern auch Konzertangebote, die ihr bereits in der Studienzeit ein bescheidenes, aber finanziell selbstständiges Leben ermöglichten.Wahrnehmen – Begreifen – Wiedergeben Oder Zuwendung herüber und hinüber. Ein Gespräch mit Elisabeth Leonskaja zu ihrer Biographie. In: Elisabeth Leonskaja. Pianistin. S. 9, 125.

mini|Elisabeth Leonskaja – Quincena Musical de San Sebastián 2021 Prägend für die künstlerische Entwicklung der jungen Pianistin war die Förderung und Zusammenarbeit mit Swjatoslaw Richter, mit ihm war sie bis zu seinem Tod im Jahr 1997 freundschaftlich verbunden.Elisabeth Leonskaja bei concerti. Elisabeth Leonskaja. Pianistin bei Klassik heute. Kennengelernt hatte sie den berühmten Pianisten, der nicht ihr Lehrer war, im Jahr 1969 durch ihren Duopartner und Ehemann, den Geiger Oleg Kagan. Für Elisabeth Leonskaja war Richter damals „auf einem unerreichbaren Olymp“: „In seiner Gegenwart war ich von der geistigen Substanz, die mir in ihm begegnete, so tief bewegt, so überwältigt, daß ich zu einem Dialog kaum fähig war. Ich versuchte nur, alles aufzunehmen, um es später zu verarbeiten. Ihm gegenüber hatte ich Hemmungen, eine eigene Meinung zu artikulieren. Seine Äußerungen waren wie Lichtstrahlen, wie Wegweiser für mich. Seine Weltsicht wurde zu meinem Credo.“Wahrnehmen – Begreifen – Wiedergeben Oder Zuwendung herüber und hinüber. Ein Gespräch mit Elisabeth Leonskaja zu ihrer Biographie. In: Elisabeth Leonskaja. Pianistin. S. 9. Diese Freundschaft, die gemeinsamen Gespräche, das gemeinsame Musizieren und die gemeinsame Erarbeitung einzelner Werke (die auch in Einspielungen dokumentiert ist) bezeichnet die Pianistin als „Fortuna“, als „Glücks genug“ für ihre künstlerische Entwicklung. Die Zusammenarbeit mit einer Persönlichkeit wie Richter habe sowohl einen anderen Maßstab gesetzt als auch einen anderen Horizont eröffnet.Ute Büchter-Römer: Spitzenkarrieren von Frauen in der Musik. München 2011, S. 76.

mini|hochkant|Elisabeth Leonskaja 2021 In der Zeit von 1969 bis 1974 war ihre Konzerttätigkeit auf Moskau und Russland beschränkt, da die aufstrebende Künstlerin keine Ausreisegenehmigung in westliche Staaten erhielt. Erst nach 1974 wurde das Ausreiseverbot aus unbekannten Gründen aufgehoben. Bereits vor der Ausreisesperre hatte Elisabeth Leonskaja in Wien konzertieren können, und dort knüpfte sie nun, 1978, mit einem weiteren Konzert unter der Leitung von Giuseppe Sinopoli und den Wiener Symphonikern wieder an. Das dreimonatige Transitvisum über Israel wurde jedoch so lange hinausgezögert, dass sie gerade noch rechtzeitig, am Tag der ersten Probe, in Wien eintraf.Ute Büchter-Römer: Spitzenkarrieren von Frauen in der Musik. München 2011, S. 76–77. Da die Sowjetunion 1978 jüdischen Bürgern das Recht zur Auswanderung gab, ihre Eltern verstorben waren und ihre Ehe mit Oleg Kagan 1974 nach sechs Jahren geschieden worden war, entschied sich Elisabeth Leonskaja in Wien zu bleiben. Wien ist seitdem die Wahlheimat der Pianistin.

Die Übersiedlung nach Wien war der Auftakt für die internationale Karriere der Künstlerin. 1979 trat sie erstmals bei den Salzburger Festspielen auf,Konzerte von Elisabeth Leonskaja bei den Salzburger Festspielen. 1980 folgte ein erstes Engagement bei den Luzerner Festwochen. Seit 1979 konzertiert sie mit den ersten Orchestern der Welt, wie Berliner Philharmoniker, Gewandhausorchester Leipzig, Sächsische Staatskapelle Dresden, Münchner Philharmoniker, Concertgebouw-Orchester, Tonhalle-Orchester Zürich, Wiener Symphoniker, Philharmonia Orchestra London, Royal Philharmonic Orchestra, London Philharmonic Orchestra, Orchestre National de France, Orchestre de Paris, New York Philharmonic, Los Angeles Philharmonic oder Cleveland Orchestra. Sie arbeitete und arbeitet mit bekannten Dirigenten zusammen, beispielsweise Kurt Masur, Michael Gielen, Eliahu Inbal, Wladimir Aschkenasi, Michael Schønwandt, Tugan Sokhiev, Michael Sanderling, Róbert Farkas, Jan Willem de Vriend, Dennis Russell Davies, Christoph Eschenbach, Sir Colin Davis, Christoph von Dohnányi oder Mariss Jansons.

