mini|150px|Luftgewehrscheibe
Als Präzisionssport werden verschiedene Sportarten bezeichnet, bei denen ein vorgegebenes Ziel mit einem Gegenstand möglichst präzise getroffen werden muss. Falls sie ohne feste Regeln gespielt werden, werden sie auch als Geschicklichkeitsspiele bezeichnet.
Eingrenzung Für den Begriff Präzisionssport lässt sich keine offizielle Definition finden. Das visuelle Lexikon Sport nennt folgende Präzisionssportarten: Schießen, Bogenschießen, Billard, Bowls, Pétanque, Bowling, Curling, Golf. Diese Liste ließe sich ergänzen durch Armbrustschießen, Minigolf, Kegeln und andere verwandte Sportarten. Als Eingrenzungsmöglichkeiten bieten sich Einteilungen bei Wettkämpfen und/oder von offiziellen Verbänden an. Eine solche Einteilung wurde bei den World Games 2005 in Duisburg vorgenommen. Auf Webseiten bezeichnen einige Vereine und Institutionen von ihnen betriebene Sportarten ebenfalls als Präzisionssport. Dies ist eine weitere Möglichkeit der Eingrenzung.
Bei den World Games 2005 in Duisburg wurden folgende Sportarten zu Präzisionssport zusammengefasst:
Billard, Boule, Bowling, Feldbogenschießen, Casting und Kegeln.
Im World Wide Web werden von Institutionen und Vereinen neben den bereits genannten die Sportarten Curling, Schießsport, Golf, Dart und Minigolf als Präzisionssport bezeichnet. Ein Hinweis hinsichtlich Croquet findet sich nur auf der englischsprachigen Website der World Croquet Federation.
Eine mögliche Abgrenzung des Begriffs Präzisionssport von Geschicklichkeitsspielen wäre die Organisation des Spiels bzw. der Sportart in einem Verband, wie dem DOSB, dem IOC, den World Games beziehungsweise der Interessengemeinschaft der Nicht-Olympischen Verbände im DOSB (IG NOV). Einige der dargestellten Sportarten sind Geschicklichkeitsspiele.
Schießsport
mini|150px|Bogenscheibe
Beim Sportschießen muss die Mitte einer Schießscheibe getroffen werden. Die Ringanordnung auf einer Schießscheibe wird „Spiegel“ genannt, in den meisten Disziplinen handelt es sich um Ringscheiben, bei denen maximal zehn Ringe erreicht werden können. Je näher man die Treffer in der Mitte platzieren kann, umso mehr Ringe erhält der Schütze. Die Schützen verwenden präzise Waffen, die möglichst reproduzierbare Ergebnisse liefern. In den Schießständen werden standardisierte Bedingungen geboten. Das Sportschießen wird nach der Art der Waffe unterteilt: Bogen Armbrust Gewehr / Flinte Pistole / Revolver
Der Schießsport ist in verschiedenen Verbänden organisiert: Deutscher Schützenbund, ist im DOSB vertreten Deutscher Bogensport-Verband 1959 e. V. (DBSV) Bund der Militär- und Polizeischützen e. V. (BDMP) Deutsche Schießsport Union (DSU) Bund Deutscher Sportschützen (BDS) Verschiedene Schießsportdisziplinen nehmen bzw. nahmen an Olympischen Spielen sowie an World Games teil. Es werden regionale, nationale und internationale Wettbewerbe sowie Liga-Wettbewerbe ausgetragen.
Beim Bogenschießen kommt außer den oben genannten Kriterien noch der Kraftaufwand hinzu. Außer auf ringförmige Scheiben wird auch auf Scheiben mit Tierbildern, auf Schaumstofftiere und auf Wurfscheiben geschossen. Beim Field Target wird auf lebensgroße Metallsilhouetten von Kleintieren geschossen, die auf einem Parcours verteilt sind. Die Schützen gehen in Gruppen den Parcours ab. Neben fest angebrachten Zielen wird auch auf bewegliche Ziele geschossen wie beim Wurfscheibenschießen oder die laufende Scheibe.
Darts
mini|Dartboard
Beim Darts wird mit Wurfpfeilen, die Darts genannt werden, auf eine Zielscheibe geworfen. Jeder Spieler hat drei Darts. Die Scheibe hat Ringe und ist zudem in 20 Kreissektoren mit Werten von 1 bis 20 aufgeteilt. In der Mitte befindet sich das Bull’s eye (Wert 50 Punkte), darum befindet sich das Single Bull (Wert 25 Punkte). Es gibt weiter einen Triple-Ring (dreifacher Wert) und einen äußeren Double-Ring (doppelter Wert). Die Entfernung von Abwurflinie zur Dartscheibe und die Höhe der Aufhängung der Dartscheibe ist festgelegt.
