mini|Pau Casals (ca. 1915) rahmenlos
Pau Casals i Defilló (katalanische Namensform, [], international auch in kastilischer Form als Pablo Casals [] bekannt; * 29. Dezember 1876 in El Vendrell, Spanien; † 22. Oktober 1973 in San Juan de Puerto Rico) wurde vor allem als Cellist weltberühmt, wirkte aber auch als Komponist und Dirigent.
Leben Sein Vater Carles Casals i Ribes (1852–1908) war Organist in El Vendrell. Er lehrte Pau bereits in frühen Kinderjahren Gesang, Klavier, Orgel und Komposition.Albert E. Kahn: Pablo Casals – Licht und Schatten auf einem langen Weg. S. 24 Gemäß den Lebenserinnerungen des 93-jährigen Casals habe seine Mutter Pilar Defilló, eine in Puerto Rico geborene Katalanin, die tiefe Begeisterung des Elfjährigen für das Cello richtig erkannt. Auch gegen finanzielle Einwände ihres Mannes schickte sie Pau zum Erlernen dieses Instrumentes an die Musikschule (Conservatori Municipal de Música de Barcelona) nach Barcelona.Albert E. Kahn: Pablo Casals – Licht und Schatten auf einem langen Weg. S. 29 1890, Pablo Casals war 13 Jahre alt, entdeckte er in einer Musikalienhandlung Noten von Johann Sebastian Bach: Six Sonatas ou Suites pour Violoncelle Seul (Sechs Suiten für Cello Solo). Diese Werke machten ihn später berühmt. Durch die Bemühungen seiner Mutter erhielt er von Isaac Albéniz, dem berühmten Pianisten, ein Empfehlungsschreiben an den einflussreichen Grafen Guillermo de Morphy, Privatsekretär der Königin María Cristina, in Madrid. Mit Mutter und Brüdern machte er sich auf die Reise. Der Graf war von seinen Fähigkeiten spontan so überzeugt, dass er ein Vorspielen vor der Königin arrangieren konnte, welche ihm daraufhin ein Stipendium zum Studium der Komposition bei Tomás Bretón gewährte. 1893 nahm er sein Studium am Madrider Konservatorium (Conservatorio de Musica y Declamacion) auf, wo er von Jesus de Monasterio in Kammermusik unterrichtet wurde. Graf de Morphy kümmerte sich um Casals’ geistige und kulturelle Ausbildung, die noch sehr lückenhaft war.
Im Sommer 1895 einigte er sich mit dem Grafen auf einen Studienwechsel nach Brüssel, wo Casals neben dem Cello auch das Fach Komposition belegen sollte.Die belgische Cellisten-Schule Zum Abschied schenkte ihm die Königin ein Cello. Doch die lange Reise war vergeblich: Der Kompositionslehrer, Professor François-Auguste Gevaert, lehnte in seinem fortgeschrittenen Alter die Aufnahme neuer Schüler ab, und der Cellolehrer Edouard JacobsCasals in Klassik heute behandelte den unbekannten Spanier so von oben herab, dass der selbstbewusste Pau kurzerhand abreiste und mit dieser Entscheidung auch die finanzielle Unterstützung durch den spanischen Hof verlor. Auf dem Rückweg machte er in Paris Halt und versuchte, aus seinem Talent Kapital zu schlagen. Er fand jedoch nur eine Anstellung als Zweiter Cellist im Theaterorchester der Folies Marigny. Enttäuscht kehrte er nach Barcelona zurück und begann damit, sich eine Existenz als Lehrer aufzubauen – eine Tätigkeit, die er sein Leben lang neben der solistischen Karriere beibehalten und der er sich mit großem Engagement und Idealismus widmen sollte. Im Dezember 1896 begleitete ihn der 61-jährige Camille Saint-Saëns persönlich bei einer Aufführung seines Cellokonzertes a-Moll. Innerhalb kürzester Zeit hatte er sich zu einer nationalen Berühmtheit entwickelt und er wurde zum Professor für Cello am Konservatorium Barcelona ernannt. Gleichzeitig war er Erster Cellist im Orchester des Gran Teatre del Liceu. 1897 hatte er einen Auftritt mit dem Symphonieorchester Madrid und erhielt den Orden Carlos III. von der Königin. Seine Karriere als Cellovirtuose war nunmehr gesichert. Die königliche Gunst María Cristinas öffnete Pau Casals auch die Türen anderer europäischer Königshäuser, wo hauptsächlich Prestige erworben werden konnte. So spielte er 1899 im Crystal Palace in London und anschließend für Königin Victoria in deren Sommerresidenz in Cowes, Isle of Wight. miniatur|Pau Casals Durch ein Empfehlungsschreiben des Grafen de Morphy an den renommierten französischen Dirigenten Charles Lamoureux trat Casals bei diesem als Solist am 12. November sowie