Schwedt/Oder Max Mangold: Das Aussprachewörterbuch. Duden – Band 6. Dudenverlag, Mannheim/Zürich 2005, ISBN 978-3-411-04066-7. ist die einwohnerreichste Stadt im Landkreis Uckermark im Nordosten des Landes Brandenburg. Sie liegt an der Oder, die hier die Grenze zu Polen bildet, und hat die Funktion eines Mittelzentrums.

Im Jahr 2008 wurde Schwedt nach acht Nationalparkgemeinden als erster Stadt Deutschlands der Titel Nationalparkstadt verliehen, der auf den Nationalpark Unteres Odertal verweist und seit 2013 auch als offizieller Beiname der Stadt geführt wird. (PDF)

Geografie Schwedt/Oder liegt im Osten der Uckermark, einer seenreichen Landschaft zwischen unterer Oder und oberer Havel. Die Uckermark ist gekennzeichnet durch von der Eiszeit hinterlassene Grundmoränenplatten und Endmoränenhügel. Die Stadt wurde auf einer Sanderterrasse, die nur wenig über den ausgedehnten Poldern des Odertals liegt, gebaut. Am Schwedt gegenüberliegenden Ostufer der Oder erheben sich markant steile Hänge des auf polnischer Seite verlaufenden Endmoränenbogens. Zwischen der Stadt und der Oder verläuft die Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße, ein Kanal, als Teil der Havel-Oder-Wasserstraße parallel zum Grenzfluss.

Zwischen der Oder und der Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße befindet sich eine naturnahe Auenlandschaft mit einem Reichtum an Flora und Fauna, der in Mitteleuropa äußerst selten ist. Dieses Gebiet wurde 1995 zum Nationalpark Unteres Odertal erklärt.

Mit einer Fläche von rund 360 km2 gehört Schwedt/Oder zu den flächengrößten Gemeinden Deutschlands.

Nächstgelegene größere Städte im weiteren Umkreis sind Stettin jenseits der deutsch-polnischen Grenze in knapp 50 Kilometer Entfernung sowie Berlin und das ebenfalls in Polen gelegene Gorzów Wielkopolski in jeweils knapp 100 Kilometer Entfernung.

Stadtgliederung mini|Stadtansicht mini|Polderwiesen, rechts Schwedt mini|Schwedter Brücke über die „alte Oder“, Blick zum Polder im Nationalpark Unteres Odertal

Die Stadt Schwedt/Oder in folgende Orts- und Stadtteile (die Stadtteile laut Hauptsatzung).

Stadtteile Am Waldrand Kastanienallee Neue Zeit Talsand Zentrum

Ortsteile Berkholz-Meyenburg mit den Wohnplätzen Berkholz und Meyenburg Blumenhagen mit den Wohnplätzen Neue Mühle und Wildbahn (teilw. zu Hohenfelde) Briest Criewen mit dem Wohnplatz Vorwerk Felchow Flemsdorf mit dem Wohnplatz Johannishof Gatow Grünow Heinersdorf mit den Wohnplätzen Försterei Berkholz und Torfbruch Hohenfelde mit den Wohnplätzen Grenzhaus, Teerofenbrücke und Wildbahn (teilw. zu Blumenhagen) Jamikow mit dem Wohnplatz Ausbau Kummerow Kunow mit den Wohnplätzen Niederfelde und Vogelsangsruh Landin mit den Wohnplätzen Augustenhof, Hohenlandin, Julienwalde und Niederlandin Passow/Wendemark mit den Wohnplätzen Passow und Wendemark Schöneberg mit den Wohnplätzen Alt-Galow, Neu-Galow und Stützkow Schönermark Schönow Stendell mit den Wohnplätzen Kavelheide und Herrenhof Vierraden mit den Wohnplätzen Achterhöfe und Ausbau Gatow Zützen mit dem Wohnplatz Karlsberg

Zur Kernstadt Schwedt gehören des Weiteren die Wohnplätze und Siedlungen Beyerswald Kuhheide Monplaisir

Geschichte mini|Blick über die Altstadt von Schwedt

Im Umfeld von Schwedt gibt es vorgeschichtliche Besiedlungsspuren (Bronzezeit ca. 1000 v. Chr.). Germanische Stämme (Semnonen, Stammvolk der Sueben) besiedelten das Gebiet seit der Bronzezeit.