Bei der Hauptdisziplin wird rückwärts gezählt, beginnend bei 501 (301). Jeder Spieler wirft der Reihe nach die drei Darts. Die erreichten Punkte werden von den bisherigen Punkten abgezogen. Ziel des Spiels ist es, mit einem Wurf in ein Doppelfeld oder in die Mitte (Doppelbull), exakt 0 Punkte zu erreichen. Es gibt weitere Varianten des Spiels, bei denen die zu treffenden Felder andere sind.
Es gibt traditionelle Steel-Dartscheiben und E-Dartscheiben. Dartscheiben und Dartautomaten befinden sich häufig in Gaststätten, dort wird das Dartspiel meist als Geschicklichkeitsspiel betrieben.
Weltweit sind die Steel-Dartspieler in der World Darts Federation (WDF) organisiert, in Deutschland sind sie es im Deutschen Dart-Verband (DDV), in Österreich im Österreichischen Darts Verband (ÖDV). Daneben gibt es noch die Professional Darts Corporation (PDC) und die British Darts Organisation (BDO) sowie weitere verbandsunabhängige Vereine und Ligen. Im E-Dart gibt es ebenfalls neben dem Hauptverband Deutscher Sportautomatenverband (DSAB) wilde Ligen.
Curling und Eisstockschießen Curling und Eisstockschießen sind Wintersportarten. Auf einer Eisbahn sollen Spielsteine möglichst genau auf einem Ziel, das im Eis eingezeichnet ist, platziert werden.
Curling
180px|mini|Curlingbahn mini|180px|Winterolympiade 2006, Steinabgabe
Zwei Mannschaften zu je vier Spielern versuchen, ihre Curlingsteine näher an den Mittelpunkt eines Zielkreises auf einer Eisbahn zu spielen als die gegnerische Mannschaft. Der Stein wird dabei flach über das Spielfeld geschoben. Der gegnerischen Mannschaft ist es erlaubt, mit eigenen Steinen die gegnerischen Steine von ihren Standorten zu entfernen.
Die Steine (engl. rocks) sind rund geschliffener Granit mit einem Griff. Sie wiegen maximal 44 Pfund (19,958 kg) bei einem Durchmesser von 11 Zoll (27,94 cm). Durch die konkave Form ist die eigentliche Lauffläche nur ein Ring mit circa 6 bis 12 Millimeter Breite.
Die Spieler einer Mannschaft spielen der Reihe nach Steine. Die jeweils anderen Mitglieder wischen das Eis, um durch Antauen des Eises die Geschwindigkeit und Richtung des Steins zu beeinflussen, oder sie zeigen das Ziel an. Das Spiel folgt einer gemeinsamen Taktik, die vom Skip, dem Coach, meist nach Absprache im ganzen Team festgelegt wird.
Die Mannschaften spielen die Steine abwechselnd. Am Anfang wird ausgelost, wer beginnt bzw. das Recht des letzten Steins hat. Im weiteren Verlauf beginnt immer die Mannschaft, die den letzten Punkt gemacht hat.
Das Spielfeld besteht aus einer Eisfläche, die sorgsam präpariert wird. Das Feld ist durch Linien unterteilt, an beiden Enden befinden sich die Zielscheiben. Die Mitte, der button (Knopf), wird von Ringen umgeben, die gemäß ihrem Durchmesser als Vier-Fuß-, Acht-Fuß- und Zwölf-Fuß-Ring (1,22 Meter, 2,44 Meter und 3,66 Meter) bezeichnet werden.
Die Punktwertung richtet sich aber nicht nach der Nähe des Steins zum Button. Vielmehr zählen alle Steine am Ende eines Ends als Punkt, die näher am Button liegen als die der gegnerischen Mannschaft und mindestens den Zwölf-Fuß-Ring berühren.
Das Ende ist der Spielabschnitt, in dem alle Spieler ihre Steine spielen. Es werden in der Regel 10 Ends gespielt, bei Unentschieden wird um je ein End verlängert.
Die Präzision liegt zunächst darin, den Stein auf eine möglichst gute Position im Zielkreis, dem sogenannten Haus, oder davor zu platzieren. Bei Schuss (also dem Entfernen gegnerischer Steine) ist es ebenfalls wichtig, den gegnerischen Stein an einer präzisen Stelle zu treffen, damit dieser (und evtl. durch eine Kettenreaktion weitere Steine) nicht nur von seiner Position entfernt wird, sondern auch in eine bestimmte Richtung und eine gewünschte Entfernung verschoben wird. Auch die Verbesserung der Lage eigener Steine bedarf der Präzision.