am 17. Dezember 1899 auf und wurde von Publikum und der Presse gefeiert. Begleitet vom Pianisten Harold BauerDer Pianist Harold Bauer Sendung: 13. März 1984 – "Historische Aufnahmen" im Deutschlandfunk, Köln trat er 1900-01 in Spanien und Holland auf. 1901 besuchte er erstmals die USA, und zwar als „assistierender Instrumentalkünstler“ bei einer Tournee von Emma Nevada.Emma Nevada website Im März 1902 beendete ein lebensgefährlicher Unfall beinahe seine Cellistenkarriere. Bei einer Besteigung des Mount Tamalpais bei San Francisco löste sich ein Felsbrocken und stürzte auf Pau zu. Er konnte nicht vollständig ausweichen und seine linke Hand wurde zerschmettert. Zum Glück konnte die Hand wiederhergestellt werden, doch Casals musste nun einige Monate pausieren. 1903 reiste Casals, begleitet von Harold Bauer am Klavier und Bernardo Valentim Moreira de Sá,Bernardo Valentim Moreira de Sá einem portugiesischen Geiger, durch Südamerika. Zu Beginn des nächsten Jahres folgte seine erste Solotournee durch die Vereinigten Staaten. Am 15. Januar 1904 spielte er vor Präsident Theodore Roosevelt und dessen Frau im Weißen Haus in Washington. Auf dieser Tournee lernte er auch seine spätere Frau kennen, die Sängerin Susan Metcalfe. Um seine wachsende Sammlung von Büchern, Noten, Gemälden und Möbeln unterzubringen, mietete er 1904 ein Haus in Auteuil im Südwesten von Paris, rue Molitor. Die 325 Francs pro Quartal Mietkosten waren kein Problem für Casals, denn inzwischen verdiente er allein mit einem Konzert durchschnittlich 500 Francs.
Ein besonderes Erlebnis war seine erste Reise nach Russland im Jahre 1905 – die Revolution war schon ausgebrochen. Casals, der eigentlich nach Moskau wollte, konnte wegen eines Eisenbahnerstreiks nur bis St. Petersburg fahren. Dort suchte er den Dirigenten Aleksandr Siloti auf, den er von Briefwechseln her kannte. Dieser erwartete den belgischen Geiger Eugène Ysaÿe, der allerdings wegen des Streiks in Warschau hängengeblieben war. So bat Siloti Casals, statt Ysaÿe zu spielen. Casals gab noch weitere Konzerte, doch die Zustände in der Stadt waren mehr als chaotisch. Casals reiste bis 1913 jedes Jahr nach Russland. Er arbeitete mit vielen russischen Komponisten, z. B. mit Alexander Konstantinowitsch Glasunow, Nikolai Andrejewitsch Rimski-Korsakow, Sergej Rachmaninow und Aleksander Skrjabin, dessen Ideen ihn faszinierten.
Im Herbst 1906 starb sein Vater Carlos. Casals nahm gerade in Basel an einer Aufführung der Matthäus-Passion von Bach teil. Nach dem Konzert reiste er umgehend in die Heimat zur Beerdigung. Wenig später brachte seine Mutter ihn auf die Idee, ein eigenes Haus in Spanien zu bauen. So entstand in Sant Salvador, direkt am Strand seiner Kindheit, eine Villa, die später immer wieder erweitert wurde. 1906 nahm Guilhermina Suggia, eine junge Cellistin aus Portugal, Unterricht bei Casals. Sie verliebten sich ineinander und sie zog zu ihm in die Villa Molitor. Seine Tourneen wurden jetzt kürzer und er blieb mehr in der Nähe von Paris – auch Suggia war ein Grund dafür. mini|Pau Casals,Foto: Ferdinand Schmutzer, 1914 1919 begann in Barcelona mit der Gründung des „Orquesta Pau Casals“ seine Karriere als Dirigent, die dann durch den Spanischen Bürgerkrieg 1936 beendet wurde.Evan Bailyn: Pablo Casals Biography
Pau Casals beschreibt in seiner Autobiographie, wie seine lebenslange Liebe zu dem Instrument Cello bei einem Konzert in El Vendrell entstanden ist:
Casals unternahm weltweite Konzertreisen als Cellovirtuose und bildete in den Jahren 1906 bis 1933 mit dem Pianisten Alfred Cortot und dem Geiger Jacques Thibaud das wohl berühmteste Trio der Musikgeschichte. Besondere Beachtung fand er mit der Interpretation der Suiten für Violoncello solo von Johann Sebastian Bach, die er völlig ungekürzt einer Musikwelt vorstellte, der sie bis dahin so gut wie unbekannt waren. Obwohl es schon vor Casals hervorragende Cellisten wie Julius Klengel gab, weckte er durch seine zahllosen Konzerte mit seiner Virtuosität und künstlerischen Integrität das Interesse einer breiten Öffentlichkeit und hob das Ansehen des Cellos als Soloinstrument.