Am 23. August 1265 wurde Schwedt erstmals in der Form „Scwet“ urkundlich erwähnt. Der Name kommt aus dem Slawischen und bedeutet „Licht“. Im Jahr 1354 wurde Schwedt von Ludwig dem Römer an Pommern abgetreten und von 1428 bis 1432 an den Hofbankier der Pommernherzöge, Rule Lindstedt, für 2.400 Stettiner Pfennige verpachtet.

Frühe Neuzeit 1481 erwarb Johann I. von Hohnstein die Herrschaft Schwedt. Durch die Hohnsteins erlebte die Stadt einen ersten Aufschwung. Insbesondere wurden Straßen, Brücken und Dämme gebaut. Kurz hintereinander wurden der Oderzoll (1505) und das Stadtrecht (1513) erneuert. Vierraden erhielt nach dem Schwedter Vorbild 1515 eigenes Stadtrecht. Aber auch kirchliche Dinge wurden durchgesetzt: die Reformation und die Neuausstattung der Katharinenkirche. 1587 erneuerte man ein weiteres Mal das Stadtrecht. Mit dem Tode Martins von Hohnstein starben die thüringischen Herrscher 1609 aus, und gleichzeitig ging die erste glanzvolle Zeit Schwedts zu Ende.

Schwedt wurde auch nicht vom Dreißigjährigen Krieg verschont, da die Stadt ein wichtiger Kreuzungspunkt der Straßen von Stettin und Prenzlau nach Berlin und Frankfurt (Oder) war. In fast zwanzig Jahren wurde Schwedt 32 Mal geplündert. 1626 stellten Schwedt und Vierraden 25 bzw. neun bewaffnete Ritter mit Knechten für das Landesaufgebot. 1631 befand sich das Feldlager des schwedischen Königs Gustav Adolf bei Schwedt. 1637 wurde Schwedt wieder von kaiserlichen Söldnern besetzt. Die Schweden unter der Führung von General Banér forderten die Kapitulation, aber man gab nicht nach. So schoss der General Brandkugeln auf die Stadt, so dass sie in Flammen unterging. Zum Schluss waren es wohl nur noch 26 Bürger, die dort blieben.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg verpfändete Friedrich Wilhelm (der Große Kurfürst) – aus Geldmangel – Schwedt für 25.000 Taler an den Grafen Varrenbach. Dieser wollte aus seinem Pfandobjekt so viel Gewinn wie möglich herausholen und unterdrückte die Bevölkerung. Als der Erfolg nicht seinen Erwartungen entsprach, trat er die Herrschaft für 26.500 Taler an die zweite Gemahlin des „Großen Kurfürsten“, Dorothea, ab. Durch Kauf von weiteren Adelssitzen wurde Schwedt so groß, dass es drei Städte, drei Schlösser, 33 Dörfer und 24 Vorwerke umfasste.

mini|Schwedter Schloss, Darstellung von 1669. Das später umgebaute Schloss wurde 1945 zerstört und die Ruine 1962 gesprengt. 1972 entstand an derselben Stelle das Kulturhaus. Kurfürstin Dorothea widmete sich intensiv dem Wiederaufbau des im Dreißigjährigen Krieg beschädigten Schwedter Schlosses und der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt. So warb sie einen holländischen Fachmann an, der im Frühjahr 1686 mit den angesiedelten französischen Hugenotten die Tradition des uckermärkischen Tabakanbaus begründete. Ende des 18. Jahrhunderts war die Uckermark mit 4.400 Hektar Anbaufläche das größte zusammenhängende Tabakanbaugebiet Deutschlands. Mit drei Zigarrenmanufakturen war Tabak der wichtigste Wirtschaftsfaktor in Schwedt. Der letzte tabakverarbeitende Betrieb (VEB Rohtabak Schwedt, 1953 gegründet) wurde kurz nach der Wende 1989/1990 geschlossen und einige Jahre später vollständig abgetragen. Heute verweisen nur noch einige Tabakfelder und ungenutzte Tabakscheunen auf diese Tradition. In einer denkmalgeschützten Tabakscheune ist das Tabakmuseum im Ortsteil Vierraden mit der größten Sammlung zum Tabakanbau der Region untergebracht.

mini|Altstadt und Turm der katholischen Kirche St. Mariä Himmelfahrt Bereits im 17. Jahrhundert war jüdisches Leben in Schwedt ansässig, denn aus dieser Zeit stammt der Jüdische Friedhof im Bereich Helbigstraße/Schulweg, der sich bis in die Gegenwart erhalten hat und besichtigt werden kann.