Curling ist olympische Sportart, es werden Weltmeisterschaften, Kontinent-Meisterschaften, Landesmeisterschaften und regionale Meisterschaften ausgetragen. Der internationale Dachverband ist die World Curling Federation.
Eisstockschießen
mini|hochkant=0.6|links mini|Spielerin beim Stockschuß. (Eisstockschießen)
Auch beim Eisstockschießen bzw. Stockschießen gibt es beim Zielwettbewerb drei Zielscheiben bzw. Zielringe auf dem Eis oder dem Asphalt. Sie bestehen aus je fünf Ringen, innerhalb derer man von zwei (äußerster Ring) bis zehn Punkte (innerster Ring) erreichen kann. Beim Zielwettbewerb werden mehrere Durchgänge auf die verschiedenen Zielringe und auf Zielstöcke gespielt.
Beim Mannschaftswettbewerb, der hauptsächlich praktizierten Form, wird auf eine Daube gespielt, die am Anfang des Spiels auf das Mittelkreuz gelegt wird, aber innerhalb des Zielfeldes verschoben werden darf. Ziel ist es, die eigenen Spielsteine bzw. Stöcke näher an die Daube zu bringen als die gegnerische Mannschaft. Es gibt also nicht wie im Curling ein fixes Ziel mit Kreisen herum, sondern ein bewegliches Ziel, das sogar während eines Spielabschnitts, Kehre genannt, bei Verlassen des Zielfelds auf das Zielkreuz zurückgelegt wird. Um diese Daube bestehen im Prinzip virtuelle Kreise, an denen die einzelnen Stöcke und die Daube liegen. Die Stöcke erreichen unterschiedliche Punktzahlen.
Anders als beim Curling spielen die Mannschaften nicht abwechselnd. Es spielt immer die Mannschaft, deren bester Stock weiter von der Daube entfernt liegt. Hat eine Mannschaft keine Stöcke, spielen die anderen ihre Stöcke noch; erreichen diese das Feld nicht, gibt es Minuspunkte.
International ist Eisstockschießen in der International Federation Icestocksport organisiert. Seit 1951 gibt es Europameisterschaften. Eisstockschießen war zweimal Demonstrationswettbewerb bei den Olympischen Spielen.
Kugelspiele Kugelsportarten im engeren Sinn sind die in der Confédération Mondiale des Sports de Boules (CMSB) organisierten Sportarten. „Die C.M.S.B. wurde vom I.O.C. (Comité International Olympique) am 15. Oktober 1986 in Lausanne als Vertreter aller Kugelsportarten anerkannt.“Zitat aus Artikel auf der Seite des DPV.
Als Sammelbezeichnung für alle Kugelspiele hat sich in Deutschland der Name Boule eingebürgert, obwohl sich dies streng genommen nur auf Boule Lyonnaise bezieht.
Boule Lyonnaise
mini|Öffentliches Boulodrome in La Palmyre/Frankreich
Von den auch international gespielten französischen Kugelspielen oder Boule-Spielen ist Boule Lyonnaise (oder Jeu National, Lyonnaise, Jeu Lyonnais, heute Sport-Boules genannt) das älteste. Es entstand Ende des 19. Jahrhunderts.
Das Spielfeld ist 27,50 Meter × 3,00 Meter. Es ist an den Enden mit Banden versehen und durch Linien unterteilt. Auch für die Schießdisziplinen gibt es Spielfelder. Boule Lyonnaise wird in Formationen von 1 bis 4 Spielern gespielt. Es gibt auch in dieser Sportart den (angesagten) Schuss.
Auch hier werden die Kugeln, die am Ende einer Aufnahme näher an der Zielkugel liegen als die des Gegners als Punkte. Es wird bis 13 Punkte gespielt, es gibt aber auch ein Zeitspiel über 1:30 oder 2:00 Stunden.
Neben dem Mannschaftswettbewerb gibt es Schießwettbewerbe: Den Tir progessif (auch als Tir rapide en double, (Doppel) gespielt), bei dem es auch auf Schnelligkeit ankommt sowie die den Tir de précision, bei dem auf 11 sogenannte Bilder (in Felder gelegte Kugeln) geschossen wird.
In Deutschland ist der Deutsche Boule Verband Sektion Lyonnaise (DBLV), international ist die Fédération Internationale de Boules (F.I.B.) der Dachverband. Es gibt Welt- und Kontinentmeisterschaften, Boule Lyonnaise wird bei den World Games und bei den Mittelmeerspielen gespielt.
Jeu Provençal