Neben der Konzerttätigkeit ist die Kammermusik der zweite Schwerpunkt ihrer künstlerischen Arbeit. Elisabeth Leonskaja ist nicht nur mit Solorezitals ebenfalls in den großen Musikzentren weltweit präsent, sondern auch das gemeinsame Musizieren mit Sängerinnen und Sängern (z. B. Brigitte Fassbaender, Michelle Breedt, Matthias Goerne), Instrumentalisten (z. B. Heinrich Schiff, Thomas Zehetmair, Leonidas Kavakos, Julius Drake) und Ensembles (z. B. Belcea Quartet, Borodin-Quartett, Guarneri String Quartet, Emerson String Quartet, Jerusalem Quartet, Artemis Quartett, Alban Berg Quartett) ist ihr ein Herzensanliegen. Die Aufnahmen mit dem Alban Berg Quartett, dem sie außerdem durch eine langjährige musikalische Freundschaft verbunden war, gelten als legendär.

Elisabeth Leonskaja ist regelmäßig bei internationalen Festivals vertreten, wie den Wiener Festwochen, dem Schleswig-Holstein Musik Festival, der Schubertiade,Konzerte von Elisabeth Leonskaja bei der Schubertiade. dem Spring Festival Tokio und den Dezemberabenden Moskau.

Zahlreiche ihrer LPs und CDs wurden mit Preisen ausgezeichnet. So wurde zum Beispiel die CD Paris mit Werken von Maurice Ravel, George Enescu und Claude Debussy von der International-Classical-Music-Awards-Jury (ICMA) als Solo-Einspielung des Jahres 2014 prämiert.Besprechung des Albums Paris bei cosmopolis

Elisabeth Leonskaja ist Ehrenmitglied des Wiener Konzerthauses.

Auszeichnungen (Auswahl) 1999: Ehrenbürgerin der Stadt Deutschlandsberg 2006: Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst erster Klasse für besondere Verdienste um die Kultur des Landes 2014: Ehrenmitglied der Johannes-Wasmuth-Gesellschaft e. V. 2016: Auszeichnung Priesterin der Kunst in Georgien 2020: Opus Klassik, Kategorie Instrumentalistin des Jahres (Klavier), für Robert Schumann Variations – Sonaten 2020: International Classical Music Awards (ICMA) für ihr Lebenswerk 2024: Wigmore Hall Medal

Zitate

Diskografie (Auswahl)

Literatur G. Atterfors: Elisabeth Leonskaja på Sverigebesök. In: Musikrevy. (Schweden) 48 (1993), H. 3, S. 24–27. Gregor Willmes: Art. Leonskaja, Elisabeth. In: MGG Online. Hrsg. von Laurenz Lütteken, New York, Kassel, Stuttgart 2016ff., zuerst veröffentlicht 2003, online veröffentlicht 2016 (Online-Ausgabe für Vollzugriff Abonnement oder Zugang per Institution erforderlich). Elisabeth Leonskaja. Pianistin. Hrsg. von Wolfgang Erk. Radius, Stuttgart 2005, ISBN 3-87173-316-4. Ute Büchter-Römer: Spitzenkarrieren von Frauen in der Musik. G. Ricordi & Co., München 2011, S. 73–80, ISBN 978-3-9807515-9-9. Walter Weidringer: Die Lebensfreundlichkeit der Grande Dame. Tiefsinn, Transzendenz und traumwandlerische Intuition sind die Domänen der Pianistin Elisabeth Leonskaja. In: Elbphilharmonie Magazin. Ausgabe 2/2024, S. 52–55.

Weblinks

Offizielle Website von Elisabeth Leonskaja (dort auch Videos, Interviews und Recordings von 1986 bis heute, teilweise mit Hörproben)

Elisabeth Leonskaja im Onlinearchiv der Österreichischen Mediathek Begegnungen mit Elisabeth Leonskaja. Deutschlandfunk Kultur Archiv (2020). Teil 1: Ein leichter Weg zum Klavier, Teil 2: Die Karriere geht weiter: „Nahtlos mit Reibungen“, Teil 3: Weder Beifall noch Instrument zählen, allein die Musik Elisabeth Leonskaja im Portrait bei elbphilharmonie (digitalisierte Seite des Beitrages aus dem Elbphilharmonie Magazin 2/2024) »Mit der Musik sich selbst geben« – Filmporträt über Elisabeth Leonskaja. Produktion: 3B Produktion, Konzerthaus Berlin 2024 Konzerte von Elisabeth Leonskaja im Wiener Konzerthaus, 187 Veranstaltungen (1974–2025), abgerufen am 9. Juni 2025 Konzerte von Elisabeth Leonskaja im Wiener Musikverein, 112 Veranstaltungen (1980–2023), abgerufen am 9. Juni 2025

Einzelnachweise

Kategorie:Klassischer Pianist Kategorie:Musiker (Wien) Kategorie:Musiker (Russland) Kategorie:Musiker (Sowjetunion) Kategorie:Komponist klassischer Musik (20. Jahrhundert) Kategorie:Absolvent des Moskauer Konservatoriums Kategorie:Träger des österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst I. Klasse Kategorie:Ehrenbürger von Deutschlandsberg Kategorie:Person (Tiflis) Kategorie:Sowjetbürger Kategorie:Geboren 1945 Kategorie:Frau