1689 wurde Schwedt Residenz der Markgrafen von Brandenburg-Schwedt, einer Nebenlinie der Hohenzollern, 1788 erlosch diese Herrschaft.

Aufklärung Am 6. Oktober 1713 schlossen Friedrich Wilhelm I. (Preußen) und der russische General Alexander Danilowitsch Menschikow einen Friedensvertrag, nachdem Vorpommern in preußischen Besitz gelangt war.

1744 weilte die spätere Zarin Katharina II. in Schwedt.

Im Siebenjährigen Krieg drangen mehrfach russische Kosaken bis Schwedt vor.

Der letzte Markgraf Friedrich Heinrich (Brandenburg-Schwedt) (1771–1788) machte aus Schwedt eine Kulturstadt. In der Orangerie des Schwedter Schlosses richtete er eines der ersten Theater in Deutschland ein. Hier fanden die ersten Sing- und Schauspiele statt. Von der barocken Anlage ist nur noch ein Teil der Gartenanlage sowie das Jagdschloss Monplaisir erhalten.

1800 bis 1945 mini|Ehem. Zigarettenfabrik „Dieterle“ mini|Ehem. Stadtmühle und Seifenfabrik

Am 25. Juni 1812 wurden 37 jüdische Familien zu „Inländern“ erklärt.

1815 erwarb das Schwedter Dragonerregiment im Feldzug gegen Napoleon den „Schwedter Adler“ als Traditionsabzeichen (Schwedt war von 1770 bis 1937 Garnisonsstadt).

Die Schwedter Gasanstalt wurde 1865 errichtet, 1873 bekam die Stadt einen Eisenbahnanschluss (von und nach Angermünde). Der Anschluss an das Fernsprechnetz erfolgte 1893, an Kanalisation und Wassernetz 1908. Zwischen 1904 und 1932 fanden umfangreiche wasserbauliche Maßnahmen im unteren Odertal mit dem Ziel des Hochwasserschutzes, der Bereitstellung landwirtschaftlicher Nutzfläche und der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße statt.

Schwedter Juden errichteten 1862 an der Harlanstraße 1 eine Synagoge. Die Nationalsozialisten plünderten die Synagoge am 9. November 1938. Wegen der Gefahr für die umliegenden Häuser wurde sie von den Nationalsozialisten nicht in Brand gesetzt. Die Juden mussten sie schließen. Wenig später rissen die Nationalsozialisten sie ab. 1868 wurde eine Mikwe in der Gartenstraße hinter der Stadtmauer gebaut, die nach ihrer Verschüttung 1993 wieder zugänglich gemacht wurde.Brigitte Heidenhain: Juden aus Schwedt – Ihr Leben in der Stadt von 1672 bis 1942 und ihr Friedhof. Universitätsverlag Potsdam, Potsdam 2010, ISBN 978-3-86956-050-2 (Online).

Im Ersten Weltkrieg hatte Schwedt 240 Gefallene zu beklagen.

Ende des Zweiten Weltkrieges Am Ende des Zweiten Weltkrieges war Schwedt über zwei Monate lang heftig umkämpft. SS-Obersturmbannführer Otto Skorzeny wurde hier eingesetzt. Am 31. Januar 1945 bildete er mit einigen zusammengewürfelten Verbänden östlich der Oder um Niederkränig einen Brückenkopf. Von dort sollte später eine Gegenoffensive gegen die Rote Armee eingeleitet werden, die jedoch nie zustande kam. Skorzeny wurde am 28. Februar 1945 abgelöst. In den letzten Tagen wurde Schwedt zur Festung erklärt. Skorzenys Nachfolger musste die Festung und Brückenkopf am 3. März 1945 aufgeben.Otto Skorzeny: Meine Kommandounternehmen. 3. Auflage. Limes Verlag, Wiesbaden/München 1977, ISBN 3-8090-2100-8, S. 379 ff. Am 26. April 1945 nahm die Rote Armee Schwedt ein. Im Ergebnis der heftigen Kämpfe wurde die Stadt zu 85 Prozent zerstört; das Schloss war ausgebrannt und die Kanalbrücke gesprengt.

Nach 1945 mini|Bau eines Arbeiterwohnheimes hinter den alten Häusern (1964) mini|Blick vom Markt in Richtung Raffinerie mini|Plattenbauten am ehemaligen Schillerring im Stadtteil Waldrand kurz vor dem Abriss