Ende 1936,[René Puig (Arzt von P. Casals in Prades seit Ende 1936) in "Pablo Casals", Zeitschrift "Conflent", 1965, S. 3] nach Anfang des Spanischen Bürgerkriegs, ging Casals ins Exil nach Prades in den französischen Teil der Pyrenäen. Nach dem Zweiten Weltkrieg begründete er 1950 die dortigen Festspiele, heute eines der ältesten Kammermusikfestivals der Welt. In Prades gastierten damals für mehrere Wochen so berühmte Musiker wie David Oistrach, Yehudi Menuhin, Rudolf Serkin, Wilhelm Kempff oder Mieczysław Horszowski. Alle kamen, um gemeinsam mit Casals zu musizieren. 1956 zog Casals nach Puerto Rico, wo er das jährlich stattfindende Festival Casals de Puerto Rico ins Leben rief. Es wurde das bedeutendste Festival in Lateinamerika und zog solche bekannten Namen wie z. B. Leonard Bernstein, Arthur Rubinstein, Mstislav Rostropóvich, Andrés Segovia, Jean-Pierre Rampal und Zubin Mehta nach San Juan. In späteren Jahren übergab Casals den Taktstock an den polnischen Komponisten und Dirigenten Krzysztof Penderecki. 1958 half er bei der Gründung des Puerto Rico Symphony Orchestra und 1959 bei der Errichtung eines Konservatoriums. mini|Pau Casals, Philharmonie Berlin fotografiert von Erich Salomon, 1931 Casals komponierte geistliche Musik und Orchesterwerke. Seine wohl bekannteste Komposition ist das Oratorium El Pessebre (Die Krippe) von 1960. Foto: von links stehend Enric Casals, Marta Casals, sitzend Pau Casals und Joan Alavedra mit Ehefrau; stehend Narcís Costa 1989 bekam er von der National Academy of Recording Arts & Sciences postum den Grammy Lifetime Achievement Award verliehen.
Casals übte noch im Alter von 93 Jahren täglich vier bis fünf Stunden Cello. Auf die Frage „Warum?“ antwortete er einmal: „Ich habe den Eindruck, ich mache Fortschritte.“
Politisches und soziales Engagement miniatur|hochkant|Statue Pau Casals’ in Barcelona miniatur|hochkant|Pau-Casals-Büste in Wolfenbüttel Casals setzte sich unermüdlich für Frieden, Demokratie und Freiheit ein. Obwohl er in den Jahren des Franco-Regimes in den spanischen Medien Pablo Casals genannt wurde, bestand er immer darauf, Pau genannt zu werden, nicht nur, weil dies sein katalanischer Name war, die Sprache, für die er sich stets einsetzte, sondern auch, weil das Wort Pau auf Katalanisch Frieden bedeutet.
Als sich in Russland nach der Oktoberrevolution 1917 ein kommunistisches Regime bildete, beschloss Casals, nicht mehr in diesem Land aufzutreten. Bekannt für seine republikanischen Ideale, führte er 1931 anlässlich der Ausrufung der Zweiten Republik in Spanien Beethovens Neunte Symphonie in Barcelona auf. Nach der Machtergreifung Hitlers, dessen Ziele er verabscheute, wies er 1933 eine Einladung zurück, in Deutschland aufzutreten.
Mit Beginn des Spanischen Bürgerkriegs stellte er sich öffentlich auf die Seite der Republik. Der Verlauf des Krieges zwang ihn schon Ende 1936 in das Exil nach Prades in Frankreich. Von dort unterstützte er aktiv spanische Flüchtlinge. Nach dem Sieg Francos übersiedelte er nach Puerto Rico, wo seine Mutter als Tochter katalanischer Einwanderer geboren worden war.Pablo Casals Museum – 101 Calle San Sebastián, San Juan Er kündigte an, nicht wieder nach Spanien zurückzukehren, bis die Demokratie wiederhergestellt worden sei. In einem weiteren Schritt in seinem Kampf für den Frieden und gegen die Diktatur Francos erklärte er 1945, so lange nicht mehr öffentlich aufzutreten, wie die westlichen Demokratien ihre Haltung gegenüber der Franco-Regierung nicht ändern würden.